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24.08.2023

Deutsch-chinesischer Finanzdialog

CHRISTIAN LINDNER: Vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Schön, dass ihr alle hier seid zu diesem Zukunftstag. Für mich ist das persönlich eine Freude, weil eines meiner persönlichen wichtigen Anliegen ist es, die finanzielle Bildung zu stärken. Und ihr habt vielleicht schon gemerkt durch die anderen Vorträge von heute, da geht es nicht darum, jetzt euch irgendwelche Produkte zu verkaufen. Also es ist keine Veranstaltung für den Vertrieb von irgendwas. Sondern meine Überzeugung ist, dass man sich vielleicht sehr viel um die eigene Gesundheit kümmert, aber viele – gerade Jüngere – zu wenig, um finanzielle Fragen. Man unterschreibt einen Ausbildungsvertrag vielleicht oder dann irgendwann den ersten Mietvertrag, aber welche Rechte man hat und was genau möglich ist, das wissen viele nicht. Also man lernt viel in der Schule, aber diese Fragen sind gelegentlich doch – zumindest bei mir war es so – etwas unterbelichtet.

Und warum ist mir das wichtig? Ich bin fest davon überzeugt, dass das eine Frage der Fairness ist. Wer mit 18 oder mit 25 oder mit 30 gute Urteile, qualifizierte Entscheidungen trifft hinsichtlich des eigenen Geldes, der steht dann mit 35, 45, 55 auch ganz anders im Leben. Das ist ja so eine Frage auch der Langfristigkeit. Ihr habt eben über Geld für die Alltagsvorsorge und Aktienanlage gesprochen, und die einfache Erkenntnis ist, wer frühzeitig anfängt, richtige Entscheidungen zu treffen; über die Zeit wirken die sich aus und machen einen Riesenunterschied. Also, selbst bei gleichem Gehalt doofe oder gute Entscheidungen zu treffen, kann auf Sicht von einigen Jahren einen Riesenunterschied machen, wo man im Leben steht. Und welche Chancen man nicht genutzt hat, kann man dann vielleicht wieder aufholen. Aber je älter man wird, desto schwerer wird es, einmal getroffene Fehlentscheidungen echt zu korrigieren.

Und deshalb bin ich auch Schirmherr dieses Zukunftstag, der sich speziell an Jüngere richtet, also kurz vor Ende der Schule und relativ kurz nach Ende der Schule. Es muss aber darüber hinausgehen. Auch in der Schule muss man was dafür tun. Und nebenbei gesagt, finanzielle Bildung ist nicht nur ein Problem oder eine Chance bei Jüngeren, sondern wir haben dieselben Probleme auch bei Menschen im mittleren Lebensalter oder Menschen, die schon im Ruhestandsalter sind. Und damit bin ich auch bei dem Thema, über das ich kurz sprechen will, bevor wir miteinander ins Gespräch kommen, nämlich die Rente.

Ich habe sehr oft Veranstaltungen mit Bürgerinnen und Bürgern oder stehe dann irgendwie in einer Fußgängerzone. Und dann kommen die Leute und man kommt ins Gespräch und dann darf ich Ihnen auch noch irgendwie eine Information mitgeben; ihr kennt das alles, gerade so aus den Wahlkämpfen. Und ich kann euch sagen, dass ich sehr, sehr oft dann an diesen Ständen die Frage gehört habe – ist kein Scherz –, was habt ihr eigentlich mit meinem Geld gemacht? Ich habe über Jahrzehnte eingezahlt und jetzt bekomme ich so und so viel Rente. Was habt ihr mit meinem Geld gemacht? Die Politik, was habt ihr mit meinem Geld gemacht?

Weiß es jemand, was wir mit dem Geld gemacht haben? Exakt, genau! Er hat gesagt, umgelegt an die jetzigen Rentner. Aber tatsächlich auch viele, die über Jahre und Jahrzehnte in dieses System eingezahlt haben, wissen am Ende nicht, dass da irgendwo Guthaben für sie angelegt worden ist, aus dem jetzt dann abgebucht wird, sondern das Geld ist sofort rausgegangen. Es ist ein Umlagesystem.

Oh, hier ist ja nur eine Folie sogar. In Echtzeit. Ich sehe die zum ersten Mal. Moment, tatsächlich stimmt, was ich gesagt habe: Umlagesystem.

Diejenigen, die eine Rente beziehen, erhalten das Geld aktuell von denjenigen, die in der gleichen Situation einzahlen: das Umlagesystem. Das heißt, da wird nichts – kurzer Spoiler –, bisher wird nichts angelegt, sondern was reinkommt, geht raus. Und die individuellen Ansprüche, die jemand hat; ich muss ja ein bisschen Powerpoint-Karaoke machen, was ist denn das Nächste, was ich erklären soll, ich würde nämlich jetzt über die Ansprüche sprechen.

MODERATION: Sie sprechen und ich reagiere.

CHRISTIAN LINDNER: Okay, alles klar. Sehr gut, sehr gut!
Die individuellen Ansprüche, die errechnen sich nicht nach dem Zufallsprinzip. Sondern weiß das auch jemand? Wie entscheidet sich, was für eine Rente ich habe?

PUBLIKUM: Die Rente, entsprechende Rentenpunkte.

CHRISTIAN LINDNER: Rentenpunkt, das ist schon eine sehr qualifizierte Antwort. Und wie kommt man zu Rentenpunkten?

PUBLIKUM: Ein Rentenpunkt ist der Medianlohn von der Bevölkerung. Und je nachdem, wie du verdienst jedes Jahr, kriegst du halt mehr, sammelst du Rentenpunkte. Und dadurch wird deine Rente berechnet.

CHRISTIAN LINDNER: Also, Sie können anfangen. Also herzlich willkommen, in der Tat, vereinfacht gesagt, die Dauer, die jemand arbeitet und einzahlt und die Höhe dessen, was man einzahlt – also gemessen am eigenen Gehalt – bestimmt die spätere Rentenhöhe. Das wird dann mathematisch berechnet. Dann gibt es da noch so ein paar Modifikationen. Ausbildungszeiten, Kinderbetreuung wird auch mit eingerechnet. Aber ist jetzt für das Prinzip nicht so entscheidend. Und um mal so eine Vorstellung zu geben, wie viel Geld das ist, wenn jemand 45 Jahre – so rechnet man das, das ist der Standardrentner –, wenn jemand 45 Jahre das durchschnittliche Einkommen hat, wie viel, glaubt ihr, hat er dann an Rente? 45 Jahre durchschnittliches Einkommen?

PUBLIKUM: 1.500 Euro?

CHRISTIAN LINDNER: Ein bisschen mehr ist es. Wer bietet mehr oder weniger? Aber die Größenordnung stimmt. Man hätte jetzt auch sagen können 5.000 Euro. Die Größenordnung stimmt. Es sind, glaub ich, ungefähr 1.700 Euro gegenwärtig. 45 Jahre gearbeitet, durchschnittliches Einkommen, dann hast du eine Rente von 1.700 Euro. Macht man jetzt keine riesigen Sprünge mit. Und Rebecca hat schon gezeigt: 48 Prozent Rentenniveau. Man sieht das Einkommen und dann hast du plötzlich nur noch 48 Prozent von deinem letzten Einkommen. Das ist der Grund – komme ich gleich zu –, warum es so sinnvoll ist, möglichst früh anzufangen, auch selber etwas für das eigene Alter zur Seite zu legen. Einfach um die Lücke zu überbrücken. Weil um den Lebensstandard zu halten, da ist schon empfehlenswert, dass man ein Einkommen hat aus Rente, betrieblicher Altersvorsorge und der eigenen Altersvorsorge, das etwa 80 Prozent des letzten Arbeitseinkommen entspricht.

Und da sage ich gleich noch was zu: privater Altersvorsorge. Mir ist noch etwas anderes wichtig zu sagen, dieses System Umlage, die Heutigen, die arbeiten, zahlen für die, die früher gearbeitet haben und die heute Rentner sind, die Rente. Dieses System geht natürlich von einer Sache aus: dass es viele Junge gibt und vor allen Dingen sehr viel mehr jüngere Einzahler als ältere Rentnerinnen und Rentner. Das ist echt fantastisch. Das kann man aber nicht mehr so voraussetzen. Habt ihr auch schon 10 Millionen Mal gehört. Wir haben eine alternde Gesellschaft. Zum Glück: Die Menschen leben länger gesund. Zum Glück. Es sind ja unsere Eltern und Großeltern, über die ich da spreche.

Das war früher anders, als diese gesetzliche Rente im Umlageverfahren mal eingeführt worden ist. Im vorletzten Jahrhundert da erlebten die Rentner vielleicht zwei, drei Jahre als Rentner. Heute ist es so, dass man fast davon ausgehen kann bei manchen, ein Drittel des Lebens macht man Bildung, ein Drittel des Lebens arbeitet man und ein Drittel des Lebens ist man dann im Ruhestand. Das verändert natürlich so ein System total. Es kommen nicht – was weiß ich – ein Rentner auf sieben Menschen, die arbeiten. Sondern das nähert sich immer mehr an. Und dann ist ja klar, dann ist das, was ihr zahlen müsst natürlich wesentlich höher. Dann steigt der Rentenbeitrag irgendwann. Und dann fehlt das Geld für das tägliche Leben, weil man gibt es in dieses System rein. Man weiß vielleicht selbst gar nicht, okay, was bekomme ich da mal raus. Und es nimmt die Möglichkeiten, sich selbst eine wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erarbeiten, weil man eben das System füttern muss.

Da müssen wir eine Lösung für finden. Und die bereiten wir gerade vor. Die Idee, die wir haben, heißt Generationenkapital. Wie funktioniert das? Der Staat wird zukünftig für euch an den internationalen Kapitalmärkten anlegen in Aktien. Also der kauft Anteile an erfolgreichen Unternehmen auf der ganzen Welt, nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Da, wo es spannend ist und wo Wachstum ist, da kauft der Staat Anteile. Und diese Unternehmen machen Gewinne. Also jetzt, ein Beispiel wäre; nein, da sind Kameras. Ich denke jetzt, kein Beispiel nennen, kein Unternehmensnamen. Aber es gibt ja sehr erfolgreiche Unternehmen mit sehr viel Wachstum. Wenn man sagt, oh, die haben Zukunft, die wird es in einigen Jahren noch geben, da kauft er Anteile und das macht er jetzt über die nächsten Jahre, die nächsten vielen Jahre. Und dann haben wir irgendwann ein relativ großes Vermögen. Über den Daumen gepeilt 200 Milliarden Euro. Und aus diesen 200 Milliarden Euro erzielen wir Zinsen. Und die Zinsen, die da rauskommen, die nutzen wir die Erträge, um die Beiträge zu reduzieren. Das muss man nicht individuell machen. Das macht der Staat für euch, für uns alle. Und das Ziel ist, dafür zu sorgen, dass wir das Rentenniveau von 48 Prozent erhalten und gleichzeitig aber die, die Einzahlen nicht immer weiter überfordern, weil die müssen ihr Leben führen, die müssen selbst auch für das eigene Alter etwas tun.

Also Generationenkapital heißt das. Wenn euch das demnächst begegnet, dann wisst ihr, um was es sich da handelt. Ein früherer Name dafür war Aktienrente. Das Generationenkapital ist jetzt der erste Schritt in Richtung auf diese sogenannte Aktienrente. Und nebenbei gesagt, lasst euch bitte nicht davon irritieren, wenn manche jetzt sagen, mit der Rente wird spekuliert. Das ist ganz falsch. Weil dahinter steckt die Idee, dass ein Wertpapier, eine Aktie immer Spekulation ist, Casino. Aber das ist nicht der Fall. Das ist ein Sachwert. Das ist ein Anteil an einem Unternehmen. Und klugerweise setzt man nicht auf ein Unternehmen, sondern auf ganz viele unterschiedliche. Und eins ist vielleicht mal nicht so gut, aber wenn du 100 Unternehmen hast und 90 sind gut und zehn nicht so gut, hast du immer noch einen Gewinn gemacht. Und deshalb ist es nicht riskant, in die Wirtschaft zu investieren. Riskant wäre, nichts zu tun und einfach so diese Umlage weiter passieren zu lassen auf das Verhältnis eins zu zwei, ohne dass man etwas tut.

Jetzt komme ich nochmal zu der privaten Säule. Ich hatte ja eben gesagt, 48 Prozent, das ist das, was man erwarten kann von seinem letzten Einkommen. Aber das deutsche Rentensystem hat drei Säulen: die gesetzliche Rentenversicherung plus Generationenkapital, dann die betriebliche Altersvorsorge, das macht ihr mit eurer Firma später, und die private Altersvorsorge, das, was man selber tun kann. Und das ist das nächste Kapitel, was wir aufschlagen wollen. Dieses Jahr dieses Generationenkapital und dann kommt auch die private Vorsorge.

Wer hat schon mal was von Riester gehört? Erstaunlich viele! Genau, das ist ein Teil der privaten Altersvorsorge, der noch optimiert werden kann, sage ich mal. Weil es gibt zwar eine öffentliche Förderung, aber es ist noch nicht so attraktiv, wie es sein könnte. Wenn man also schaut, wie entwickelt sich das Geld, was ich angespart habe, da sagen manche, oh, das ist aber für die öffentliche Förderung vielleicht wert, so einen Vertrag zu machen, aber so richtig attraktiv ist es noch nicht. Und das wollen wir ändern. Und deshalb haben wir jetzt so eine Arbeitsgruppe – Fokusgruppe, nennen wir die – eingerichtet. Und die hat Vorschläge gemacht. Und ich nenne jetzt nur mal ein Beispiel.

Wer kennt ETF? Genau das wollen wir auch als eine Möglichkeit sehen, für das eigene Alter vorzusorgen. Es gibt zum Beispiel die Idee, dass man ein spezielles Depot einrichtet und wenn du da in ETF sparst mit der Perspektive, das will ich einsetzen für später, mein eigenes Alter, dann soll es auch da eine öffentliche Förderung in bestimmter Weise geben. Das heißt also, der Aktiensparplan, den manche von euch bei einem "... Republic" oder so haben, das wird dann auch quasi so in die Richtung gehen. Das wird dann auch plötzlich attraktiv. Und man muss nicht Riester machen oder eine Lebensversicherung abschließen. Sondern man kann in dem Bereich dann auch etwas tun für das eigene Alter. Und ich verspreche mir davon eins – sowohl von einem Generationenkapital als auch von diesen Veränderungen bei der privaten Altersvorsorge –: Ich möchte gerne, dass in Deutschland insgesamt mehr Menschen erkennen, dass Kapitalmarkt, Aktien und so weiter, dass das nichts Gefährliches ist, sondern dass das Sparbuch gefährlich ist. Das Sparbuch ist gefährlich in dem Sinne, dass man sagt, das ist sicher. Und ich kriege da zwar keinen Zins, aber es ist sicher. Jetzt in der Inflation sehen wir, Sparbuch ist gar nicht so sicher. Weil du hast lange Zeit weniger Zinsen bekommen, als tatsächlich das Geld an Wert verloren hat. Das passiert bei Sachwerten, wo du in eine Aktie anlegst oder eben ganz viele Aktien, das passiert da so nicht. Weil du hast eben einen Sachwert in der Hand und damit tatsächlich auch ein Vermögen geschaffen.

MODERATION: Herr Minister, ich unterbreche Sie nur sehr ungern. Ich bin hinter Ihnen. Aber das Sparbuch ist unsicher, das ist doch schon ganz knackiger Schlusssatz eigentlich.

CHRISTIAN LINDNER: Ah, sehr gut. Ja, okay, das war sehr charmant. Ich wäre tatsächlich jetzt auch dazu gekommen, so eine kleine QA-Session anzubieten.

MODERATION: Genau und dafür bin ich jetzt da. Genau, also erstmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Wir wissen, Sie haben viele wichtige Themen auf den Tisch. Und Sie machen die ökonomische Bildung zu einem davon. Und da sind wir Ihnen sehr dankbar für. Und dafür erstmal einen Applaus.

CHRISTIAN LINDNER: Vielen Dank, danke. Wobei hier hatte ich es ja mit einem qualifizierten Fachpublikum zu tun. Also wenn ich mal so gefragt habe, wer hat was davon gehört, Erläuterungen über Rentenpunkte und so. Also hier würde ich sagen, sprechen wir aber sehr auf Augenhöhe, was finanzielle Fragen angeht. So, was habt ihr für Themen, die ihr besprechen wollt?

MODERATION: Ganz kurz zum Vorgehen vielleicht, weil wir nicht viel Zeit haben. Haltet euch kurz und knapp. Wir nehmen euch dran. Und sagt gerne kurz euren Namen, das Alter und dann starten wir rein. Bitte schön, in der blauen Bluse.

PUBLIKUM: Ja, mein Name ist Isabelle, ich bin 19. Und meine Frage geht über den EU-Beschluss bezüglich des "Payment for Order Flow". Und zwar, es ist ja EU-Beschluss, dass ab 2026 eben vor allem Neobroker dann ein Problem haben, weil eben dieses "Payment for Order Flow" verboten wird. Wie sieht es dann jetzt für junge Menschen und Neuanleger aus, in den Aktienhandel einzusteigen? Was sind da die Probleme, was sind die Möglichkeiten?

CHRISTIAN LINDNER: Vielen Dank. Ich bedauere das sehr. Um das ganz klar zu sagen, ich finde das nicht gut. Und ich habe auch alle Möglichkeiten genutzt, die wir als einer von 27 Mitgliedsstaaten haben, um mit Argumenten dagegen anzuarbeiten. Jetzt gab es diesen Beschluss. Unsere Argumente sind leider so nicht gehört worden. Ich sage mal so, dass es nicht sofort, sondern erst in der nahen Zukunft zu diesem Verbot kommt, das rechne ich uns als einen Erfolg an. Aber das ist natürlich nur ein Trostpreis. Und nicht das, was wir uns eigentlich gewünscht haben. Kennen alle "Payment for Order Flow", was damit gemeint ist?

Also vereinfacht gesagt, eine vergünstigte Form, mit weniger Gebühren ein Wertpapier zu kaufen. Und das macht das natürlich attraktiv. Weil dann kann man auch sagen, okay, ich kaufe für 50 Euro oder für 20 Euro was und ich habe weniger Gebühren. Das macht also Sinn. Und da wurde dann gesagt von der Europäischen Kommission oder anderen, ja, ob das immer der beste Preis ist, den man da bekommt. Da sollten also Kundinnen und Kunden, Sie sind vielleicht eine, die sollten vor sich selbst geschützt werden. Aber vielleicht gibt es ja auch Anlegerinnen und Anleger, die sagen ja, ich weiß, was das ist, "Payment for Order Flow", ich kenne die Pros und Cons. Ich entscheide mich aber trotzdem dafür. Ich mach das trotzdem. Im Wissen darum, was da passiert. Weil die kleinen Unterschiede beim Pricing zwischen unterschiedlichen Börsenplätzen sind für mich nicht so erheblich im Vergleich zu der eingesparten Gebühr.

Also, wir müssen dafür sorgen, dass daraus keine höhere Hürde wird für auch Kleinanleger, die einsteigen wollen. Und ich sage es ganz unverblümt, ich setze da auf den guten alten Markt. Auf den guten alten – ja –; der Markt regelt alles. Ich weiß, ich kenne die Memes auch. Er regelt nicht alles, aber ohne Markt ist auch alles nicht so gut. Also, Staat regelt alles – der Umkehrschluss – gilt auch nicht. Ich setze einfach auf den Wettbewerb. Denn eins haben die Neobroker doch verändert. Gerade unter Jüngeren ist Aktie, Wertpapier, ETF ein riesiges Thema geworden. Es ist ein riesig spannender Markt geworden. Und das lässt sich niemand entgehen. Und ich hoffe, dass es über diesen Nachfragedruck und den Wettbewerb auch jetzt Veränderungen bei den Handelsplätzen gibt mit Blick auf die Gebühren.

MODERATION: Ja, vielen Dank, Herr Lindner, für Ihre Antwort. Von dieser Seite hätten wir auch noch die Möglichkeit. Einmal hier in Weiß vielleicht?

PUBLIKUM: Mein Name ist Elisa, ich bin 23. Vielen Dank, dass Sie hier sind. Ich wollte fragen, ich finde, das klingt total super, für Rente Geld anlegen. Glauben Sie nicht, dass das aber zu riesigen Konflikten führt, wenn es dann darum geht, wo angelegt wird? Also wenn Leute Probleme haben mit bestimmten Betrieben. Das führt doch garantiert zu Streit.

CHRISTIAN LINDNER: Wenn man es zu einer Sache der Politik machen würde, haben Sie vollkommen Recht. Das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, ist, wir schaffen da ein Altersvorsorgevermögen ein Generationenkapital und Politikerinnen und Politiker fangen an, die Anlageentscheidungen zu treffen. Davor habe ich Angst. Weil dann spielt nicht eine Rolle, das Rentensystem zu stabilisieren, sondern andere Ideen. Da haben wir doch ein wichtiges Projekt. Und dort wünschen wir uns was. Und das ist uns unsympathisch. Deshalb: Es soll unabhängig sein. Das Generationenkapital wird eine eigene Stiftung sein, also unabhängig vom Staatshaushalt, erstens. Zweitens, ein unabhängiges Management für die Anlage, das nach professionellen Gesichtspunkten entscheidet, trifft die Entscheidungen für Sie, für uns alle. Komma, aber drittens, es gibt dennoch Anlagegrundsätze. Also auch wenn es eine Stiftung ist jenseits des Staatshaushalts und auch wenn es ein unabhängiges Management ist, es gibt dennoch Anlagegrundsätze. Da gibt es Bestimmungen der Taxonomie und also das ist so eine Art Regelwerk, in was soll investiert werden und was nicht. Und wir haben auch generell für die Kapitalanlage des Staats bestimmte ethische Grundsätze. Also jetzt in total fossile, bewegungsunwillige Unternehmen, die irgendwo auf der Welt Menschen sozial ausbeuten und die Umwelt zerstören, da würde ich sagen, sollte man echt einen Bogen drum machen. Aber das bedeutet nicht, dass Politikerinnen und Politiker Einzelentscheidungen treffen, sondern gewissermaßen die strategischen Leitplanken vorgeben. Sonst gibt es die Konflikte, die Sie ganz genau erahnen.

MODERATION: Nächste Frage. Martha, zu dem Herrn im weißen Hemd auf der anderen Seite.

CHRISTIAN LINDNER: Es haben viele weiße Hemden an.

MODERATION: Ja, das stimmt, das war ein schlechtes Merkmal, das stimmt. Ne, Martha, hier vorne. So weit musst du gar nicht.

PUBLIKUM: Ja, vielen Dank. Mein Name ist Ben. Und ich hätte eine Frage abseits von diesen fachlichen Fragen. Wir sind uns ja, glaube ich, alle einig, dass wir heute hier sehr, sehr viel sinnvolle Dinge gelernt haben. Und ich kenne sehr, sehr viele Schüler, die den Zukunftstag schon an ihrer Schule hatten. Aber ich kenne mindestens genauso viele, die ihn auch noch nicht hatten an ihrer Schule. Was können Sie als Minister dafür tun, dass dieser Tag von der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung an jeder Schule in Deutschland die nächsten Jahrzehnte umgesetzt wird, damit jeder das Wissen hat, was wir heute mit auf den Weg bekommen haben, um eben gut vorbereitet in die Finanzwelt, in die Steuerwelt, in die Immobilienwelt und Versicherungswelt zu gehen?

CHRISTIAN LINDNER: Also, unser Anliegen ist, die finanzielle Bildung überall zu stärken. Ich hatte eben schon gesagt – auch mit dem kleinen Beispiel so von den Ständen in der Fußgängerzone –, es ist nicht nur eine Altersfrage. Und ich glaube, was wir hier heute schon auch an Fragen gerade erlebt haben, ich würde sagen, das ist schon gehobenes finanzielles Wissen, obwohl hier ein jüngeres Publikum ist. Ich glaube, dass es auch ältere Bevölkerungsgruppen und Veranstaltungen gäbe, wo nicht so viel Wissen vorhanden ist wie jetzt bei Ihnen. Also, wir machen eine Finanzbildungsstrategie der Bundesregierung. Eine Finanzstrategie erarbeiten wir mit der OECD, das ist eine Organisation von wirtschaftlich starken Staaten. Wir machen eine Finanzbildungsplattform, wo viele gute Angebote, die es schon gibt – Bundesbank, BaFin, auch viele private Initiativen; es gibt auch sehr qualitätsvoll arbeitende Influencer in Social Media, die sehr überzeugende Angebote machen, kennt ihr sicherlich alle, sind auch manche hier in der Nähe gerade – die bringen wir da zusammen.

Beim Zukunftstag bin ich Schirmherr. Und das soll auch ein Zeichen der Wertschätzung sein, aber auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an die eine oder andere Schule, dass das eine gute Initiative ist, die auch an dieser Schule stattfinden sollte. Sodass idealerweise jede Schülerin, jeder Schüler mindestens einmal während seiner Schullaufbahn die Gelegenheit hatte, an so etwas teilzunehmen. Den direkten Einfluss, wie Sie wissen, auf die Schulen habe ich als Finanzminister nicht, weil das eine Aufgabe ist der Länder und es auch ja pädagogische Freiheiten bei diesen Projekttagen an der einzelnen Schule gibt. Also insofern habe ich da nur so eine, sage ich mal, positive Einflussmöglichkeit, durch gutes Beispiel voranzugehen wie heute.

MODERATION: Es tut mir sehr leid, die Aufgabe der Zeitwächterin ist keine dankbare bei so einer Veranstaltung. Aber ich muss leider sagen, wir kommen zum Ende des Tages.

CHRISTIAN LINDNER: Zehn Minuten noch?

MODERATION: Ja genau und dafür haben wir leider noch ein bisschen Programm. Inklusive Foto. Sollen wir noch eine Frage machen?

CHRISTIAN LINDNER: Bitte noch fünf Minuten.

MODERATION: Okay, wenn Sie das sagen, dann gerne. Also ich übernehme dann jetzt einmal kurz. Dann einmal dahinten auf der Ecke, bitte bei Juri.

PUBLIKUM: Hallo, leider bin ich sehr nervös gerade. Ich bin Marian, 20 Jahre alt. Und meine Frage wäre zur Inflation. Weil es betrifft uns ja alle im Raum, es betrifft uns in ganz Deutschland leider. Und ich habe mir da als Maßstab den Döner gewählt, weil alle kennen Döner, viele lieben Döner. Und jeder weiß ungefähr, wie viel ein Döner kostet. Daher wäre meine Frage, wie realistisch ist es, dass die Preise wieder sinken bzw. der Döner wieder billiger wird?

CHRISTIAN LINDNER: Also die Preise sinken, das wird nicht passieren. Aber was nicht weiter passieren darf, ist, dass das Geld weniger Wert wird und die Menschen Kaufkraft verlieren. Also, vereinfacht gesagt, was bedeutet Kaufkraft: Ich arbeite eine Stunde und ich kann mir dafür zwei Döner kaufen – ja, ist vielleicht sogar noch eine Cola dabei, je nachdem, was man arbeitet. Das ist Kaufkraft. Und wenn du irgendwann eine Stunde arbeitest und kannst nur einen Döner ohne Cola kaufen, dann bist du ärmer geworden. Egal wie viel der Döner jetzt in Euro und Cent kostet. Weil das ist so die Relation – Kaufkraft. Inflation ist ein riesiges Problem, weil es macht die Menschen ärmer, nimmt ihnen Kaufkraft, ist darüber hinaus aber auch ein Problem für die Wirtschaft insgesamt, denn wenn du investieren willst in eine neue Maschine und hast gleichzeitig mit dem Inflationsthema zu tun – schwierig.

Außerdem bekämpft ja unsere Europäische Zentralbank die Inflation durch höhere Zinsen. Das heißt, sie zieht die Zinsen an und will dadurch in der Wirtschaft einen Impuls geben, dass die Preise nicht weiter steigen. Das kühlt aber die Wirtschaft ab. Das heißt also, das kostet Wachstum. Das kostet auch Wohlstand, die Inflation zu bekämpfen. Und genau in dem Prozess stecken wir jetzt gerade. Die Europäische Zentralbank zieht die Zinsen an. Das hat ganz starke Auswirkungen zum Beispiel im Baubereich gegenwärtig, da, wo Wohnungen gebaut werden sollen, wird das teurer. Da machen Unternehmen dann auch mal schnell die Grätsche oder sagen Projekte ab. Also die ziehen an, das hat also auch eine schädliche Wirkung die Inflationsbekämpfung.

Deshalb muss das so schnell wie es geht wieder normalisiert werden. Und welchen Beitrag kann ich dazu leisten? Nicht immer neue Schulden für den Staat machen und mit den Schulden Ausgaben produzieren. Denn die Europäische Zentralbank zieht quasi an und wenn ich dann mit der Kraft des Staates dagegen arbeite, dann dauert das länger. Die Inflation zu bekämpfen, wird entsprechend teurer und schädlicher. Und das ist der Grund – verfolgt ihr ja auch –, warum ich sage, okay, es ist nicht nur aus rechtlichen Gründen notwendig, zur Schuldenbremse zurückzukehren. Es ist auch aus ökonomischen Gründen notwendig, damit wir nicht fortwährend die Inflation verstärken, dadurch, dass wir expansiv mit Milliarden Euro Schulden, die wir machen, dagegen arbeiten. Und dann guten Appetit, ja.

MODERATION: So, möchten Sie noch?

CHRISTIAN LINDNER: Ja.

MODERATION: Sie sind ja super motiviert heute. Das freut uns natürlich. Dann gerne hier vorne noch einmal, aber das ist dann auch die letzte Frage.

CHRISTIAN LINDNER: Sie waren auch die Erste, die sich gemeldet hat. Und deshalb ist es auch nur gerecht, dass Sie jetzt auch noch drankommen.

PUBLIKUM: Vielen Dank! Und zwar bin ich Nedjmije, ich bin Innenkoordinatorin der Bundesschülerkonferenz, sagt Ihnen vielleicht an der Stelle auch was gerade.

CHRISTIAN LINDNER: Klar, mein erstes gewähltes Amt war Schülersprecher des städtischen Gymnasiums Wermelskirchen.

PUBLIKUM: Das ist ja wunderbar, das freut mich sehr zu hören.

CHRISTIAN LINDNER: Ich bin gespannt, wo wir Sie wiedersehen.

PUBLIKUM: Ja, und zwar ist es dann ja auch immer so ein bisschen unsere Aufgabe, nochmal daran zu appellieren oder dann auch nochmal die Fragestellung; also, ich habe das ja so ein bisschen mit begleitet, jetzt gerade so diese Zusammenarbeit mit Frau Stark-Watzinger im Bereich finanzielle Bildung. Ich bin auch sehr dankbar, dass Sie das gleich angesprochen haben. Ich war schon so ein bisschen; hatte schon so ein kurzes Grauen, okay, Altersvorsorge auch wichtig, aber finanzielle Bildung auch sehr, sehr wichtig, Bildungsgerechtigkeit auch sehr, sehr wichtig. Daher die Frage, es wird immer oft über junge Leute gesprochen in der Politik, aber nicht mit jungen Leuten. Ist da geplant, dass dort auch junge Leute mit einbezogen werden? Wenn ja, wir sind auch, also wir stellen uns natürlich immer gerne für ein Gespräch bereit. Aber das nochmal als Appell, bitte nicht die jungen Leute vergessen an der Stelle.

CHRISTIAN LINDNER: Absolut. Und der Appell ist richtig. Und er ist vor allem auch methodisch von großer Bedeutung. Deshalb habe ich eben auch Influencer angesprochen: Denn trocken und irgendwie in technischem Deutsch Menschen, die sich, egal welchen Alters übrigens nicht für finanzielle Fragen interessieren, anzusprechen, bringt gar nichts. Man muss die Leute da abholen, wo sie sind. Ich spreche in dem Zusammenhang immer gerne zwischen dem Unterschied zwischen Bus und Taxi. Bus ist, alle Leute müssen an einen Ort, steigen dann ein und werden dann woanders hingefahren. Das funktioniert in der finanziellen Bildung nicht. Weil die Leute zu unterschiedlich sind. Die kommen nicht an den einen Ort, schauen sich nicht das eine Angebot an. Sondern wir brauchen das Taxiprinzip: Also da abholen, wo jemand ist. Und das gelingt natürlich nur, wenn man auch die Bedürfnisse, die Interessen von jungen Menschen kennt, mit ihnen spricht und auch die Ideen, die man hat, rückkoppelt, was kann sinnvoll sein. Also wer 14-Jährige, 15-Jährige interessieren will für wirtschaftliche Fragen, wird das eher nicht auf LinkedIn machen, sondern der findet andere Wege und andere Netzwerke zum Beispiel. Oder auch die Aufbereitung – wie macht man das? So nüchterne Charts wie hier oder erzählt man nicht lieber auch besser Geschichten?
Und da gibt es viele, die das schon sehr, sehr gut machen. Also gerade auch private Initiativen machen das sehr gut. Da muss man nicht immer das Rad neu erfinden, meine ich. Vielen Dank für den Hinweis. Schülerinnen und Schüler werden auch direkt mit einbezogen.

MODERATION: So, ich hoffe, ich habe es mir.

CHRISTIAN LINDNER: Letzte Frage und dann müssen wir.

MODERATION: Ich habe es mir jetzt schon mit Ihren Mitarbeitenden versaut.

CHRISTIAN LINDNER: Dann übernehmen Sie wieder das Regiment. Eine Frage jetzt noch. Sie entscheiden, wer.

PUBLIKUM: Danke sehr. Marti mein Name. Meine Frage wäre: Wir haben ja jetzt schon viel über Altersvorsorge geredet. Warum hat sich die Bundesregierung so viel Zeit gelassen bzw. nicht schon vorher Gedanken darüber gemacht, das so zu machen wie in Norwegen mit dem norwegischen Staatsfonds und in Aktien zu investieren?

CHRISTIAN LINDNER: Ja, die Frage ist absolut berechtigt. Mein Beispiel wäre übrigens allerdings nicht Norwegen, weil die haben ja Rohstoffeinnahmen. Schweden ist ein, ich sage mal, traditioneller skandinavische Wohlfahrtsstaat. Und dennoch haben die schon vor gut 20 Jahren mit entsprechenden Dingen angefangen. Ja, warum ist das nicht passiert? Was hilft uns, in den Rückspiegel zu schauen? Man beklagt, was ist da alles nicht passiert. Ich hätte eine lange Liste von Sachen, wo ich mir wünschen würde, Mensch also hätte man das schon mal eher gemacht. Das ist eine lange, lange Liste. Aber hey, jetzt bin ich da. Und anders gesagt, jetzt machen wir es. Ja, es gibt da noch so ein ganz kleines Bisschen Diskussionen über das eine oder andere Detail.

Deshalb seid ihr auch – Sie und ihr alle – herzlich eingeladen, auch sich an den Diskussionen zu beteiligen, mitzukommentieren in Social Media oder auch andere mitzuüberzeugen, wenn ihr sie trefft. Also schauen wir nach vorn. Jedenfalls jetzt nicht weitere Zeit verlieren. In der Tat, uns fehlen 20 Jahre. Aber umso weniger dürfen wir jetzt uns noch mehr Zeit lassen, sondern müssen einfach heute die Entscheidungen treffen und auch mit ein bisschen Mut vorangehen.

Ja, vielen Dank für die spannenden Fragen. Es waren ja eher Diskussionspunkte. Das fand ich ganz toll. Ich habe gesehen, einige sind jetzt noch offengeblieben. Da ist meine Einladung: Schreibt mir einfach auf Instagram eine "Direct Message", dann können wir das vielleicht da noch abarbeiten. Einverstanden? Okay, also bitte nicht alle gleichzeitig. Vielen Dank.