Navigation und Service

08.12.2011

„BMF im Dia­log“ mit Prof. Dr. Les­zek Bal­ce­ro­wicz: Spa­ren und Wach­sen - kein Wi­der­spruch

Der polnische Ökonom Leszek Balcerowicz zu Gast bei „BMF im Dialog“

Professor Doktor Leszek Balcerowicz bei einer Rede während einer Veranstaltung aus der Reihe "BMF im Dialog" des Bundesministeriums der Finanzen
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

In der Reihe „BMF im Dialog“ stand am 7. Dezember 2011 der ehemalige polnische Vizepremier, Finanzminister und Präsident der Polnischen Nationalbank Prof. Dr. Leszek Balcerowicz als Redner auf dem Programm. Als Gastgeber würdigte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Steffen Kampeter, die akademischen Verdienste des Referenten und betonte dessen entscheidende Rolle bei der postsozialistischen Transformation der Gesellschaft und dem Aufbau einer modernen Wirtschaftsordnung in Polen in den 90er Jahren.

Balcerowicz habe als Politiker, Zentralbanker und Akademiker nicht nur einen umfassenden finanzwirtschaftlichen Erfahrungshintergrund. Als „Erfinder der polnischen Schuldenbremse“ habe der BMF-Gast auch ganz praktisch dazu beigetragen, dass Polen die Finanzkrise bislang vergleichsweise gut gemeistert habe und das Land über eine Beitrittsperspektive zum Euro verfüge.

In seinem Vortrag „Fiscal stance, macroeconomic stability, economic growth“ verdeutlichte Prof. Balcerowicz, wie sich makroökonomische Stabilität und wirtschaftliches Wachstum miteinander vereinbaren lassen. Mit seinem Plädoyer für einen Policy Mix aus budgetärer Disziplin, geldpolitischer Zurückhaltung, makroprudenzieller Aufsicht und wirtschaftlichen Reformen bezog der Professor der Warsaw School of Economics auch deutlich Stellung in der gegenwärtigen Auseinandersetzung über Lösungsansätze für die Staatsschuldenkrise in Europa.

Das Beispiel der baltischen Länder zeige, dass beherzte Wirtschaftsreformen aus der Krise führen können.

In der sich an den Vortrag anschließenden Publikumsdiskussion unterstützte Prof. Balcerowicz nachdrücklich die Position der Bundesregierung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nicht in eine fiskalpolitische Rolle gezwungen werden dürfe. Diejenigen, die sich für eine Finanzierung der europäischen Staatsschulden über die EZB aussprächen, hätten vergessen, dass es auch an dieser Stelle kein „free lunch“ geben werde. Einer „Quasivergemeinschaftung“ der Schulden über die EZB stünden nicht nur rechtliche Bedenken entgegen.

Ein solcher Ansatz reduziere zwangsläufig auch den wirtschaftlichen Reformdruck und fördere inflationäre Tendenzen.

Die Reihe „BMF im Dialog“ wird im kommenden Jahr fortgesetzt.

Das BMF dankt Prof. Dr. Leszek Balcerowicz für seine Teilnahme an der Reihe „BMF im Dialog“ und für die Genehmigung zur Veröffentlichung seines Folienvortrags. (→ Download)

Seite teilen und drucken