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    KfW Ca­pi­tal – neu­es Toch­ter­un­ter­neh­men der KfW Ban­ken­grup­pe

    • Am 15. Oktober nahm die KfW Capital als neues Tochterunternehmen der KfW Bankengruppe (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ihre operative Arbeit auf.
    • Die KfW Capital wird das Engagement der KfW in der Inlandsförderung im Bereich Wagnis- und Beteiligungsfinanzierung bündeln und ausbauen.
    • Von den Investments in Venture-Capital-Fonds profitieren junge und innovative Unternehmen aus allen Branchen
    • Gleichzeitig wird durch die neue Beteiligungstochter der Markt für Wagnis- und Beteiligungsfinanzierungen gestärkt und für private Anleger noch attraktiver.

    Einleitung

    Die KfW Capital ist die kürzlich gegründete 100-Prozent-Tochtergesellschaft der KfW für Wagnis- und Beteiligungsfinanzierung. Die Gesellschaft investiert mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens (siehe unter „Das Unternehmen KfW Capital“) in Venture-Capital-Fonds und Venture-Debt-Fonds. Das Ziel des Unternehmens mit Sitz in Frankfurt am Main ist es, jungen innovativen und schnell wachsenden (Technologie-)Unternehmen in Deutschland in der Wachstumsphase durch finanzstärkere Fonds besseren Zugang zu Kapital zu ermöglichen. Die Geschäftstätigkeit wird schwerpunktmäßig in Investments an in Deutschland aktiven Fonds bestehen, die ihrerseits in Unternehmen in der Wachstumsphase investieren. Geplant ist die sukzessive Erhöhung des Zusagevolumens auf 200 Mio. € jährlich bis zum Jahr 2020.

    Wagnis- und Beteiligungsfinanzierung in Deutschland

    Für die Gründung und das Wachstum von jungen innovativen Unternehmen ist Wagniskapital von erheblicher Bedeutung. Der Markt für Wagnis- und Beteiligungskapital in Europa und auch in Deutschland ist um ein Vielfaches kleiner als etwa in den USA oder Israel. Nach Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation and Development, OECD) wird in den Vereinigten Staaten, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, d. h. an der gesamten Wirtschaftsleistung, rund zwölfmal so viel Wagniskapital investiert wie in Deutschland. Dies liegt allerdings auch daran, dass der US-amerikanische Markt stärker kapitalmarkt- und weniger bankenorientiert ist und private Investitionen in Unternehmen für deren Finanzierung daher eine bedeutendere Rolle spielen. In Deutschland wurde laut Statistik des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften in den vergangenen beiden Jahren jeweils gut 1 Mrd. € in den Venture-Capital-Markt investiert.1

    Unter Wagniskapital (im Englischen Venture Capital)
    versteht man die Beteiligung eines Investors an einem Start-up/jungen Unternehmen, das für sein Wachstum Kapital benötigt. Wagniskapitalgeber werden Gesellschafter und partizipieren daher an Chancen und Risiken der Unternehmensentwicklung. Häufig stellen sie den Unternehmen ihr Know-how zur Verfügung. Davon abzugrenzen ist Venture Debt, eine Form von risikoreichem Kredit, den Banken üblicherweise nicht vergeben würden.

    Die Bundesregierung hat in der vergangenen Legislaturperiode den deutschen Wagniskapitalmarkt mit zahlreichen Maßnahmen gestärkt. In der Frühphasenfinanzierung nimmt Deutschland, nicht zuletzt dank zahlreicher öffentlicher Förderinstrumente, inzwischen eine sehr gute Position ein. Anders sieht es bei der Anschluss- und Wachstumsfinanzierung aus, wenn der Kapitalbedarf der jungen Unternehmen auf 50 Mio. € und mehr steigen kann. Auch Unternehmen aus besonders kapitalintensiven Technologiefeldern sind von einem zu knappen Angebot an Wagniskapital betroffen. KfW Research schätzt die Lücke für Anschlussfinanzierungen für junge Unternehmen, die neue Märkte erschließen oder stärker wachsen wollen, auf 500 Mio. € bis 600 Mio. € jährlich.

    Für junge Unternehmen in Deutschland bedeutet dies, dass sie nach einer erfolgreichen Gründung häufig nicht oder nicht schnell genug an weiteres Kapital kommen, um wachsen zu können und ihre Entwicklungen weiter voranzutreiben. Genau diese Marktlücke soll die KfW Capital in den kommenden Jahren durch gezielte Investitionen substanziell verringern. Erklärtes Ziel ist es, dabei auch privates Kapital zu hebeln: Die KfW Capital investiert maximal 19,9 % des Fondsvolumens, weitere, private Investoren müssen also gefunden werden. Gleichzeitig drückt sich in der Gründung der KfW Capital der politische Wille aus, die Bedeutung junger und innovativer Unternehmen in Deutschland anzuerkennen und ihre Rolle zu stärken, künftig zu Wohlstand und Wirtschaftswachstum beizutragen.

    Start-up-Finanzierung kann eingeteilt werden in verschiedene Phasen

    • Die Gründungs-/Frühfinanzierungsphase (Seedphase): Das Unternehmen wurde gegründet, es besteht ein hohes technologisches Risiko und die Dienstleistungen/Produkte sind meist noch weit von einer Marktreife entfernt. Die Gründer setzen häufig eigenes Kapital oder das Kapital von Freunden und Familie ein – auch Business Angels treten in dieser frühen Phase häufig als Investoren auf. Business Angels sind private Unterstützer, die Kapital und Know-how in junge Unternehmen einbringen.
    • Die Start-up-Phase: Das Unternehmen tritt erstmals am Markt auf, die eigenen Produkte werden produziert und vertrieben.
    • Die Anschluss- und Wachstumsphase: Das Unternehmen hat sich erfolgreich am Markt etabliert und möchte nun auf neue Märkte oder mit neuen Produkten expandieren. Die Finanzierungsansprüche werden höher.

    Das Unternehmen KfW Capital

    Die Gründung der KfW Capital geht auf einen Beschluss des KfW-Verwaltungsrats vom 29. Juni 2017 zurück und entspricht dem Wunsch des Deutschen Bundestags der 18. Legislaturperiode. Dieser forderte die Bundesregierung und die KfW dazu auf, das Engagement der KfW im Bereich Wagnis- und Beteiligungsfinanzierung substanziell zu intensivieren und hierfür auch eine dauerhafte und organisatorisch eigenständige Struktur zu schaffen.2

    Die KfW Capital wird daher als eigenständiges Unternehmen in der KfW Bankengruppe bestehen. Das ermöglicht ihr eine klare Fokussierung auf das Kerngeschäft und eine stärkere Verzahnung mit dem Marktgeschehen. Die 20 Spezialisten der Startaufstellung der KfW Capital können Investitionsentscheidungen schnell und professionell treffen.

    Die KfW Capital wird von zwei Geschäftsführern geleitet, Dr. Jörg Goschin und Alexander Thees. Beide Geschäftsführer bringen unterschiedliche Erfahrungen in die KfW Capital mit: Dr. Jörg Goschin ist selbst Gründer und erfahrener Anlageexperte, der über tiefe Marktkenntnis, breites fachliches Know-how und ein dichtes Netzwerk im Venture-Capital-Markt verfügt. Alexander Thees arbeitet seit 1996 in verschiedenen, seit 2002 in leitenden Positionen in der KfW Bankengruppe. Er verfügt über geschäftspolitische und operative Erfahrung mit Mittelstandsfinanzierungs- sowie strukturierten Finanzierungsaktivitäten. Dem Aufsichtsrat der KfW Capital werden, neben zwei Vertretern der KfW und jeweils einem Vertreter aus dem BMF und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), auch zwei Vertreter aus dem Markt angehören.

    Die KfW Capital investiert mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens. Aufsichtsrechtlich hat die KfW Capital den Status eines Finanzunternehmens nach § 1 Abs. 3 Kreditwesengesetz (KWG), d. h. sie kann Eigenkapitalfinanzierungen in jedweder Form betreiben. Sie wird als Tochtergesellschaft als nachgeordnetes Unternehmen im Sinne von § 10a KWG in das Risikomanagement der KfW eingebunden sein. Ihre Risikopositionen werden in die Berechnung der aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderungen der KfW einfließen.

    ERP-Sondervermögen
    Seit dem Jahr 1948 wird die deutsche Wirtschaft mit den Finanzmitteln des ERP-Sondervermögens (ERP-SV) unterstützt. Dieses Sondervermögen ist aus Mitteln der „Marshallplanhilfe“ für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft, dem European Recovery Program (ERP), hervorgegangen. Die erwirtschafteten Erträge des Sondervermögens werden zur Wirtschaftsförderung eingesetzt und kommen insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen zugute, die mit zinsgünstigen Darlehen und Beteiligungskapital gefördert werden.

    Geschäftsmodell der KfW Capital

    Das Geschäftsmodell der KfW Capital besteht darin, in Venture-Capital-Fonds und Venture-Debt-Fonds zu investieren, die sich auf die Bereitstellung von Wagniskapital oder Venture Loans in der Start-up-, aber auch in der Anschluss- und Wachstumsphase junger Unternehmen spezialisiert haben. Die KfW Capital wird branchenübergreifend investieren – in Folgefonds erfahrener Fondsmanagementgesellschaften, aber auch in sogenannte First-Time-Fonds – d. h. in Fonds neuer Fondsmanagementgesellschaften –, um so den Markt insgesamt zu entwickeln. Die KfW Capital wird sich nicht direkt an Start-up-Unternehmen beteiligen und auch keine Kredite vergeben. Die KfW Capital übernimmt das bereits bei der KfW bestehende Engagement in der Wagnis- und Beteiligungsfinanzierung:

    Dies betrifft zum einen die bestehenden Beteiligungen der KfW an den drei Generationen des High-Tech Gründerfonds (HTGF). Der HTGF ist ein Frühphasenfonds für hochinnovative technologieorientierte Unternehmen, bei denen die Aufnahme der operativen Geschäftstätigkeit nicht länger als ein Jahr zurückliegt. Voraussetzungen für eine Finanzierung sind vielversprechende Forschungsergebnisse, eine innovative technologische Basis sowie eine chancenreiche Marktsituation. Neben der Bereitstellung von Kapital sorgt der Fonds für die notwendige Betreuung und Unterstützung des Managements junger Start-ups.

    Zum anderen führt die KfW Capital die im Rahmen des 2015 gestarteten Programms „ERP-Venture Capital-Fondsinvestments“ eingegangenen Fondsbeteiligungen der KfW fort – zum Start der KfW Capital waren dies 18 Investments mit einem Volumen von 265 Mio. € (seit 2015). Des Weiteren wird die KfW Capital eine Beteiligung am im Jahr 2016 gemeinsam mit dem BMWi gegründeten Co-Investitionsfonds „coparion“ übernehmen, der sich an Unternehmen in der Start-up- und Wachstumsphase wendet.

    Bestehende Beteiligungsinstrumente der KfW Capital

    Der HTGF ist seit über 10 Jahren erfolgreich am Markt aktiv und hat sich zum wichtigsten Instrument für Seed-Finanzierungen in Deutschland entwickelt. Seit 2005 wurden drei HTGF-Fonds aufgelegt – Fonds I und II mit einem Gesamtvolumen von 576 Mio. €. Bei beiden Fonds ist die KfW nach dem ERP-Sondervermögen zweitgrößter Investor mit einem Gesamtcommitment in Höhe von 55 Mio. € (ERP-Sondervermögen: 460 Mio. €). Daneben sind bei Fonds I sechs und Fonds II 18 private Investoren beziehungsweise Unternehmen beteiligt (insgesamt 61 Mio. €). 2017 wurde der dritte Fonds aufgelegt, welcher über ein Volumen von 316 Mio. € verfügt, wovon 106 Mio. € von privaten Investoren kommen. Der HTGF hat bisher rund 320 Mio. € in über 460 Unternehmen investiert.

    Das Programm „ERP-Venture-Capital-Fondsinvestment“ ist so ausgestaltet, dass sich die KfW Capital mit einem maximalen Anteil von 19,99 % und einem maximalen Kapitaleinsatz von 25 Mio. € an deutschen und europäischen Venture-Capital-Fonds, aber auch an Venture-Debt-Fonds, beteiligen kann. Die Fonds müssen, das ist Voraussetzung der Investitionsentscheidung von KfW Capital, mindestens den von der KfW Capital eingebrachten Betrag als eigene Investition in deutsche Technologieunternehmen investieren.

    Coparion agiert seit 2016 als Co-Investmentfonds, der sich gemeinsam mit privaten Leadinvestoren zu wirtschaftlich gleichen Konditionen (pari passu) an jungen innovativen Technologieunternehmen beteiligt. Der Fonds ist mit einem Kapital von 225 Mio. € ausgestattet; daran sind die beiden Gesellschafter KfW mit 45 Mio. € und das ERP-Sondervermögen mit 180 Mio. € beteiligt. 2018 wird sich das Volumen durch eine Beteiligung der Europäischen Investitionsbank in Höhe von 50 Mio. € auf insgesamt 275 Mio. € erhöhen. Der Fonds dient der Förderung von jungen kleinen und mittleren Technologieunternehmen. Diese werden durch coparion aktiv bis zum Exit begleitet. Bis Oktober 2018 hat der Fonds 25 Beteiligungen abgeschlossen.

    Ausblick

    Alle Programme sind so ausgelegt, dass sie bestehende Lücken im Finanzierungsangebot für junge innovative Unternehmen adressieren, gleichzeitig aber keine Teilnehmer am Markt verdrängen. Die Investments in Fonds durch die KfW Capital sind immer anteilig und sollen Anreize für private Investoren, Unternehmen oder institutionelle Anleger schaffen, sich ihrerseits an diesen Fonds zu beteiligen.

    Künftig wird jährlich geprüft werden, ob eine weitere Ausweitung des Zusagevolumens und/oder die Einführung weiterer Instrumente möglich sind. Wichtig hierfür ist vor allem die Fähigkeit des Marktes, weitere Mittel aufzunehmen, ohne preisliche Übertreibungen oder eine Verdrängung privater Investoren zu verursachen. Darüber hinaus sind aber auch die aktuelle Risikotragfähigkeit der KfW sowie der Fortschritt beim Aufbau geeigneter organisatorischer und Marktstrukturen der KfW Capital wichtige Kriterien für das weitere Engagement.

    Fußnoten

    1
    BVK-Statistiken Deutschland
    2
    Bundestagsdrucksache 18/12748.

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