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  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

    Deutsche Wirtschaft durch Corona-Pandemie belastet

    Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben und die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland stark eingeschränkt. Zur Eindämmung und Verlangsamung der Ausbreitung des Virus haben Bund und Länder weitreichende Maßnahmen beschlossen, die im Zeitablauf überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Auch in vielen anderen Staaten wurden teils noch restriktivere Maßnahmen umgesetzt. Diese gelten dem Schutz der Bevölkerung, stellen aber die Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.

    Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft lassen sich bereits an den aktuellen Stimmungsindikatoren ablesen, insbesondere in den von den gesundheitspolitischen Maßnahmen besonders betroffenen Wirtschaftsbereichen, bei den Dienstleistungen sowie dem Handelsgewerbe. Nach Angaben des ifo Instituts verzeichnete das Geschäftsklima im Dienstleistungsbereich im März den größten Einbruch seit Beginn der Umfrage. Aber auch im Verarbeitenden Gewerbe sind die Auswirkungen bereits deutlich spürbar. So rechnen laut ifo Institut viele Unternehmen mit starken Produktions- und Exporteinbußen in den kommenden Monaten.

    Da die amtliche Statistik zu den meisten gesamtwirtschaftlichen Daten erst circa zwei Monate nach Monatsende verfügbar ist, waren die jüngsten Veröffentlichungen noch kaum von der aktuellen Entwicklung betroffen. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie sind im März die Automobilproduktion um 36,6 % und die Automobilexporte um 31,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. Daher muss für den Monat März mit einem kräftigen Einbruch der Industrieproduktion, aber auch anderer Konjunkturdaten gerechnet werden.

    Auch auf dem Arbeitsmarkt werden sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar zeigen. Im Zuge des von der Bundesregierung beschlossenen erleichterten Zugangs zu Kurzarbeit ist mit einem erheblichen Anstieg der Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld in den kommenden Monaten zu rechnen. Diese dürfte den Höchststand des Jahres 2009 übertreffen. Bereits im März zeigte sich diese Entwicklung. So gingen insgesamt 470.000 Anzeigen auf Kurzarbeit bei den Arbeitsagenturen ein. Zudem ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten. Der Sachverständigenrat und die Gemeinschaftsdiagnose prognostizieren einen leichten Anstieg der durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 5,0 % im vergangenen Jahr auf 5,3 % beziehungsweise 5,5 % in diesem Jahr.

    Die Steuereinnahmen lagen im März 2020 um 1,8 % niedriger als im Vorjahresmonat. Aber die umfänglichen ökonomischen Auswirkungen des Mitte März in Deutschland begonnenen Shutdowns werden erst in den folgenden Monaten das Steueraufkommen sichtbar beeinträchtigen. Dagegen dürfte das Aufkommen der Steuern vom Umsatz mit einem Rückgang um 10,8 % sowie das Aufkommen der Bundessteuern (-8,3 %) bereits durch die aufgrund der Corona-Krise beschlossenen steuerlichen Maßnahmen, hier insbesondere die Rückzahlung von Umsatzsteuersondervorauszahlungen und Stundungen, betroffen sein. Für eine Reihe von Steuern (veranlagte Einkommensteuer, Lohnsteuern, Ländersteuern) waren noch deutliche Zuwächse zu verzeichnen. Auch hier werden sich die negativen Effekte aber im Laufe der nächsten Monate einstellen.

    Eine Quantifizierung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ist mit sehr hoher Unsicherheit behaftet. So hängt das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen insbesondere vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. In einem Sondergutachten zur Corona-Krise geht der Sachverständigenrat je nach unterstellter Länge des Shutdowns und des Zeitpunkts der einsetzenden Erholung von einem Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung zwischen 2,8 % und 5,4 % in diesem Jahr aus. Auch die im April von den Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlichte Gemeinschaftsdiagnose rechnet mit einem deutlichen Einbruch des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für dieses Jahr. Unter der Annahme einer einsetzenden kräftigen wirtschaftlichen Erholung ab dem 3. Quartal würde nach Einschätzung der Institute das reale BIP im Jahr 2020 um 4,2 % zurückgehen.

    Zur Abfederung der erwarteten negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft sowie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat die Bundesregierung bereits ein umfassendes Maßnahmenpaket (siehe Schlaglicht Corona-Hilfen) auf den Weg gebracht.

    Die Bundesregierung wird ihre Erwartungen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit der Frühjahrsprojektion am 29. April veröffentlichen.

    Industrieproduktion vor Corona-Krise stabil

    Vor dem Beginn der Corona-Krise zeigte sich die Industrieproduktion im Februar stabil. Saisonbereinigt verzeichnete sie einen Anstieg von 0,4 % im Vergleich zum Vormonat (Januar: +2,9 %). Die Bauproduktion sank dagegen im Februar um 1,0 % im Vergleich zum Vormonat. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe waren im Februar um 1,4 % gegenüber dem Vormonat gesunken (Januar +4,8%). Ohne Großaufträge lag das Ordervolumen im Februar dagegen um 1,1 % höher als im Vormonat.

    Für die kommenden Monate deuten Stimmungsindikatoren aber bereits auf massive Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemie auf die Industrieproduktion hin. So sind die ifo Produktionserwartungen im März eingebrochen und signalisieren starke Produktionseinbußen in den kommenden drei Monaten. Demnach kündigten viele Unternehmen bereits Produktionskürzungen an. Dabei fielen die Erwartungen in der Automobilindustrie besonders pessimistisch aus. Auch der ifo Geschäftsklimaindex im Verarbeitenden Gewerbe sank im März sehr deutlich.

    Gestiegene Exporte im Februar

    Auch die Exporte zeigten sich vor Beginn der Corona-Krise stabil. Die nominalen Warenexporte lagen im Februar 2020 saisonbereinigt um 1,3 % höher als im Vormonat (nach +0,1 % im Januar). Warenimporte waren in nominaler Rechnung im Februar um 1,6 % im Vergleich zum Vormonat rückläufig. Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich in den Außenhandelsströmen mit China. Die Exporte nach China gingen um Februar um 8,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Die Importe sanken um 12,0 % gegenüber dem Vorjahr.

    In die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) wurde im Februar 0,8 % mehr exportiert als im Vorjahresmonat. Die Importe aus der EU sanken dagegen um 1,9 %. Aus Drittstaaten außerhalb der EU wurde im Februar deutlich weniger importiert (-4,1 % gegenüber dem Vorjahr). Die Exporte nahmen um 0,1 % im Vergleich zum Vorjahr ab.

    Insgesamt sind die Aussichten für die deutsche Exportentwicklung angesichts der Corona-Pandemie stark eingetrübt. So brachen die ifo Exporterwartungen im März kräftig ein und verzeichnen den niedrigsten Wert seit Mai 2009.

    Deutlich eingetrübtes Konsumklima im März

    Die Ausbreitung des Coronavirus und die damit einhergehenden Beschränkungen der deutschen Wirtschaft schlagen auf die Konsumstimmung durch. Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat sich das Konsumklima im März merklich eingetrübt. Insbesondere die Konjunkturerwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher sind stark eingebrochen. Aber auch die Anschaffungsneigung und Einkommenserwartung haben sehr deutliche Einbußen verzeichnet. Laut GfK befürchten die Verbraucherinnen und Verbraucher eine bevorstehende Rezession. Die zunehmende Verunsicherung zur Beschäftigungslage führt zudem zu einem steigenden Einkommenspessimismus. Angesichts der Pandemie und der damit einhergehenden Eindämmungsmaßnahmen prognostiziert die GfK für den Monat April einen massiven Einbruch des Konsumklimas auf 2,7 Punkte (-5,6 Punkte gegenüber dem Vormonat).

    Die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) lagen im Februar 2020, und damit vor Ausbruch der Pandemie und den erfolgten Einschränkungen in Deutschland, um saisonbereinigt 1,2 % höher als im Vormonat. Im Vorjahresvergleich verzeichneten sie einen Anstieg von 6,4 %. Treiber des deutlichen Anstiegs war insbesondere eine erhöhte Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs sowie der Umsatzanstieg von Apotheken und medizinischen Produkten.

    Geschäftserwartungen dramatisch eingebrochen

    Das Geschäftsklima in den deutschen Unternehmen ist im März laut ifo Institut stark eingebrochen. Der Index fiel auf 86,1 Punkte (nach 96 Punkten im Vormonat). Insbesondere die Geschäftserwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer trübten sich so stark ein wie nie zuvor. Aber auch die aktuelle Lage wurde merklich pessimistischer eingeschätzt. Dabei kamen negative Signale von allen Wirtschaftsbereichen. Im Verarbeitenden Gewerbe fiel der Index auf den niedrigsten Wert seit August 2009. Auch im Dienstleistungssektor ist der Index so stark gefallen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 2005. Im Handel stürzten die Erwartungen auf den niedrigsten Wert seit der Deutschen Einheit.

    Arbeitslosigkeit im März noch kaum von Corona betroffen

    Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in den Arbeitsmarktdaten für März noch nicht in vollem Umfang enthalten. Der Stichtag für die Statistik (12. März) lag noch vor der Verschärfung der Pandemie und der Eindämmungsmaßnahmen. Daher war nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) die Arbeitslosigkeit im März um saisonbereinigt 60.000 Personen gesunken. Sie blieb jedoch nahezu unverändert zum Vormonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,1 % und blieb damit ebenfalls unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Die Anzahl der Erwerbstätigen betrug im Februar 45,10 Millionen Personen. Die Erwerbstätigkeit nahm damit um 18.000 Personen im Vergleich zum Vormonat zu. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete am Anfang des Jahres weiterhin Zuwächse und lag im Januar bei 33,60 Millionen Personen.

    Allerdings zeigen die Daten zur Kurzarbeit bereits erste deutliche Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nach vorläufigen Angaben der BA wurden im März (bis 25. März) insgesamt 55.372 Anzeigen von Unternehmen auf Kurzarbeit geprüft (Februar: 2.031 Anzeigen). Davon sind mehr als 1 Million Personen betroffen. Weitere 410.000 Anzeigen aus dem Monat März waren zu dem Zeitpunkt noch nicht geprüft. Auch Frühindikatoren deuten auf erhebliche Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt hin. Laut Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Gemäß ifo Beschäftigungsbarometer sind Entlassungen vor allem im Handel, bei den Dienstleistern und im Verarbeitenden Gewerbe zu erwarten.

    Abgeschwächter Verbraucherpreisanstieg

    Der Anstieg der Verbraucherpreise schwächte sich im März 2020 ab. Der Verbraucherpreisindex stieg um 1,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat an, nach einem Anstieg von +1,7 % im Februar. Treiber der verlangsamten Preisdynamik waren insbesondere die gesunkenen Preise für Energie, die um 0,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat sanken. Dagegen verzeichneten die Nahrungsmittelpreise einen kräftigeren Anstieg als zuvor (+3,7 %). Die Teuerungsrate von Dienstleistungen fiel mit 1,4 % etwas geringer aus als im Vormonat.

    Auch in den kommenden Monaten dürfte die Entwicklung der Verbraucherpreise weiterhin moderat sein. Die weltwirtschaftlichen Nachfrageeinbußen im Zuge der Corona-Pandemie dürften die Ölpreisentwicklung weiterhin dämpfen und die Dynamik der Verbraucherpreise verlangsamen.

    Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten

    Tabelle 1
    BIP-Wachstum und ifo Geschäftsklima Deutschland
    Die In­fo­gra­fik stellt den BIP-Wach­tum und ifo Ge­schäfts­kli­ma dar.
    Im April 2018 löste das ifo Geschäftsklima Deutschland den bisherigen Index für die Gewerbliche Wirtschaft ab. <br> Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo Institut, eigene Berechnungen
    nullBIP (Quartal), real, % zum VorjahrGeschäftsklima, saisonbereinigte SaldenGeschäftserwartungen, saisonbereinigte SaldenGeschäftslage, saisonbereinigte SaldenBIP (Jahresdurchschnitt), real, % zum Vorjahr
    01.01.2014null20,7852415,6475126,045392,2
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    01.03.2014null21,0557612,8200429,610182,2
    01.04.2014null21,5995412,677330,896092,2
    01.05.20141,418,9781711,4014426,826462,2
    01.06.2014null18,5889710,4437727,049432,2
    01.07.2014null17,9642810,1251226,09592,2
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    01.10.2014null10,676541,1601620,643112,2
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    Abbildung 2

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