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06.04.2018

Das BMF bei der NA­TO

In der achten Folge unserer Reihe BMF-Weltweit gibt uns Dr. Christian Widmaier einen Einblick in seinen Arbeitsalltag an der deutschen Vertretung bei der NATO (North Atlantic Treaty Organization) in Brüssel. Im Referat Zivilhaushalt beschäftigt er sich insbesondere mit der Finanzierung und Kostenkontrolle beim Bau des neuen NATO-Hauptquartiers.

BMF-Weltweit: Standort Brüssel
Quelle:  iStock/Fotolia

Der Themenschwerpunkt der deutschen NATO-Vertretung ist die internationale Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Daneben ist Deutschland in der NATO auch mit einer militärischen Repräsentanz vertreten.

In der Vertretung beschäftigt sich Dr. Christian Widmaier im Referat Zivilhaushalt mit dem Haushalt, dem Neubau des NATO-Hauptquartiers und dem NATO-Dienstrecht. Das Referat vertritt Deutschland u. a. im Haushaltsausschuss für zivile Angelegenheiten. Der Zivilhaushalt ist der politische Haushalt des Generalsekretärs; er spiegelt alle politischen Aktivitäten der Allianz wider und umfasst sämtlichen Aktivitäten des zivilen NATO-Hauptquartiers wie z. B. Personal- und Pensionskosten, den Betrieb der beiden Hauptquartiere, Investitionen, Programme, zivile Beiträge zu Operationen und Missionen. Die Finanzierung und Kostenkontrolle des Baus des neuen NATO-Hauptquartiers ist eine weitere wichtige Aufgabe der Arbeitseinheit.

Die Sicherheits- und Verteidigungspolitik gewinnt angesichts der angespannten internationalen Sicherheitslage zunehmend an Bedeutung. Dies gilt nicht nur operationell im Rahmen der Aktivitäten, Missionen und Operationen des Bündnisses, sondern auch finanziell im Zusammenhang mit dem Beschluss des Bündnisses, die Verteidigungsausgaben anzuheben. Dr. Christian Widmaier ist Mitarbeiter in der deutschen NATO-Vertretung und gestaltet diese Entwicklung in seinem Zuständigkeitsbereich aktiv mit.

Interview mit Dr. Christian Widmaier

Dies ist nicht mein erster Auslandsaufenthalt. Schon in der Schule nahm ich sehr früh an mehreren Schüleraustauschen mit Frankreich teil. Nach Studium in Berlin (Politik- und Rechtswissenschaften) und Berufsstart (Bundestag, Bundeskanzleramt) wechselte ich ins BMF. Dort reaktivierte ich meine „Frankophilität“ und nahm an einem der regelmäßig stattfindenden deutsch-französischen Seminaren der beiden Finanzministerien teil.

Nach einem ersten Aufenthalt in Brüssel, bei dem ich für die EU-Kommission tätig war, arbeitete ich anschließend für zwei Jahre als Austauschbeamter im französischen Finanzministerium in Paris. Zurück in Berlin wechselte ich im BMF in die Abteilung, die insbesondere den Bundeshaushalt aufstellt. Ich nahm hier z. B. an mehreren Missionen des IWF zu Fragen rund um den Staatshaushalt in Griechenland teil und verfasste auch ein entsprechendes Gutachten für Vietnam.

Ich hatte meinen jetzigen Posten bei der NATO in Brüssel schon einige Zeit im Auge, habe mich jedoch erst im letzten Jahr beworben. Die intensive Beschäftigung u. a. mit den Etats von BMVg und AA führte fast zwangsläufig zu meiner jetzigen Tätigkeit, da hier alle drei Bereiche (Haushalts-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik) im Fokus stehen. Trotzdem war ich natürlich sehr froh und dankbar, dass ich ausgewählt wurde.

Wir wohnen in einem Vorort, den ich „Germantown“ nenne, weil dort durch die Nähe zur deutschen Schule viele deutsche Familien wohnen. Manche mögen dies vielleicht nicht so sehr, die vielen Kontaktmöglichkeiten erleichtern die Eingewöhnung jedoch sehr.

Zudem ist die NATO sehr schnell zu erreichen, ebenso die Brüsseler Innenstadt mit ihrem vielfältigen kulturellen Angebot. Die berühmten belgischen Pommes Frites und die Schokolade gibt es ohnehin überall...Und ein Besuch im Atomium, dem Wahrzeichen der Stadt, ist natürlich ein „Muss“!

Es ist nicht schwer, in Brüssel eine Wohnung oder ein Haus zu finden, es ist aber nicht einfach, etwas zu finden, was dem deutschen Standard entspricht. Dies erfordert etwas Geduld – und ein bisschen Glück.

Ich beschäftige mich derzeit vor allem mit dem NATO-Zivilhaushalt und der Finanzierung des neuen Hauptquartiers. Hierzu vertrete ich Deutschland in verschiedenen Ausschüssen. Deren Sitzungen geben die Grundstruktur meiner Arbeitswoche vor, da sie vor- und nachbereitet werden müssen. Sehr zeitaufwändig ist die vorherige Koordinierung mit den anderen Nationen. Gleichzeitig müssen auch die Weisungen aus Berlin für die Sitzungen eingeholt werden und im Anschluss an die Sitzungen berichte ich über die Inhalte. Hinzu kommen noch regelmäßige interne Besprechungen mit den Kollegen in der Vertretung.

Mir fällt hier etwas eher Unspektakuläres ein: Ich finde es jedes Mal aufs Neue spannend, zusammen mit meinen Kollegen aus all den anderen Mitgliedstaaten einen Konsens zu einem Thema zu finden. Die Bedeutung der Themen ist manchmal größer, manchmal kleiner. Dennoch wird stets intensiv um einen Kompromiss gerungen. Dies ist manchmal etwas mühsam, aber wenn es geschafft ist, umso zufriedenstellender.

Deutschland als einem der größten NATO-Beitragszahler kommt hierbei eine herausgehobene Bedeutung zu. Diese Verantwortung sowie die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung von Frieden und Sicherheit in der Welt mitzuarbeiten, erfüllt mich immer wieder mit Stolz und Dankbarkeit.

Mit dieser Frage beschäftige ich mich derzeit noch nicht, da ich meinen Posten erst vor einem guten halben Jahr übernommen habe.
Zur Zeit voll und ganz Brüssel, Berlin aber immer wieder gerne!

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