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16.08.2018

Das BMF bei der deut­schen Bot­schaft in Neu Del­hi

Der indische Subkontinent macht eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durch. Wegen seines starken Wachstums, der von der Regierung umgesetzten Strukturreformen, aber auch durch seine hohe Einwohnerzahl zählt Indien in absehbarer Zukunft neben China und den USA zu den größten Volkswirtschaften weltweit. Für das BMF beobachtet unser an die deutsche Botschaft in Neu Delhi abgeordnete Kollege Wolfgang Hornig die Entwicklung vor Ort.

BMF-Weltweit: Standort Neu Delhi
Quelle:  iStock/Fotolia

Die Botschaft in Neu Delhi hat 180 Mitarbeiter, darunter 70 Deutsche. Die Bundesressorts sind dort zahlreich mit eigenen Referenten vertreten, welche Bereiche wie Wirtschaft, Finanzen, Verkehr, Landwirtschaft, Arbeit und Soziales, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kultur, Umwelt, Bundespolizei, Militär und Bundeskriminalamt abdecken.

Von unserem Finanzreferenten Wolfgang Hornig erhalten wir regelmäßig aktuelle Informationen zur indischen Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie zu allgemeinen politischen Themen, die einen guten und aktuellen Überblick über die Situation auf diesem Subkontinent mit 1,3 Milliarden Einwohnern geben. Aufgrund der Größe des Landes und der Bevölkerungszahl, aber auch aufgrund eines starken Wirtschaftswachstums und struktureller Reformen der Regierung ist absehbar, dass Indien in einigen Jahren hinter China und den USA den dritten Platz unten den größten Volkswirtschaften einnehmen wird. Ausländische Investitionen haben stark zugenommen und der IWF hat in seinem letzten Evaluierungsbericht darauf hingewiesen, dass Indien inzwischen mit 15 % am weltweiten Wachstum beteiligt ist. Korruption und Geldwäsche, die Steuer- und Fiskalpolitik sowie die Geld- und Finanzmarktpolitik sind daher wichtige Bereiche für den Finanzreferenten.

Interview mit Wolfgang Hornig

Ich bin Jurist und arbeite seit 1990 für das BMF. Insgesamt war ich 14 Jahre lang im internationalen Bereich tätig, und zwar überwiegend mit internationalen Zollangelegenheiten befasst. Aber ich war auch fünf Jahre in der Haushaltsabteilung.
Die Stelle war ausgeschrieben und ich habe mich darauf beworben. Nach der Zusage hatte ich nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken, denn es gibt 1.000 Dinge zu erledigen, die mit dem Dienstortwechsel und der neuen Tätigkeit unweigerlich auf einen zukommen. Mich hat die Position als Finanzreferent in Indien deshalb sehr interessiert, weil ich mich schon immer für Indien interessiert hatte und dies die letzte Aufgabe ist, die ich vor meiner Pensionierung übernehme – also ein i-Tüpfelchen am Ende meines Berufslebens.
Ich wohne sehr zentral, aber dennoch in einem ruhigen und vor allem grünen Wohngebiet. Generell ist es für Diplomaten nicht sehr schwer, in Neu Delhi eine Wohnung zu finden. Der Wohnungsmarkt ist groß, allerdings sind die Mieten hoch. Man kann zentral eine gute Wohnung finden oder am Stadtrand ein sogenanntes Farmhaus mit Swimming Pool mieten. Ich habe mich wegen der Nähe zur Botschaft für die zentrale Lage entschieden, da der Autoverkehr in der Stadt alle Dimensionen sprengt.

Ich bin der erste Finanzreferent an der Botschaft. Meine Vorgänger waren bisher in Mumbai am Generalkonsulat tätig. In Indien ist es besonders wichtig, direkte Kontakte zu knüpfen, darum muss man auf die indischen Kolleginnen und Kollegen in den Ministerien und Think Tanks zugehen, aber auch auf die Kolleginnen und Kollegen in den anderen Botschaften und internationalen Institutionen, wie z.B. im Büro des IWF, in der Repräsentanz der Weltbank und natürlich in der EU-Delegation. Gerade mit letzterer besteht häufiger Austausch.

Am Anfang ist das eine „Türöffner-Funktion“, bis sich die wichtigsten Ansprechpartner herauskristallisiert haben. Mein Arbeitstag beginnt morgens um acht Uhr, in Deutschland ist es zu der Zeit noch Nacht, also vier Stunden früher. Es folgt kurz eine Pressedurchsicht, drei Mal in der Woche Briefing in der Runde des Botschafters und das übliche Sichten des zahlreichen E-Mail-Eingangs. Man muss hier Spreu vom Weizen trennen, die Themen sind sehr vielseitig und sie wechseln schnell. Ebenso ist es wichtig, ein Auge auf den Arbeitsplatz der Person zu haben, mit der man sich gegenseitig vertritt. Es gibt in der Botschaft viele Veranstaltungen mit Wirtschaftsbezug sowie viele Einladungen von indischer Seite zu Konferenzen und Informationsveranstaltungen. Indien ist im Umbruch, auf dem Weg zur Modernisierung und Transformation. Aber auch das Privatleben bedarf der ständigen Organisation, und dies ist nicht so einfach wie in Deutschland; in Indien ticken die Uhren etwas anders, die Mentalität der Menschen ist eine andere.

Einer der Höhepunkte war ganz sicher die Bargeldumtauschaktion Ende 2016, als ca. 98 % des im Umlauf befindlichen Bargeldes über Nacht für ungültig erklärt wurde. Man wacht morgens auf und das Geld im Portemonnaie ist nichts mehr wert, bzw. musste man es in neue Scheine umtauschen, die es aber noch nicht in ausreichendem Maße gab. Die Geldautomaten waren lange leer oder nicht funktionsfähig. Hier war monatelanges Improvisieren angesagt, denn Bargeld ist in Indien noch immer das wichtigste Zahlungsmittel.
Meine Zeit in Indien endet im Oktober 2019, dann gehe ich in den (Un-)Ruhestand. Ich möchte die Zeit in Delhi nicht missen, auch wenn es nicht immer einfach war und ist. Die Temperaturen können von Mai bis Juli auf an die 50 Grad ansteigen, dann kommt der Monsun und mit ihm Schwüle und die Moskitos; die Winter sind eher kühl, und der Smog im Winter ist der weltweit schlimmste. Allerdings hat man hier mehr Urlaub, den man üblicherweise außerhalb Neu Delhis verbringt.
Nach drei bis vier Jahren Neu Delhi sollte man Berlin allein schon der Gesundheit wegen den Vorzug geben. Aber wie gesagt, Indien ist eine wirkliche Erfahrung! Ich möchte sie nicht missen.

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