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    Die wich­tigs­ten Steu­ern im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich

    • Die deutsche Abgabenquote – d. h. das Verhältnis der Steuern und Sozialabgaben zum Bruttoinlandsprodukt – lag mit 37,6 % im Jahr 2016 international im oberen Mittelfeld. Den Steuern und Abgaben stehen in Deutschland umfangreiche öffentliche Leistungen und verlässliche, gut ausgebaute soziale Sicherungssysteme gegenüber.
    • Die tarifliche Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften bleibt in Deutschland insgesamt knapp unter der Marke von 30 %.
    • Bei ausgeglichenen Haushalten ohne neue Schulden und gleichzeitig höheren Zukunftsinvestitionen setzt die Bundesregierung in den kommenden Jahren auf eine wachstumsfreundliche und sozial gerechte Steuer- und Abgabenpolitik: Vom vollständigen Abbau des Solidaritätszuschlags für rund 90 % der bisher vom Soli betroffenen Einkommensteuerzahler, der Erhöhung von Grundfreibeträgen und Kindergeld, dem Ausgleich der kalten Progression und Sozialabgabensenkungen profitieren insbesondere Familien sowie Bezieher unterer und mittlerer Einkommen.

    Einleitung

    Der folgende Beitrag stellt überblicksartig grundlegende Vergleiche zur internationalen Besteuerung an.1 Die Ländervergleiche erstrecken sich auf die Staaten der Europäischen Union (EU) und einige andere Industriestaaten (USA, Kanada, Japan, Schweiz und Norwegen). Sie geben grundsätzlich den Rechtsstand zum Ende des Jahres 2017 wieder. Angekündigte oder beschlossene Maßnahmen, die sich erst ab 2018 auswirken (wie etwa die jüngste US-Steuerreform), sind somit noch nicht erfasst. Es sei darauf hingewiesen, dass sich bei vielen Vergleichen erst aus dem Gesamtkontext heraus sinnvolle Schlussfolgerungen ziehen lassen. Dies gilt insbesondere für das Zusammenspiel von nominalen Steuersätzen und unterschiedlich ausgestalteten Bemessungsgrundlagen in den einzelnen Staaten.

    Gesamtwirtschaftliche Kennzahlen

    Gesamtwirtschaftliche Steuerquoten weisen die in einer Volkswirtschaft gezahlten Steuern bezogen auf die Wirtschaftsleistung aus. Die Aussagekraft dieser Steuerquoten ist aber begrenzt, weil die in den Vergleich einbezogenen Staaten ihre staatlichen Sozialversicherungssysteme in unterschiedlichem Ausmaß über eigenständige Sozialbeiträge (die nicht in der Steuerquote enthalten sind) oder aus allgemeinen Haushaltsmitteln, und damit über entsprechend hohe Steuern, finanzieren. Erst die Abgabenquote, die sowohl Steuern als auch Beiträge zur Sozialversicherung ins Verhältnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt setzt, ermöglicht einen gesamtwirtschaftlich sinnvollen Steuer- und Abgabenvergleich.

    Abbildung 1 zeigt, dass nach den Abgrenzungsmerkmalen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD Revenue Statistics; letztes verfügbares Vergleichsjahr: 2016) die Abgabenquote insbesondere in den meisten skandinavischen Staaten, aber auch in Frankreich, Belgien, Italien und Österreich vergleichsweise hoch ist (>40 %). Dagegen weisen die USA, Irland und die Schweiz relativ niedrige Abgabenbelastungen auf (<30 %). Die deutsche Abgabenquote bewegt sich im oberen Mittelfeld (2016: 37,6 %). Die niedrigste Abgabenquote weist im Jahr 2016 Irland (23,0 %) auf. Die höchste relative Abgabenbelastung findet sich mit 45,9 % weiterhin in Dänemark. Die deutsche Steuerquote hat sich gegenüber 2015 im Jahr 2016 von 23,1 % auf 23,4 % erhöht. Hier rahmen nach wie vor die Slowakei am unteren und Dänemark am oberen Rand das Feld der Vergleichsstaaten ein.

    Steuer- und Abgabenquoten 2016

    in % des BIP

    Werte zu Japan: Stand 2015
    LandSteuerquoteAbgabenquote
    Irland19,123,0
    USA19,826,0
    Schweiz21,027,8
    Lettland21,930,2
    Japan 18,630,7
    Kanada26,931,7
    Slowakei 18,632,7
    Vereinigtes Königreich26,933,2
    Spanien22,133,5
    Polen 20,833,6
    Tschechien19,434,0
    Portugal 25,234,4
    Estland23,134,7
    Slowenien22,337,0
    Luxemburg26,437,1
    Deutschland23,437,6
    Norwegen27,438,0
    Griechenland 27,638,6
    Niederlande24,038,8
    Ungarn 25,839,4
    Österreich27,842,7
    Italien29,942,9
    Schweden34,144,1
    Finnland31,344,1
    Belgien30,544,2
    Frankreich28,545,3
    Dänemark45,945,9
    Abbildung 1

    Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften

    Den nominalen Steuersätzen kann eine Signalfunktion bei internationalen Besteuerungsvergleichen zugesprochen werden. Die tatsächliche oder auch effektive Steuerbelastung ergibt sich jedoch erst aus dem Zusammenspiel von Steuerbemessungsgrundlage und tariflichem Steuersatz. Dieser zusammenfassende Broschürenartikel beschränkt sich auf einen Vergleich der tariflichen Besteuerung von Kapitalgesellschaften.

    Im Jahr 2017 senkten einige Staaten ihre nominalen Körperschaftsteuersätze (Ungarn, Italien, Kroatien, Luxemburg, Norwegen, Slowakei und das Vereinigte Königreich). In Slowenien hingegen stieg der Steuersatz. In den übrigen untersuchten Staaten blieben die nominalen Körperschaftssteuersätze unverändert. Abbildung 2 zeigt die im Jahr 2017 geltenden Körperschaftsteuersätze (ohne Steuern nachgeordneter Gebietskörperschaften).

    Balkendiagramm: Körperschaftssteuersätze 2017 ohne Zuschläge und Steuern der nachgeordneten Gebietskörperschaften, Standardsätze in Prozent
    Abbildung 2

    Über die zentralstaatliche Ebene hinaus erheben in mehreren Staaten nachgeordnete Gebietskörperschaften (Einzelstaaten, Provinzen, Regionen, Gemeinden usw.) noch eigene Körperschaftsteuern oder ihnen ähnliche Steuern, wie z. B. in Deutschland und Luxemburg die Gewerbesteuer. Hinzu kommen vielfach Zuschläge auf verschiedenen staatlichen Ebenen. Die Höhe all dieser die Kapitalgesellschaften betreffenden Unternehmensteuern, die bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage den Gewinn zugrunde legen, ist in Abbildung 3 dargestellt. Zu beachten ist, dass die von lokalen Gebietskörperschaften erhobenen Steuern in manchen Staaten von der Steuerbemessungsgrundlage der übergeordneten Gebietskörperschaften abzugsfähig sind (z. B. in der Schweiz und den USA). Die Gesamtsteuerbelastung auf Unternehmensebene ergibt sich demzufolge aus einer abgestuften Rechnung und nicht aus einer einfachen Addition der nominalen Steuersätze der einzelnen Steuern. Die steuertarifliche Gesamtbelastung von Kapitalgesellschaften reicht von 10 % in Bulgarien bis fast 40 % in den USA (2017: aktuelle Steuerreform noch nicht berücksichtigt). Deutschland bleibt weiterhin unterhalb einer tariflichen Gesamtbesteuerungsmarke von 30 %.

    Balkendiagramm: Unternehmensbesteuerung 2017, Tarifliche Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften 2017, in Prozent
    Abbildung 3

    Einkommen-/Lohnsteuer und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen

    Für Arbeitnehmerhaushalte in verschiedenen Familienverhältnissen und Einkommensgruppen veröffentlicht die OECD regelmäßig eine international vergleichende Untersuchung. Abbildung 4 zeigt die Besteuerung des durchschnittlichen Bruttoarbeitslohns eines Arbeitnehmerhaushalts mit Lohn- oder Einkommensteuer klassifiziert nach verschiedenen Familienverhältnissen (alleinstehend, Familie als Allein- und als Doppelverdiener). Abbildung 5 stellt unter zusätzlicher Berücksichtigung des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung den gesamten Steuer- und Abgabenanteil an den Arbeitskosten dar.

    Einkommen-/Lohnsteuer bei Arbeitnehmern 2017

    in % des Bruttoarbeitslohns

    nullAlleinstehend, kein Kind, DurchschnittseinkommenVerheiratet, 2 Kinder, Alleinverdiener, DurchschnittseinkommenVerheiratet, 2 Kinder, ein Durchschnittseinkommen sowie 33 % eines weiteren Durchschnittseinkommens
    Polen7,21,63,1
    Japan7,96,56,9
    Griechenland1010,57,9
    Slowakei10,1-0,74,2
    Schweiz10,74,25,7
    Slowenien11,63,34
    Tschechien13,1-6,20,6
    Vereinigtes Königreich1413,410,9
    Österreich14,412,29,6
    Spanien14,77,59,7
    Frankreich14,87,97,9
    Ungarn154,97,4
    Irland15,46,48,6
    Kanada15,410,612,5
    Portugal16,54,55,4
    Luxemburg16,75,76,9
    Estland16,811,413,4
    Niederlande17,316,812,9
    Schweden181815,8
    USA 18,46,510,3
    Lettland18,91011
    Deutschland19,11,26,8
    Norwegen19,418,416,3
    Finnland20,920,815,8
    Italien21,714,911,6
    Belgien26,514,919,1
    Dänemark36,13233,9
    Abbildung 4
    Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zur Sozialversicherung und Einkommen-/Lohnsteuer1 2017

    in % der Lohnkosten2

    1 Definiert als Arbeitgeberbeitrag zuzüglich Arbeitnehmerbeitrag zur Sozialversicherung und Lohnsteuer (gegebenenfalls einschließlich anteiliger Lohnsummensteuer), gemindert um die familienbezogenen Leistungen (z. B. Kindergeld). 2 Lohnkosten definiert als Bruttoarbeitslohn zuzüglich Arbeitgeberbeitrag (gegebenenfalls einschließlich anteiliger Lohnsummensteuer).
    nullAlleinstehend, kein Kind, DurchschnittseinkommenVerheiratet, 2 Kinder, Alleinverdiener, DurchschnittseinkommenVerheiratet, 2 Kinder, ein Durchschnittseinkommen sowie 33 % eines weiteren Durchschnittseinkommens
    Schweiz21,89,112,2
    Irland27,210,813,5
    Kanada30,911,520,1
    Vereinigtes Königreich30,926,122,8
    USA 31,720,824,5
    Japan32,627,428,7
    Polen35,61024,2
    Norwegen35,931,430,5
    Dänemark36,325,829,7
    Luxemburg36,715,319,1
    Niederlande37,532,327,9
    Estland3928,932,2
    Spanien39,333,735,4
    Griechenland40,83938,3
    Portugal41,428,830,2
    Slowakei41,629,632,2
    Finnland42,938,435,4
    Lettland42,932,734,3
    Schweden42,938,237,7
    Slowenien42,924,534,3
    Tschechien43,425,931,7
    Ungarn46,230,834,6
    Österreich47,43736,6
    Frankreich47,639,436,9
    Italien47,738,638,3
    Deutschland49,734,539,1
    Belgien53,738,338,4
    Abbildung 5

    Umsatzsteuersätze

    In den untersuchten Industriestaaten blieben die Umsatzsteuersätze im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. 2017 senkte Rumänien seinen Normalsatz von 20 % auf 19 %. Der in Deutschland erhobene Umsatzsteuerregelsatz von 19 % liegt im EU-Vergleich nach wie vor in der unteren Hälfte (siehe Abbildung 6).

    Balkendiagramm: Umsatzsteuer-Normalsätze in der EU 2017 in Prozent
    Abbildung 6

    Fazit

    Deutschland verfügt insgesamt über ein leistungsgerechtes und faires Steuersystem. Den Steuern und Abgaben stehen ein für ein hochentwickeltes Industrieland angemessenes Niveau an öffentlichen Leistungen und ein gut ausgebautes soziales Sicherungssystem gegenüber. Die Bürger können daher auf eine verlässliche soziale Sicherung vertrauen. Darüber hinaus stärken Steuer- und Abgabensenkungen die Arbeitsanreize und verfügbaren Einkommen insbesondere von Familien sowie von unteren und mittleren Einkommensgruppen.

    Auch Unternehmen berücksichtigen bei der Standortauswahl neben dem Besteuerungsniveau vor allem die „Leistungsseite“ eines Standorts, wie etwa Infrastruktur, Qualifikation der Fachkräfte, öffentliche Sicherheit und eine effiziente Verwaltung. Die deutschen Unternehmen sind wettbewerbsfähig und erfolgreich auf den internationalen Märkten tätig. Aufgabe in dieser Legislaturperiode ist es, dass diese Position auch vor dem Hintergrund der veränderten internationalen steuerpolitischen Rahmenbedingungen und Erfordernisse einer sich immer stärker digitalisierenden Wirtschaft gesichert und fortentwickelt wird. Deutschland wird bei den Unternehmensteuern keinen Steuersenkungswettlauf unterstützen. Vielmehr setzt die Bundesregierung hier auf europäische Antworten (u. a. bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage), zielgerichtete, wachstumsorientierte Entlastungen und die Stärkung der Steuergerechtigkeit im nationalen und internationalen Rahmen.

    Fußnoten

    1
    Die ausführliche Broschüre "Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2017" kann im Internetangebot des BMF bestellt und von der BMF-Homepage heruntergeladen werden. Link

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