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26.01.2018

Das BMF bei der deut­schen Bot­schaft in Pa­ris

Vor 55 Jahren unterzeichneten der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag und legten damit die Grundlage der deutsch-französischen Freundschaft. Beide Länder vereinbarten darin eine tiefgreifende Zusammenarbeit in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen. Christian Dahlhaus pflegt diese einzigartige Partnerschaft für das BMF in Paris.

BMF-Weltweit: Standorte des Bundesfinzanzministeriums
Quelle:  iStock/Fotolia

Um der Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft auch weiterhin Rechnung zu tragen, hat das BMF im Frühjahr 2017 an der deutschen Botschaft Paris eine Referatsleiterstelle für Finanzen geschaffen. Christian Dahlhaus besetzt diese wichtige Position für das BMF. Das Finanzreferat besteht aus insgesamt vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deckt neben den Finanzfragen auch die Bereiche Steuern und Zoll ab.

Die deutsche Botschaft Paris ist in Europa eine der bedeutendsten bilateralen Vertretungen. Sie wird von Botschafter Dr. Nikolaus Meyer-Landrut geleitet. Die Botschaft hat 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gliedert sich in folgende Abteilungen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Rechts- und Konsularwesen und einen Militärattachéstab. Das Finanzreferat gehört zur Wirtschaftsabteilung, in der insgesamt 12 Kolleginnen und Kollegen aus vier Ministerien arbeiten.

Zu den Aufgaben des Finanzreferats gehört die Analyse der französischen Finanz-, Haushalts- und Steuerpolitik sowie der Konjunkturentwicklung in Frankreich. Insbesondere über die Initiativen der neuen französischen Regierung besteht in der Bundesregierung ein erhöhter Informationsbedarf. Hierzu pflegt das Finanzreferat intensive bilaterale Kontakte zu den französischen Ministerien und Behörden, zu Vertretern des Finanzsektors, der Banque de France, zum französischen Statistikamt sowie zu unabhängigen Forschungsinstituten und Think Tanks. Es verfolgt zudem die Wirtschaftsentwicklung in der EU und Eurozone.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der inhaltlichen sowie logistischen Vorbereitung von Besuchen von Bundestagsabgeordneten und hochrangigen Regierungs- und Ministerialvertretern.

Um im Austausch mit den französischen Partnern gemeinsam inhaltlich zu arbeiten, den Ideenaustausch zu pflegen sowie Projekte voranzubringen, organisiert das Finanzreferat Seminare und Diskussionsveranstaltungen; in 2017 u.a. zur Bedeutung des Europäischen Binnenmarkts sowie zur Zukunft der Wirtschafts- und Währungsunion.

Darüber hinaus versteht sich das Finanzreferat als kompetenter Ansprechpartner für die französischen Behörden und unterstützt diese in allen Fragen der bilateralen Zusammenarbeit im Finanz-, Steuer- und Zollbereich.

Interview mit Christian Dahlhaus

Durch mein Studium der Volkswirtschaftslehre in England, Irland und den USA habe ich mich schon früh für internationale Wirtschaftsbeziehungen interessiert. Auch durch eine anschließende dreijährige Tätigkeit bei der Europäischen Kommission in Brüssel fühlte ich mich der europäischen Integration immer sehr verbunden. Ab 1998 konnte ich meine Erfahrungen dann in der Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums, die dann in Teilen 1999 ins Bundesfinanzministerium ging, einbringen, wo ich schwerpunktmäßig in der Europaabteilung tätig war.

Es folgten dann auch Auslandsposten als deutscher Austauschbeamter im Schatzamt des französischen Wirtschafts- und Finanzministeriums in Paris und als Senior Adviser des deutschen Exekutivdirektors beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Mit diesen Erfahrungen erwies es sich als logische Konsequenz, mich auf die neugeschaffene Referatsleiterstelle an der Deutschen Botschaft in Paris zu bewerben.
Es hat mir immer große Freude bereitet, im europäischen und internationalen Kontext zu arbeiten. Als ich im Februar 2017 erfahren habe, dass ich die Stelle in Paris bekomme, stieg meine Vorfreude, da die anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich viele neue Herausforderungen gerade für die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich mit sich bringen würde.

Um bei diesen historischen Ereignissen nah am Puls zu sein, begann ich bereits im April 2017 meine Tätigkeit in Paris. Die ersten Monate waren sehr aufregend und interessant. Seit meine Familie dann im Sommer nachgezogen ist, kann ich nicht nur meine neue Stelle, sondern auch etwas mehr Paris und seine Möglichkeiten genießen. Unsere Kinder spielen inzwischen in französischen Vereinen Fußball und Tischtennis und wir fühlen uns hier in Frankreich sehr wohl.
Wir wohnen in einem zauberhaften Vorort von Paris, der durch seine Hanglage einen Blick auf den Eiffelturm ermöglicht. Ich hatte großes Glück, dass ich unsere neue Wohnung von einem Kollegen an der Deutschen Botschaft übernehmen konnte.

Unser neues Zuhause bietet einem den familiären Rahmen eines Vorortes und trotzdem die Möglichkeit Paris intensiv zu erleben. Paris mit Eiffelturm, Louvre, Tuilerien, Notre Dame, Sacré-Coeur und dem charakteristischen durch Haussmann geprägten Stil des Straßen- und Stadtbilds, ist eine der schönsten Besucherstädte der Welt.

Sie sticht nicht nur heraus durch die große Vielfalt und Qualität der Museen, sondern lässt einem auch das „savoir-vivre“ Frankreichs jeden Tag aufs Neue spüren.
Direkt nach dem Aufstehen steht zunächst die Zeitungslektüre der wichtigsten französischen Tageszeitungen an, bevor ich mich nach dem Frühstück mit dem Fahrrad zur Arbeit aufmache.

Der Winter in Paris ist vergleichsweise mild, aber dennoch regenreich, so dass ich natürlich auch ab und zu mit der Metro zur Arbeit fahre, die Verkehrsanbindungen sind aber hier in Paris auch von den Vororten gut.

Aufgrund des politischen Wandels, beschäftigen wir uns natürlich vorrangig mit Themen des neuen Regierungsprogramms. Um diese für Berlin möglichst gut zu durchdringen, pflegen wir vielfältige Kontakte zu den wichtigsten Regierungsstellen, Ministerien und Forschungsinstituten.
Darüber hinaus organisiert das Finanzreferat Veranstaltungen zu finanz- und europapolitischen Fragestellungen. In diesem Zusammenhang habe ich eine Veranstaltung zum Thema „Zukunft der Wirtschafts- und Währungsunion“ organisiert.

Wir hofften auf etwa 15 Teilnehmer, dazu luden wir 27 hochrangige Teilnehmer (Professoren, Abteilungsleiter von Ministerien und Leiter von Forschungsinstituten) ein. Zu unserer großen Überraschung sagten alle zu und wir hatten eine fruchtbare und belebte Veranstaltung. Dies unterstreicht, welcher Stellenwert den deutsch-französischen Beziehungen beigemessen wird.

Zu den finanzpolitischen Terminen begleite ich auch den Deutschen Botschafter, Dr. Meyer-Landrut, was mir immer eine besondere Ehre und Freude ist, da er in Frankreich ein sehr geschätzter und mit unseren Sachverhalten vertrauter Vertreter Deutschlands ist und man spürt, wie sehr ihm das deutsch-französische Verhältnis am Herzen liegt.
Nach voraussichtlich drei Jahren endet meine Dienstzeit in Paris. Mit großer Freude kehre ich dann nach Berlin zurück und übernehme dort gerne als Referatsleiter im BMF neue Verantwortung. Ich bin mir sicher, dass ich auch in meinen zukünftigen beruflichen Stationen, sei es in Berlin oder irgendwann vielleicht sogar noch einmal auf einem anderen Auslandsposten, die erworbenen Kenntnisse und Kontakte in Paris gewinnbringend für das BMF einbringen kann.
Auch wenn Paris eine historisch-lebendige Stadt ist, so schlägt mein Herz doch für Berlin. Ich kenne keine Stadt, die sich jeden Tag neu erfindet, so vielfältig ist, ein entspanntes städtisches Leben im Grünen erlaubt, ein kulturelles Angebot von so herausragender Qualität bietet.

Insbesondere freue ich mich darauf, in meinem Orchester wieder mitspielen zu können und zu lieb gewonnenen Freunden zurückzukehren.

Vielen Dank Herr Dahlhaus für die interessanten Einblicke in Ihr Leben in Paris. Au revoir.


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