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09.12.2010

Die Ent­wick­lung des steu­er­be­ra­ten­den Be­ru­fes

Die Einholung und Erteilung von steuerlichem Rat ist wohl so alt wie die Besteuerung selbst. Ein spezialisierter, selbständig ausgeübter Steuerberaterberuf bildete sich in Deutschland seit Beginn des 20. Jh. heraus. Die Durchsetzung der allgemeinen Deklarationspflicht gegen Ende des 19. Jh. sowie der steile Anstieg der steuerlichen Belastung im Ersten Weltkrieg und nach der Erzbergerschen Steuerreform 1919/20 erhöhten spürbar die Nachfrage nach qualifizierter Beratung in Steuerfragen.

In der Weimarer Republik konnte der Beruf im Rahmen der Gewerbeordnung von jedermann ausgeübt werden. Die besondere Zulassungspflicht für Steuerberater wurde 1933 eingeführt, wobei Juden und Personen, die sich im kommunistischen Sinn betätigt haben, eine Zulassung nicht erteilt werden durfte. 1935 wurde mit dem Helfer in Steuersachen ein zweiter zulassungspflichtiger Beruf eingeführt. Bis 1945 gab es ständige staatliche Versuche, aus den steuerberatenden Berufen einen verlängerten Arm der Finanzverwaltung zu machen.

Nach 1945 kam es in den westdeutschen Ländern zu einer erheblichen Zersplitterung des Berufsrechts und zu uneinheitlichen Organisationsformen. Das nach schwierigen Vorarbeiten zustandegekommene Steuerberatungsgesetz von 1961 brachte neben einem einheitlichen Berufsrecht die Selbstverwaltung in der Form von Kammern. 1972 wurde der steuerberatende Einheitsberuf geschaffen.

In der DDR war der steuerberatende Beruf infolge von staatlichen Repressionen allmählich abgestorben. Mit der politischen Wende von 1989 nahm er im Osten Deutschlands einen neuen Aufschwung.

Wilhelm Otto Veerhoff

Porträtfoto und Karte

Veerhoff (1877 - 1957) war zunächst Steuerabteilungsleiter bei der Revisions-Treuhand-AG in Berlin. Seit 1915 arbeitete er als selbständiger Syndikus in Wirtschafts- und Steuerfragen. Seit 1918 bezeichnete er sich als Steueranwalt. Er war vermutlich der erste hauptberufliche Steuerberater in Deutschland.

Zulassung als Vertreter in Steuersachen

Berlin, 26. Februar 1921

Die Reichsabgabenordnung von 1919 gestattete dem Steuerpflichtigen, sich eines Bevollmächtigen zu bedienen. Das Finanzamt konnte Bevollmächtigte, die aus der Erteilung von Rat und Hilfe in Steuersachen ein Geschäft machen, zurückweisen. Dies galt nicht für Bevollmächtigte, die vom Landesfinanzamt allgemein zugelassen waren.

Türschild eines Wirtschaftsprüfers und Diplom-Steuersachverständigen

Türschild eines Wirtschaftsprüfers und Diplom-Steuersachverständigen

Türschild eines Wirtschaftsprüfers und Diplom-Steuersachverständigen
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Vermutlich vor 1945

Der Titel Diplom-Steuersachverständiger wurde nur von dem 1920 gegründeten Steuer-Institut an der Handelshochschule Leipzig verliehen (bis 1939). Der Berufsstand des Wirtschaftsprüfers entstand 1931 während der schweren Wirtschaftskrise.

Helfer in Steuersachen

Türschild

1935 wurde neben dem vom Landesfinanzamt allgemein zugelassenen Steuerberater der Helfer in Steuersachen eingeführt. Er durfte geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen nur mit einer allgemeinen Erlaubnis durch das Finanzamt erteilen.

Die Reichskammer der Steuerberater

Hamburg-Altona, 11. Oktober 1944

1943 wurden die deutschen Steuerberater und Helfer in Steuersachen in einer Reichskammer zusammengeschlossen. Zu ihrem Präsidenten wurde der Steuerberater Georg Friedrich Horn aus Hamburg-Altona berufen.

Wiederzulassung nach dem Krieg

Berlin-Pankow, 15. Oktober 1945

Die Zahl der Berufsangehörigen ging nach 1945 zunächst stark zurück. Im Rahmen der Neuzulassung wurde auch die politische Betätigung seit 1933 geprüft. In Berlin wurden von 2180 Zulassungsanträgen 1945 nur 1202 positiv beschieden.

Das Weiterleben der Reichskammer der Steuerberater nach 1945

Aus dem Steuer- und Zollblatt für die britische Zone vom 19. Dezember 1947

In der britischen Zone dauerte die Reichskammer der Steuerberater unter dieser Bezeichnung und unter ihrem bisherigen Präsidenten Horn bis zu ihrer Auflösung 1948 fort.

Steuerberaterkongreß

Foto aus dem Nachlaß von Gerhard Thoma

Die Fachkongresse haben eine große Bedeutung für die steuerberatenden Berufe. Das Foto zeigt die Leitung eines Kongresses in der frühen Nachkriegszeit: in der Mitte den ersten Präsidenten der Bundessteuerberaterkammer Gerhard Thoma (1904 - 1973), links außen den Kölner Steuerrechtler Professor Dr. Armin Spitaler (1898 - 1963).

BUNDESSTEUERBERATERKAMMER

Türschild um 1961

Durch das Steuerberatungsgesetz von 1961 wurde als Selbstverwaltungsorgan der Steuerberater die Bundessteuerberaterkammer mit Sitz in Köln errichtet. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Bundeskammer der Steuerbevollmächtigten

Türschild um 1961

Die Bundeskammer der Steuerbevollmächtigten wurde ebenfalls aufgrund des Steuerberatungsgesetzes von 1961 errichtet. Sie hatte ihren Sitz in Bonn. 1975 ging sie in der Bundessteuerberaterkammer auf.

Türschild eines Steuerbevollmächtigten

Nach 1961

Das Steuerberatungsgesetz von 1961 wandelte die Berufsbezeichnung Helfer in Steuersachen in Steuerbevollmächtigter um.

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