Am 12. September 2010 haben die Chefs der Notenbanken und Aufsichtsbehörden von 27 Staaten im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht neue Kapital- und Liquiditätsvorschriften für Bankeninstitute beschlossen. Die neuen Eigenkapitalregeln, auch Basel III genannt, ziehen die Lehren aus der Finanzmarktkrise und sollen dazu führen, dass Banken sich im Krisenfall aus eigener Kraft stabilisieren und retten können.

Eine Lehre aus der Krise

Als Konsequenz aus der Finanzkrise beschlossen die wirtschaftlich stärksten Staaten, dass Banken künftig besser selbst vorsorgen müssen, um ihre Risiken abzupuffern.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat dazu am 12.09.2010 strengere Regeln für das Eigenkapital der Banken aufgestellt.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht

Die G-10-Länder gründeten 1974 den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht mit dem Ziel, die Aufsichtsregeln für die Finanzbranche zu vereinheitlichen. In ihm sitzen heute Mitglieder der Notenbanken sowie Bankenaufseher aus 27 Ländern.

Das Problem

Generell bestimmen die Eigenkapitalregeln, wie viel und welche Art von Kapital eine Bank mindestens haben muss, um ihre Risiken abzusichern.

Doch in der Finanzkrise reichte das vorhandene Eigenkapital im Verhältnis zu den Risiken nicht aus. Die Staaten mussten Banken retten.

Eigenkapital

Eine Bank muss Eigenkapital in Höhe von mindestens 8 Prozent der Risikopositionen vorweisen.

Fällt sie unter diese Grenze, muss die Bankenaufsicht Maßnahmen zur Abwendung von Gefahren anordnen.

Kernkapital

Es gibt unterschiedliche Arten von Eigenkapital. Zur Absicherung der Risiken ist das Kernkapital wichtig. Es ist ein Bestandteil des Eigenkapitals.

Die Kernkapitalquote gibt an, wie viele risikotragende Positionen einer Bank (z.B. vor allem Kredite) durch bankeneigenes Kernkapital gedeckt sein müssen.

Hartes Kernkapital

Es gibt hartes und weiches Kernkapital.

Für die Stabilität von Banken ist das harte Kernkapital besonders relevant.

Hartes Kernkapital besteht z. B. aus eigenen Aktien und einbehaltenen Gewinnen.

Neue Struktur des Eigenkapitals

Künftig wird mit Basel III die Struktur des zwingend notwendigen Eigenkapitals geändert. Es muss mehr hartes Kernkapital vorgehalten werden.

Dadurch erhöht sich die Kernkapitalquote. Das sorgt für mehr Stabilität von Banken und Finanzsystem.

Zusatzpuffer

Durch weitere Puffer sollen Banken ihre Risiken besser auffangen können – aus eigener Kraft und ohne staatliche Hilfe.

Kapitalerhaltungspuffer

Ein Teil des Zusatzpuffers ist der Kapitalerhaltungspuffer.

Er verhindert, dass Kapital im Krisenfall zu schnell aufgezehrt wird. Unterschreitet die Bank den vorgegebenen Wert, wird sie durch Beschränkungen ihrer Dividende sanktioniert.

Antizyklischer Kapitalpuffer

Ein weiterer Teil des Zusatzpuffers ist der antizyklische Kapitalpuffer. 

Banken können mit dem zusätzlichen Puffer, den sie in guten Zeiten angelegt haben, ihre Verluste in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ausgleichen.

Übersicht

Lesen Sie mehr zur Einführung der strengeren Regeln im Artikel zu Basel III

Glossar

Antizyklischer Kapitalpuffer   

Der antizyklische Kapitalpuffer soll den Absturz nach einem exzessiven Kreditwachstum abfedern. Über seine Umsetzung entscheiden die Bankenaufseher für jedes Land individuell. In guten Zeiten sollen die Banken Kapital bilden, damit Verluste in schlechten Zeiten aufgefangen werden können, ohne dass Banken Konsequenzen fürchten zu müssen.

Kapitalerhaltungspuffer

Der Kapitalerhaltungspuffer verhindert, dass Kapital im Krisenfall zu schnell aufgezehrt wird. Unterschreitet die Bank den vorgegebenen Wert, wird sie durch Beschränkungen ihrer Dividende oder andere geeignete Maßnahmen sanktioniert. Der Puffer erhöht so praktisch die Mindest-Kernkapitalquote.

Bankenaufsichtsrechtliche Insolvenz

Nach Basel III muss eine Bank dann inklusive Ergänzungskapital Eigenmittel in Höhe von mindestens 8 Prozent der Risikopositionen haben (Gesamtkapitalquote). Das heißt: Risiken in Höhe von 100 Euro müssen mit mindestens 8 Euro Eigenmitteln hinterlegt werden. Wird diese Grenze unterschritten, muss die Bankenaufsicht handeln, um Gefahren zum Schutz der Sparer und Anleger sowie zur Sicherung der Finanzmarktstabilität abzuwenden.

Ergänzungskapital

Das Ergänzungskapital ist neben dem Kernkapital ein weiterer Bestandteil der Eigenmittel einer Bank. Genussrechte und langfristige nachrangige Verbindlichkeiten können zum Beispiel dem Ergänzungskapital zugerechnet werden, wenn sie den entsprechenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen genügen.

Weiches Kernkapital

Das weiche Kernkapital setzt sich aus anderen Kapitalinstrumenten mit weniger stark ausgeprägten Merkmalen u.a. hinsichtlich der Verlustteilnahme zusammen. Darunter können etwa stille Einlagen fallen, wenn die aufsichtsrechtlich vorgegebenen Kriterien für das weiche Kernkapital erfüllt werden.

Hartes Kernkapital

Das harte Kernkapital einer Bank besteht aus einbezahltem Kapital, offenen Reserven und Gewinnvorträgen. Es ist in Turbulenzen besonders wichtig, da es der Bank in der Krisensituation helfen soll, sich selbst zu stabilisieren.