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14.01.2020

Nut­zung von Wirt­schafts­da­ten­ban­ken in der Fi­nanz­ver­wal­tung un­ter dem Blick­win­kel des Ri­si­ko­ma­na­ge­ments

ARES Bundesfinanzakademie
Quelle:  Bundesfinanzakademie

Die seit Jahren bestehenden Einsatzmöglichkeiten von Wirtschaftsdatenbanken wurden seitens der Finanzverwaltung in letzter Zeit deutlich erweitert. Die vielfältigen und teilweise noch unbekannten Nutzungsmöglichkeiten solcher Instrumente werden nachfolgend näher beschrieben und sollen bei entsprechendem Bedarf Gegenstand von Schulungsmaßnahmen seitens der Bundesfinanzakademie werden.

Die Bereitstellung aufbereiteter Firmen- und Unternehmensdaten durch Anbieter von Wirtschaftsdatenbanken spielte bisher bei der sog. Verrechnungspreisprüfung der Auslandsfachprüfer sowie im Bereich der Prüfungsdienste eine Rolle. Der Einsatzbereich lag u. a.

  • in der Aufstellung und bei dem Abgleich von Konzernübersichten,
  • der Feststellung von Unternehmensstrukturen sowie bei der
  • Prüfungsvorbereitung und –durchführung, z.B. zur Durchführung von äußeren Betriebsvergleichen, der Prüfung von Verrechnungspreisen oder bei Prüfungen von Sachverhalten mit Auslandsbezug.

Gerade im Bereich der Außenprüfung spielen Datenbanken eine wichtige Rolle im Bereich der Vorbereitung und Durchführung der Prüfung von Groß- und Konzernbetrieben und den hierbei regelmäßig auftretenden Fragen zu Auslandssachverhalten. Die Datenbanken liefern jedoch eine Vielzahl von Informationen, welche weit über den bisherigen Umfang hinaus auch von anderen Stellen innerhalb der Finanzbehörden genutzt werden und genutzt werden können. Sie beinhalten u.a. Informationen zu allgemeinen Unternehmensdaten und Tätigkeitsbeschreibungen, Gesellschaftsstrukturen sowie zu Bilanz- und GuV-Daten.

Die entsprechenden Daten können gezielt zu Unternehmen aus einzelnen Ländern, Wirtschaftszonen sowie weltweit abgerufen und zueinander in Relation gesetzt werden.
Den Steueraufsichtsstellen der Länder, z.B. ARES aus NRW, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Diese übernehmen u.a. die der Steuerfahndung zugewiesene Aufgabe zur Aufdeckung und Ermittlung unbekannter Steuerfälle gem. § 208 Abs. 1 Nr. 3 AO.

Die verschiedenen Datenbanken und Datenbankmodule haben unterschiedliche Informationen und Stärken, die für unterschiedliche Aufgaben genutzt werden können. Erwähnenswert sind die Schnittstellen zum Handelsregister sowie elektronische Auswertungsmöglichkeiten der bundesweit oder weltweit veröffentlichten Finanzdaten und Beteiligungsstrukturen, durch die sich Ansätze zum gezielten Fallaufgriff ergeben.

Zudem besteht die generelle Möglichkeit ein „anderes“ externes Risikomanagement zu implementieren wie bspw. eine elektronisch unterstützte Überwachung von Fristen. Eine denkbare Anwendung bestünde hier im Bereich der Fristüberwachungen von Steuerbefreiungen gem. §§ 5, 6 GrEStG. ARES prüft z.Zt. in einem Projekt inwieweit dieser Ansatz erfolgversprechend ist. Möglicherweise werden sich auch andere Steueraufsichten an diesem Projekt beteiligen. Die elektronische Überwachung anderer Fristen, die z.B. an Behaltenszeiten von Beteiligungen geknüpft sind, könnte ebenfalls in Betracht gezogen werden.

Die Nutzung von Wirtschaftsdatenbanken ist in unterschiedlichsten rechtlichen Bereichen und verschiedenen Aufgabengebieten der Finanzverwaltung sinnvoll. Die nachfolgend aufgeführten Anwendungsmöglichkeiten stehen lediglich beispielhaft für weitere zahlreiche Einsatzbereiche:

Aufdeckung von körperschaftsteuerlichen Streubesitzbeteiligungen nach § 8b Abs. 4 KStG

  • Versagung des Verlustabzuges bei Körperschaften nach § 8c KStG
  • Versagung des gewerbesteuerlichen Verlustes nach § 10a GewStG
  • Überprüfung von Grunderwerbsteuertatbeständen sowie Aufdeckung von unbekann-ten Steuerfällen u.a. bei „Auslandssachverhalten“;
  • Umsatzsteuerbetrugsbekämpfung
  • Auswertung von Bilanzansätzen sowie Werten aus der GuV
  • Abgleich von Konzernstrukturen und Konzernverzeichnissen sowie darüber hinaus all-gemeines Einsatzinstrument bei der Planung und Durchführung von Betriebsprüfun-gen; auch bei internationalen Betriebsprüfungen (sogenannte Joint Audits)
  • Hilfestellung bei umwandlungssteuerrechtlichen Sachverhalten
  • Ermittlung von Vollstreckungsmöglichkeiten
  • Aufdeckung von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften (z.B. § 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e) EStG)
  • Überprüfung von Tatbestandsmerkmalen nach § 17 EStG
  • Überprüfung von lohnsteuerlich relevanten Sachverhalten wie bspw. Angaben zum Geschäftsführergehalt
  • Pflege der Grunddaten
  • Aufdeckung von unbekannten Steuerfällen durch die Steueraufsichtsstellen
  • Hilfsmittel für die Steuerfahndung
  • Abschätzung von Auswirkungen bezüglich geplanter Gesetzesänderungen

Orientiert am Vorbild Österreichs bietet sich daher die zukünftige verstärkte Einbindung von Informationen aus Wirtschaftsdatenbanken in den Workflow als eine Nutzungsmöglichkeit an.
Die Bundesfinanzakademie möchte diesen Prozess unterstützen und plant im Rahmen von Schulungen die Vorstellung und Handhabung solcher Datenbanken, um auf die vielfältigen Möglichkeiten aufmerksam zu machen.