Wie können wir unsere Mitarbeitenden gut auf die beruflichen Anforderungen der Zukunft vorbereiten und auch morgen noch einen gleichmäßigen und gerechten Steuervollzug gewährleisten? Diese Frage haben wir auf dem Panel der Bundesfinanzakademie (BFA) im Rahmen des 2. Steuerforums der Finanzverwaltung „Zukunftsfeste Personalqualifizierung in der Steuerverwaltung“ beleuchtet.

Das 2. Steuerforum fand am 7./8. September erstmals als Hybrid-Veranstaltung mit circa 1.500 Teilnehmenden in den Bolle Festsälen in Berlin beziehungsweise via Online-Teilnahme mit Livestream statt. Es bot neben Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen Themen des Unternehmensteuerrechts sowie zur Personalqualifizierung vielfältige Möglichkeiten der Interaktion.

So konnten bei dem Panel die Teilnehmenden zum Einstieg die Frage „Welche mittelfristigen Veränderungen beeinflussen die Steuerverwaltung?“ per Live-Abstimmung beantworten und ließen gemeinsam eine Wortwolke entstehen. Dabei wurden gleiche Eingaben größer dargestellt, je häufiger sie genannt wurden.

Mit ihren Impulsvorträgen zeigten Bettina Westphal (Leiterin der Zentralabteilung, Staatskanzlei Brandenburg und vormalige Direktorin der FHF Brandenburg) und Dr. Robert Heller (Präsident Bundesfinanzakademie im Bundesfinanzministerium (BMF)) die wesentlichen Aktionsfelder im Bereich der Aus- und Fortbildung auf.

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Bettina Westphal und Dr. Robert Heller Quelle:  BFA

Frau Westphal führte aus, Effizienzgewinne infolge des IT-integrierten Arbeitens hingen entscheidend davon ab, wie die Fachanwendungen durch die User verstanden, beherrscht und maschinelle Entscheidungen mit personellen Entscheidungen verknüpft würden. Das Studium solle deshalb auch in den theoretischen Abschnitten so gestaltet werden, dass die Studierenden ein fundiertes Wissen und Verständnis für die IT-integrierten Arbeitsprozesse entwickeln.

Herr Dr. Heller zeigte den Beitrag der BFA am Erwerb umfassender Handlungsfähigkeit der Führungskräfte auf. Diese bräuchten eine Geisteshaltung, die Veränderung als Regel begreife. Sie müssten Mitarbeitenden Handlungs- und Entscheidungsfreiräume ermöglichen. Orientierung biete das große Ganze: nämlich der gleichmäßige und gerechte Steuervollzug. Sein Fazit: Weniger Denken in Zuständigkeiten, mehr Kollaboration, Teilhabe und Netzwerk.

Handlungsfähigkeit entwickeln

  • Berufsbefähigung = umfassende Handlungsfähigkeit in der beruflichen Praxis.
  • Handlungsfähig sind Führungskräfte, wenn sie selbständig handeln und auch unerwartete, neue Aufgaben und Problemstellungen erfassen, beurteilen und erfolgreich bewältigen können.
  • Bei jeder Handlung wirken Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Werte und Einstellungen zusammen.

Zum Einstieg in die Podiumsdiskussion blickten die Moderatoren Susanne Landgraf (BMF) und Jean-Charles Spreider (Finanzverwaltung Baden-Württemberg) auf die auch in der Steuerverwaltung erforderlichen Future Skills.

Werner Brommund (Präsident der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen) vertrat die These, Führungskräfte bräuchten Methodenkompetenz für die Initiierung und Begleitung von Veränderungsprozessen. Im Dienstalltag würden Menschen im Team zusammenwirken. Dies solle auch in der Ausbildung geschehen. Isoliertes Lernen einzelner Fächer werde der tatsächlichen Komplexität nicht mehr gerecht.

Elke Pedack (Leiterin Referat Z B 5 im BMF sowie des Bund-Länder-Koordinierungsausschusses zur Gewährleistung der Einheitlichkeit der Ausbildung der Steuerbeamt*innen) verwies darauf, dass die Bildungsstätten sich auf den Weg gemacht hätten. Die Digitalisierung sei Motor und auch Chance für besseres Lernen. Es brauche eine Strategie, die alle Ebenen einbeziehe: die Didaktik, die Infrastruktur an den Bildungsstätten sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen. Ausbildung könne nicht alle Veränderungen für ein ganzes Berufsleben abdecken. Vielmehr seien mit ihr Basiskompetenzen zu vermitteln, welche dann mit einer langfristigen, berufsbegleitenden Fortbildungsstrategie verzahnt werden müssen.

Bei zunehmend digitalisierten Arbeitstätigkeiten und -prozessen gewinnen an Bedeutung:

  • Personale und soziale Kompetenzen:
    • Kommunikation und Kooperation
    • Selbstgesteuertes Arbeiten
    • Führungskompetenz
  • Anpassung an Veränderungen des Arbeitslebens
  • digitale Grundkompetenzen
    • Umgang mit digitalen Tools und Programmen
    • Grundkenntnisse Datenschutz und IT-Sicherheit

Quelle: Arbeitswelt-Bericht 2021 BMAS

Christian Herbrand (Amtsleiter Finanzamt Worm-Kirchheimbolanden) appelierte, die Aus- und Fortbildung müsse die sich massiv verändernden Bedürfnisse und Fähigkeiten vollständig digital aufwachsender Generationen in den Blick nehmen. Er stellte das Modell des Flipped Classroom und die Vorteile des Blended Learning dar. In der Praxis werde es nicht wegen mangelnder Fachkompetenz der Mitarbeitenden schwierig, sondern aufgrund von Defiziten im Bereich Kommunikation, Konfliktbewältigung und Zeitmanagement. Soziale, methodische und fachliche Kompetenzen müssten verzahnt, Probleme im Team gelöst werden. Für die bessere Lernbegleitung bedürfe es digitaler Austauschforen.

Diesbezüglich pflichtete Werner Brommund ihm bei und wünschte sich von der BFA zugleich – sofern die pandemische Lage dies zuließe – wieder mehr Präsenzveranstaltungen, um dem Bedürfnis nach länderübergreifender Vernetzung, Erfahrungsaustausch und voneinander Lernens noch besser gerecht werden zu können. Frau Westphal warb darum, Lernende schon früh auf eine selbständige Arbeitsweise vorzubereiten. „Wir brauchen Leute, die befähigt werden, sich selbst aufzuklären!“ Ein wirksames Instrument sei das Blended Learning, die Ergänzung des Präsenzlernens durch asynchrone beziehungsweise digitale Elemente, wie beispielsweise Videoclips, Videosprechstunden und Feedbackroutinen. Es bedürfe zudem einer ordentlichen digitalen Ausstattung.

Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden (auch aus dem Publikum) für den inspirierenden Austausch. Um die Führungskräfte bestmöglich auf ihre Aufgaben vorzubereiten, beschäftigt sich die Bundesfinanzakademie mit der Zukunft der Arbeit und des Lernens sowie den notwendigen Zukunftskompetenzen in der Finanzverwaltung. Sie versteht sich als Plattform für alle Interessierten und unterstützt notwendige Veränderungsprozesse in der Verwaltung durch Veranstaltungen und unterschiedliche Austauschformate.

Jean-Charles Spreider, Elke Pedack, Christian Herbrand, Werner Brommund, Bettina Westphal, Susanne Landgraf, Dr. Robert Heller (v. l.) Bild vergrößern
Jean-Charles Spreider, Elke Pedack, Christian Herbrand, Werner Brommund, Bettina Westphal, Susanne Landgraf, Dr. Robert Heller (v. l.) Quelle:  BFA