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  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

    Deutsche Wirtschaft im Spannungsfeld zwischen außen- und binnenwirtschaftlichen Kräften

    In einem merklichen Spannungsfeld zwischen außen- und binnenwirtschaftlichen Kräften zeigte die Entwicklung der deutschen Wirtschaft insbesondere im 1. Quartal 2019 ein zweigeteiltes Bild. Getragen von der positiven Lohn- und Beschäftigungsentwicklung kamen wichtige Wachstumsimpulse aus der Binnenwirtschaft. Entstehungsseitig trug insbesondere der Dienstleistungssektor zum wirtschaftlichen Wachstum bei. Dagegen belasteten die globale Konjunkturschwäche sowie der verlangsamte Welthandel insbesondere die Industrieproduktion.

    Aktuelle Wirtschaftsdaten lassen für das 2. Quartal 2019 ein Fortbestehen der abgeschwächten konjunkturellen Dynamik erwarten. So deuten Frühindikatoren auf eine anhaltend gebremste Entwicklung der Industrieproduktion hin, was auch durch die rückläufigen Auftragseingänge im Mai angezeigt wird. Zusätzlich bleiben außenwirtschaftliche Risiken und Unsicherheiten bestehen, die die exportorientierten Unternehmen weiter belasten dürften. Zusammen mit dem anhaltend verlangsamten Welthandel dürfte sich dies auch in einer weiterhin gebremsten Exportentwicklung niederschlagen. Dagegen dürften wiederum weiterhin positive binnenwirtschaftliche Wachstumsimpulse zu erwarten sein.

    Die positive Arbeitsmarktentwicklung setzte sich weiterhin fort, hat sich jedoch etwas verlangsamt. Die Arbeitsnachfrage der Unternehmen gab auf hohem Niveau zuletzt etwas nach. Die Erwerbstätigkeit stieg im Mai weiter an, jedoch mit deutlich geringeren Zuwächsen als in den Vormonaten. Die Arbeitslosenzahl verblieb im Juni – nach einem durch einen Sondereffekt bedingten Anstieg im Vormonat – auf nahezu unverändertem Vormonatsniveau. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 4,9 % und damit 0,1 Prozentpunkte unter der Quote des Vorjahresmonats. Für die kommenden Monate deuten Frühindikatoren eine sich abschwächende Arbeitsmarktentwicklung an. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel werden laut dem ifo Beschäftigungsbarometer die Unternehmen zunehmend zurückhaltender bei Neueinstellungen. Dagegen sind weiterhin positive Beschäftigungsimpulse aus dem Bauhauptgewerbe und dem Dienstleistungssektor zu erwarten.

    Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten

    Tabelle 1

    Vor dem Hintergrund der teils sehr unterschiedlichen Signale sind aktuelle Prognosen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 2. Quartal 2019 weiterhin mit einer hohen Unsicherheit behaftet.

    Zur Unsicherheit von BIP-Wachstumsprognosen

    Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland im 1. Quartal 2019 zeigte sich in einem merklichen Spannungsfeld der binnen-und außenwirtschaftlichen Kräfte. Dies spiegelt sich in abgeschwächter Form auch in derzeitigen Wachstumsprognosen zur realen BIP-Entwicklung für das 2. Quartal wider. Die untenstehende Abbildung zeigt die Schätzergebnisse von insgesamt 77 Einzelgleichungsmodellen, die die BIP-Entwicklung anhand gängiger Konjunkturindikatoren prognostizieren. Der Mittelwert über alle Schätzungen deutet auf eine leicht rückläufige BIP-Entwicklung im 2. Quartal hin (-0,1 % gegenüber dem Vorquartal) und der noch geringere Medianwert (-0,2 % gegenüber dem Vorquartal) zeigt die Existenz merklicher Abwärtsrisiken. Von Bedeutung ist jedoch ebenfalls die sichtbare Streuung der Ergebnisse. So deuten Modelle, die ein höheres Gewicht auf das Verarbeitende Gewerbe und den Außenhandel legen, auf eine merklich schlechtere BIP-Entwicklung hin, während der Dienstleistungssektor und moderat auch der Arbeitsmarkt weiterhin Signale für ein Wachstum im 2. Quartal senden. Zwar sind BIP-Prognosen grundsätzlich mit Unsicherheit behaftet, die teils recht gegenläufigen Signale stellen jedoch eine zusätzliche Herausforderung für eine treffsichere Punktprognose dar.

    Balkendiagramm, das den BIP Wachstum im 2. Quartal zeigt.
    Abbildung 1

    Das Steueraufkommen (ohne Gemeindesteuern) erhöhte sich im Juni 2019 um 6,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Sowohl bei der Lohnsteuer (+7,1 %) als auch bei den Steuern vom Umsatz (+5,3 %) ist ein kräftiger Aufkommenszuwachs zu verzeichnen. Der Betrag der im Juni gezahlten zweiten Rate der vierteljährlichen Vorauszahlungen stieg bei der veranlagten Einkommensteuer und bei der Körperschaftsteuer gegenüber dem Juni 2018. Die Einnahmen aus der veranlagten Einkommensteuer erhöhten sich insgesamt um 8,4 %. Bei der Körperschaftsteuer fiel der Einnahmezuwachs mit 1,6 % allerdings geringer aus. Die Einnahmen aus den verbrauchsabhängigen Bundessteuern verringerten sich um 0,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

    Gestiegene Exporte, rückläufige Importe

    Die nominalen Warenexporte sind im Mai im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt um 1,1 % gestiegen, nach einem Rückgang im April um 3,4 %. Gegenüber dem Vorjahresmonat lagen die Warenausfuhren um 4,5 % höher. In Länder der Europäischen Union (EU) wurden im Zeitraum von Januar bis Mai 2019 Waren im Wert von 332,0 Mrd. € exportiert. Dies entspricht einem Anstieg von 0,9 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die Ausfuhren in Drittländer sind mit 4,5 % gegenüber dem Vormonat am stärksten angestiegen, gefolgt von den Ausfuhren in den Euroraum, die einen Anstieg von 1,7 % verzeichneten. Ausfuhren in den Nicht-Euroraum waren dagegen um 0,4 % im Vergleich zum Vormonat rückläufig.

    Die nominalen Warenimporte lagen dagegen im Mai saisonbereinigt um 0,5 % unter dem Niveau des Vormonats. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Importe um 4,9 % an. Im Zeitraum zwischen Januar und Mai 2019 wurden Waren im Wert von 269,3 Mrd. € aus EU-Ländern importiert, was einem Anstieg von 4,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die Einfuhren aus dem Euroraum nahmen um 5,9 % zu. Aus dem Nicht-Euroraum und den Drittländern stiegen die Importe um 2,5 % beziehungsweise um 4,2 %.

    Die Bilanz des Warenhandels (Warenhandel nach Ursprungswerten, mit Ergänzungen zum Außenhandel) blieb im Zeitraum Januar bis Mai 2019 mit 100,7 Mrd. € ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres (+0,1 Mrd. €). Der Leistungsbilanzüberschuss lag mit 106,4 Mrd. € um 0,6 Mrd. € leicht über dem Wert des Vorjahreszeitraums.

    Nach deutlichem Rückgang im Vormonat konnten die nominalen Warenexporte im Mai wieder etwas zulegen. Im Vorjahresvergleich zeigte sich hier der kräftigste Anstieg bei Ausfuhren in Drittländer außerhalb der EU. Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich sind die nominalen Warenexporte jedoch gegenüber der Vorperiode deutlich rückläufig (-2,0 %). Auch deuten vorlaufende Indikatoren auf eine weiterhin gebremste Exportentwicklung in den kommenden Monaten hin. So blieben die ifo Exporterwartungen im Verarbeitenden Gewerbe auch im Juni auf anhaltender Talfahrt. Insbesondere gehen die Unternehmen nun nicht mehr von Exportzuwächsen aus. Auch die Auftragseingänge aus dem Ausland waren nach leichter Stabilisierung im Vormonat im Mai wieder spürbar rückläufig.

    Industrieproduktion leicht stabilisiert, aber weiterhin schwach

    Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Mai 2019 gegenüber dem Vormonat um saisonbereinigt 0,3 % angestiegen (nach -2,0 % im April). Im Zweimonatsvergleich verzeichnet die Produktion einen Rückgang von 1,7 % im Vergleich zur Vorperiode.
    Auch die Industrieproduktion hat sich im Mai etwas stabilisiert und lag saisonbereinigt um 0,9 % über dem Niveau des Vormonats. Im Zweimonatsvergleich ist sie jedoch gegenüber der Vorperiode um 1,2 % rückläufig. Die Produktion von Investitionsgütern nahm mit einem Anstieg von 2,0 % im Vergleich zum Vormonat am stärksten zu, gefolgt von der Konsumgüterproduktion, die um 1,1 % anstieg. Die Produktion von Vorleistungsgütern verzeichnete dagegen einen Rückgang von 0,5 % gegenüber dem Vormonat.

    Die Umsätze in der Industrie waren im Mai saisonbereinigt um 1,2 % im Vergleich zum Vormonat rückläufig. Insbesondere die Inlandsumsätze verzeichneten im Vormonatsvergleich einen deutlichen Rückgang (-2,2 %). Auslandsumsätze waren um 0,3 % im Vergleich zum Vormonat rückläufig. Im Zweimonatsvergleich gingen die Umsätze gegenüber der Vorperiode um 1,1 % zurück.

    Im Mai waren die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe um saisonbereinigt 2,2 % gegenüber dem Vormonat rückläufig. Ohne Großaufträge lag das Ordervolumen im Mai um 3,0 % niedriger als im Vormonat. Aufträge aus dem Inland stiegen im Vergleich zum Vormonat um 0,7 % an. Auslandsaufträge verzeichneten dagegen einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vormonat (-4,3 %). Dabei nahmen die Aufträge aus dem Euroraum im Vergleich zum Vormonat um 1,7 % ab, die Aufträge aus dem restlichen Ausland um 5,7 %. Im Zweimonatsvergleich liegen die Auftragseingänge um 0,4 % unterhalb des Niveaus der Vorperiode.

    Die Bauproduktion entwickelte sich im Mai nur schwach und war gegenüber dem Vormonat um 2,4 % rückläufig. Im Zweimonatsvergleich liegt sie gemessen an der Vorperiode um 3,0 % niedriger.

    Nach einem deutlichen Rückgang im Vormonat hat sich die Industrieproduktion im Mai leicht stabilisiert. Im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich ist sie jedoch gegenüber der Vorperiode merklich zurückgegangen. Die deutlich rückläufigen Auftragseingänge im Mai deuten auf ein Fortbestehen der abgeschwächten Industriekonjunktur hin. Auch das ifo Geschäftsklima, das im Verarbeitenden Gewerbe im Juni erneut einen spürbaren Dämpfer erhielt, deutet auf eine anhaltend gebremste Industriekonjunktur hin. Dabei fielen die Einschätzung der aktuellen Lage sowie die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate merklich pessimistischer aus.

    BIP-Wachstum und ifo Geschäftsklima Deutschland
    Die In­fo­gra­fik stellt den BIP-Wach­tum und ifo Ge­schäfts­kli­ma dar.
    Im April 2018 löste das ifo Geschäftsklima Deutschland den bisherigen Index für die Gewerbliche Wirschaft ab. <br> Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo Institut, eigene Berechnungen
    nullBIP (Quartal), real, % zum VorjahrGeschäftsklima, saisonbereinigte SaldenGeschäftserwartungen, saisonbereinigte SaldenGeschäftslage, saisonbereinigte SaldenBIP (Jahresdurchschnitt), real, % zum Vorjahr
    01.01.2013null10,970062,573119,715090,5
    01.02.2013-1,513,367569,0945717,727860,5
    01.03.2013null13,580067,7730919,549330,5
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    01.05.20130,910,948556,3308215,669620,5
    01.06.2013null10,699715,260816,282740,5
    01.07.2013null14,459537,7085321,429960,5
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    01.09.2013null16,636311,6634721,725960,5
    01.10.2013null16,011649,4751322,752110,5
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    Abbildung 2

    Stabile Verbraucherstimmung, getrübte Einkommenserwartung

    Das Konsumklima ist laut dem Konsumklimaindex der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Juni auf saisonbereinigt 10,1 Punkte gesunken. Es behauptet damit sein insgesamt gutes Niveau, wobei sich eine uneinheitliche Entwicklung in der Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher zeigte. So hat sich die Einkommenserwartung im Juni deutlich eingetrübt. Laut GfK könnte sich hierin eine zunehmende Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung zeigen. Dagegen konnte die Anschaffungsneigung im Juni zulegen und die Verluste des Vormonats wettmachen. Auch die Konjunkturerwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher gehen nach langer Talfahrt im Juni nicht weiter zurück. Somit dürften vom privaten Konsum weiterhin wichtige Wachstumsimpulse ausgehen. Eine zunehmende Beeinträchtigung des Arbeitsmarkts könnte das Konsumklima zukünftig jedoch stärker belasten. Für den Monat Juli prognostiziert die GfK einen weiteren Rückgang des Konsumklimas auf 9,8 Punkte.

    Die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) waren im Mai 2019 um saisonbereinigt 0,6 % niedriger als im Vormonat, verzeichneten im Vorjahresvergleich aber einen Anstieg von 4,0 %. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich im Juni 2019 verbessert. Dabei stieg vor allem die Einschätzung der aktuellen Lage der Unternehmen an. Insgesamt war der ifo Geschäftsklimaindex im Juni jedoch erneut rückläufig. Insbesondere die Erwartungen für die kommenden sechs Monate fielen dabei weniger optimistisch aus. Die Einschätzung zur aktuellen Lage blieb insgesamt nahezu unverändert.

    Verlangsamte Arbeitsmarktentwicklung

    Die Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) lag nach Ursprungswerten im Mai 2019 bei 45,28 Millionen Personen (+462.000 Personen beziehungsweise +1,0 % gegenüber dem Vorjahr). Saisonbereinigt nahm die Erwerbstätigenzahl um 21.000 Personen gegenüber dem Vormonat zu (April: +33.000 Personen). Wie auch in den Vormonaten beruht der Anstieg der Erwerbstätigkeit überwiegend auf dem Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, die (nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit) im April bei 33,38 Millionen Personen lag. Der Vorjahresstand wurde damit um 595.000 Personen überschritten. Saisonbereinigt verzeichnete die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im April einen Zuwachs von 38.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Die größten Zuwächse zeigten sich im Vorjahresvergleich in der Metall- und Elektroindustrie sowie bei Qualifizierten Unternehmensdienstleistungen. Rückgänge waren bei der Arbeitnehmerüberlassung und den Finanz- und Versicherungsdienstleistern zu verzeichnen.

    Im Juni 2019 waren nach Ursprungswerten 2,216 Millionen Personen als arbeitslos registriert. Das waren rund 20.000 Personen weniger als im Vormonat und 60.000 Personen weniger als vor einem Jahr. Die entsprechende Arbeitslosenquote lag bei 4,9 % und damit 0,1 Prozentpunkte unter der Quote des Vorjahresmonats. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl nahm geringfügig um 1.000 Personen ab. Die Zahl der Erwerbslosen nach dem Konzept der International Labour Organization betrug im Mai 2019 1,30 Millionen Personen. Die Erwerbslosenquote lag nach Ursprungszahlen bei 3,0 % (saisonbereinigt 3,1 %).

    Nach einem deutlichen – durch einen Sondereffekt bestimmten – Anstieg im Vormonat verblieb die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Juni nahezu unverändert auf Vormonatsniveau. Die Erwerbstätigkeit stieg weiter an, jedoch mit deutlich geringerem Zuwachs als in den Vormonaten. Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau, wenn auch zuletzt etwas abgeschwächt. Im 1. Quartal 2019 belief sich das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf 1,38 Millionen Stellen, womit das Vorjahresniveau um 16 % (+190.000 Stellen) überschritten wurde. Frühindikatoren deuten auf eine sich abschwächende Arbeitsmarktentwicklung in den kommenden Monaten hin. So werden laut ifo Beschäftigungsbarometer insbesondere die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel immer zurückhaltender mit Neueinstellungen. Positive Beschäftigungsimpulse sind dagegen weiterhin aus dem Bauhauptgewerbe und dem Dienstleistungssektor zu erwarten.

    Leichter Anstieg der Verbraucherpreise

    Die Preisniveauentwicklung ist in Deutschland nach wie vor durch ein hohes Maß an Stabilität geprägt.

    Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist der Verbraucherpreisindex im Juni 2019 im Vorjahresvergleich um 1,6 % gestiegen (nach +1,4 % im Mai). Gegenüber dem Vormonat lag der Anstieg der Verbraucherpreise bei 0,3 %. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex stieg im Juni um 1,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gegenüber dem Vormonat lag der Anstieg bei 0,1 %.

    Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte stiegen im Mai 2019 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,9 % (-0,1 % gegenüber dem Vormonat). Der Preisanstieg wurde maßgeblich durch die steigenden Preise der Energiegüter bestimmt, die sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,5 % verteuerten (-0,6 % gegenüber dem Vormonat). Ohne Berücksichtigung von Energie lagen die Erzeugerpreise um 1,1 % über dem Niveau des Vorjahresmonats.

    Die Preise importierter Güter lagen im Mai um 0,2 % unter dem Niveau des Vorjahresmonats (nach +1,4 % im April). Im Vormonatsvergleich waren sie um 0,1 % rückläufig. Die Einfuhrpreise für Energie gingen im Vorjahresvergleich um 4,1 % zurück. Insbesondere die Preise für Erdgas (-16,4 %) und Steinkohle (-10,3 %) waren im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedriger. Dagegen verteuerten sich die Importpreise für Erdöl im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 %. Ohne Energie lag der Einfuhrpreisindex um 0,3 % höher als im Vorjahr (-0,1 % gegenüber Vormonat).

    Im Juni fiel die Verbraucherpreisinflation etwas stärker als im Vormonat aus. Insbesondere die Dienstleistungen verzeichneten eine deutlich kräftigere Preissteigerung als zuvor. Dies schlug sich auch in der Kerninflationsrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) nieder, die im Juni mit 1,6 % gegenüber dem Vorjahr deutlich höher als im Vormonat ausfiel (Mai: 1,1 %). Während auch die Nahrungsmittelpreise im Juni einen kräftigeren Anstieg zu verzeichnen hatten, entwickelten sich die Preise für Energie mit einer deutlich abgeschwächten Dynamik. Auch für die kommenden Monate ist mit einer moderaten Preisentwicklung zu rechnen. Geopolitische Risiken, welche die Preisdynamik beeinflussen könnten, bleiben jedoch weiterhin bestehen.

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