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  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

    Das neuartige Coronavirus – ein Risiko für die deutsche Wirtschaft

    Das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) und die Erkrankung COVID-19 traten im Dezember 2019 erstmalig in der Stadt Wuhan (China) auf und waren bis Mitte Januar 2020 auf China beschränkt. In Deutschland wurde der erste Fall einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bereits am 27. Januar registriert, jedoch ist erst seit Mitte Februar eine verstärkte internationale Ausbreitung, insbesondere auch in Italien, zu verzeichnen. Die Zahl der infizierten Personen in Deutschland ist seit Anfang März in allen Bundesländern stark angestiegen, wobei Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg die meisten Fälle einer Virusinfektion verzeichnen. Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus wurde durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. März als Pandemie eingestuft.

    Die Gesundheitsbehörden haben international unterschiedlich, aber letztendlich entschieden reagiert, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. In erster Linie geht es um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und darum, dass genügend Mittel zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus zur Verfügung stehen. Die Bundesregierung hat dazu bereits außerplanmäßig zusätzliche Mittel in Höhe von rund 1 Mrd. € zur Verfügung gestellt. Auch in Zukunft wird das Bundesministerium für Gesundheit die Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen, die es zur Bekämpfung der Corona-Krise benötigt.

    Die schnelle, weltweite Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sowie die notwendigen Maßnahmen zur Verlangsamung der Verbreitung stellen alle Wirtschaftsakteure vor große und unbekannte Herausforderungen. Insbesondere für Deutschland, als international stark vernetzte Volkswirtschaft, ergeben sich signifikante gesamtwirtschaftliche Risiken. Im Umgang mit der Pandemie stehen dabei Maßnahmen zur Aufrechthaltung der Funktionsfähigkeit des öffentlichen Gesundheitssystems im Vordergrund. Die darüber hinaus durch die Virusausbreitung entstehenden gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen sind in ihrer Stärke und zeitlichen Dauer zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.

    Auf den internationalen Rohöl- und Aktienmärkten spiegeln sich dabei die hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten wider. So ist der Preis für Rohöl an den internationalen Märkten seit Anfang des Jahres um 31 % gefallen. Neben den weltwirtschaftlichen Unsicherheiten und ersten Nachfrageeinbußen im Zuge der Corona-Epidemie, insbesondere aus China, wirkte sich auch der Streit zwischen den OPEC-Ländern (insbesondere Saudi-Arabien) und Russland auf die Ölpreise aus. Auch die internationalen Aktienmärkte haben seit Mitte Februar beträchtlich an Wert verloren. Insbesondere am 9. März, 12. März und 16. März waren kräftige Kursverluste der Aktienindizes zu verzeichnen. Zusätzlich dazu zeigt sich in verfügbaren Daten zum Passagier- und Frachtaufkommen im Februar eine Abschwächung in der Luftfahrtbranche. So ist laut Angaben der Fraport AG das Passagieraufkommen im Februar in Frankfurt am Main um 4 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das Luftfrachtaufkommen ging um 8 % im Vergleich zum Vorjahr zurück.

    Auswirkungen auf die Produktion und Exporttätigkeit der deutschen Wirtschaft sind dagegen in den aktuellen Wirtschaftsdaten, die bisher nur für den Januar vorliegen, noch nicht abgebildet. Vor dem Hintergrund des derzeitigen Verlaufs der Virusausausbreitung ist jedoch mit merklichen Auswirkungen, insbesondere im Zuge von Störungen internationaler Lieferketten und Nachfragerückgängen, für die deutsche Wirtschaft zu rechnen. Laut ifo Institut verschlechterten sich bereits im Februar die Erwartungen deutscher Exporteure, worin sich die ersten Auswirkungen der Entwicklung insbesondere in Asien widerspiegeln dürften. Erste Unternehmensbefragungen, u. a. von Verbänden, zeigen zudem, dass ein Großteil der deutschen Unternehmen bereits Auswirkungen der Corona-Epidemie spürt. So rechnet laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag jedes zweite Unternehmen dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang im Zuge von Corona. Daneben stellen vor allem Störungen bei betrieblichen Aktivitäten Herausforderungen für die Unternehmen dar. Laut einer ifo-Befragung sind derzeit insbesondere Unternehmen in den Bereichen Reiseveranstaltung und Tourismusdienstleistungen sowie im Gastgewerbe von den negativen Auswirkungen der Virusausbreitung betroffen. Zudem spürt auch im Verarbeitenden Gewerbe ein Großteil der Unternehmen bereits Auswirkungen der Epidemie, insbesondere durch Beeinträchtigungen bei der Lieferung von Vorprodukten und Rohstoffen.

    Vor diesem Hintergrund haben die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumserwartungen für Deutschland bereits deutlich angepasst. Die Spanne des für dieses Jahr erwarteten BIP-Wachstums zeigt aber die außerordentliche Unsicherheit. Diese Unsicherheit ist insbesondere auch durch den unklaren Verlauf der Epidemie und die noch zu ergreifenden Maßnahmen bedingt.

    Die Bundesregierung hat im Koalitionsausschuss vom 8. März erste Maßnahmen beschlossen und in der Pressekonferenz am 13. März ein Milliarden-Schutzschild zur Unterstützung von durch COVID-19 betroffene Unternehmen vorgestellt. Dabei sollen neue und im Volumen unbegrenzte Maßnahmen zur Liquiditätsausstattung Unternehmen und Beschäftigte vor den Folgen der Pandemie schützen. Insbesondere werden Arbeitsplätze von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld gesichert. Zusätzlich sollen Unternehmen durch Bürgschaften und untergesetzliche steuerlichen Maßnahmen unterstützt werden. Die Bundesregierung beobachtet den Verlauf der Ausbreitung des Coronavirus genau und evaluiert laufend die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

    Konjunkturelle Entwicklung zu Beginn des 1. Quartals

    Vor Ausbruch der Pandemie hatte sich die deutsche Wirtschaft auf einem Pfad der Stabilisierung befunden. Zu Jahresbeginn war die Produktion in der Industrie kräftig gestiegen und lag um saisonbereinigt 2,9 % über dem Vormonatsniveau. Innerhalb der Industrie nahm die Produktion von Vorleistungsgütern am stärksten um 5,1 % zu. Die Produktion von Investitionsgütern erhöhte sich um 2,1 %. Die Konsumgüterproduktion blieb auf dem Vormonatsniveau. Nach Rückgängen in den Vormonaten konnten auch die Auftragseingänge im Januar merklich zulegen und verzeichneten einen Anstieg um 5,5 % im Vergleich zum Vormonat. Ohne Großaufträge lag das Ordervolumen um 2,3 % höher als im Vormonat. Während die Auftragseingänge aus dem Inland im Vergleich zum Vormonat um 1,3 % zurückgingen, erhöhten sich die Eingänge von Auslandsaufträgen merklich um 10,5 %.

    Demgegenüber setzte sich die schwache Entwicklung bei den Exporten fort. Die nominalen Warenexporte lagen im Januar 2020 auf gleichem Niveau wie im Vormonat (nach +0,2 % im Dezember). Warenimporte stiegen in nominaler Rechnung im Januar um 0,5 % im Vergleich zum Vormonat an. In der schwachen Exportentwicklung könnten sich erste Anzeichen eines Corona-Effektes widerspiegeln. So nahmen die Exporte in das besonders betroffene China gegenüber dem Vorjahr um 6,5 % ab. Demgegenüber gingen die Importe aus China leicht um 0,5 % im Vorjahresvergleich zurück.

    Wie in den Vormonaten zeigte sich das Konsumklima auch im Februar weiterhin stabil. Laut Konsumklimaindex der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stieg es im Februar von 9,7 Punkten im Januar auf saisonbereinigt 9,9 Punkte an und konnte damit sein gutes Niveau zunächst behaupten. Die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) lagen im Januar 2020 um 0,9 % höher als im Vormonat. Im Vorjahresvergleich verzeichneten sie einen Anstieg von 1,8 %. Das Geschäftsklima verschlechterte sich laut ifo Institut im Februar 2020 allerdings sowohl im Einzelhandel als auch im Großhandel. Dagegen stieg das ifo Geschäftsklima insgesamt im Februar leicht, wobei sich insbesondere die Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer etwas aufhellten. Dagegen verschlechterte sich die Einschätzung der aktuellen Lage der Unternehmerinnen und Unternehmer etwas.

    Am Arbeitsmarkt setzten sich die guten Entwicklungen auch im Februar weiter fort. Die Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) lag nach Ursprungswerten im Januar 2020 bei 45,08 Millionen Personen (+241.000 Personen beziehungsweise +0,5 % gegenüber dem Vorjahr). Saisonbereinigt nahm die Erwerbstätigenzahl um 18.000 Personen gegenüber dem Vormonat zu (Dezember: +22.000 Personen). Wie auch in den Vormonaten beruht der Anstieg der Erwerbstätigkeit überwiegend auf dem Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, die (nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit) im Dezember bei 33,76 Millionen Personen lag. Der Vorjahresstand wurde damit um 474.000 Personen überschritten. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete im Dezember einen Zuwachs von 59.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Im Februar 2020 waren nach Ursprungswerten 2,40 Millionen Personen als arbeitslos registriert. Das waren rund 30.000 Personen weniger als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosenzahl um 23.000 Personen. Die entsprechende Arbeitslosenquote lag bei 5,3 % und blieb damit im Vergleich zur Quote des Vorjahresmonats unverändert. Die Arbeitslosenzahl nahm gegenüber dem Vormonat um 10.000 Personen ab.

    Die Steuereinnahmen lagen im Februar 2020 um 6,5 % über dem Vorjahresmonat. Den größten Beitrag hierzu leisteten die Gemeinschaftsteuern, aber auch die Bundessteuern entwickelten sich sehr günstig. Insbesondere die Steuern vom Umsatz verzeichneten ein kräftiges Wachstum.

    Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten

    Tabelle 1
    BIP-Wachstum und ifo Geschäftsklima Deutschland
    Die In­fo­gra­fik stellt den BIP-Wach­tum und ifo Ge­schäfts­kli­ma dar.
    Im April 2018 löste das ifo Geschäftsklima Deutschland den bisherigen Index für die Gewerbliche Wirtschaft ab. <br> Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo Institut, eigene Berechnungen
    nullBIP (Quartal), real, % zum VorjahrGeschäftsklima, saisonbereinigte SaldenGeschäftserwartungen, saisonbereinigte SaldenGeschäftslage, saisonbereinigte SaldenBIP (Jahresdurchschnitt), real, % zum Vorjahr
    01.01.2014null20,8132815,7147526,032312,2
    01.02.20143,221,3801115,4665827,455942,2
    01.03.2014null21,3942312,8615530,268952,2
    01.04.2014null21,6108112,7190530,874242,2
    01.05.20141,418,9681611,4438626,76022,2
    01.06.2014null18,5720310,4694926,98652,2
    01.07.2014null17,869549,9486126,089322,2
    01.08.20141,815,503965,8262525,63672,2
    01.09.2014null13,395863,4597723,817182,2
    01.10.2014null10,58891,0738520,554212,2
    01.11.20142,49,84711,3518318,70082,2
    01.12.2014null14,600266,0058823,55319null
    01.01.2015null15,828897,6669124,311661,7
    01.02.20151,315,837848,7404223,176591,7
    01.03.2015null16,592677,984425,557211,7
    01.04.2015null17,744838,0738327,865331,7
    01.05.20151,818,991849,640628,76021,7
    01.06.2015null19,384410,6990328,42781,7
    01.07.2015null18,606398,0956529,648021,7
    01.08.20151,820,9518210,7598131,63671,7
    01.09.2015null18,705788,2622229,673051,7
    01.10.2015null19,9968511,7598828,554211,7
    01.11.20152,120,7076113,0609328,628731,7
    01.12.2015null20,0627211,6289928,83254null
    01.01.2016null17,922518,6647427,591012,2
    01.02.2016215,654064,96826,897242,2
    01.03.2016null16,723666,152827,836562,2
    01.04.2016null17,220917,327927,585982,2
    01.05.20163,717,703827,8365528,039552,2
    01.06.2016null19,407668,8573130,490952,2
    01.07.2016null20,0077111,236129,143572,2
    01.08.20161,918,701769,7109828,0782,2
    01.09.2016null20,5619712,0867329,375882,2
    01.10.2016null21,3852713,5070329,554212,2
    01.11.20161,421,7487211,8206832,14212,2
    01.12.2016null20,7222210,3404931,61635null
    01.01.2017null21,5148911,621931,870362,5
    01.02.20173,621,520110,194533,455942,5
    01.03.2017null22,506749,290836,557212,5
    01.04.2017null24,8854111,4763739,144682,5
    01.05.2017123,7291611,02237,20152,5
    01.06.2017null25,745212,9885939,265852,5
    01.07.2017null27,8681513,3548843,368672,5
    01.08.20172,526,9588613,6666241,0782,5
    01.09.2017null27,25113,9526741,375882,5
    01.10.2017null28,3297114,3026943,274862,5
    01.11.20172,829,161616,6270342,421452,5
    01.12.2017null28,9019915,0763743,61635null
    01.01.2018null29,3818613,6156946,311661,5
    01.02.20181,628,1207811,3969246,167681,5
    01.03.2018null26,8304310,3885744,557211,5
    01.04.2018null24,419337,6131442,585981,5
    01.05.20182,524,735347,1953243,76021,5
    01.06.2018null23,612037,0567841,490951,5
    01.07.2018null23,470386,475441,864221,5
    01.08.20181,127,3932211,6067944,357351,5
    01.09.2018null26,9810210,8243344,375881,5
    01.10.2018null24,407318,0974241,995511,5
    01.11.20180,923,375876,4402741,70081,5
    01.12.2018null21,036173,8967239,61635null
    01.01.2019null17,86396-0,3612437,752960,6
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    01.10.2019null7,00353-8,0820223,274860,6
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    01.01.2020null9,80922-5,2494926,03231null
    01.02.2020null10,12213-4,168825,45594null
    Abbildung 2

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