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1935 bis 1945

1934 kündigte Reichsluftfahrtminister Hermann Göring den Bau des neuen Reichsluftfahrtministeriums an. Planung und Fertigstellung erfolgten in der Rekordzeit von nur 18 Monaten: Bereits im Januar 1935 wurde der Grundstein auf dem Areal des ehemaligen preußischen Kriegsministeriums gelegt. Am 12. Oktober 1935 wurde Richtfest gefeiert, im Sommer 1936 konnte das Gebäude vollständig bezogen werden. Hierfür errichteten 5.000 Arbeiter in Schichten rund um die Uhr neue Gebäudeteile und bewegten 260.000 Kubikmeter Bauschutt. Architekt Ernst Sagebiel galt fortan als „Reichsschnellbaumeister“. Aber auch die Ausmaße des Komplexes sprengen Grenzen: Auf 56.000 Quadratmetern Nutzfläche verfügt die ehemalige Machtzentrale von Hermann Göring über 2.100 Räume. Die Baumasse entspricht etwa 1.000 Einfamilienhäusern. Damit ist der riesige Komplex noch heute eines der größten Bürogebäude Berlins.

Historische Aufnahme des Baus des ehemaligen Reuchsluffahrtministeriums um 1935/1936 (heutiger Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin) BildVergroessern
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Die 40.000 Quadratmeter Fassade des Detlev-Rohwedder-Hauses sind mit Muschelkalksteinplatten verkleidet. Hinter der  Außenhaut mit ihren 4.000 Fenstern verbirgt sich ein moderner Stahlskelettbau. Dank der rationellen Plan- und Bauweise, die ein durchgehendes Konstruktionsraster von drei mal sechs Metern vorsah und bereits auf eine Vielzahl von vorgefertigten Teilen zurückgreifen konnte, war eine Fertigstellung des Gebäudes in nur 18 Monaten möglich. Die nationalsozialistische Baudoktrin des Monumentalismus wurde durch die Verwendung extrem reduzierter klassizistischer Elemente und die Anbringung nationalsozialistischer Bilder und Zeichen verwirklicht – nicht zuletzt hierdurch wurde das Gebäude zum programmatischen Bau nationalsozialistischer Architektur.

Historische Aufnahme vom Richtfest des Reichsluftfahrtministeriums im Jahr 1935 (heutiger Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin) BildVergroessern
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Das ehemalige Reichsluftfahrtministerium repräsentiert wie kaum ein anderes Gebäude die Gigantomanie des Nationalsozialismus und gilt als Vorzeigebauprojekt des Dritten Reiches. Der Gebäudekomplex an der Leipziger und Willhelmstraße lag in Sichtweite der Gestapozentrale und des Propagandaministeriums und sollte, so Hermann Göring „Zeugnis deutscher Kraft und deutschen Schönheitswillens“ sein. Die gewaltigen Dimensionen des Bauwerks dienten jedoch vor allem zur Einschüchterung und sollten der Weltöffentlichkeit symbolisieren: Deutschland wird auch in der Luft wieder zu einer Großmacht hochgerüstet. Mit seinem Leitspruch „Deutschland zur Ehr – Deutschland zur Wehr“ war das Prestigeprojekt auch früher Vorbote für schreckliche Ereignisse, die noch kommen sollten.

1945 bis 1990

Historische Aufnahme des heutigen Bundesfinanzministeriums BildVergroessern
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde das nur schwach beschädigte ehemalige Luftfahrtsministerium zunächst von den sowjetischen Besatzern als Verwaltungsbau in Besitz genommen und ab August 1945 umfassend renoviert. 1947 nahm hier die von der sowjetischen Militäradministration in Deutschland einberufene Deutsche Wirtschaftskommission ihre Arbeit auf. Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Jahr 1949 wurde der Komplex zum Haus der Ministerien und Sitz des Ministerpräsidenten der DDR. Während in den Anfangsjahren neun Ministerien und Behörden dort untergebracht waren, nutzten im Wendejahr 1989 16 Ministerien und zentrale Behörden das Haus. Nach den ersten freien Volkskammerwahlen 1990 wurde das Haus von verschiedenen Ministerien bezogen, bis die Wiedervereinigung eine neue Epoche einleiten sollte.

1990 bis heute

Historische Aufnahme des ehemaligen Sitzes der Treuhandanstalt nach 1990 (heutiger Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin) BildVergroessern
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Nachdem mit den Feierlichkeiten am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten festlich vollzogen war, bekam auch das ehemalige Haus der Ministerien neue Mieter: Die Treuhandanstalt, die Berliner Außenstelle des Bundesfinanzministeriums, der Bundesrechnungshof und die Oberfinanzdirektion Berlin zogen in den „pinselsanierten“ Verwaltungsbau. 1992 entzündete sich eine Kontroverse um die Weiternutzung des historisch belasteten Gebäudes. Knackpunkt war die Frage, ob eine Sanierung wirtschaftlich und ein derartig politisch vorbelastetes Bauwerk erhaltenswert sei. Am 1. Juni 1994 wurde – auch aus ökonomischen Erwägungen – eine Sanierung des nun in Detlev-Rohwedder-Haus umbenannten Gebäudes beschlossen. 1996 sind die umfangreichen Renovierungsarbeiten beendet.

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Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten und dem beschlossenen Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin richtete sich ab August 1999 das Bundesfinanzministerium im Detlev-Rohwedder-Haus ein. Am 16. August 1999 kann der damalige Finanzminister sein Büro beziehen. In 140 Referaten kümmern sich 1.800 Mitarbeiter um die vielfältigen Aufgabengebiete des Hauses: finanz- und volkswirtschaftliche Grundsatzfragen, Zölle, Bundesimmobilien oder Europapolitik. Bis zu 300 Besuchergruppen machen sich jedes Jahr ein Bild vom Bundesministerium der Finanzen und der bewegten Geschichte des Detlev-Rohwedder-Hauses.

Das Bundesfinanzministerium ist auch ein Ort der Kunst: Im Rahmen verschiedener Projekte werden hier Bilder, Plastiken und Installationen gezeigt. So hat Jochen Gerz ein interaktives Kunstobjekt für den Ehrenhof geschaffen, mit dem die deutsche Vergangenheit, die sich auch in besonderer Weise in der Geschichte des Detlev-Rohwedder-Hauses widerspiegelt, sichtbar gemacht werden soll. Hierzu wurden Interviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt, die auf Monitoren an der Außenseite des Ehrenhofes abrufbar sind. Die Teilung Deutschlands ist Thema der vier Stahlskulpturen des Leverkuseners Künstlers Eberhard Foest. Sie befassen sich formal und inhaltlich mit der unnatürlichen Zäsur, die das Leben der im Ost- und Westteil Berlins wohnenden Menschen an dieser innerdeutschen Grenzlinie prägte.

Aufnahme aus der Vogelperspektive des Bundesfinanzminsiteriusm in Berlin BildVergroessern
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Foto der Außenansicht des Bundesfinanzminsiteriums BildVergroessern
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

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