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06.09.2018

Ein Mahn­mal aus Pa­pier - die Ver­gan­gen­heit für die Zu­kunft be­wah­ren

Die teilnehmenden Damen und Herren an einem Tisch im Konferenzraum.
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Das Bundesministerium der Finanzen hat am 28. August 2018 eine Initiative zur Sichtbarmachung des „Dokumentenerbes“ der Wiedergutmachung und Entschädigung von nationalsozialistischem Unrecht gestartet. Diese Initiative soll Mahnung und Erinnerung  sein, das schlimmste Kapitel deutscher Geschichte nicht zu wiederholen. In den betreffenden Unterlagen finden sich in hunderttausend-, ja millionenfacher Ausführung die schrecklichen Verfolgungswege und -biographien, die die Verfolgten des Nationalsozialismus durchleiden mussten. Die Dokumente enthalten in eindringlicher Fülle und Detailliertheit die Beschreibungen der Unrechtstaten aus der Perspektive der Opfer und Überlebenden selbst. Daneben zeigen die weltweit einzigartigen Unterlagen gleichwohl auch, wie die junge und älter werdende Bundesrepublik Verantwortung übernommen und mit den menschlichen Schicksalen, die diese Akten repräsentieren, politisch und gesellschaftlich umgegangen ist. In vielen Fällen sind dies freilich auch Belege für die schwierige Anfangszeit der Wiedergutmachung, mit all ihren Lasten und Unzulänglichkeiten. Insgesamt offenbart sich allerdings eine Entwicklungsgeschichte, immer verbunden mit dem finanziellen und moralischen Bekenntnis zur Verantwortung gegenüber den Opfern.

Die einzigartigen Unterlagen aus den Archiven ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, kann bildlich gesprochen ein „Mahnmal aus Papier“ schaffen, das auf die Schrecken einer menschenverachtenden Diktatur zeigt und gleichzeitig auch auf die Art und Weise der Aufarbeitung dessen. Dieses „Dokumentenerbe“ soll für die Zukunft sichtbar und zugänglich gemacht werden. Nicht allein die riesigen Mengen an Unterlagen stellen dabei eine Herausforderung dar; die besondere Schwierigkeit liegt auch in der räumlichen Verteilung. Die Akten liegen derzeit großflächig verstreut im Bundesarchiv, in über zwölf Landesarchiven, teilweise in den Behörden selbst und teilweise auch im Ausland. Als verwaltungsseitiger Ausdruck eines der größten politischen und auch gesellschaftspolitischen Projekte in der Geschichte der Bundesrepublik, das tiefgehende nationale und internationale Implikationen in sich trägt, gehören sie thematisch jedoch unbedingt zusammen. Für Historiker und andere Wissenschaftler sind die Akten wichtige Quellen. Für viele Angehörige von Verfolgten weltweit bilden die Unterlagen oftmals bedeutende, wenn nicht gar die einzigen Anhaltspunkte zum Leben ihrer Verwandten - vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Und obwohl Bundes- und Landesarchive alle Anfragen aus Deutschland, Israel, den USA oder Osteuropa natürlich selbstverständlich jederzeit an die richtige Adresse weiterleiten, fehlt es aktuell noch an einer einheitlichen, informativen und alles umfassenden Anlaufstation, die die Akten – und damit die Wiedergutmachung selbst – sichtbar und zugänglich macht.

Auf Initiative und Einladung des Bundesfinanzministeriums verständigten sich die anwesenden Vertreter von Bundes- und Landesverwaltungen gemeinsam mit nationalen und internationalen Organisationen und Institutionen wie dem Institut für Zeitgeschichte, dem Internationalen Suchdienst, der International Holocaust Remembrance Alliance, der Bundesstiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft, der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung, des United States Holocaust Memorial Museum sowie des Bundesarchivs und der Landesarchive, diese wichtige Arbeit in Angriff zu nehmen.

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