Mit einer feierlichen Gedenkveranstaltung hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) am 26. August 2011 den Großen Saal des Detlev-Rohwedder-Hauses in „Matthias-Erzberger-Saal“ umbenannt. Der neue Namensgeber des größten und repräsentativsten Saales des Berliner BMF-Dienstsitzes bekleidete in der Weimarer Republik das Amt des Reichsfinanzministers. Am 26. August 1921 wurde Erzberger von ehemaligen Freikorpsoffizieren ermordet. Ihm zu Ehren und um seiner zu gedenken, versammelten sich auf Einladung des BMF Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft, sowie Mitglieder der Familie Erzberger.

Nach der Begrüßung und einführenden Worten durch den Bundesminister der Finanzen Dr. Wolfgang Schäuble hielt der Publizist und ausgewiesene Erzberger-Kenner Prof. Dr. h.c. Robert Leicht den Festvortrag. Der Bundesfinanzminister würdigte Erzberger als „streitbaren Demokraten, Finanzpolitiker und Friedensstifter“.

Da Erzberger ein „Stiefkind der deutschen Erinnerungskultur“ geblieben sei, habe das Ministerium sich entschieden, mit der Saalumbenennung dieses großen Politikers dauerhaft zu gedenken. In seinem Festvortrag bezeichnete Prof. Leicht Erzberger als „Opfergänger der Republik“. Mit Hilfe von Zeitzeugen-Zitaten beschrieb er dessen gesellschaftlich-politisches Umfeld sehr eindringlich. Prof. Leicht hob auch die Volksverbundenheit Erzbergers hervor, die ihn von vielen seiner Politikerkollegen unterschied: „er bleibt innerlich bei den kleinen Leuten, aus deren Kreis er stammt - und er ist doch zugleich einer der frühen modernen Berufspolitiker“.

In seiner kurzen Amtszeit als Reichsfinanzminister von Juni 1919 bis März 1920 setzte Matthias Erzberger maßgebliche Finanzreformen durch, die die deutsche Finanzverfassung nachhaltig prägten und die bis heute mit seinem Namen verbunden sind. Als Staatssekretär und Leiter der Waffenstillstandskommission hatte er 1918 das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne unterzeichnet und die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages befürwortet. Dieser Einsatz für den Frieden und die Demokratie kostete ihn schließlich das Leben.

Für den feierlichen musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgte das Saxophon-Quartett „Clair Obscur“. Die vier Musikerinnen und Musiker begeisterten ihr Publikum mir einem stimmungsvollen Kurzkonzert. Unter den zahlreichen Besuchern war auch ein jugendlicher Matthias Erzberger, Namensvetter und Nachfahre des ehemaligen Reichsfinanzministers. „Matze“ Erzberger, wie er sich selbst nennt, war sichtlich stolz, dass der größte Saal des BMF künftig auch seinen Namen trägt. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Empfang, der dem Bundesfinanzminister Gelegenheit für Gespräche mit der Familie Erzberger und weiteren Anwesenden gab.