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    So­zia­le Un­gleich­heit und in­klu­si­ves Wachs­tum im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich

    • Die Einkommensungleichheit hat in vielen Ländern zugenommen. Das gilt für die meisten Industrieländer und insbesondere für die USA, auch wenn global und über Ländergrenzen hinweg betrachtet die Einkommensungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist.
    • In Deutschland ist die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen im internationalen Vergleich relativ niedrig und seit 2005 stabil. Insbesondere das deutsche Steuer- und Transfersystem wirkt hierbei ausgleichend.
    • Bei der Vermögensungleichheit hingegen offenbart der internationale Vergleich für Deutschland ein anderes Bild. Auch bei der Chancengleichheit im Bildungssystem liegen vor Deutschland weiterhin Herausforderungen.
    • Die Initiative Frankreichs, Ungleichheit zum wichtigen Thema der diesjährigen G7-Präsidentschaft zu machen, wird von der Bundesregierung unterstützt.

    Einleitung

    Soziale Ungleichheit spielt in der wirtschafts- und sozialpolitischen Diskussion eine große Rolle. Soziale Ungleichheit und inklusives Wachstum sind seit Jahren auch wichtige Themen bei den Diskussionen im Kreis der G7 und der G20. Die französische Regierung hat das Thema Ungleichheit zu einem Schwerpunktthema ihrer diesjährigen G7-Präsidentschaft gemacht.

    Um sich dem Thema sozialer Ungleichheit zu nähern, sind verschiedene Dimensionen sozialer Ungleichheit zu betrachten. Dabei kommt in der öffentlichen Diskussion der Einkommensungleichheit eine wichtige Bedeutung zu. Die Ungleichheit der Vermögensverteilung ist eine weitere Dimension sozialer Ungleichheit. Zudem gehört in diesen Kontext die Chancengleichheit, denn Ungleichheiten werden eher als fair akzeptiert, wenn diese Ergebnis individuellen Handelns sind und nicht externe Faktoren über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

    Inklusives Wachstum

    steht seit 2015 explizit auf der Agenda der G20 und wird seit 2016 in den Kommuniqués explizit als G20-Ziel genannt („Strong, Sustainable, Balanced and Inclusive Growth“). Mit dem Konzept des „Inklusiven Wachstums“ wird der Wille ausgedrückt, dass vom Wirtschaftswachstum möglichst alle Menschen profitieren sollen und niemand zurückgelassen werden darf. Die Weltbank bringt ihr Maß „Shared Prosperity“ in Zusammenhang mit inklusivem Wachstum, da damit gemessen werde, wie viel Wirtschaftswachstum bei den Bevölkerungsteilen mit niedrigem Einkommen tatsächlich ankommt.

    Einkommensungleichheit

    Zur Erfassung der Einkommensungleichheit liegen vergleichsweise verlässliche Daten vor, zumindest für die Industrieländer. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Methoden und Messgrößen zur Messung von Einkommensungleichheit. Dabei ist der Gini-Koeffizient der am häufigsten verwendete Indikator.

    Der Gini-Koeffizient

    misst die Abweichung der tatsächlichen Einkommen von einer vollkommenen Gleichverteilung. Sind die Einkommen für alle Individuen gleich, nimmt der Gini-Koeffizient den Wert 0 an. Verdient ein einziges Individuum das gesamte Einkommen beträgt er 1. Problematisch am Gini-Koeffizienten ist, dass er nicht die Struktur der Ungleichheit erfassen kann. Zum Beispiel enthält eine Erhöhung des Gini-Koeffizienten keine Information darüber, ob sich das Einkommen der Mittelschicht im Vergleich zu den oberen Einkommen verringert hat, oder ob der ärmste Teil der Bevölkerung weiter abgehängt wurde. Für eine politische Bewertung wäre eine solche Unterscheidung aber wichtig.

    Während der Gini-Koeffizient die Ungleichheit über die gesamte Verteilung betrachtet, betrachten andere Ungleichheitsmaße die Ränder der Verteilung. Das intuitive Maß des 80:20 Quintilverhältnisses, das auch von Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) und von Eurostat erhoben wird, setzt das Durchschnittseinkommen der reichsten 20 % mit dem Durchschnittseinkommen der ärmsten 20 % in Beziehung. Der World Inequality Report (WIR) wiederum, der u. a. von Thomas Piketty publiziert wird, stellt die Einkommensentwicklung am oberen Rand der Verteilung in den Vordergrund und betrachtet hierfür insbesondere den Einkommensanteil des reichsten Prozents bzw. der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung am Gesamteinkommen. Den Schwerpunkt auf das untere Ende der Einkommensverteilung legt hingegen die Weltbank mit ihrem Maß des „Shared Prosperity“ (verteiler Wohlstand). Dabei werden die Wachstumsraten der Einkommen der ärmsten 40 % der Bevölkerung betrachtet.

    Unabhängig vom verwendeten Ungleichheitsmaß muss bei der Analyse der Einkommensungleichheit unterschieden werden zwischen Markteinkommen (vor Umverteilung durch das Steuer- und Transfersystem) und verfügbarem Einkommen (nach Umverteilung). Während für die Analyse von Marktprozessen die Markteinkommen interessant sind, ist für die Wohlfahrtsanalyse das verfügbare Einkommen von Bedeutung. Im Folgenden werden, sofern nicht explizit erwähnt, die Entwicklungen für die verfügbaren Einkommen dargestellt.1

    Ungleichheit auf globaler Ebene

    Betrachtet man die gesamte Weltbevölkerung, konstatieren die meisten Studien, dass die Einkommensungleichheit gemessen am Gini-Koeffizienten in den letzten beiden Jahrzehnten abgenommen hat. Dies liegt vor allem an den Erfolgen bei der Armutsbekämpfung, insbesondere in Ostasien.

    Nicht alle Forschungspublikationen unterstützen allerdings die Aussage sinkender globaler Ungleichheit. So zeichnet der WIR 2018 ein anderes Bild. Betrachtet man den dort vorwiegend verwendeten Maßstab (Einkommen des reichsten Prozents relativ zum Einkommen der ärmsten 50 %), so lässt sich die Aussage esunkener Einkommensungleichheit auf globaler Ebene nicht nachvollziehen. Selbst in Ländern, die große Erfolge bei der Armutsbekämpfung vorweisen können, wie z. B. China, sind die Einkommensanteile des reichsten Prozents stark gestiegen. Daher kommt der WIR insgesamt nicht zu dem Ergebnis, dass die Einkommensungleichheit weltweit gesunken ist.

    Gi­ni-Ko­ef­fi­zi­en­ten1 der G7-Län­der seit 1994

    in %

    Das Li­ni­en­dia­gramm stellt die Ge­schlechts­s­pe­zi­fi­sche Lohn­ge­fäl­le der Jah­re 2000 bis 2016 un­ter­schied­li­cher Län­der dar.
    1 Gini-Koeffizienten der verfügbaren Einkommen, nach Steuern und Transfers.
    Quelle: OECD
    Gini-Koeffizienten1 der G7-Länder seit 1994
    JahrKanadaFrankreichDeutschlandItalienJapanVereinigtes KönigreichUSA
    19940,2870,2680,3370,366
    19950,2890,2660,3270,3230,361
    19960,2970,2770,260,363
    19970,3010,2780,2590,364
    19980,3070,2760,2590,357
    19990,3070,2840,2590,340,354
    20000,3150,2870,2640,3230,3370,3520,357
    20010,3170,2870,270,340,36
    20020,3180,2840,280,3350,376
    20030,3160,2820,2820,3210,3350,374
    20040,3220,2830,2850,3310,3310,36
    20050,3170,2880,2970,3350,38
    20060,3170,2930,290,3290,3390,384
    20070,3180,2920,2950,3410,376
    20080,3210,2930,2870,3170,3420,378
    20090,320,2930,2880,3150,3360,3450,379
    20100,3190,3030,2860,3210,3410,38
    20110,3160,3090,2930,3260,3540,389
    20120,3170,3050,2890,330,330,3510,389
    20130,320,2910,2920,3250,3580,396
    20140,3130,2930,2890,3260,3560,394
    20150,3180,2950,2930,3330,3390,360,39
    20160,3070,2910,3280,3510,391
    Abbildung 1

    Einkommensungleichheit in den G7-Staaten und in Deutschland

    In den meisten Industrieländern hat die Einkommensungleichheit in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen, wie Abbildung 1 darstellt. Bemerkenswerte Ausnahmen sind Norwegen, Finnland und Island, wo die Ungleichheit, gemessen am Gini-Koeffizienten, zurückgegangen ist.

    Dieses Ergebnis gilt auch, wenn man anstelle des Gini-Koeffizienten das 80:20 Quintilverhältnis heranzieht, was Abbildung 2 zeigt. Den stärksten Anstieg der Ungleichheit in den G7-Staaten verzeichnen nach beiden Konzepten die USA. Im Vergleich zu den USA ist in den europäischen Staaten sowohl das Niveau als auch der Anstieg der Einkommensungleichheit moderat.

    80:20-Quin­til­ver­hält­nis1 der G7-Län­der seit 1994

    in %

    Das Li­ni­en­dia­gramm stellt die An­teils­ver­hält­nis­se der Ein­kom­mens­quin­ti­le der G7-Län­der seit 1994 dar.
    1 Verhältnis des Durchschnittseinkommens der einkommenstärksten 20 % der Bevölkerung zum Durchschnittseinkommen der einkommensschwächsten 20 % der Bevölkerung. Hier: Verfügbare Einkommen, nach Steuern und Transfers.
    Quelle: OECD
    80:20-Quintilverhältnis1 der G7-Länder seit 1994
    JahrKanadaFrankreichDeutschlandItalienJapanVereinigtes KönigreichUSA
    19944,55,5
    19954,53,95,95,76,9
    19964,74,1
    19974,8
    19984,9
    199955,6
    20005,14,23,95,66,35,96,9
    20015,15,7
    20025,25,5
    20035,15,85,5
    20045,34,25,65,4
    20055,24,25,47,8
    20065,165,7
    20075,25,7
    20085,34,34,35,35,87,7
    20095,34,34,35,36,25,77,7
    20105,24,54,35,65,67,9
    20115,24,74,45,75,98,2
    20125,34,64,35,96,15,98,2
    20135,54,34,45,868,6
    20145,24,44,45,968,7
    20155,54,44,56,36,26,18,3
    20165,14,34,65,968,5
    Abbildung 2

    Vergleicht man die Entwicklung der Ungleichheit in den USA und Westeuropa, fallen deutliche Unterschiede auf. Dies gilt insbesondere dann, wenn man die Entwicklung des Anteils des einkommensreichsten Prozents der Bevölkerung am Gesamteinkommen betrachtet und diesen Anteil in Beziehung setzt zu den Einkommensanteilen der ärmsten 50 %. Wie Abbildung 3 verdeutlicht, hat sich in den USA dieses Verhältnis annähernd umgekehrt, während die Entwicklung in Europa sehr gemäßigt erscheint.

    Verlaufsdiagramm: Anteil am Gesamteinkommen des einkommensreichsten Prozents der Bevölkerung in den USA und Westeuropa versus dem Anteil der einkommensschwächsten 50 % von 1980 bis 2016
    Abbildung 3

    Auch in Deutschland ist die Einkommensungleichheit heute etwas höher als vor zwei Jahrzehnten. Nach einem gewissen Anstieg nach der Wiedervereinigung ist die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen gemessen am Gini-Koeffizienten in Deutschland seit 2005 stabil. Allerdings zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, dass auch seit 2010 die Schere der Einkommen wieder leicht aber statistisch signifikant auseinandergegangen ist. Insgesamt ist die Einkommensungleichheit in Deutschland mit einem Gini-Koeffizienten von etwa 0,29 im internationalen Vergleich relativ niedrig und liegt knapp unter dem OECD Durchschnitt von 0,32. In Deutschland ist außerdem der Unterschied zwischen Markteinkommen und verfügbaren Einkommen im internationalen Vergleich sehr hoch - ähnlich wie in Frankreich. Grund hierfür ist das vergleichsweise hohe Maße an Umverteilung, vor allem über das Steuer- und Transfersystem, so dass trotz relativ ungleicher Verteilung der Markteinkommen die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen im internationalen Vergleich relativ niedrig ist, wie Abbildung 4 zeigt.

    Kommt das globale Wirtschaftswachstum bei allen Bevölkerungsschichten an?

    In Ostasien und in der Pazifik-Region, aber auch in Lateinamerika und der Karibik, ist im Zeitraum 2010-2015 ein relativ hohes durchschnittliches Wachstum des Einkommens und des Konsums der einkommensschwächsten 40 % der Bevölkerung zu verzeichnen. Insbesondere in Ostasien waren gute Bildungserfolge und ein exportorientiertes Wachstum des verarbeitenden Gewerbes Wachstumsmotoren, vor allem auch für die Einkommen der ärmsten 40 %. Häufig übertreffen dabei die Wachstumsraten der Einkommen der ärmsten 40 % die Wachstumsraten des Einkommens der Gesamtbevölkerung.

    In den meisten Industrieländern hingegen ist zwischen 2010 und 2015 nur ein geringes Wachstum, Stagnation oder sogar ein Rückgang bei den unteren Einkommen zu beobachten. Bezeichnend ist, dass in Ländern, die von einem Wirtschaftsabschwung betroffen waren, die Einkommen der ärmsten 40 %überdurchschnittlich stark zurückgegangen sind. Dies gilt zum Beispiel für Spanien, Griechenland, Zypern, Portugal und Italien. Für Deutschland verzeichnet die Weltbank im Zeitraum 2010-2015 zwar durchschnittlich ein leichtes Wachstum der realen Einkommen, die ärmsten 40 % hätten jedoch im Durchschnitt jährlich 0,18 % Einkommenseinbußen hinnehmen müssen.

    Balkendiagramm zeigt den Gini-Koeffizienten der Markteinkommen versus Gini-Koeffizienten der verfügbaren Einkommen im internationalen Vergleich im Jahr 2015
    Abbildung 4

    Ursachen steigender Einkommensungleichheit

    Einen Erklärungsansatz für die in den letzten beiden Jahrzehnten gestiegene Einkommensungleichheit in einigen Industrieländern stellt die sinkende Lohnquote dar, also die Verlagerung von Faktoreinkommen weg von Arbeit, hin zu Kapital, die u.a. auf Automatisierung, aber auch auf die Abwanderung von produzierendem Gewerbe in Niedriglohnländer zurückzuführen sei.

    Die Lohnquote

    ist der Anteil an der Wirtschaftsleistung einer Volkwirtschaft, der durch den Faktor Arbeit erwirtschaftet wird. Kapitaleinkommen wie zum Beispiel Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen zählen nicht dazu.

    Häufig wird argumentiert, dass durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen vom produzierenden Gewerbe in den Dienstleistungssektor Produktivitäts- und Einkommensverluste entstehen. Der IWF zeigt jedoch, dass die Verlagerung von Arbeitskräften in den Dienstleistungssektor nicht notwendigerweise mit Produktivitätsverlusten verbunden ist und dass die Ungleichheit vielmehr innerhalb einzelner Wirtschaftssektoren gestiegen ist.

    Der Umstand, dass in einer globalisierten Wirtschaft der Faktor Kapital weitaus mobiler ist als der Faktor Arbeit, schlägt sich auch in der Faktorentlohnung nieder. Der Anteil von Kapitaleinkommen ist weltweit in den letzten Jahrzehnten gestiegen, während die Lohnquote gesunken ist. Dies ist relevant für die Verteilung verfügbarer Einkommen, da Kapitaleinkommen ungleicher verteilt sind als Arbeitseinkommen. Seit 1970 ist die Lohnquote in fast allen Industrieländern deutlich gesunken. Abbildung 5 zeigt aber auch, dass diese Entwicklung von Land zu Land seit 1970 sehr unterschiedlich verlaufen ist. Die OECD hält keine Daten für die Lohnquote vor 1970 vor.

    Zieht man Daten des Statistischen Bundesamtes heran, so zeigt sich für Deutschland, dass die Lohnquote Anfang der 1980er Jahre ihren Höhepunkt erreicht hatte. Wählt man als Basisjahr 1950, so ändert sich für Deutschland der Befund einer sinkenden Lohnquote im Zeitverlauf, denn die Lohnquote ist heute immer noch höher als 1950, wie Abbildung 6 zeigt.

    Lohn­quo­te ab 1970 im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich

    in %

    Das Li­ni­en­dia­gramm stellt die Lohn­quo­te ab 1970 im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich der Jah­re 1970 bis 2012 dar.
    Quelle: OECD
    Lohnquote ab 1970 im internationalen Vergleich
    JahrKanadaFrankreichDeutschlandItalienUSA
    197067,9041477,9849273,1484780,372769,47986
    197168,1474277,9558573,9354783,363368,5668
    197268,0579177,157974,5255682,5609468,33058
    197366,0177875,8293275,3626481,6401468,16059
    197465,8722277,019176,2735680,3099769,34931
    197566,7044980,3704676,0106482,721268,37968
    197666,9691480,524375,2554281,3983368,28029
    197766,7469380,0249975,2725981,829868,1604
    197865,2250479,9094275,3037781,086268,25721
    197963,7857279,7573474,8251479,8733168,87105
    198063,1708580,0992775,8474479,4914569,59779
    198164,5357880,3283375,8369281,0250768,1596
    198265,6346980,4433374,9621880,5984668,95372
    198363,3591679,4397273,4320281,50168,59631
    198462,4728978,3190572,664179,6595867,46698
    198562,6487477,0867371,979278,607867,53373
    198663,5595774,6812271,6572476,8559868,20468
    198763,4973,8485172,8637976,7470568,1914
    198863,7288471,9109671,7134176,1956967,76199
    198964,3283570,3778470,3494475,5859967,65607
    199065,1991170,4374369,88376,4356568,1846
    199166,8176770,5801871,5343176,9507868,62012
    199267,1062569,9098372,5996777,364468,67377
    199366,2053569,7877272,7969275,38568,67938
    199464,1008668,9622771,743272,6920167,98676
    199562,7978468,7438671,7334170,4347767,46593
    199662,6174668,9248371,5017370,3015466,72389
    199762,9718368,3535370,5551470,7893766,32828
    199863,9612967,4993970,465167,9808666,95809
    199962,6124767,852671,2110867,6968766,77181
    200061,2867267,6054472,0300966,1382967,70476
    200161,6569267,5398271,3229165,7756367,4786
    200261,7545367,9341170,616565,9012366,76959
    200361,1939767,9045570,5729666,4534366,73893
    200460,7591467,5672869,3247766,0149265,86397
    200560,121467,5772568,3758866,6597165,19952
    200660,6204367,5703266,5746567,0798965,15788
    200760,6932466,7066965,2467666,5837565,1094
    200859,752866,9124266,2276367,1550365,51527
    200968,5784569,8652868,5518164,84048
    201068,6393167,8107368,587863,80531
    201168,6447667,6450468,2508263,73501
    201269,036368,5118368,67993
    Abbildung 5

    Ein weiterer Erklärungsansatz betrachtet die Veränderung der Marktstrukturen. Ändert sich die Marktstruktur, ändert sich auch die Möglichkeit der Marktteilnehmer, „ökonomische Renten“ abzuschöpfen.

    Ökonomische Renten

    In der Wohlfahrtsökonomie werden als „Renten“ diejenigen Erlöse bezeichnet, die über Erlöse hinausgehen, die in einem wettbewerbsintensiven Marktprozess erzielt werden könnten. Beispiele für Renten sind beispielsweise Monopolrenten, die ein monopolistisches Unternehmen allein aufgrund seiner Marktstellung erwirtschaftet.

    Lohn­quo­te in Deutsch­land

    in %

    Das Li­ni­en­dia­gramm stellt die Lohn­quo­te in Deutsch­land dar.
    Quelle: Destatis
    Lohnquote in Deutschland
    JahrLohnquote in % (unbereinigt)
    195058,3
    195158,08
    195257,09
    195358,74
    195460,14
    195559,71
    195660,35
    195760,37
    195860,91
    195960,16
    196060,11
    196162,41
    196263,85
    196364,89
    196464,55
    196565,31
    196666,38
    196766,16
    196864,65
    196965,69
    197065,61
    197167,4
    197268,49
    197369,58
    197471,14
    197571,09
    197670,7
    197771,4
    197871,3
    197971,57
    198073,18
    198173,61
    198273,2
    198371,57
    198470,58
    198569,98
    198669,71
    198771,16
    198869,67
    198968,17
    199067,79
    199169,85
    199271,08
    199371,64
    199470,92
    199570,72
    199670,38
    199769,58
    199869,67
    199970,78
    200071,86
    200171,04
    200271,07
    200370,91
    200467,72
    200566,63
    200664,29
    200763,6
    200865,46
    200968,44
    201066,75
    201166,06
    201267,71
    201367,96
    Abbildung 6

    Diese Renten können in die Einkommen sowohl von Kapitaleignern als auch von Arbeitnehmern fließen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass seit 1970 in den USA lediglich 20 % der gestiegenen Ungleichheit auf Einkommensverschiebungen vom Faktor Arbeit zum Faktor Kapital zurückzuführen sind. Der Rest habe seinen Ursprung in der ungleichen Verteilung innerhalb der jeweiligen Faktoren und dem Auftreten und Abschöpfen ökonomischer Renten. Diese sind z. B. beeinflusst durch Wettbewerbsintensität, Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer oder Netzwerkeffekte. Insbesondere die digitale Wirtschaft ist gekennzeichnet durch eine „winner-takes-most“-Dynamik. Starke Wettbewerbsvorteile entstehen für rasant wachsende digitale Unternehmen z. B. durch Zugang zu größeren Datenmengen oder durch Reputations- und Netzwerkeffekte. Entsprechend hoch sind die Monopolrenten und Gewinne der Marktführer. Zwar werden in diesen Unternehmen auch aufgrund der in diesem Sektor sehr hohen „Qualifizierungsprämien“ ausgesprochen hohe Gehälter gezahlt. Allerdings kommen die hohen Gewinne auch in diesen „Superstar-Unternehmen“ vorwiegend dem Faktor Kapital zu Gute. Die Marktmacht einzelner Unternehmen und entsprechende makroökonomische Effekte sind insbesondere in den USA zu beobachten. In seinem Länderbericht über die USA für 2018 stellt der IWF fest, dass die steigende Marktmacht einzelner Unternehmen wichtige makroökonomische Effekte haben kann, wie zum Beispiel eine abnehmende Investitionstätigkeit und weniger Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie eine weiter zurückgehende Lohnquote.

    Ein Beitrag zur Erklärung steigender Ungleichheit in Industrieländern kann auch der zurückgehende Organisationsgrad der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Gewerkschaften liefern. Gewerkschaften stärken die Verhandlungsmacht der Bezieher niedriger Einkommen und erhöhen in oben beschriebenem Zusammenhang deren Möglichkeit, auftretende Renten abzuschöpfen, die ansonsten von einkommensstärkeren Gruppen vereinnahmt würden. Eine Reihe empirischer Analysen unterstreicht die Rolle von Arbeitnehmervertretungen in diesem Zusammenhang. So deuten Analysen von IWF-Ökonomen darauf hin, dass von einem Rückgang der Gewerkschaftsdichte im Durchschnitt vor allem die oberen zehn Prozent der Einkommensbezieher profitieren. Ganz ähnlich argumentiert die Weltbank, dass soziale Ungleichheit in einer Gesellschaft sinkt, wenn die Gewerkschaftsdichte sowie deren Mitgliederzahlen zunehmen, und steigt, wenn diese zurückgehen. In vielen Industrieländern ist ein Rückgang der in Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu beobachten. Auch geht in vielen Ländern die Tarifbindung zurück, beispielhaft zeigt dies Abbildung 7 für Deutschland, die USA, das Vereinigte Königreich und den OECD-Durchschnitt.

    Ta­rif­bin­dung

    % der Ar­beit­neh­mer mit dem Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen

    Das Li­ni­en­dia­gramm stellt die Ta­rif­bin­dung % der Ar­beit­neh­mer mit dem Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen dar.
    Quelle: OECD
    Tarifbindung
    JahrDeutschlandVereinigtes KönigreichUSAOECD - Total
    1985856420,545,1
    198619,944,4
    198719,243,8
    19881943,5
    198918,643,2
    1990854718,243
    199118,143,5
    199217,742,4
    199317,642,1
    19944017,541,2
    199580,83616,740,2
    199675,73716,239,3
    199774,93615,638,5
    199873,635,415,438,3
    199970,636,115,337,9
    200067,836,414,937,4
    200168,835,514,737,3
    200267,835,214,537,2
    200367,635,514,336,8
    200465,7534,713,836,2
    200564,934,913,736
    200663,3533,313,135,1
    200761,6534,613,335,3
    200861,3533,613,735,5
    200961,7432,713,635,6
    201059,7630,913,134,6
    201158,931,21334,4
    201258,329,312,533,5
    201357,629,512,433,3
    201457,827,512,333
    201556,827,912,332,6
    20165626,31232,2
    Abbildung 7

    Vermögensungleichheit

    Vermögen sind hinsichtlich der Datenlage sehr viel schwieriger zu erfassen als Einkommen. Sowohl für hohe als auch geringe Vermögen liegen auf globaler Ebene kaum verlässliche Daten vor.

    Der Global Wealth Report der Credit Suisse ist eine der umfassendsten Datenquellen zur globalen Vermögensverteilung. Allerdings sind auch dessen Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren. Hohe Vermögen sind typischerweise sehr viel konjunkturabhängiger als geringe Vermögen; in der Rezession geht die Ungleichheit regelmäßig zurück, im Aufschwung steigt sie an. Neben Aktien- und Kapitalmarkt- können auch Wechselkursbewegungen die Ergebnisse stark verzerren. Der jüngste Bericht der Credit Suisse beschreibt eine seit der globalen Finanzkrise stark ansteigende Anzahl an Millionären und sog. Ultrareichen mit einem Vermögen von mehr als 50 Mio. US $, insbesondere in den USA und Europa, sowie ein stetig steigendes Medianvermögen in den meisten Regionen (Ausnahme: Afrika). Gemessen am Anteil des reichsten Prozents der Bevölkerung am Gesamtvermögen ist die Vermögensungleichheit seit der globalen Finanzkrise angestiegen, nachdem sie in den Jahren vor der Finanzkrise gefallen war: Laut Credit Suisse ist dieser Anteil in der Zeit zwischen 2000 und 2008 von 47 % auf 42 % zurückgegangen. Nach 2008 ist der Wert wieder gestiegen und übertrifft seit 2016 den für 2000 geschätzten Wert leicht.

    In Deutschland ist die Verteilung der Vermögen deutlich konzentrierter als die der verfügbaren Einkommen. Dies bestätigt auch die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht von April 2019. Darin stellt sie die Ergebnisse ihrer Panel-Befragung vor, die alle drei Jahre durchgeführt wird und eine Stichprobe von 5000 Haushalten umfasst. Die Bundesbank kommt zu dem Ergebnis, dass eine vergleichsweise hohe Ungleichverteilung der Vermögen in Deutschland vorliegt. Hinsichtlich der Entwicklung der Vermögensungleichheit ließe sich in den letzten Jahren jedoch kein eindeutiger Trend feststellen. Der Gini-Koeffizient liege hierzulande für die Nettovermögen bei 0,74. Dieser Wert entspricht auch dem Gini-Koeffizienten, der anhand der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2013 berechnet wurde. Wie ungleich die Verteilung ist, lasse sich auch am Anteil des Vermögens ablesen, das den oberen zehn Prozent der Nettovermögensverteilung gehört. Dies sind laut Bundesbank in Deutschland etwa 55 % des gesamten Nettovermögens. Diese Zahl dürfte jedoch den tatsächlichen Anteil unterschätzen, da in solchen Befragungen typischerweise sehr große Vermögen nicht erfasst werden. Auch OECD-Zahlen zeigen eine ähnliche Größenordnung und legen zudem nahe, dass das Vermögen in Deutschland stärker konzentriert ist als in vielen anderen Ländern. Nach OECD-Daten für 2017 halten zehn Prozent der Deutschen ca. 60 % des gesamten Nettohaushaltsvermögens. Der Durchschnitt in den OECD Staaten beträgt 52 %. Ansprüche an staatliche Rentenversicherungssysteme bleiben allerdings im Ländervergleich in allen diesen zitierten Daten unberücksichtigt, wodurch die Vermögen in Deutschland unterschätzt werden.

    Chancengleichheit

    Nicht jede Ungleichheit wird per se als „ungerecht“ empfunden; ohne Ungleichheit ist eine auf Wettbewerb basierende Ökonomie auch gar nicht denkbar. So sollten sich z. B. Anstrengung bei der Ausbildung, harte Arbeit und Risikobereitschaft finanziell lohnen, ansonsten stimmen die Anreize in einer Volkswirtschaft nicht. Allerdings ist für das Gerechtigkeitsempfinden wichtig, dass alle Menschen dieselben Grundvoraussetzungen und Startbedingungen haben. Entsprechend ist die normative Verteilungsdiskussion stark geprägt von der Diskussion um Chancengleichheit. Werden Einkommens- oder Vermögensunterschiede durch persönliche Leistung bestimmt, so sind sie mit dem Gerechtigkeitsempfinden einer Gesellschaft sehr viel eher zu vereinbaren, als wenn Sie durch externe Umstände bestimmt werden, auf die das Individuum selbst keinen Einfluss hat. Solche externen Umstände sind zum Beispiel die sozio-ökonomische Stellung des Elternhauses, das Geschlecht oder die Herkunft. Mit Analysen zur sozialen Mobilität, zur Durchlässigkeit des Bildungssystems oder zur unterschiedlichen Entlohnung von Frauen und Männern (gender pay gap) wird daher versucht, sich dem Konzept der Chancengleichheit empirisch zu nähern.

    In einer umfassenden Studie zur sozialen Mobilität zeichnet die Weltbank hinsichtlich der Situation auf globaler Ebene ein unbefriedigendes Bild. Demnach habe sich die Durchlässigkeit von Gesellschaften in den letzten 30 Jahren nicht verbessert und die Aufstiegschancen für die sozial schwächsten Bevölkerungsteile seien in Entwicklungsländern sogar zurückgegangen.

    Hinsichtlich der Bildungsmobilität zeichnet die OECD für Deutschland im internationalen Vergleich immer noch ein relativ ungünstiges Bild. Die OECD-Daten weisen darauf hin, dass akademische Abschlüsse hierzulande mehr als anderswo abhängig vom Bildungsstand der Eltern sind, wie Abbildung 8 illustriert. Demnach weisen fast 60 % der Bevölkerung intergenerationelle Stagnation in der Bildung auf und nur etwas mehr als 20 % schaffen einen Bildungsaufstieg gegenüber ihren Eltern.

    Balkendiagramm: Personen, die Bildungsstagnation erfahren und Personen, die Bildungsmobilität erfahren
    Abbildung 8

    Die PISA-Studie 2015 untersuchte, wie stark der sozio-ökonomische Hintergrund der Schüler deren schulische Leistungen in Naturwissenschaften bestimmt. Das in Abbildung 9 dargestellte Ergebnis zeigt, dass unter den G7-Staaten die schulischen Leistungen von 15-jährigen Schülern in Frankreich und in Deutschland am stärksten von deren sozio-ökonomischem Hintergrund beeinflusst werden.

    Pro­zent­satz der durch den so­zio­öko­no­mi­schen Sta­tus der Schü­le­rin­nen und Schü­ler er­klär­ten Va­ri­anz bei den Leis­tun­gen in Na­tur­wis­sen­schaf­ten, 2015

    in %

    xxx
    Quelle: OECD, PISA-Studie 2015
    Prozentsatz der durch den sozioökonomischen Status der Schülerinnen und Schüler erklärten Varianz bei den Leistungen in Naturwissenschaften, 2015
    Land2015
    Frankreich20
    Deutschland16
    USA11
    Vereinigtes Königreich11
    Japan10
    Italien10
    Kanada9
    Abbildung 9

    Auch diese Zahlen suggerieren, dass in Deutschland nicht alle Potentiale im Bildungssystem gehoben werden, die möglich wären und dass die Ausgangsvoraussetzungen der einzelnen Schüler relativ ungleich verteilt sind.

    Chancenungleichheit und Ungleichbehandlung kann sich auch in einer unterschiedlichen Entlohnung von Männern und Frauen manifestieren. Diese liegt vor, wenn bei gleicher Leistung Frauen weniger verdienen als Männer. In den G7-Staaten sind signifikante Unterschiede zwischen den Einkommen der beiden Geschlechter erkennbar. Allerdings geht diese „gender pay gap“ in allen G7 Staaten zurück, wie Abbildung 10 zeigt.

    Ge­schlechts­s­pe­zi­fi­sche Lohn­ge­fäl­le

    in %

    Das Li­ni­en­dia­gramm stellt die Ge­schlechts­s­pe­zi­fi­sche Lohn­ge­fäl­le der Jah­re 2000 bis 2017 un­ter­schied­li­cher Län­der dar.
    Quelle: OECD
    Geschlechtsspezifische Lohngefälle
    JahrKanadaFrankreichDeutschlandItalienJapanVereinigtes KönigreichUSAVereinigtes Königreich
    200023,919,68,533,926,323,126,3
    200124,319,133,925,623,625,6
    20022413,319,110,332,524,422,124,4
    200322,519,63224,120,624,1
    200422,721,96,731,123,419,623,4
    200521,316,332,822,11922,1
    200621,19,418,17,73321,719,221,7
    200720,816,731,721,619,821,6
    200820,516,711,830,721,920,121,9
    200920,116,528,320,719,820,7
    2010199,116,79,928,719,218,819,2
    201119,216,927,418,217,818,2
    201219,515,611,126,517,819,117,8
    201319,314,126,617,517,917,5
    201419,29,917,45,625,917,417,517,4
    201518,615,825,717,118,917,1
    201618,215,55,624,616,818,116,8
    201718,224,516,518,216,5
    Abbildung 10

    In Abbildung 10 ist die unbereinigte „Gender Wage Gap“ angegeben. Das heißt, diese Zahl ist nicht bereinigt um die strukturellen Unterschiede in den Beschäftigungsverhältnissen von Männern und Frauen. Das statistische Bundesamt hingegen errechnet alle drei Jahre eine „bereinigte Gender Pay Gap“ für Deutschland unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Berufswahl, des Bildungsstands sowie der Berufserfahrung und berücksichtigt zum Beispiel auch den geringeren Anteil von Frauen in Führungspositionen. Auch nach dem Herausrechnen dieser Faktoren bleiben für das Jahr 2014 immer noch Lohnunterschiede i.H.v. 6 % bestehen, die nicht erklärbar sind. Zwar wird das Thema geschlechterspezifische Lohndiskriminierung in vielen Staaten durch Maßnahmen, wie z. B. Diskriminierungsverbote oder Transparenzinitiativen angegangen. Es wird jedoch ganz entscheidend sein, in diesen Bemühungen nun nicht nachzulassen. Im Gegenteil, die weiterhin hohen Unterschiede in der Entlohnung zeigen, dass die Bemühungen zur Gleichstellung von Frauen und Männern weiterhin konsequent fortgeführt werden müssen.

    Fazit

    Nach einem gewissen Anstieg nach der Wiedervereinigung ist die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen in Deutschland seit 2005 stabil. Auch was die Höhe dieser Ungleichheit anbelangt, steht Deutschland dank der umfassenden Umverteilung innerhalb des Steuer- und Transfersystems im internationalen Vergleich gut da. Bei der Vermögensungleichheit sieht das Bild etwas anders aus. Im internationalen Vergleich ist für Deutschland eine stärkere Vermögenskonzentration als in den meisten anderen Industrieländern zu konstatieren. Auch bei der Chancengleichheit schneidet Deutschland im internationalen Vergleich nicht gut ab. Die Daten der OECD zur Chancengleichheit zeigen, wie wichtig gut funktionierende Bildungssysteme sind – von der frühkindlichen Bildung über die Schul- und Hochschulausbildung bis hin zu Weiterbildungsmöglichkeiten für (ältere) Arbeitnehmer.

    Die Forschungsergebnisse zum Einfluss der Wettbewerbsintensität und der Abschöpfung ökonomischer Renten lässt den Schluss zu, dass nicht protektionistische Maßnahmen, sondern mehr funktionierender Wettbewerb die Ungleichheit verringern hilft. Dynamisch betrachtet können Monopolrenten zwar in einer Ökonomie durchaus Sinn machen, etwa um Innovations- und Forschungsanreize zu schaffen. Allerdings sprechen die über Jahre hinweg sehr hohen Erträge mancher (häufig digitaler) Unternehmen für die Notwendigkeit einer effektiveren Sicherung eines fairen Wettbewerbs, eines angemessenen Marktzugangs und der Innovationskraft der Industrie. Hinzu kommt, dass viele dieser großen global tätigen Unternehmen nur unzureichend besteuert werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines umfassenden, international abgestimmten Ansatzes zur angemessenen Besteuerung globaler Unternehmen, wofür sich Deutschland international mit Nachdruck einsetzt.

    Eine immer weitergehende Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und eine Schwächung der Arbeitnehmervertretung können die Einkommensungleichheit verschärfen. Daher sollte versucht werden, die Einhaltung von Arbeitsstandards zu verbessern, die Arbeitnehmervertretungen zu stärken und für sicherere Beschäftigungsverhältnisse insbesondere in unteren Lohnsegmenten zu sorgen.

    Angesichts der steigenden Ungleichheit der verfügbaren Einkommen in den meisten G7-Staaten, insbesondere in den USA, ist es zu begrüßen, dass Frankreich dem Thema im Rahmen seiner G7-Präsidentschaft eine hohe Bedeutung beimisst. Insbesondere ist der Ansatz der französischen Präsidentschaft zu begrüßen, für eine verbesserte Einhaltung internationaler Arbeitsstandards in Form der ILO-Kernarbeitsnormen zu sorgen.

    Fußnoten

    1
    Ferner spielt auch der Haushaltszusammenhang eine große Rolle und wird häufig über sogenannte Äquivalenzeinkommen erfasst. Auf diese Thematik kann in diesem Artikel aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden. Erläuterungen zum Äquivalenzeinkommen finden sich z. B. unter im Armutsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

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