Schnell und passend auf neue Entwicklungen reagieren zu können, gehört zur Arbeit in der Steuerverwaltung dazu. Denn nicht nur durch die Fülle und Schnelllebigkeit des Steuerrechts veraltet der steuerfachliche Wissensvorrat, den man sich anfänglich mal angelegt hat, mitunter schnell. Auch die sogenannten „Megatrends“ wie Globalisierung, Digitalisierung, Klimakrise und demografischer Wandel durchdringen alle Lebensbereiche, setzen hochkomplexe Prozesse in Gang und verändern bisher bekannte Strukturen. Erwartungsgemäß machen sie auch vor den Steuerverwaltungen nicht Halt. Wie rasant umfassende Veränderungen stattfinden können, hat nicht zuletzt die weltumspannende Corona-Krise gezeigt.

Ausbildung mit Fokus auf Kompetenzerwerb

Als Resultat dieser dynamischen Entwicklungen bewegen sich auch die Steuerbeamt*innen immer öfter auf unbekanntem Terrain. Die Automatisierung schreitet schnell voran und führt dazu, dass immer mehr Steuerfälle maschinell bearbeitet werden. Die Finanzbehörden haben sich zunehmend auf die schwierigen Fälle zu konzentrieren. Dafür müssen sie komplexe Sachverhalte in kurzer Zeit durchdringen. Beschleunigte Verfahren und knapper werdende Ressourcen machen Spezialisierung und arbeitsteiliges Zusammenarbeiten nötig, auch über Ländergrenzen hinweg.

Häufig reichen das einst in der Ausbildung erworbene steuerfachliche Wissen und die gewohnten Methoden nicht mehr aus, um bei dem gegenwärtigen Veränderungstempo auf Augenhöhe mit anderen Akteuren mit zu halten. In der Ausbildung wird daher künftig eine neue Schwerpunktsetzung notwendig sein. Die steuerfachliche Kompetenz ist nicht mehr der maßgebliche zentrale Faktor. Vielmehr geht es darum diese mit anderen Kompetenzen - wie etwa der methodischen, sozialen, personalen und digitalen - in eine umfassende Handlungskompetenz zu integrieren. Auf eine kurze Formel gebracht: Zum „Gewusst, was“ muss das „Gewusst, wie“ hinzutreten und das nicht abstrakt, sondern immer konkret am Beispiel einer beruflichen Anforderungssituation. Diesen Ansatz verfolgt die BFA mit der kompetenzorientierten Ausbildung. Durch das Zusammenwirken verschiedener Fertigkeiten soll die Handlungsfähigkeit der Führungskräfte weiter gestärkt und die Grundlagen für deren Vervollkommnung gelegt werden. Im Hinblick darauf unterstützt die BFA die Führungskräfte der Steuerverwaltungen über die Phase des Berufseinstiegs hinaus ein Berufsleben lang mit einem großen Angebot an Fortbildungen, Seminaren oder Workshops. Führungskräfte sollen die an sie gestellten hohen Anforderungen erfüllen. Dabei kommt es auch entscheidend darauf an, Entwicklungen aktiv mitzugestalten und Verantwortung für eine gelingende Zukunft zu übernehmen. Ganz nach dem Leitspruch der BFA: „Vivant Sequentes“ – zum Wohle der Nachfolgenden.   

Zukunft des Lernens als „Blended Learning

Wie auch bei anderen Bildungseinrichtungen ist die Digitalisierung des Lernens und der Lehre in der BFA nicht mehr wegzudenken. Durch die Corona-Pandemie hat dieser Prozess einen Boom erfahren: Von einem Tag auf den anderen fanden sich nicht nur viele Beschäftigte im Homeoffice wieder, auch Präsenzveranstaltungen konnten nicht mehr stattfinden. Bereits mit Beginn des ersten Lockdowns stellte die BFA deshalb auf Online-Veranstaltungen um. Keine leichte Aufgabe, schließlich führt die BFA im „Normalbetrieb“ jährlich Veranstaltungen für fast 9.000 Personen durch. Die gute Resonanz auf die Onlinekurse führt nun dazu, dass die BFA bereits an einem Konzept zum „Blended Learning“ arbeitet: In einem geschickten Mix der Methoden und Inhalte sollen die Vorteile der Präsenzlehre mit denen der digitalen Lehre kombiniert werden. Auch insoweit wird die BFA der Erwartung gerecht, bei Bildungsfragen in der Steuerverwaltung eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Neue Herausforderungen und neue Lösungen

Die Funktionsfähigkeit der Steuerverwaltungen ist aufgrund der hohen Bedeutung eines verlässlichen Steueraufkommens ausschlaggebend für den Bestand und die nachhaltige Entwicklung des Staates. Außer Frage steht aber, dass den Steuerverwaltungen große Veränderungen bevorstehen. Damit werden diese aber nicht alleine gelassen. Die BFA begleitet Arbeitseinheiten oder auch ganze Verwaltungen bei den notwendigen Transformationsprozessen und unterstützt die Einführung neuer Methoden und effizienterer Formen der Zusammenarbeit. Dazu zählen beispielsweise maßgeschneiderte Veranstaltungen und Workshops zum agilen Arbeiten oder zur Teamentwicklung. Zum Einsatz kommen auch innovative Methoden wie LEGO® Serious Play® (ernsthaftes Spielen) und demnächst mit dem sogenannten Innovation Lab auch ein Experimentierraum, in dem gemeinsam kreativ an Strategien und Problemlösungen gearbeitet werden kann. Diese bewährten Konzepte aus der Wirtschaftswelt werden von der BFA an die besonderen Rahmenbedingungen und Anforderungen der Steuerverwaltung angepasst. Dass sie funktionieren, davon konnten sich z. B. die Teilnehmer*innen der vom Bayerischen Landesamt für Steuern ausgerichteten „Zukunftskonferenz der Steuerverwaltung“ überzeugen.

Modernisierung nach Innen und nach Außen Förderung von und Unterstützung bei strukturellen Veränderungen in der Steuerverwaltung sind zentrale Antreiber für die BFA. Als Bildungseinrichtung und als zentrale bundesweite Plattform für die Steuerverwaltungen baut die BFA damit an der Zukunft. Das lässt sich bei aller sonst gebotenen Bescheidenheit in der Verwaltung für die BFA mit Fug und Recht behaupten.