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01.09.2009

Neue Stu­die zur Kre­dit­ver­ga­be in Deutsch­land

Risiko einer Kreditklemme wäre ohne staatliche Rekapitalisierung deutlich höher

Eine ausreichende Kreditversorgung von Unternehmen und Haushalten ist von großer Bedeutung für die Überwindung der aktuellen Krise. Deshalb ist es klares Ziel der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, der drohenden Gefahr einer Kreditklemme frühzeitig zu begegnen. Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium der Finanzen das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel gebeten, eine „Szenariorechnung und Projektion der Kreditvergabe in Deutschland“ durchzuführen. Zu dieser Prognoserechnung liegt heute ein erster Zwischenbericht vor. Zentrale Ergebnisse sind: 

  • Ohne die Rekapitalisierungsmaßnahmen von Bund und Ländern für Banken wäre das Risiko einer Kreditklemme in Deutschland deutlich höher. Die durchgeführten staatlichen Rekapitalisierungsmaßnahmen in Höhe von etwa 41 Mrd. € haben die Eigenmittelausstattung des deutschen Kreditsektors erheblich gestärkt.
  • Kombination von Aufschwung und hohem Abschreibungsbedarf kann zu Kreditklemme führen. Entwickelt sich die Konjunktur deutlich besser als derzeit erwartet und liegt gleichzeitig ein sehr hoher Wertberichtigungsbedarf auf Vermögenswerte des deutschen Kreditsektors vor, ist aus Sicht der Kieler Forscher eine Kreditklemme in Deutschland nicht auszuschließen. Von einer Kreditklemme wären besonders das Verarbeitende Gewerbe sowie langfristige Finanzierungen betroffen. In allen anderen Szenarien ist beim gegenwärtigen Stand der Prognoserechnung die Wahrscheinlichkeit einer Kreditklemme deutlich kleiner.
  • Stärkung der Eigenkapitalposition hilfreich. Die Prognose des IfW Kiel für 2010 zeigt, dass eine weitere Festigung der Eigenmittelausstattung des Bankensektors zu einer Stabilisierung des Kreditvolumens beitragen könnte. Die Stärkung des Eigenkapitals kann dabei über private Investoren, über Angebote des Soffin oder der Bundesländer erfolgen.
  • Banken müssen Angebote annehmen. Die Kieler Forscher halten das von der Bundesregierung über den Soffin bereitgestellte Instrumentarium zur Eigenkapitalstärkung der Banken vom Volumen her für ausreichend, um selbst im kritischen Szenario eine Kreditklemme in Deutschland abzuwenden. Risikoabschirmungen für Vermögenspositionen der Landesbanken ergänzen dies. Bei zusätzlichem Kapitalbedarf sollten die Banken die Angebote des Soffin zur Rekapitalisierung nutzen. Da sich laut Berechnungen der Kieler Forscher die Wertberichtigungen bei den Banken mit einer Verzögerung von mindestens einem Jahr auf die Konjunktur auswirken, sollten ausgleichende Maßnahmen im Hinblick auf drohende Abschreibung bei den Banken rechtzeitig umgesetzt werden, um die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten in den Jahren 2010 und 2011 nicht zu gefährden.

Alle Prognosen sind mit zum Teil erheblichen Unsicherheiten behaftet. Aufbauend auf dem jetzt vorliegenden Zwischenbericht der Kieler Forscher wird bis Ende September eine aktualisierte und detaillierte Version der Prognoserechnung erstellt.

Zum Gutachten: Im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen hat das Prognose-Zentrum des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel eine "Szenariorechnung und Projektion der Kreditversorgung in Deutschland" durchgeführt. Auf Basis verfügbarer Daten und der Anwendung unterschiedlicher ökonometrischer Modelle haben die Kieler Forscher in einem ersten Zwischenbericht Prognosen zur Entwicklung des Kreditvolumens und der Eigenkapitalausstattung im Bankensektor der Bundesrepublik, sowie eine Unterscheidung von Kreditnachfrage und Kreditangebot erstellt.