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    Di­gi­ta­les Ler­nen in der Bun­des­fi­nanz­ver­wal­tung

    • Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Sie bereichert dabei auch in zunehmendem Maße die schulische und berufliche Bildung.
    • Digitale Lernangebote bieten den Teilnehmenden und Lehrkräften räumliche und zeitliche Flexibilität; an ihnen können nahezu unbegrenzt viele Personen teilnehmen.
    • Die Bundesfinanzverwaltung greift die Entwicklungen in der digitalen Bildung auf und nutzt die damit verbundenen Vorteile für die Qualifizierung ihrer Beschäftigten.
    • Damit wird die gute Qualität der Aus- und Fortbildung in der Bundesfinanzverwaltung gesichert und zukunftsorientiert ergänzt.

    Einfluss und Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bildung

    Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Sie ist eines der wichtigsten Themen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik: Unternehmen passen ihre Geschäftsmodelle an und digitalisieren ihre Produktionsabläufe und Dienstleistungen, Arbeitsplätze werden flexibilisiert, Informationsprozesse beschleunigt und die Kommunikationsaktivitäten enorm gesteigert. Das Gleiche gilt für die Verwaltung auf allen Ebenen, was unter dem Schlagwort eGovernance zusammengefasst werden kann.

    Die Digitalisierung bereichert dabei auch in zunehmendem Maße die schulische und berufliche Bildung. Die Bundesregierung hat sich in dieser Legislaturperiode u. a. vorgenommen, die digitalen Kompetenzen in einer modernen Wissensgesellschaft durch eine digitale Bildungsoffensive zu stärken. Dabei beschränkt sich der Einsatz digitaler Medien heute bei weitem nicht mehr auf eine Sammlung von Datenträgern, die durch die Lernenden allein und ohne Feedback-Möglichkeit durchgearbeitet werden müssen.

    Einsatzmöglichkeiten digitaler Lernformen

    Heute bietet die digitale Technik vielfältige Möglichkeiten, um herkömmliche Bildungsmaßnahmen zu ergänzen oder zu verändern:

    • Über eine Lernplattform werden Dokumente und Informationen zur Vor- und/oder Nachbereitung klassischer Präsenzveranstaltungen bereitgestellt und diese damit digital angereichert.
    • Digitale Veranstaltungsabschnitte wechseln sich mit traditionell in Präsenz organisierten Abschnitten ab und werden damit integriert (sogenanntes Blended Learning).
    • Das Lernen findet ausschließlich digital über eine Lernplattform selbstgesteuert oder tutoriell unterstützt statt (sogenanntes E-Learning).
    • Unter Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnik bilden die Lernenden eine Gemeinschaft, in der sie Aufgaben anteilig beziehungsweise gemeinsam lösen oder die Lösungen anderer Teilnehmender in der Gruppe diskutieren (sogenanntes kollaboratives Lernen). Der Lernprozess findet nicht mehr nur zwischen dem einzelnen Teilnehmenden und einem Programm statt, sondern die Teilnehmenden lernen gemeinsam.
    • Die Lerninhalte werden in kurze Lerneinheiten unterteilt (sogenanntes Mikrolernen oder Learning Nuggets). Dadurch kann bereits Gelerntes mit wenig Aufwand wieder aufgefrischt und damit gezielt Wissen auf den neuesten Stand gebracht werden.
    • Der Lernprozess wird mit dem Arbeitsprozess so verschmolzen, dass sich das Lernergebnis durch die konkrete Situationsbewältigung und Problemlösung im Arbeitsalltag einstellt, ohne dass dies von vornherein bewusst angestrebt wird (sogenanntes informelles Lernen). Digitale Techniken ermöglichen dabei, dass erforderliche Hilfestellungen im laufenden Arbeitsprozess handlungsbasiert bereitgestellt werden.

    Der Nutzen digitaler Lernformen

    Wesentlicher Vorteil digitaler Bildungsangebote ist es, dass diese räumlich und zeitlich unabhängig angeboten werden können. Für traditionelle Veranstaltungen ist es erforderlich, dass die Teilnehmenden und die Lehrkräfte sich zur selben Zeit an einem festgelegten Ort aufhalten. Im Gegensatz dazu können digitale Lerninhalte flexibel grundsätzlich jederzeit und von überall aufgerufen und bearbeitet beziehungsweise betreut werden.

    In der Folge kann die Teilnahme an beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen besser mit anderen Verpflichtungen und Interessen des Familien- und Arbeitsalltags vereinbart werden. Terminliche Überschneidungen zwischen Bildungsmaßnahmen und familiären Pflichten lassen sich damit vermeiden. Auch die Kinderbetreuung lässt sich dadurch besser mit den Bildungsabsichten durch digitale Lernangebote verbinden. Damit unterstützt digitale Bildung auch die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege.

    Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege

    Das BMF hat als Arbeitgeber mit familienbewusster Personalpolitik das Zertifikat „audit berufundfamilie“ erhalten, ebenso die Dienststellen der Zollverwaltung im Rahmen einer Gesamtauditierung.

    Ein weiterer Vorteil ist die grundsätzlich unbegrenzte Teilnahmekapazität digitaler Bildungsangebote. Lernveranstaltungen in Präsenz finden in dafür bestimmten Räumlichkeiten statt – das Klassenzimmer in der Schule, der Hörsaal an der Universität oder der Seminarraum in einer Bildungseinrichtung. Diese Räume können nur eine begrenzte Anzahl von Lernenden aufnehmen. Digitale Lernangebote finden dagegen auf virtuellen Lernplattformen statt, die grundsätzlich unbegrenzt viele Lernende aufnehmen können. Besonders deutlich wird dies bei sogenannten Massive Open Online Courses (MOOC) mit mehreren tausend Teilnehmenden aus aller Welt.

    Des Weiteren entfallen bei digitalen Lernveranstaltungen Reisezeiten und -kosten für die Fahrt zu den Bildungsstätten; im Falle von ansonsten mehrtätigen auswärtigen Veranstaltungen werden keine Unterkünfte benötigt.

    Die Inhalte digitaler Medien können zielgerichtet und schnell an die individuellen Bedürfnisse der Lernenden angepasst werden. Individualisierte, digital gestützte Lernformen und -strategien ermöglichen ein schnelles Feedback und gezielte individuelle Förderung bei gemeinsamen Lernzielen.

    Konzept „Digitale Lernformen in der Bundesfinanzverwaltung“

    Die Bundesfinanzverwaltung greift diese Entwicklungen auf und hat es sich zum Ziel gesetzt, die mit digitalen Lernformen verbundenen Vorteile stärker für die Qualifizierung ihrer Beschäftigten zu nutzen. Hierzu hat das BMF unter Beteiligung der Behörden seines nachgeordneten Bereichs, insbesondere des Bildungs- und Wissenschaftszentrums, des Bundeszentralamts für Steuern und des Informationstechnikzentrums Bund das Konzept „Digitale Lernformen in der Bundesfinanzverwaltung“ erarbeitet. Das Konzept greift dabei die bisherigen Maßnahmen in der Aus- und Fortbildung der Bundesfinanzverwaltung auf und skizziert Möglichkeiten für einen ergänzenden Einsatz digitaler Medien.

    Digitale Techniken in der Aus- und Fortbildung sind für die Behörden der Bundesfinanzverwaltung durchaus nicht neu. Bereits seit Beginn der 2000er Jahre wird allen Nachwuchskräften der Beamtenlaufbahnen für die Dauer ihrer Ausbildung ein Notebook zur Verfügung gestellt. Seit 2008 wurden die Lehrsäle und Unterkünfte in den Bildungseinrichtungen entsprechend technisch mit Beamern, lokalen Netzwerken und zuletzt mit interaktiven Whiteboards ausgerüstet. Es wurde eine verwaltungsinterne Lernplattform eingerichtet. Die Betreuung der technischen Infrastruktur sowie der Teilnehmenden und der Lehrkräfte übernimmt ein gesondert eingerichtetes Kompetenzzentrum. Die anzuwendenden Vorschriften sind bereits vollständig digitalisiert. Für Übungen mit den in der Bundesfinanzverwaltung eingesetzten Datenverarbeitungsprogrammen (z. B. für die Zollsoftware ATLAS – Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System) sind Schulungsumgebungen eingerichtet, die den Arbeitsalltag realitätsnah simulieren.

    Im Konzept werden Voraussetzungen und Möglichkeiten dargestellt, unter denen sich digitale Lernformen bei der Konzeption von Lehrveranstaltungen anbieten, um künftig digitale Lernformen in der Aus- und Fortbildung der Bundesfinanzverwaltung noch stärker einzubinden. Denn nicht jedes Lernziel lässt sich mit allen digitalen Lernformen erreichen. Das Konzept gibt Hilfestellungen zur Erstellung des digitalen Lehrmaterials und zur Qualifizierung der Lehrkräfte für diese neue Lernform. Es legt dabei grundsätzliche Standards fest und gibt damit einen Orientierungsrahmen. Außerdem werden die erforderlichen technischen Rahmenbedingungen aufgezeigt und mit dem Ist-Zustand abgeglichen. Ergänzend werden die dienst- und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen beschrieben, die die mit digitalen Lernformen verbundene Flexibilität berücksichtigen und unterstützen.

    Digitale Lernformen – Zielgenauer und flexibler Wissenserwerb

    Mit einer verstärkten Digitalisierung soll die gute Qualität der Aus- und Fortbildung in der Bundesfinanzverwaltung gesichert werden. Die Potenziale, die die Digitalisierung für die Bildung eröffnet, sollen genutzt werden, um vor den anstehenden Herausforderungen bestehen zu können, mit denen die Bundesfinanzverwaltung aktuell und in Zukunft konfrontiert sein wird. Diese Herausforderungen ergeben sich u. a. aus schnellen Veränderungsprozessen im Wirtschaftsleben, daraus resultierenden neuen oder veränderten Aufgaben und einer stetigen Vervielfältigung des zur Aufgabenbewältigung erforderlichen Wissens. Eine kontinuierliche und adressatengerechte schnelle Fort- und Weiterbildung wird dadurch immer wichtiger.

    Die Arbeit in den Behörden der Bundesfinanzverwaltung ist sehr stark durch ein umfangreiches Wissen der maßgeblichen Rechtsvorschriften und dazu ergangener Rechtsprechung gekennzeichnet. Die für die Arbeit in der Bundesfinanzverwaltung notwendigen rechtlichen Vorschriften (z. B. auf dem Gebiet des Steuerrechts oder des Zollrechts) sind sehr vielschichtig und unterliegen einem schnellen Wandel. Um ihre Aufgaben angemessen erfüllen zu können, müssen die Beschäftigten der Bundesfinanzverwaltung ständig ihr Wissen auf einem aktuellen Stand halten und ihre fachlichen und methodischen Kompetenzen ausbauen. Digitale Techniken werden dabei künftig eine maßgebliche Rolle einnehmen.

    Die Bundesfinanzverwaltung steht bei den Digitalisierungsmaßnahmen in ihrem Bildungsbereich auch in Kontakt mit einzelnen Finanzverwaltungen der Länder, europäischer Staaten und der Europäischen Kommission, die sich ebenfalls intensiv mit dem Einsatz digitaler Bildungsangebote in ihren jeweiligen Bereichen beschäftigen. Auf diese Weise konnten und können stetig Erfahrungen ausgetauscht und Entwicklungstrends beobachtet werden. Auch kann man von den gegenseitigen Ansätzen lernen.

    Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass die Bundesfinanzverwaltung durch einen verstärkten Einsatz digitaler Lernformen ihre Aus- und Fortbildungsangebote zukunftsorientiert weiterentwickelt und damit zur zeitgemäßen Qualifizierung ihrer Beschäftigten einen wichtigen Beitrag leistet.

    Ausbildungsberufe in der Bundesfinanzverwaltung

    Beamter/in im gehobenen Zolldienst

    Dreijähriges, duales Studium an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung und einem Ausbildungs-Hauptzollamt mit dem Abschluss Diplom-Finanzwirt/in (FH)

    Beamter/in im mittleren Zolldienst

    Zweijährige, duale Ausbildung an einer Bildungsstätte der Bundesfinanzverwaltung und einem Ausbildungs-Hauptzollamt

    Beamter/in im gehobenen Steuerdienst

    Dreijähriges, duales Studium an einer Fachhochschule für Finanzen, einem Ausbildungs-Finanzamt und dem Bundeszentralamt für Steuern mit dem Abschluss Diplom-Finanzwirt/in (FH)

    Beamter/in im mittleren Steuerdienst

    Zweijährige, duale Ausbildung an einer Landesfinanzschule und einem Ausbildungs-Finanzamt

    Beamter/in im gehobenen Verwaltungsdienst – Schwerpunkt Verwaltungsinformatik

    Dreijähriges, duales Studium an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, dem Informationstechnikzentrum Bund und einer Ausbildungsbehörde der Bundesfinanzverwaltung mit dem Abschluss Diplom-Verwaltungswirt/in (FH)

    Kaufmann/frau für Büromanagement beziehungsweise Verwaltungsfachangestellte/r

    Dreijährige, duale Ausbildung an einer Ausbildungsbehörde der Bundesfinanzverwaltung und einer Berufsschule

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