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  • Analysen und Berichte

    Deut­sche Brief­mar­ken als Spie­gel der Zeit

    • Das BMF ist seit 1998 Herausgeber der Postwertzeichen mit dem Aufdruck „Deutschland“.
    • Jährlich werden rund 50 neue Motive herausgegeben.
    • Postwertzeichen sind ein Kulturgut mit langer Tradition.

    Einleitung

    Der Bundesminister der Finanzen ist seit der Auflösung des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation Herausgeber der deutschen Briefmarken.1

    Unterstützt durch angesehene Experten u. a. aus dem Bereich der Grafik, der Philatelie, der Wissenschaft, aber auch durch Bundestagsabgeordnete und Vertreter der Deutschen Post AG entstehen jedes Jahr rund fünfzig kleine Kunstwerke, die mit einer Auflage zwischen 2 Mio. bis knapp 100 Mio. Stück weltweit versandt werden. Die Briefmarken der Bundesrepublik Deutschland spiegeln nicht nur Ereignisse mit nationalem, sondern auch mit internationalem Bezug wider. Und nicht zuletzt dienen sie selbstverständlich weiterhin als Porto für Postsendungen – und tun manchmal sogar Gutes.

    Nachfolgend präsentiert das BMF einen kleinen Ausschnitt aus der Vielfalt der Markenthemen und der damit verbundenen Veranstaltungen, und zwar in Form eines Rückblicks auf ausgewählte Sonderbriefmarken des Jahres 2018 sowie eines Ausblicks auf die Höhepunkte des Jahres 2019.2

    Ausgewählte Briefmarken 2018

    100. Geburtstag Helmut Schmidt

    Briefmarke mit Abbildung von Helmut Schmidt
    Gestaltung Postwertzeichen: Frank Fienbork, Utting am Ammersee Portraitfoto: © www.gettyimages.de / Régis Bossu

    Helmut Schmidt war einer der bedeutendsten deutschen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Als Politiker, Publizist und Vordenker hat er die deutsche und internationale Politik nachhaltig geprägt. Zum 100. Geburtstag Helmut Schmidts gab das BMF am 18. Dezember 2018 ein Sonderpostwertzeichen heraus, das Bundesfinanzminister Olaf Scholz in Hamburg, der Heimatstadt des Jubilars, im Beisein von Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, und Bundesminister a. D. Peer Steinbrück der Öffentlichkeit präsentierte.

    Gemeinschaftsmarke mit Südafrika zu Ehren des 100. Geburtstags Nelson Mandelas

    Briefmarke mit Abbildung von Nelson Mandela
    Gestaltung Postwertzeichen: Prof. Annette le Fort und Prof. André Heers, Berlin Bildmotiv: © Paul Weinberg/Anzenberger

    Nelson Mandelas persönliche Integrität, sein lebenslanges Wirken als Kämpfer für Freiheit und Frieden, als Versöhner und Förderer demokratischer Verhältnisse und sein Streben nach einer Welt freier und gleicher Menschen – ohne Rassismus und mit fairen Chancen für ein selbstbestimmtes Leben – machten ihn schon zu Lebzeiten weltweit zu einem politischen und moralischen Vorbild. Als Gemeinschaftsmarke wurden zusammen mit der südafrikanischen Post parallel Sonderpostwertzeichen zum 100. Geburtstag dieses bedeutenden Staatsmannes und Menschen herausgegeben.

    Sport – Legendäre Fußballspiele

    Briefmarkencollage mit Zitaten zu Fußball-Weltmeisterschaften
    Gestaltung Postwertzeichen: Astrid Grahl und Lutz Menze, Wuppertal Fotovorlage WM 1954 / WM 1974: picture-alliance / dpa Fotovorlage WM 1990: © Getty Images, Bongarts

    Die Serie „Für den Sport“ zur Unterstützung der Stiftung Deutsche Sporthilfe widmete sich im vergangenen Jahr WM-Fußballendspielen, die in der Erinnerung aller Fans als legendär gelten. Die Sonderpostwertzeichen würdigten jeweils das WM-Finale 1954, 1974 und 1990.

    150. Geburtstag Magnus Hirschfeld

    Briefmarke mit Geschlechtersymboleen zu Ehren Magnus Hirschfeld
    Gestaltung Postwertzeichen: Andrea Voß-Acker, Wuppertal

    Es ist es dem BMF ein wichtiges Anliegen, an die Arbeit von Magnus Hirschfeld und damit auch an seine Person zu erinnern. Als Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten homosexuellen Bewegung hat der aus einer jüdischen Arztfamilie stammende Magnus Hirschfeld (1868 bis 1935) bereits 1897 in Berlin das „Wissenschaftlich-humanitäre Komitee“ gegründet. Es setzte sich weltweit als erste Organisation für die Entkriminalisierung sexueller Handlungen zwischen Männern ein. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen begründete Hirschfeld die Lehre von den sexuellen Zwischenstufen. Globales Ziel dieser Zwischenstufenlehre war „die volle Verwirklichung der sexuellen Menschenrechte“ zwecks Emanzipation der sexuellen Minderheiten von staatlicher Verfolgung und gesellschaftlicher Diskriminierung. Das am 12. Juli 2018 herausgegebene Sonderpostwertzeichen will der Erinnerung an Magnus Hirschfeld Raum geben.

    200. Geburtstag Karl Marx

    Briefmarke mit einer Symolgrafik von Karl Marx
    Gestaltung Postwertzeichen: Thomas Mayfried, München Foto: John Mayall 1875, mit freundlicher Genehmigung des International Institute of Social History, Amsterdam, The Netherlands

    Karl Marx wurde 1818 in Trier als Nachfahre bedeutender Rabbinerfamilien geboren und studierte Jura und Philosophie in Bonn und Berlin. Er wurde Journalist und Publizist und beschäftigte sich mit Politischer Ökonomie und Gesellschaftswissenschaften. 1848 erschien das „Manifest der Kommunistischen Partei“. Von Marx‘ Hauptwerk „Das Kapital“ wurde nur der erste Band 1867 von ihm selbst herausgegeben, die Bände 2 und 3 veröffentlichte Friedrich Engels posthum. Karl Marx starb 1883 in London.

    Seine kapitalismuskritischen Ideen wurden zur Grundlage praktisch aller sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Bewegungen. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise erhalten die marxschen Thesen seit 2008 weltweit neue Beachtung. Auch wenn viele seiner Zukunftsprognosen durch die historische Entwicklung überholt worden sind, bleibt seine Analyse nationaler und globaler Zusammenhänge des Kapitalismus weiterhin aktuell.

    Weihnachten

    Weihnachtsbriefmarke mit einem Bild einer Mutter, die ihr Kind in den Armen hält
    Gestaltung Postwertzeichen: Detlef Behr, Köln Abbildung / Marc Chagall / Charles Marq / ››Maria mit dem Kind‹‹ Chorfenster (Detail) / 1979 / Pfarrkirche St. Stephan / Mainz © VG Bild-Kunst / Bonn 2018 Fotorechte / Buch- & Kunstverlag Maria Laach / Nr. 5328 www.klosterverlag-maria-laach.de

    Das weihnachtliche Motiv 2018 zeigt einen Ausschnitt der von Marc Chagall geschaffenen Kirchenfenster der Pfarrkirche St. Stephan in Mainz. Diese wurde nach der völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau zu einem Symbol christlich-jüdischer und deutsch-französischer Versöhnung. Marc Chagall gestaltete von 1976 bis 1985 neun Kirchenfenster. Zusammen mit den bis 1995 ergänzten Fenstern tauchen sie die Kirche in ein ruhiges, geheimnisvolles blaues Licht. Im November 2018 stellte die Parlamentarische Staatssekretärin beim BMF Bettina Hagedorn im Beisein von Bischof Peter Kohlgraf und dem Oberbürgermeister von Mainz Michael Ebling in der Pfarrkirche St. Stephan das Sonderpostwertzeichen aus der Serie „Weihnachten“ 2018 vor. Dieses unterstützt die Arbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. Seit fast 50 Jahren ist es Tradition, dass dieser die Erlöse aus dem Zuschlag der verkauften Weihnachtsmarken zugutekommen.

    Im Jahr 2017 belief sich der Gesamterlös aller Plusmarken auf rund 10 Mio. €.

    Plusmarken

    Sondermarken, die seit Jahrzehnten gemeinnützige Projekte und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land fördern, erhalten seit der Herausgabe der Weihnachtsmarken 2008 ein „Pluszeichen“.
    Mit diesem Signet will das BMF als Herausgeber der deutschen Sondermarken erstens ein Zeichen setzen für das Ehrenamt in Deutschland und zweitens auf den guten Zweck der Cent-Spende beim Briefmarkenkauf hinweisen. Damit wird noch deutlicher, dass der Erwerb dieser Sondermarken mit einem „Plus“ von wenigen Cent eine ganz persönliche gute Tat mit großer Wirkung ist. Wie bisher unterstützen die Cent-Erlöse in der Summe zahlreiche gemeinnützige Projekte.

    Das tapfere Schneiderlein

    Wohlfahrtsmarken mit Motiven von Grimms Märchen gab es schon von 1959 bis 1964 als Serie. Im Jahr 2014 wurde diese Serie wieder aufgenommen. Am 4. Februar 2019 hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die drei Sonderbriefmarken mit Motiven des tapferen Schneiderleins aus der Serie „Für die Wohlfahrtspflege“ im Schloss Bellevue der Öffentlichkeit vorgestellt.

    Collage aus drei Briefmarken zu "Das tapfere Schneiderlein"
    Gestaltung Postwertzeichen: Michael Kunter, Berlin

    Ausblick 2019

    Sport – Legendäre Olympiamomente (Mai)

    Mit der Briefmarkenserie „Für den Sport“ unterstützt das BMF die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Seit 1968 sind durch die Marken mit dem „Plus“ rund 140 Mio. € an Fördermitteln für die sozialen Belange und Aufgaben im Bereich des Nachwuchs- und Spitzensports zur Verfügung gestellt worden. Schirmherr der Stiftung Deutsche Sporthilfe ist der Bundespräsident.

    In diesem Jahr wird die Serie „Sportlegenden“ mit legendären Olympiamomenten fortgeführt. Die Marken greifen Kommentare von Reportern auf, an die sich der eine oder andere Leser vielleicht noch erinnert, nämlich: „Und Halla lacht, als wüsste sie, um was es geht.“, „Wo ist Behle?“ und „Flieg, Albatros, flieg!“.

    250. Geburtstag Alexander von Humboldt (September)

    Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) verstand es, „Ketten von Dingen zu erblicken, die Menschenalter hindurch ohne ihn unentdeckt geblieben wären“. Mit der Herausgabe eines Sonderpostwertzeichens zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts würdigt das BMF das Lebenswerk des großen Naturforschers, der einst die weisen Worte sprach: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben“.

    Gemeinschaftsmarke mit der Schweiz zu Ehren von Huldrych Zwingli – 500 Jahre Zürcher und oberdeutsche Reformation (Mai)

    1519 trat Huldrych Zwingli (1484 bis 1531) am Großmünster Zürich sein Amt als Leutpriester an. Damit gingen Kirchenreformen reformierter Prägung in der Schweiz und in Städten Oberdeutschlands einher. Sein Amtsantritt hat für den reformierten Zweig des Protestantismus eine dem Thesenanschlag Luthers am 31. Oktober 1517 vergleichbare Bedeutung. In der Schweiz wird deshalb im Jahr 2019 das „Zwinglijahr“ begangen. Ebenso wird in Deutschland an die Bedeutung Zwinglis für die deutsche Reformationsgeschichte erinnert.

    Zwingli entwickelte einen eigenständigen reformatorischen Ansatz, der sich u. a. aus den besonderen Herausforderungen der Zürcher Stadtreformation ergab und neben der Schweiz besonders in den Städten Oberdeutschlands zum Zuge kam. Bis nach Ostfriesland lassen sich Einflüsse Zwinglis nachweisen. Zusammen mit der Schweiz wird zur Erinnerung an den Reformator ein Sonderpostwertzeichen herausgegeben.

    100. Geburtstag von Annemarie Renger (November)

    Als erste Frau wird Annemarie Renger am 13. Dezember 1972 zur Präsidentin des Deutschen Bundestags gewählt. Weltweit steht sie damit als erste Frau an der Spitze eines frei gewählten Parlaments.

    Annemarie Renger wurde am 7. Oktober 1919 geboren. Nach dem Krieg lernte sie den SPD-Politiker Kurt Schuhmacher kennen und wurde seine Sekretärin und Wegbegleiterin. 1953 wurde sie erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt und gehörte dem Parlament 37 Jahre ununterbrochen an.

    Von 1969 bis 1972 war die Politikerin Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion und zugleich der erste weibliche Fraktionschef. Damit bekleidete sie eine der Schlüsselpositionen im parlamentarischen Betrieb und leitete nach dem Ende der Großen Koalition die Fraktion, welche die erste SPD-Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt stützte. Annemarie Renger setzte sich für die Gleichberechtigung von Frauen ein, u. a. als Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses in der SPD von 1963 bis 1977. Zudem engagierte sie sich als langjährige Vorsitzende der deutsch-israelischen

    Parlamentariergruppe für Versöhnung und Ausgleich. Es heißt, sie habe sich in ihrer Fraktion selbst für das Amt der Bundestagspräsidentin vorgeschlagen. „Glauben Sie, die hätten mich sonst genommen?“ Nach vier Jahren im Amt habe sie das Fazit gezogen: „Es ist bewiesen, dass eine Frau das kann.“ Zu Ehren dieser starken Sozialdemokratin wird ein Sonderpostwertzeichen herausgegeben.

    Fazit

    Sonderpostwertzeichen sind die kleinsten Botschafter Deutschlands. Sie dienen der Erinnerung an Ereignisse der jüngeren und älteren Zeitgeschichte und spiegeln aufgrund ihrer thematischen Vielfältigkeit die verschiedenen gesellschaftlichen Interessen wider. Aufgrund ihrer Größe und der begrenzten jährlichen Ausgabezahl kann leider nicht jedem Thema in gleichem Maße Genüge getan werden. Nichtsdestotrotz hat das Sonderpostwertzeichen auch im digitalen Zeitalter seinen Platz und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit in breiten Teilen der Gesellschaft.

    Liste der ausgewählten Themen1 zum Sonderpostwertzeichen-Jahresprogramm 2019

    Tabelle 1

    Fußnoten

    1
    Siehe zu dem Thema auch den Beitrag im Monatsbericht Oktober 2016
    2
    Aktuelle Informationen zum Thema Briefmarken finden sich auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums

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