Es ist eine immens wichtige Zukunftsaufgabe, das Dokumentenerbe der Wiedergutmachungsakten sichtbar und einheitlich zugänglich zu machen. Aus diesem Grund arbeitet das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit dem Bundesarchiv und weiteren Partnern an einem Themenportal Wiedergutmachung, das bei der Deutschen Digitalen Bibliothek im Archivportal-D angesiedelt werden wird.

Insbesondere für die Familien der Verfolgten weltweit kann das neue Themenportal Wiedergutmachung große Bedeutung haben. Denn der vereinfachte Zugang u.a. zu Millionen von Einzelfallakten ermöglicht es ihnen, oftmals unbekannte Fakten der eigenen Familien- und Identitätsgeschichte eigenständig zu recherchieren. Die Akten und Dokumente spiegeln die Leben von Menschen, die im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ihr Verfolgungsschicksal sowie Aspekte ihrer Familiengeschichte dargelegt haben. Die Unterlagen enthalten viele persönliche Details und Hinweise auf weitere Personen, die in Verfolgungs-, Ausgrenzungs- und andere Zwangsmaßnahmen des NS-Regimes involviert waren oder darunter zu leiden hatten.

Das Dokumentenerbe der Wiedergutmachungsakten stellt auch für Forschung und Wissenschaft eine äußerst wertvolle und ergiebige Quellensammlung dar. Die Akten der Wiedergutmachung sind zudem für Bildungsprojekte von Interesse und können die Bekämpfung von Holocaust-Leugnung und ‑verfälschung unterstützen.

Der Unterzeichnung der Kooperations-Vereinbarung durch BMF-Unterabteilungsleiterin Eva Maria Meyer und den Präsidenten des Bundesarchivs, Professor Dr. Michael Hollmann, gingen intensive und vertrauensvolle Vorarbeiten und Gespräche zwischen dem BMF, dem Bundesarchiv und der Behörde der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien voraus. Das Bundesarchiv wird dem BMF als konzeptioneller und fachlicher Partner und im Verbund mit weiteren Institutionen beim Aufbau des Themenportals Wiedergutmachung zur Seite stehen.
„Es geht jetzt endlich los“, freut sich Ministerialdirigentin Meyer, „es ist ein großer Erfolg, wenn monatelange Planungen und Gespräche nun in die Umsetzung kommen können. Das Bundesarchiv mit all seiner Erfahrung ist hierfür ein wichtiger Partner.“
Präsident Hollmann hebt hervor: „Es ist sehr zu begrüßen, dass die Digitalisierung und Zugänglichmachung bedeutender Unterlagen zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts durch das Vorhaben des BMF einen weiteren Schub erhält. Ein Online-Themenportal stellt einen zeitgemäßen Weg dar, archivische Quellen in ihrem Kontext für ein breites Publikum zu präsentieren.“ 

Das BMF hatte den Grundstein für das Themenportal bereits im Jahr 2018 gelegt. Es folgte ein intensiver Austausch mit verschiedenen Bundesressorts, den zuständigen Ländern, zahlreichen Archiven, Historikern, nationalen und internationalen Institutionen wie der israelischen Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem, dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. oder den Arolsen Archives sowie der Conference on Jewish Material Claims Against Germany, die die Entschädigungsprogramme der Bundesregierung innerhalb der sogenannten Artikel-2-Vereinbarung zum Einigungsvertrag ausführt.

Der Aufbau des Themenportals wird auch weiterhin durch zahlreiche vom BMF koordinierte Workshops und Fachgespräche begleitet. In naher Zukunft folgen weitere Kooperationen mit wichtigen Partner-Institutionen, die das Bundesfinanzministerium langfristig bei Aufbau und Weiterentwicklung des Themenportals Wiedergutmachung unterstützen.