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    Die wich­tigs­ten Steu­ern im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich

    • Die deutsche Abgabenquote – d. h. das Verhältnis der Steuern und Sozialabgaben zum Bruttoinlandsprodukt – lag mit 37,5 % im Jahr 2017 international im oberen Mittelfeld. Den Steuern und Abgaben stehen in Deutschland umfangreiche öffentliche Leistungen und verlässliche, gut ausgebaute soziale Sicherungssysteme gegenüber.
    • Die tarifliche Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften bleibt in Deutschland insgesamt knapp unter der Marke von 30 %.
    • Bei ausgeglichenen Haushalten und zugleich höheren Ausgaben für Zukunftsinvestitionen setzt die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode wichtige Akzente für eine wachstumsfreundliche und sozial gerechte Steuer- und Abgabenpolitik: Vom vollständigen Abbau des Solidaritätszuschlags für rund 90 % der hiervon betroffenen Einkommensteuerzahlerinnen und -zahler, dem Ausgleich der kalten Progression, deutlich verbesserten Familienleistungen (z. B. höheres Kindergeld) und Sozialabgabensenkungen profitieren insbesondere Familien sowie Menschen, die untere und mittlere Einkommen beziehen.

    Einleitung

    Der folgende Beitrag stellt überblicksartig grundlegende Vergleiche zur internationalen Besteuerung an. Dabei werden die Ergebnisse für die wesentlichen Steuerarten aus der Neuauflage der BMF-Broschüre „Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2018“ zusammengefasst. Die Ländervergleiche erstrecken sich auf die EU-Staaten und einige andere Industriestaaten (USA, Kanada, Japan, die Schweiz und Norwegen). Sie geben grundsätzlich den Rechtsstand zum Ende des Jahres 2018 wieder; abgesehen vom letzten verfügbaren Vergleichsjahr 2017 für die Steuer- und Abgabenquoten, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht werden. Angekündigte oder beschlossene Maßnahmen, die sich erst ab 2019 auswirken, sind noch nicht erfasst. Es sei darauf hingewiesen, dass sich bei vielen Vergleichen erst aus dem Gesamtkontext heraus sinnvolle Schlussfolgerungen ziehen lassen. Dies gilt insbesondere für das Zusammenspiel von nominalen Steuersätzen und unterschiedlich ausgestalteten Bemessungsgrundlagen in den einzelnen Staaten.

    Gesamtwirtschaftliche Kennzahlen

    Gesamtwirtschaftliche Steuerquoten weisen die in einer Volkswirtschaft gezahlten Steuern bezogen auf die Wirtschaftsleistung aus. Die Aussagekraft dieser Steuerquoten ist aber begrenzt, weil die in den Vergleich einbezogenen Staaten ihre staatlichen Sozialversicherungssysteme in unterschiedlichem Ausmaß über eigenständige Sozialbeiträge (die nicht in der Steuerquote enthalten sind) oder aus allgemeinen Haushaltsmitteln und damit über entsprechend hohe Steuern finanzieren. Erst die Abgabenquote, die sowohl Steuern als auch Beiträge zur Sozialversicherung ins Verhältnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP) setzt, ermöglicht einen gesamtwirtschaftlich sinnvollen Steuer- und Abgabenvergleich.

    Abbildung 1 zeigt, dass nach den Abgrenzungsmerkmalen der OECD (Revenue Statistics mit letztem Vergleichsjahr 2017) die Abgabenquote insbesondere in den meisten skandinavischen Staaten, aber auch in Frankreich, Belgien, Italien und Österreich vergleichsweise hoch ist (> 40 %). Dagegen weisen Irland, die USA, die Schweiz und Litauen relativ niedrige Abgabenniveaus auf (< 30 %). Die deutsche Abgabenquote bewegt sich im oberen Mittelfeld (2017: 37,5 %).

    Steuern- und Abgabenquoten 2017

    in % des BIP

    Bal­ken­dia­gramm: Ver­gleich Steu­er- und ab­ga­ben­quo­ten von un­ter­schied­li­chen Län­dern
    1 Stand 2016
    Quelle: OECD (Hrsg.), Revenue Statistics 1965-2017, Paris 2018
    LandSteuerquoteAbgabenquote
    Irland1922,8
    USA20,927,1
    Schweiz21,828,5
    Litauen17,529,8
    Lettland2230,4
    Japan¹18,230,6
    Kanada27,632,2
    Slowakei 18,432,9
    Estland21,833
    Vereinigtes Königreich26,933,3
    Spanien22,233,7
    Polen 2133,9
    Portugal 25,434,7
    Tschechien19,934,9
    Slowenien21,636
    Deutschland23,337,5
    Ungarn 24,937,7
    Norwegen27,938,2
    Luxemburg27,638,7
    Niederlande24,938,8
    Griechenland 27,739,4
    Österreich27,241,8
    Italien29,542,4
    Finnland31,243,3
    Schweden34,344
    Belgien3144,6
    Dänemark45,946
    Frankreich29,446,2
    Abbildung 1

    Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften

    Den nominalen Steuersätzen kann eine Signalfunktion bei internationalen Besteuerungsvergleichen zugesprochen werden. Die tatsächliche oder auch effektive Besteuerung ergibt sich jedoch erst aus dem Zusammenspiel von Steuerbemessungsgrundlage und tariflichem Steuersatz. Dieser zusammenfassende Artikel beschränkt sich auf einen Vergleich der tariflichen Besteuerung von Kapitalgesellschaften.

    Im Jahr 2018 senkten einige Staaten ihre nominalen Körperschaftsteuersätze (die USA, Belgien, Luxemburg und Norwegen). In Lettland hingegen stieg der Steuersatz. In den übrigen untersuchten Staaten blieben die nominalen Standardsätze unverändert. Abbildung 2 zeigt die im Jahr 2018 geltenden Körperschaftsteuersätze (ohne Steuern nachgeordneter Gebietskörperschaften).

    Körperschaftsteuersätze 2018 ohne Zuschläge und Steuern der nachgeordneten Gebietskörperschaften

    Standardsätze in %

    Bal­ken­dia­gramm: Ver­gleich von Stan­dard­sät­zen der Kör­per­schafts­steu­er in un­ter­schied­li­chen Län­dern
    Quelle: Bundeszentralamt für Steuern
    LandKörperschaftssteuer-Standardsätze
    Schweiz8,5
    Ungarn9
    Bulgarien10
    Irland12,5
    Zypern12,5
    Deutschland15
    Kanada15
    Litauen15
    Rumänien16
    Kroatien18
    Luxemburg18
    Polen19
    Slowenien19
    Tschechien19
    Vereinigtes Königreich19
    Estland20
    Finnland20
    Lettland20
    Portugal21
    Slowakei21
    USA21
    Dänemark22
    Schweden22
    Norwegen23
    Japan23,4
    Italien24
    Niederlande25
    Österreich25
    Spanien25
    Belgien29
    Griechenland29
    Frankreich33,3
    Malta35
    Abbildung 2

    Über die zentralstaatliche Ebene hinaus erheben in mehreren Staaten nachgeordnete Gebietskörperschaften (Einzelstaaten, Provinzen, Regionen, Gemeinden usw.) noch eigene Körperschaftsteuern oder ihnen ähnliche Steuern, wie z. B. in Deutschland und Luxemburg die Gewerbesteuer. Hinzu kommen vielfach Zuschläge auf verschiedenen staatlichen Ebenen. Die Höhe all dieser die Kapitalgesellschaften betreffenden Unternehmensteuern, die bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage den Gewinn zugrunde legen, ist in Abbildung 3 dargestellt. Zu beachten ist, dass die von lokalen Gebietskörperschaften erhobenen Steuern in manchen Staaten von der Steuerbemessungsgrundlage der übergeordneten Gebietskörperschaften abzugsfähig sind (z. B. in Japan und in den USA). Die Gesamtsteuerbelastung auf Unternehmensebene ergibt sich demzufolge aus einer abgestuften Rechnung und nicht aus einer einfachen Addition der nominalen Steuersätze der einzelnen Steuern. Die steuertarifliche Gesamtbelastung von Kapitalgesellschaften reicht im Jahr 2018 von 10 % in Bulgarien bis über 34 % in Frankreich (ohne den Sonderfall Malta mit eigenen Sondersätzen beziehungsweise -regelungen; Frankreich wendet seit 2018 einen ermäßigten Eingangstarifbereich an). Deutschland bleibt weiterhin knapp unterhalb einer tariflichen Gesamtbesteuerungsmarke von 30 %.

    Unternehmensbesteuerung 2018

    Tarifliche Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften 2018 (Körperschaftsteuern, Gewerbeertragsteuern und vergleichbare andere Steuern des Zentralstaats und der Gebietskörperschaften), nominal in %

    Bal­ken­dia­gramm: Kör­per­schafts­steu­er­sät­ze für Un­ter­neh­men in un­ter­schied­li­chen Län­dern
    Quelle: Bundeszentralamt für Steuern
    LandKörperschaftssteuer-Unternehmensbesteuerung
    Bulgarien10
    Ungarn10,82
    Irland12,5
    Zypern12,5
    Litauen15
    Rumänien16
    Kroatien18
    Polen19
    Slowenien19
    Tschechien19
    Vereinigtes Königreich19
    Estland20
    Finnland20
    Lettland20
    Schweiz (Zürich)20,65
    Slowakei 21
    Dänemark22
    Schweden22
    Portugal22,5
    Norwegen23
    Niederlande25
    Österreich25
    Spanien25
    Luxemburg26,01
    USA (Staat New York)26,14
    Kanada (Ontario)26,5
    Italien27,9
    Griechenland29
    Belgien29,58
    Deutschland29,89
    Japan31,72
    Frankreich34,43
    Malta35
    Abbildung 3

    Einkommen-/Lohnsteuer und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen

    Für Arbeitnehmerhaushalte in verschiedenen Familienverhältnissen und Einkommensgruppen veröffentlicht die OECD regelmäßig eine international vergleichende Untersuchung. Abbildung 4 zeigt für das Jahr 2018 die Besteuerung des durchschnittlichen Bruttoarbeitslohns eines Arbeitnehmerhaushalts mit Lohn- oder Einkommensteuer klassifiziert nach verschiedenen Familienverhältnissen (alleinstehend; Familien, in denen einer der Eheleute ein Einkommen erzielt; Familien, in denen von beiden Eheleuten ein Einkommen erzielt wird. In vielen Ländern sorgen Maßnahmen im Rahmen der Familienbesteuerung für eine Besserstellung von Familien mit Kindern (so auch deutlich erkennbar in Deutschland bei Menschen mit durchschnittlichem Verdienst vor allem durch das Kindergeld). Abbildung 5 stellt unter zusätzlicher Berücksichtigung des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung den gesamten Steuer- und Abgabenanteil an den Arbeitskosten dar.

    Einkommen-/Lohnsteuer bei Arbeitnehmern 2018

    in % des Bruttoarbeitslohns

    Bal­ken­dia­gramm: Ein­kom­mens- und Lohn­steu­er in ver­schie­de­nen Län­dern
    1 Ein negativer Wert bedeutet insgesamt unter Berücksichtigung von Einkommen-/Lohnsteuerzahlungen und empfangener Familienleistungen eine Steuergutschrift bzw. -erstattung.
    Quelle: OECD (Hrsg.), Taxing Wages 2017-2018, Paris 2019
    LandVerheiratet, zwei Kinder, Doppelverdiener/in, ein Durchschnittseinkommen + 33 % eines weiteren DurchschnittseinkommensVerheiratet, zwei Kinder, Alleinverdiener/in, DurchschnittseinkommenAlleinstehend, kein Kind, Durchschnittseinkommen
    Polen3,52,27,4
    Japan6,36,57,9
    Griechenland810,610,1
    Slowakei4,70,210,5
    Schweiz6,24,611,2
    Slowenien4,23,712
    Litauen9,913,113,1
    Estland8,48,413,4
    Tschechien¹1,2-5,113,6
    Vereinigtes Königreich10,913,414
    Österreich1012,614,8
    Spanien9,97,814,9
    Ungarn7,44,915
    Portugal5,44,715,6
    Kanada12,81115,7
    USA 7,74,116,1
    Frankreich9,79,516,8
    Luxemburg7,15,917,2
    Lettland7,49,317,4
    Niederlande13,117,117,5
    Schweden1618,218,2
    Deutschland6,91,319,1
    Norwegen16,119,319,3
    Finnland15,220,220,2
    Irland13,111,521,4
    Italien1215,221,9
    Belgien1814,425,9
    Dänemark33,731,835,8
    Abbildung 4
    Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zur Sozialversicherung und Einkommen-/Lohnsteuer1 2018

    in % der Lohnkosten2

    Bal­ken­dia­gramm: Bei­trä­ge zur So­zi­al­ver­si­che­rung und Ein­kom­mens- bzw. Lohn­steu­er in ver­schie­de­nen Län­dern.
    1 Definiert als Arbeitgeberbeitrag zuzüglich Arbeitnehmerbeitrag zur Sozialversicherung und Lohnsteuer (gegebenfalls einschließlich anteiliger Lohnsummensteuer), gemindert um die familienbezogenen Leistungen (z.B. Kindergeld). 2 Lohnkosten defniert als Bruttoarbeitslohn zuzüglich Arbeitgeberbeitrag (gegebenenfalls einschließlich anteiliger Lohnsummensteuer).
    Quelle: OECD (Hrsg.), Taxing Wages 2017-2018, Paris 2019
    LandVerheiratet, zwei Kinder, Doppelverdiener/in, ein Durchschnittseinkommen + 33 % eines weiteren DurchschnittseinkommensVerheiratet, zwei Kinder, Alleinverdiener/in, DurchschnittseinkommenAlleinstehend, kein Kind, Durchschnittseinkommen
    Schweiz12,99,822,2
    USA 2218,529,6
    Kanada19,911,730,7
    Vereinigtes Königreich22,926,230,9
    Japan28,227,432,6
    Irland1917,332,7
    Dänemark28,825,235,7
    Norwegen30,432,435,8
    Polen24,620,935,8
    Estland28,426,636,5
    Niederlande28,232,637,7
    Luxemburg20,81738,2
    Spanien35,533,939,4
    Litauen35,833,240,6
    Portugal30,22940,7
    Griechenland37,537,940,9
    Slowakei33,830,341,7
    Lettland31,732,342,3
    Finnland34,837,842,3
    Schweden37,537,943,1
    Slowenien34,925,243,3
    Tschechien31,325,543,7
    Ungarn33,930,345
    Frankreich36,939,447,6
    Österreich36,837,447,6
    Italien38,639,147,9
    Deutschland3934,449,5
    Belgien37,237,352,7
    Abbildung 5

    Umsatzsteuersätze

    In den meisten Industriestaaten blieben die Umsatzsteuersätze im Jahr 2018 unverändert. Der in Deutschland erhobene Umsatzsteuerregelsatz von 19 % liegt im EU-Vergleich nach wie vor in der unteren Hälfte (siehe Abbildung 6).

    Umsatzsteuer-Normalsätze in der EU 2018

    in %

    Um­satz­steu­er­sät­ze in un­ter­schied­li­chen Län­dern
    Quelle: Bundeszentralamt für Steuern
    LandUmsatzsteuersatz
    Luxemburg17
    Malta18
    Deutschland19
    Rumänien19
    Zypern19
    Bulgarien20
    Estland20
    Frankreich20
    Österreich20
    Slowakei20
    Vereinigtes Königreich20
    Belgien21
    Lettland21
    Litauen21
    Niederlande21
    Spanien21
    Tschechien21
    Italien22
    Slowenien22
    Irland23
    Polen23
    Portugal23
    Finnland24
    Griechenland24
    Dänemark25
    Kroatien25
    Schweden25
    Ungarn27
    Abbildung 6

    Fazit

    Deutschland verfügt insgesamt über ein leistungsgerechtes und faires Steuersystem. Den Steuern und Abgaben steht ein für ein hochentwickeltes Industrieland angemessenes Niveau an öffentlichen Leistungen gegenüber. Die Bürgerinnen und Bürger profitieren vor allem von gut ausgebauten sozialen Sicherungssystemen und größtenteils gebührenfreier öffentlicher Infrastruktur (u. a. in Schulen, Hochschulen, zunehmend auch Kitas). In dieser Legislaturperiode stärken zudem Steuer- und Abgabensenkungen insbesondere für Familien und Menschen, die kleinere und mittlere Einkommen beziehen, die verfügbaren Einkommen und setzen positive Arbeitsanreize.

    Auch Unternehmen berücksichtigen bei der Standortauswahl neben dem Besteuerungsniveau vor allem die „Leistungsseite“ eines Standorts, wie etwa Infrastruktur, Qualifikation der Fachkräfte, öffentliche Sicherheit und eine effiziente Verwaltung. Die deutschen Unternehmen sind wettbewerbsfähig und erfolgreich auf den internationalen Märkten tätig; auch die Liquiditätssituation und Finanzierungsbedingungen stellen sich weiterhin als günstig dar. Deutschland wird bei den Unternehmensteuern keinen Steuersenkungswettlauf nach unten unterstützen. Vielmehr setzt die Bundesregierung hier auf zielgerichtete Maßnahmen zur Verbesserung der Wachstums- und Investitionsfreundlichkeit des Steuersystems, wie etwa die Einführung einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus wird die Steuergerechtigkeit im nationalen und internationalen Rahmen konsequent gestärkt. So treibt Deutschland zusammen mit Frankreich das Konzept einer effektiven globalen Mindestbesteuerung voran, um die Herausforderungen sowohl bei der Besteuerung der Digitalwirtschaft als auch bei den weiteren Anstrengungen gegen Steuergestaltung und Steuervermeidung wirkungsvoll zu adressieren.

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