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    Nach­hal­ti­ger Wan­del in den Kohl­e­re­gio­nen

    • Seit 25 Jahren saniert die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) als Treuhandnachfolgeunternehmen die Hinterlassenschaften des DDR-Braunkohlenbergbaus.
    • Für den Zeitraum 2018 bis 2022 stehen der LMBV 1,23 Mrd. € zur Finanzierung von Projekten der Braunkohlesanierung zur Verfügung. Mit diesen Mitteln werden nachhaltige Infrastrukturmaßnahmen gefördert und die Grundlagen geschaffen für eine Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Tourismus in der Region

    Einleitung

    Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in den ostdeutschen Revieren der Lausitz und Mitteldeutschlands Braunkohle gewonnen, veredelt und verstromt. Immer größere Flächen wurden vom Bergbau in Anspruch genommen und zu DDR-Zeiten nur teilweise wieder rekultiviert. Die Sanierung dieser Hinterlassenschaften des DDR-Braunkohlenbergbaus liegt seit 1995 in der Verantwortung der LMBV. Die Beteiligungsführung für das 100 %ige Bundesunternehmen liegt seit dem Jahr 2000 beim BMF.

    Allein für den Zeitraum 2018 bis 2022 stehen der LMBV 1,23 Mrd. € zur Finanzierung von Projekten der Braunkohlesanierung zur Verfügung. Mit diesen Mitteln konnten bereits vielfältige Maßnahmen vorangebracht werden, von denen nachfolgend einige vorgestellt werden sollen.

    „Von der Goitsche zur Goitzsche“ – Der Großtagebau Goitsche bei Bitterfeld wird zum Naherholungsgebiet Großer Goitzschesee

    Bereits im Jahr 1839 erfolgte der erste Aufschluss der Braunkohle-Grube Auguste am Pomselberg bei Bitterfeld und der Bergbau prägte danach das Leben in der Chemie- und Kohlestadt für über 100 Jahre. Die im Jahr 1991 beschlossene Stilllegung der Großtagebaue Goitsche und Holzweißig bildete daher für die Region eine einschneidende Zäsur. Anstelle der früheren aktiven Tagebauen verblieben nur noch stark in Mitleidenschaft gezogene Landschaften mit Tagebauhohlformen in einem Volumen von 340 Mio. . Als Folge der beschlossenen Stilllegung mussten sich darüber hinaus mehr als 1.300 Menschen beruflich neu orientieren. Im Rahmen der Sanierung durch die LMBV gelang es dabei, einen großen Teil dieser Betroffenen wieder in eine nachhaltige Beschäftigung zu bringen.

    Der Strukturwandel beinhaltete daher auch die Chance für einen erfolgreichen Neubeginn, der durch die LMBV mitgestaltet wurde: Die Sanierungsmaßnahmen begannen unmittelbar nach der Betriebseinstellung im Jahr 1991. Es wurden Böschungen mit einer Gesamtlänge von circa 60 km gesichert, Erdmassen in einer Größenordnung von circa 50 Mio. bewegt, circa 1,1 Mio. m³ Massen verdichtet, etwa 235 ha land- und forstwirtschaftliche Flächen hergestellt und eine Wasserfläche von circa 1.350 ha geschaffen. Bis dato wurden in der Goitzsche für die Bergbausanierung 300 Mio. € eingesetzt.

    Im Jahr 2009 konnte die aufwendige Wiedernutzbarmachung des ehemaligen Tagebaus durch die LMBV weitgehend abgeschlossen werden und eine vielfältige Natur- und Wasserlandschaft war vor den Toren der Stadt Bitterfeld entstanden. Der LMBV-Film „Von der Goitsche zur Goitzsche“ zeigt diesen beeindruckenden Landschaftswandel einer vormals industriell genutzten Region. Begleitend zur Sanierung wurde in enger Abstimmung zwischen Kommunen und LMBV auch die Chance genutzt, ein ganzheitliches Nutzungskonzept für die Goitzsche-Region zu erarbeiten.

    Das Konzept „Landschaftspark Goitzsche“ wurde so geboren. Es steht für einen der Erholung dienenden Naturraum unter dem Leitbild „einzigartige Kunst- und Kulturlandschaft mit hoher touristischer Attraktivität“. Beleg für diesen Anspruch sind Landschaftskunstobjekte, die teilweise bereits im Rahmen der EXPO 2000 realisiert und vom Land Sachsen-Anhalt über die Bergbausanierung finanziert werden konnten. Dazu gehören beispielsweise die schwimmende Seebrücke mit Pegelturm oder der Agora-Park mit Arena auf der Halbinsel Pouch; sie suchen in Form und Größe in Deutschland ihresgleichen. In diesem Zusammenhang entstand auch die Idee der „Bitterfelder Wasserfront“; ein Projekt, das neben einer markanten Uferform unterschiedliche Nutzungsarten am innenstadtnahen Seeufer vorsieht. Die Goitzsche wurde dadurch – maßgeblich unterstützt durch die LMBV – zu einer einzigartigen Kunst- und Kulturlandschaft mit hoher touristischer Attraktivität und hohem Erholungspotenzial für die Menschen.

    Von der Halbinsel im Tagebau zum künftigen Seebad Zwenkau

    Der Großtagebau Zwenkau im Freistaat Sachsen prägte die Landschaft südlich von Leipzig und die Mittelstadt Zwenkau viele Jahre. Heute zieht der Zwenkauer See mit seinem modernem Hafen Menschen aus nah und fern an.

    Mit dem rund 960 ha großen Zwenkauer See sowie sieben weiteren LMBV-Gewässern wurden allein südlich von Leipzig 3.500 ha neue Wasserflächen geschaffen. Dabei entstanden völlig neue Landschaftsqualitäten, in denen die Bergbaufolgeseen der LMBV ein fast schon maritimes Flair verbreiteten, während der vorbergbauliche Raum noch von landwirtschaftlichen Strukturen geprägt war.

    Der Tagebau Zwenkau, 1921 als Tagebau Böhlen aufgeschlossen, wurde 1999 als letzte Förderstätte der LMBV im mitteldeutschen Revier endgültig stillgelegt. Seit der Einstellung des Braunkohleabbaus im Raum Zwenkau hat sich der Landstrich südlich von Leipzig grundlegend gewandelt. Standsichere Böschungssysteme wurden hergestellt und das Restloch, das der Bergbau hinterlassen hatte, wurde zu einem fast 1.000 ha großen See mit Hochwasserschutz- und Naherholungsfunktion geflutet.

    An den Ufern des Sees entstanden seither im Rahmen der Arbeiten der LMBV naturnahe Bereiche ebenso wie asphaltierte Wegabschnitte, ein viel besuchter Ausstellungspavillon am Kap Zwenkau – als Erinnerung an die Abraumförderbrücke AFB 18 – und nicht zuletzt ein großer Hafen. Bereits seit 2008 fährt von dort das Passagierschiff „MS Santa Barbara“ als Touristenattraktion über die Gewässer.

    Zwischen den Jahren 2010 und 2012 erfolgte zudem der Bau eines Hochwasserentlastungsbauwerks von der Weißen Elster in den Zwenkauer See. Dieses Bauwerk hatte bereits wenige Tage nach seiner Fertigstellung die erste Bewährungsprobe erfolgreich zu bestehen, als beim Hochwasser 2013 rund 20 Mio. m3 Wasser aus der Weißen Elster in den Bergbaufolgesee „abgeschlagen“ werden konnten und die Stadt Leipzig damit geschützt wurde. Seit dem Jahr 2011 werden darüber hinaus gezielt technische Maßnahmen zur Herstellung und Stabilisierung der Wasserbeschaffenheit umgesetzt und die Wasserqualität optimiert.

    Zwenkauer Hafen, 2018
    Zwenkauer Hafen, 2018 © LMBV

    Die derzeitigen Arbeiten konzentrieren sich auf die Errichtung des sogenannten Harthkanals, der als hydraulische Gewässerverbindung mit rund 800 m Länge den Zwenkauer See mit dem Cospudener See verbinden und damit die Städte Leipzig und Markkleeberg anbinden soll. Die LMBV arbeitet hier gemeinsam mit regionalen Akteuren an der Realisierung eines „Leipziger Neuseenlands“, d. h. eines bootsgängigen Gewässergroßverbunds, der die neu entstandenen Bergbaufolgeseen mit den Flüssen und Kanälen der Stadt Leipzig verbindet.

    Vom Langläufer–Tagebau Meuro zur Seestadt am Großräschener See

    Abraumförderbrücke im Tagebau Meuro, 1984
    Abraumförderbrücke im Tagebau Meuro, 1984 © LMBV

    Zwischen Senftenberg und Großräschen wurde in vielen Gruben und Tagebauen die Landschaft auf der Suche nach Kohle und ihrer Förderung umgegraben. Heute lädt der fast fertige Großräschener See im Land Brandenburg zum Verweilen ein – er ist das jüngste Meisterstück der Bergbausanierung.
    Im Gebiet um Senftenberg wurde bereits Mitte des vorletzten Jahrhunderts begonnen, Braunkohle des ersten Lausitzer Flözes in verschiedenen Gruben abzubauen und industriell zu nutzen. Bis 1989 kamen aus allen Tagebauen der Lausitz zusammen rund 65 % der Rohbraunkohle Ostdeutschlands. Die Meuroer Grube zählte dabei zu den wichtigsten Tagebauen im Revier, da dort besonders hochwertige Kohle gefördert wurde. Mit der Einstellung der Kohleförderung und dem Stillstand der Bandanlage im Tagebau Meuro am 17. Dezember 1999 fand diese Geschichte des Braunkohlereviers um Senftenberg ihr Ende.

    Es folgten Jahre intensiver Sanierungsarbeit, die nach acht Jahren den Flutungsbeginn im verbliebenen Hohlraum des Tagebaus ermöglichten. Am 15. März 2007 startete der damalige Brandenburger Umweltminister Dr. Dietmar Woidke gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der LMBV und der Städte Großräschen und Senftenberg offiziell die Flutung des ehemaligen Braunkohlentagebaus Meuro bei Großräschen. Bis zum Frühjahr 2019 wurde hier Zentimeter für Zentimeter der bis zu 55 m tiefe und 820 ha große Bergbaufolgesee geflutet.

    Großräschener See mit dem LMBV-Wasserbehandlungsschiff „Klara“
    Großräschener See mit dem LMBV-Wasserbehandlungsschiff „Klara“ © LMBV

    Fazit

    Im Rahmen der Wiedernutzbarmachung der rund 100.000 ha vormaliger Braunkohleabbaugebiete in der Lausitz und in Mitteldeutschland sind inzwischen mehr als fünfzig größere Bergbaufolgeseen entstanden. Sie sind heute attraktive, nachnutzbare Bergbaufolgelandschaften und gut angelegte Investitionen in die Zukunft einer vormals stark belasteten Bergbauregion.
    Glückauf!

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