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    Jah­res­pro­jek­ti­on der Bun­des­re­gie­rung: Deut­sche Wirt­schaft in kräf­ti­gem Auf­schwung

    • Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Die Jahresprojektion der Bundesregierung korrigiert das Wirtschaftswachstum für 2018 deutlich nach oben, von 1,9 % auf 2,4 %. Der Aufschwung stützt sich auf eine breite binnen- und außenwirtschaftlich fundierte Basis.
    • Chancen für eine günstigere konjunkturelle Entwicklung liegen im In- und Ausland. Die konjunkturelle Erholung in vielen Staaten der Europäischen Union könnte kräftiger ausfallen als angenommen und weitere deutsche Ausfuhren und Investitionen auslösen. Risiken liegen vor allem im globalen Umfeld, etwa in einer konjunkturellen Abschwächung beispielsweise in China, in den Finanzmärkten, in geopolitischen Vorkommnissen oder in den Konsequenzen des Brexit.
    • Die Jahresprojektion wird den Haushaltsplanungen der Bundesregierung zugrunde gelegt. Bei besonders wichtigen gesamtwirtschaftlichen Bemessungsgrundlagen für das Steueraufkommen sind für den kurzfristigen Schätzzeitraum Aufwärtskorrekturen gegenüber der Herbstprojektion 2017 vorgenommen worden.

    Einleitung

    Am 31. Januar 2018 verabschiedete die Bundesregierung die gesamtwirtschaftlichen Eckwerte der Jahresprojektion der Bundesregierung, die Bestandteil ihres Jahreswirtschaftsberichts ist. Für dieses Jahr korrigiert die Bundesregierung ihre Erwartungen zum realen Wirtschaftswachstum deutlich nach oben, und zwar von +1,9 % – wie noch in der Herbstprojektion der Bundesregierung im Jahr 2017 erwartet – auf nunmehr +2,4 %.

    Breites binnen- und außenwirtschaftliches Fundament

    Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Mit dem für das Jahr 2018 projizierten, erneut deutlichen Wachstum würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits das neunte Jahr in Folge zunehmen. Der Aufschwung stützt sich mittlerweile auf eine breite binnen- und außenwirtschaftlich fundierte Basis. Die Beschäftigung, die Einkommen und damit die Konsummöglichkeiten der Bürger nehmen spürbar zu. Die Unternehmen exportieren lebhafter und investieren wieder stärker in Maschinen und Anlagen. Trotz Fachkräfteengpässen in einzelnen Berufsfeldern ist derzeit kein Ende des Aufschwungs absehbar.

    Mit einem Zuwachs von 2,2 % wurde im vergangenen Jahr das höchste Wirtschaftswachstum seit dem Jahr 2011 verzeichnet. Bereinigt um die geringere Anzahl an Arbeitstagen nahm das BIP mit 2,5 % sogar noch etwas stärker zu. Die bereits robuste binnenwirtschaftliche Entwicklung wurde zunehmend durch außenwirtschaftliche Impulse ergänzt und verstärkt. Denn die Belebung der Weltwirtschaft und die Erholung des Welthandels, die Ende des Jahres 2016 einsetzten, setzten sich im Jahr 2017 fort. Weitere positive Impulse kamen von der Nachfrage nach Arbeitskräften, aber auch von den niedrigen Zinsen. Diese Auftriebskräfte wirken fort und die konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft dürfte sich im laufenden Jahr sogar noch weiter aufhellen. Die gute Entwicklung der vorausschauenden Konjunkturindikatoren wie der Auftragseingänge oder der Stimmungsindikatoren legen eine Fortsetzung der dynamischen Entwicklung in der Industrie nahe. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt hält an. Die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen für das Jahr 2018 sind gut.

    Die Bundesregierung erwartet für das Jahr 2018 eine Zunahme des preisbereinigten BIP in Höhe von 2,4 %. Damit setzt sich der Aufschwung kräftig fort. Der Beschäftigungsaufbau dürfte durch das knapper werdende Arbeitskräfteangebot etwas weniger schwungvoll verlaufen. Für Arbeitgeber wird es in vielen Branchen und Regionen schwieriger, die offenen Stellen in ihren Unternehmen erfolgreich zu besetzen. Dies erschwert die Ausweitung der Produktion. Deshalb geht die Bundesregierung für dieses Jahr mit 2,4 % in kalenderbereinigter Rechnung von einer etwas geringeren Zunahme des BIP aus als im abgelaufenen Jahr. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleibt jedoch robust. Der Euroraum, Deutschlands wichtigster Absatzmarkt, steht erst am Anfang der zyklischen Erholung.

    Zudem befindet sich die deutsche Wirtschaft nur in einer leichten Überauslastung, sodass kein abrupter Abbruch des konjunkturellen Aufschwungs zu befürchten ist. Die Risiken und Chancen für die Wirtschaft sind gegenwärtig ausgeglichener als in der jüngeren Vergangenheit, auch wenn die Unwägbarkeiten weiterhin beachtlich bleiben.

    Grafiken zur Entwicklung des BIP in Deutschland (preisbereinigt) mit Daten zur Jahresprojektion 2018 im Vergleich zum Vorjahr
    Abbildung 1

    Die Jahresprojektion der Bundesregierung liegt etwas über der Prognose des Sachverständigenrats vom November 2017. Der Rat hat für das Jahr 2018 ein Wachstum in Höhe von 2,2 % prognostiziert. Einerseits dürfte angesichts der zuletzt volatilen Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe das Wachstum des BIP im Schlussquartal etwas geringer ausfallen als vom Sachverständigenrat erwartet. Andererseits wurde das BIP für das 1. Halbjahr 2017 deutlich nach oben revidiert. Diese Informationen lagen dem Rat zum Zeitpunkt der Prognoseerstellung noch nicht vor. Insgesamt war daher das Jahresergebnis 2017 etwas günstiger als vom Rat erwartet und damit die Ausgangsbasis für das Jahr 2018 etwas besser. Zudem haben sich die konjunkturellen Perspektiven im Ausland nochmals verbessert. Das Konjunkturbild ist in beiden Projektionen in den Grundzügen sehr ähnlich. Sowohl in der Jahresprojektion als auch in der Prognose des Sachverständigenrats gehen von den privaten Konsumausgaben starke Wachstumsimpulse aus. Die Einschätzung des Rats, dass die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland insbesondere Risiken aus der Weltwirtschaft ausgesetzt ist, wird von der Bundesregierung geteilt.

    Eckwerte der Jahresprojektion 2018

    Tabelle 1

    Arbeitsmarkt und Konsum bleiben wichtige Triebkräfte

    Der Arbeitsmarkt bleibt eine wichtige Triebkraft für das deutsche Wirtschaftswachstum. Der Beschäftigungsaufbau hält nunmehr seit dem Jahr 2005 an und wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Die Beschäftigung wird vor allem in den Dienstleistungsbereichen aufgebaut, sie dürfte aber auch im Verarbeitenden Gewerbe weiter ausgeweitet werden. Der Anstieg der Beschäftigung im prognostizierten Umfang wird durch die Zuwanderung aus anderen Staaten der Europäischen Union (EU) erst ermöglicht. Doch angesichts der europaweiten konjunkturellen Erholung wird auch in den Herkunftsstaaten der Zuwanderer die Arbeitsnachfrage steigen und somit die Arbeitsmigration nach Deutschland weniger attraktiv werden. Zudem ist in Deutschland die Partizipation der heimischen Bevölkerung am Arbeitsmarkt im internationalen Vergleich bereits sehr hoch, sodass sich die weitere Aktivierung und Ausschöpfung der Stillen Reserve perspektivisch verlangsamen dürfte. Die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt wird trotz intensiver Integrationsbemühungen und der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften gemäß bisheriger Erfahrungen nur allmählich gelingen.

    Angesichts der guten Ertragslage der Unternehmen und einer zunehmenden Knappheit am Arbeitsmarkt dürften die Tarifvertragsparteien deutlichere Lohnsteigerungen als in den vergangenen Jahren vereinbaren. Die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer (Effektivverdienste) werden in diesem Jahr stärker zunehmen als im Vorjahr. Darauf deuten auch die aktuellen Abschlüsse in den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektrobranche hin.

    Die zu Jahresbeginn greifenden Senkungen von Steuern und Abgaben mildern die Wirkung der kalten Progression, wodurch die Nettolöhne ähnlich stark wie die Bruttolöhne steigen dürften. Die monetären Sozialleistungen werden u. a. wegen der turnusmäßigen Rentenerhöhungen spürbar expandieren.

    Insgesamt werden daher die verfügbaren Einkommen auch in diesem Jahr deutlich zunehmen. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen werden im Zuge der konjunkturellen Erholung geringfügig stärker als die Arbeitnehmerentgelte expandieren. Im Ergebnis bleibt die gesamtwirtschaftliche Lohnquote in etwa konstant. Die Lohnstückkosten nehmen moderat zu. Bedingt durch eine etwas geringere Zunahme der Energiepreise dürfte der Anstieg der Verbraucherpreise in diesem Jahr geringfügig niedriger ausfallen als im Vorjahr.

    Angesichts der expandierenden realen verfügbaren Einkommen und der guten Perspektiven am Arbeitsmarkt werden die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben kräftig ausweiten. Die zusätzlichen Einkommen werden auch für Investitionen in private Wohnbauten verwendet.

    Der Staatskonsum wird im Jahr 2018 stärker ansteigen als im Vorjahr. Die Dynamik ist auf den stärkeren Zuwachs der sozialen Sachleistungen zurückzuführen. Unter der Annahme unveränderter Politiken ist im laufenden Jahr ein positiver gesamtstaatlicher Finanzierungssaldo zu erwarten. Der strukturelle, d. h. um Konjunktur- und Einmaleffekte bereinigte, Finanzierungssaldo wird im Jahr 2018 ebenfalls positiv sein.

    Weltwirtschaft zeigt spürbare Aufwärtsbewegung

    Die Weltwirtschaft befindet sich in einem breiten Aufschwung. In diesem Jahr dürften alle großen Volkswirtschaften ein spürbares Wachstum aufweisen. In Anlehnung an die Prognosen internationaler Organisationen wird in der Projektion für das Gesamtjahr 2018 von einem nochmals geringfügig stärkeren Wachstum der Weltwirtschaft als im vergangenen Jahr ausgegangen. Auch der Welthandel dürfte weiter kräftig expandieren. Angesichts der hohen Nachfrage aus dem Ausland werden die Exporte, trotz der Aufwertung des Euro, nominal und preisbereinigt stärker zunehmen als im Vorjahr. Die konjunkturellen Perspektiven für den Euroraum haben sich weiter verbessert: Nach der Schwächephase der Vorjahre im Zuge der Schuldenkrise dürfte sich die zyklische Erholung in diesem Jahr fortsetzen.

    In Anbetracht der weiter verbesserten Absatzperspektiven, anhaltend günstiger Finanzierungsbedingungen sowie der überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung werden die Unternehmen verstärkt in die Erweiterung ihrer Anlagen investieren. Die Investitionsquote wird in diesem Jahr daher deutlich zunehmen. Aufgrund der dynamisch anziehenden Gesamtnachfrage werden die Importe weiterhin stärker als die Exporte zunehmen. Somit dürfte der Leistungsbilanzsaldo bezogen auf das BIP weiter leicht auf 7,8 Prozentpunkte reduziert werden.

    Aus Sicht der Bundesregierung stellt die Jahresprojektion – unter den gegebenen Rahmenbedingungen – die wahrscheinlichste Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft dar. Dennoch ist diese Einschätzung mit Unsicherheit behaftet. Chancen für eine günstigere konjunkturelle Entwicklung liegen im In- und Ausland. Die konjunkturelle Erholung in vielen Staaten der EU könnte z. B. kräftiger ausfallen als angenommen und weitere deutsche Ausfuhren und Investitionen auslösen. Risiken liegen vor allem im globalen Umfeld, etwa in einer konjunkturellen Abschwächung beispielsweise in China, in den Finanzmärkten, in geopolitischen Vorkommnissen oder in den Konsequenzen des Brexit. Des Weiteren ist ein Aufflammen protektionistischer Handelshemmnisse nicht auszuschließen, wenngleich hier die Risiken zuletzt abgenommen haben.

    Jahresprojektion wird Haushaltsplanungen zugrunde gelegt

    Die gesamtwirtschaftlichen Eckwerte der Jahresprojektion werden den Haushaltsplanungen der Bundesregierung zugrunde gelegt. Bei den besonders wichtigen gesamtwirtschaftlichen Bemessungsgrundlagen für das Steueraufkommen, also Inlandsnachfrage (insbesondere privater Konsum), Bruttolöhne und -gehälter, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sind für den kurzfristigen Schätzzeitraum Aufwärtskorrekturen gegenüber der Herbstprojektion 2017 vorgenommen worden. Diese – sowie als Basiseffekt die etwas günstigere als erwartete Entwicklung des Steueraufkommens im Jahre 2017 – werden voraussichtlich zu Aufwärtskorrekturen der erwarteten Steuereinnahmen im Projektionszeitraum führen.

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