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03.07.2014

Von der Mark der DDR zur D-Mark

Zum 1. Juli 1990 überträgt die DDR ihre Hoheit über die Finanz- und Geldpolitik auf die Bundesrepublik. Die unter Leitung von Bundesfinanzminister Theo Waigel und seinem DDR-Amtskollegen Walter Romberg vorbereitete Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion kommt einer vorgezogenen Wiedervereinigung gleich. Sie leitet den Systemwechsel von der Planwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft ein und führt das westdeutsche Sozialversicherungssystem und Arbeitsrecht in der DDR ein.

Gestaffelter Umtauschkurs

Besonders einschneidend ist die Einführung der D-Mark. Für 16,6 Millionen Ostdeutsche löst sie von einem Tag auf den anderen die Mark der DDR ab. Die Bundesbank sorgt dafür, dass ausreichend Scheine und Münzen verfügbar sind. Für die laufenden Zahlungen – insbesondere Löhne, Gehälter und Mieten – gilt ein Umtauschkurs von eins zu eins. Bankguthaben und Bargeld werden ebenfalls zu diesen Konditionen getauscht, allerdings nur bis zu bestimmten Obergrenzen und gestaffelt nach Alter. Der günstige Umtauschkurs liegt vor allem im Interesse der Ostdeutschen, viele Westdeutsche fürchten hingegen um die Stabilität ihrer Währung. Zu Unrecht, wie sich später herausstellt. Eine inflationäre Entwicklung findet nicht statt. 

Krise der ostdeutschen Wirtschaft

Nach der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion kommt es zu zeitweiligen Nettolohneinbußen bei Arbeitern. Breiter Protest formiert sich. Lohnerhöhungen sind die Folge. Für die Betroffenen ist dies gut, verschärft aber die Krise der ostdeutschen Wirtschaft. Diese produziert mit veralteten Maschinen und Anlagen vergleichsweise teuer und hat mit dem Wegbrechen wichtiger Absatzmärkte im Osten zu kämpfen. Auf dem Weltmarkt sind „DDR-Waren“ nicht wettbewerbsfähig und auch auf dem vereinigten innerdeutschen Markt haben sie Absatzprobleme.

Perspektiven für den Osten

Viele Betriebe im Osten überleben den rasanten Systemwechsel nicht. Menschen verlieren ihre Arbeit und müssen sich neue Beschäftigung suchen. Die geringe Produktivität und hohe Verschuldung der staatseigenen Unternehmen ist insbesondere den führenden SED-Politikern schon vor dem Mauerfall bewusst. Nach der Wende führt kein Weg an der Öffnung zum Weltmarkt und einer raschen Wiedervereinigung vorbei. Denn beides eröffnet der Wirtschaft und den Menschen in den neuen Bundesländern Perspektiven.

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