Navigation und Service

Stein­hal­le

Zurück zu: Ehrenhof Weiter zu: Matthias-Erzberger-Saal

1935 bis 1945

Die Säulenhalle ist Teil einer bewussten architektonischen Inszenierung, die Ehrengäste Herman Görings erwartete. Um in den ein Stockwerk höher gelegenen Festsaal zu gelangen, musste nach dem Ehrenhof und dem Vestibül die dreischiffige Steinhalle durchschritten werden. Niedrige Säulengänge und dunkle Beleuchtung sorgten für eine bedrückende, einschüchternde Atmosphäre. Gleichzeitig wies die hell erleuchtete Rückwand mit dem Reichsadler und einem Hitler-Zitat den Weg zum Treppenaufgang. Hier öffnet sich der Raum nach oben. Über zwei Treppenläufe gelangt man zur Saalebene.

Informationstafel zur Geschichte des heutigen Sitzes des Bundesfinanzministeriums in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Das Machtzentrum Görings war auch Wirkungsstätte des Widerstandes gegen die NS-Herrschaft. Der Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen, Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ arbeitete in der Nachrichtenabteilung des Ministeriums. Bestehend aus einem weltanschaulich heterogenen Kreis von Gegnern der NS-Herrschaft verteilte die Gruppe unter anderem Flugblätter und leitete militärisch bedeutende Informationen an die Sowjetunion weiter. 1942 wurde die Gruppe von der Gestapo enttarnt und 119 Mitglieder verhaftet. Harro Schulze-Boysen wurde mit über 50 seiner Mitstreiter zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Heute erinnert eine Gedenktafel in der Eingangshalle an die Widerstandskämpfer.

1990 bis heute

Historische Aufnahme der Steinhalle im heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Die Steinhalle ist heute der Haupteingang des Bundesfinanzministeriums. Im Zuge der Sanierung des Detlev-Rohwedder-Hauses wurden verschiedene Einbauten aus der DDR-Zeit entfernt und so die ursprüngliche Raumfolge vom Ehrenhof bis zum Treppenaufgang wiederhergestellt. Von der einschüchternden, düsteren Raumgestaltung ist heute nicht mehr viel zu spüren: Eine neue Decke mit moderner Beleuchtung sorgt für eine helle und einladende Atmosphäre.




Historische Aufnahme der Steinhalle im heutigen Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Als Detlev Karsten Rohwedder 1990 zum Präsident der Treuhandanstalt berufen wird, liegt eine gewaltige Herausforderung vor ihm: Über 8.000 Volkseigene Betriebe (VEB) müssen verwaltet und nach Möglichkeit saniert werden. Der Sozialdemokrat Rohwedder versucht, der Aufgabe mit Umsicht und sozialem Augenmaß gerecht zu werden, bis der Treuhand-Chef am 1. April 1991 von RAF-Terroristen ermordet wird. Zur Erinnerung an den Beitrag Rohwedders für die Verankerung von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft im Beitrittsgebiet heißt das Gebäude seit 1992 Detlev-Rohwedder-Haus.

Die wechselhafte Geschichte ist nicht spurlos am Detlev-Rohwedder-Haus vorbeigegangen: Dies lässt sich an keinem Ort so gut nachvollziehen, wie an der Rückwand des Treppenaufgangs, wo heute das Kunstwerk Michael Wirkners hängt: Hier war bis zum Zusammenbruch des Dritten Reichs ein Reichsadler und ein Zitat Adolf Hitlers in die Wand eingelassen. In seiner Funktion als Haus der Ministerien war an derselben Stelle das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik angebracht, das Hammer und Zirkel in einem Ährenkranz zeigte. Nach dem Einzug des Bundesfinanzministeriums wurde auf die erneute Anbringung eines Hoheitszeichens verzichtet, stattdessen soll das großflächige Ölgemälde von Michael Wirkner zu eigenen Deutungen einladen.

Tafel zum Gedenken an Detlev Rohwedder in der Steinhalle im heutigen Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Aufnahme der Steinhalle im Bundesfinanzministerium (Haupteingang des Bundesfinanzministeriums)
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Zurück zu: Ehrenhof Weiter zu: Matthias-Erzberger-Saal