Navigation und Service

  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

    Lebhafte gesamtwirtschaftliche Aktivität in der ersten Jahreshälfte

    Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich im 1. Halbjahr fortgesetzt. Im bisherigen Jahresverlauf erfolgte eine lebhafte Ausweitung der gesamtwirtschaftlichen Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Den aktuellen Wirtschaftsdaten zufolge dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 2. Quartal in ähnlicher Größenordnung wie im vorangegangenen Vierteljahr gestiegen sein, als es kalender-, saison- und preisbereinigt um 0,6 % angestiegen war. So sind Umsätze und Erzeugung in der Industrie tendenziell aufwärtsgerichtet. Zudem ist die Stimmung in den deutschen Unternehmen außerordentlich gut. Seit nunmehr fünf Monaten steigt der Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft kontinuierlich an. Der im Juni gemessene Wert erreicht den höchsten Stand seit 1991. Risiken aus der Gestaltung des Brexit und aus der zukünftigen US-Handelspolitik bleiben jedoch nach wie vor bestehen.

    Die gesamtwirtschaftliche Expansion wurde im 1. Quartal sowohl von der Entfaltung der Inlands- als auch von der Auslandsnachfrage getragen. Insbesondere die Investitionen in Bauten und Ausrüstungen legten kräftig zu. Zudem erhöhten die privaten Haushalte und der Staat leicht ihre Konsumausgaben. Die dynamischere Außenhandelstätigkeit deutete auf eine allmähliche Belebung der Weltwirtschaft hin. Dieses Konjunkturbild dürfte auch das 2. Quartal geprägt haben. Die Beschäftigung nahm am aktuellen Rand weiter spürbar zu und begünstigte zusammen mit Einkommenssteigerungen den privaten Konsum. Die allmähliche Belebung der Weltwirtschaft sorgte für eine Aufwärtstendenz der Exporte zur Mitte des 2. Quartals. Auch die Investitionstätigkeit dürfte weiter zunehmen, auch da das Kapazitätserweiterungsmotiv vor dem Hintergrund einer zunehmenden Inlands- und Auslandsnachfrage an Bedeutung gewinnt.

    Der stetige Aufschwung geht mit einer positiven Entwicklung des Steueraufkommens einher: Die Einnahmen aus den besonders konjunkturreagiblen Steuerarten – veranlagte Einkommensteuer, Lohnsteuer, Körperschaftsteuer und Steuern vom Umsatz – sind im Jahresverlauf deutlich angestiegen. So lag z. B. im 1. Halbjahr 2017 das Kassenergebnis der Lohnsteuer mit +6,5 % deutlich über dem Vorjahresniveau. Das Aufkommen der Steuern vom Umsatz stieg in diesem Zeitraum um 4,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Deutsche Exporte im Mai weiter aufwärtsgerichtet

    Die deutschen Warenausfuhren setzten ihren Aufwärtstrend im Mai fort, nachdem bereits im April ein guter Wert erzielt wurde. Die nominalen Warenexporte stiegen im Mai um saisonbereinigt 1,4 % (nach +0,9 % im April). Das Vorjahresniveau wurde im Mai deutlich überschritten (+14,1 %, nach -2,9 % im April).

    Die Exporte wuchsen dabei etwas stärker als die Importe. Die nominalen Warenimporte zeigten im Mai erneut einen spürbaren Anstieg (saisonbereinigt +1,2 %, nach +5,4 % im April). Auch in der Zweimonats-Tendenz zeigt sich bei den Importen eine Aufwärtsbewegung (+2,8 %). In der Vorjahresbetrachtung übertrafen die Importe das Niveau von Mai 2016 ebenfalls spürbar (+16,2 %).

    Nach Regionen betrachtet (nach Ursprungslandprinzip, Daten liegen bis April vor) steigen die Exporte in Drittländer außerhalb der Europäischen Union (EU) etwas stärker als Exporte in die EU. In Länder der EU-28 wurde im Zeitraum Januar bis April im Vergleich zum Vorjahr 4,8 % mehr exportiert (Euroraum +5,2 %; Nicht-Euroraum: +4,0 %). Die Ausfuhren in Drittländer lagen um 6,7 % über dem Niveau des Vorjahres. Auch die Einfuhren nahmen insbesondere aus Drittländern zu (+11,4 %); aber auch aus den EU-Staaten, aus denen rund 57 % der Importe kamen, war mit einem Plus von 7,0 % eine merkliche Steigerung zu erkennen (Euroraum: +6,3 %; Nicht-Euroraum: +8,4 %). Zum Beispiel stiegen die Importe aus den USA stärker an als die Exporte. Die Handelsbilanzüberschüsse gingen sowohl gegenüber den EU-28 als auch gegenüber Drittländern im Vergleich zum Vorjahr zurück.

    Insgesamt unterschritt die Handelsbilanz im Zeitraum Januar bis Mai 2017 nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank mit +111,3 Mrd. € das entsprechende Vorjahresniveau um 4,1 Mrd. €. Der Leistungsbilanzüberschuss reduzierte sich im selben Zeitraum um 12,3 Mrd. € auf +98,0 Mrd. €.

    Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) profitiert Deutschland derzeit von der sich fortsetzenden Erholung des Welthandels. Der IWF erhöhte vor diesem Hintergrund jüngst noch einmal leicht seine Wachstumsprognose für die Jahre 2017 und 2018.

    Aktuell sprechen die vorausschauenden Indikatoren für eine positive Entwicklung des deutschen Außenhandels, auch im weiteren Jahresverlauf. Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im Mai deutlich gestiegen. Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren verbesserte sich im Juni auf den höchsten Stand seit April 2011. Die deutschen Exporteure profitieren dabei laut ifo Institut insbesondere von der wirtschaftlichen Dynamik in der EU.

    Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten

    Tabelle 1

    Deutsche Industrie im Mai weiter schwungvoll

    Das Produzierende Gewerbe zeigt sich im Mai weiterhin schwungvoll, sodass der zugehörige Index auf das höchste Niveau seit Beginn der gesamtdeutschen Erhebung im Januar 1991 anstieg. Saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat nahm die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Mai um 1,2 % zu, nach +0,8 % im Vormonat. Im Zweimonatsvergleich gegenüber der Vorperiode festigt sich damit die Aufwärtstendenz zunehmend (+1,4 %, nach +1,3 % im April).

    Erneut ist dabei insbesondere die Industrieproduktion aufwärtsgerichtet. Diese stieg über die ersten fünf Monate des Jahres ununterbrochen an. Die Industrieproduktion wuchs im Mai gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 1,3 % und damit spürbar stärker als noch im April (+0,4 %). Der Zweimonatsdurchschnitt gegenüber der Vorperiode ist ebenfalls weiter aufwärtsgerichtet (+1,2 %), nach +0,9 % im April. Diese Aufwärtstendenz resultiert aus Zunahmen in allen Teilbereichen der Produktion. Im Zweimonatsvergleich nahm die Herstellung von Vorleistungsgütern um 1,7 % zu, die Investitionsgüterproduktion stieg um 1,1 %, die Konsumgüterproduktion um 0,6 %.

    In dieser Entwicklung bildet sich vor allem die tendenziell gute Auftragslage der vergangenen Monate ab. Am aktuellen Rand zeigt der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe nach einem Rückgang im vergangenen Monat nun wieder eine Aufwärtsbewegung. Im Mai sind die gesamten Auftragseingänge saisonbereinigt um 1,0 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Entscheidend für den schwachen April war insbesondere das geringere Volumen an Großaufträgen (besonders bei Investitionsgütern). Im Mai sind die Bestellungen für Investitionsgüter nun wieder deutlich aufwärtsgerichtet (+2,6 %). Die Neuaufträge für Vorleistungs- und Konsumgüter nahmen hingegen ab (-0,7 % beziehungsweise -2,9 %). In der Dreimonatstendenz bewegen sich die gesamten Auftragseingänge auf hohem Niveau weitgehend seitwärts (-0,1 % gegenüber der Vorperiode).

    Die in der Tendenz aufwärtsgerichteten Industrieumsätze sind ein weiterer Indikator für eine solide Industriekonjunktur. Am aktuellen Rand zeigt der Umsatz in der Industrie im Mai eine Seitwärtsbewegung (saisonbereinigt +0,1 % gegenüber dem Vormonat), nachdem im April noch ein spürbarer Zuwachs zu verzeichnen war (+1,3 %). Die geringfügig schwächere Dynamik ist in etwa zu gleichen Teilen durch die Umsatzentwicklung im In- und Ausland geprägt (+0,2 % beziehungsweise ±0,0 % gegenüber dem Vormonat). Im Zweimonatsvergleich gegenüber der Vorperiode sind die Gesamtumsätze weiterhin deutlich nach oben gerichtet (saisonbereinigt +1,3 %).

    Am aktuellen Rand deuten die umfragebasierten Indikatoren wie das ifo Geschäftsklima und die Stimmung der Einkaufsmanager weiter auf eine solide und anhaltende konjunkturelle Dynamik im verarbeitenden Gewerbe hin. Die deutsche Industrie sollte somit einen wichtigen Beitrag für ein robustes BIP-Wachstum im 2. Quartal 2017 liefern.

    Die Beurteilung der schwächeren Entwicklung im Baugewerbe ist durch statistische Sondereffekte weiterhin nur eingeschränkt möglich. Die Bauproduktion sank im Mai saisonbereinigt um 1,0 % gegenüber dem Vormonat. Dabei zeigten alle drei Teilbereiche Rückgänge gegenüber dem Vormonat (Ausbau: -1,9 %; Hochbau: -0,1 %; Tiefbau: -1,3 %). Im Vormonat April hatten sich für den gesamten Bau noch leichte Zuwächse gezeigt (+0,2 %). Im Zweimonatsvergleich stieg die Produktion im Baugewerbe noch leicht an (+0,2 %).

    Konsumklima weiterhin gut

    Nachdem sich der private Konsum im 1. Quartal um 0,3 % – und damit etwas mehr als im Vorquartal – ausgeweitet hatte, dürfte er auch im 2. Quartal einen spürbaren Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten. Dafür sprechen die deutlichen Beschäftigungs- und Einkommenszuwächse. Im Mai 2017 waren 648.000 Personen mehr erwerbstätig als im Mai des Vorjahres. Die Stimmung der Verbraucher ist nach wie vor ausgesprochen gut.

    Sowohl die Einkommens- als auch die Konjunkturerwartungen verbesserten sich und damit verbunden stieg auch die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen. Weltwirtschaftliche Unwägbarkeiten spielen derzeit für die Konsumenteneinschätzung keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

    Bestätigt wird das gute Konsumklima zudem durch die Stimmung der Unternehmen im Einzelhandel, welche sich im Juni deutlich aufhellte. Die Erwartungen waren hier so optimistisch wie seit September 2015 nicht mehr. Im Mai waren die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) leicht angestiegen. Auch die Zulassungen von privaten Pkw waren im Mai spürbar angestiegen und im Juni trotz eines leichten Rückgangs im Zweimonatsvergleich aufwärtsgerichtet.

    Beschäftigung steigt auf über 44 Millionen Erwerbstätige im Mai

    Die Zahl der Erwerbstätigen hat im Mai weiter merklich zugenommen, wenn auch etwas weniger kräftig als zu Beginn des Jahres. Die Erwerbstätigenzahl lag nach Ursprungswerten im Mai bei 44,16 Millionen Personen und damit um 648.000 Personen beziehungsweise 1,5 % über dem Vorjahr. Saisonbereinigt nahm die Erwerbstätigenzahl um 36.000 Personen zu (April: +33.000). Die Erwerbstätigkeit erreichte damit ein neues Rekordniveau und erstmals wurde die Marke von 44 Millionen Personen überschritten.

    Wie schon in den Vormonaten stieg insbesondere die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter an, aber auch hier ließ die Dynamik im Vergleich zum sehr kräftigen Winterhalbjahr etwas nach. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im April – (nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit (BA) – bei 32,03 Millionen Personen. Der Vorjahresstand wurde damit um 727.000 Personen weiter deutlich überschritten. Saisonbereinigt verzeichnete die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ein Plus von 37.000 Personen (nach +44.000 Personen im März). Im Vorjahresvergleich zeigten sich die größten Zuwächse erneut in den Bereichen Qualifizierte Unternehmensdienstleistungen, Pflege- und Soziales sowie im Handel.

    Im Juni waren nach Ursprungswerten 2,47 Millionen Personen als arbeitslos registriert. Das waren rund 25.000 Personen weniger als im Vormonat und 142.000 Personen weniger als vor einem Jahr. Die entsprechende Arbeitslosenquote lag bei 5,5 % (-0,4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Saisonbereinigt nahmen die Zahl der Arbeitslosen und die Unterbeschäftigung im Juni leicht zu (je +7.000 Personen); die Arbeitslosenquote liegt saisonal bereinigt bei 5,7 %. Die Zahl der Erwerbslosen (nach ILO-Konzept und Ursprungszahlen) betrug im Mai 2017 insgesamt 1,57 Millionen Personen (Erwerbslosenquote: 3,7 %, saisonbereinigt 3,9 %).

    Diese erste Zunahme der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl seit März 2016 könnte laut der BA auch auf eine Gegenbewegung zur wetterbedingt günstigeren Entwicklung am Ende der Frühjahrsbelebung zurückzuführen sein. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres war weiterhin ein deutlicher Rückgang zu erkennen.

    Der BA-Stellenindex (BA-X), der die Arbeitskräftenachfrage am ersten Arbeitsmarkt abbildet, stieg im Juni auf sehr hohem Niveau leicht an auf 235 Punkte. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist branchenübergreifend weiterhin hoch. Über das vergangene Jahr betrachtet zeigten dabei laut ifo Beschäftigungsbarometer insbesondere die Industrie und der Bausektor eine zunehmende Dynamik. Insgesamt sprechen das aktuelle Bild des Arbeitsmarkts und die Konjunkturindikatoren für eine Fortsetzung der positiven Arbeitsmarktentwicklung.

    Leichte Zunahme der Inflation im Juni

    Im Juni hat sich die Verbraucherpreisinflation nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts im Vorjahresvergleich leicht auf +1,6 % erhöht, nachdem sie im Mai mit +1,5 % relativ moderat verlief. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland stieg im Juni um 1,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat an. Im April dieses Jahres wurde noch ein Wert von 2,0 % erreicht.

    Die relativ moderate preisliche Dynamik im Mai und Juni dürfte – im Vergleich zum April – wesentlich auf den im Vorjahresvergleich deutlich geringeren Energiepreisanstieg zurückzuführen sein. Die Energiepreise blieben im Juni gegenüber dem Vorjahr konstant (im Mai lag die Zunahme noch bei 2 %).

    Für Juni wurde ein im Vergleich zum Mai etwas stärkerer Preisauftrieb ausgewiesen. Er resultiert vor allem aus den höheren Preisen für Nahrungsmittel und Dienstleistungen. Preise für Nahrungsmittel stiegen um 2,8 % (+2,4 % im Mai). Die Dienstleistungspreise erhöhten sich im Juni um 1,7 % gegenüber dem Vorjahr, nach +1,2 % im Monat zuvor. Dabei nahmen die Wohnungsmieten wie bereits im Mai mit 1,8 % etwas stärker zu als die gesamten Dienstleistungen.

    Im Mai lagen die Erzeugerpreise zwar deutlich über ihrem Vorjahresniveau (+2,8 %), sie nahmen allerdings nicht so stark zu wie noch im Vormonat (+3,4 %). Größten Einfluss hatten dabei vor allem die Preise für Vorleistungsgüter (+3,7 %) sowie Preise für Energiegüter
    (+3,0 %). Ohne die Berücksichtigung von Energiepreisen waren die Erzeugerpreise um 2,7 % höher als im Mai des Vorjahres.

    Die Importpreise nahmen ebenfalls erneut spürbar zu (+4,1 %). Damit setzt sich der preisliche Auftrieb bei den Importen den siebten Monat in Folge fort. Im April und im März 2017 hatte die Jahresveränderungsrate allerdings noch jeweils +6,1 % betragen. Wie bei den Erzeugerpreisen ist auch der Anstieg der Importpreise stark durch die Entwicklung der Einfuhrpreise für Vorleistungsgüter und Energie beeinflusst. Der Einfuhrpreisindex ohne Energie lag im Mai nur um 3,0 % höher als im Mai 2016. In der aktuellen Frühjahrsprojektion wird von einer Verbraucherpreisinflation von 1,8 % im Jahr 2017 ausgegangen.

    Verlaufdiagramm: BIP-Wachstum und ifo Geschäftsklima
    Abbildung 1

Footer