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  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Fi­nanz­märk­te und Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des

    Entwicklung von Schulden, Kreditaufnahme, Tilgungen und Zinsen

    Im März 2020 wurden für den Bundeshaushalt und seine Sondervermögen insgesamt Kredite im Volumen von 14,6 Mrd. € aufgenommen. Der Schuldendienst betrug 12,5 Mrd. €, davon entfielen 13,0 Mrd. € auf Tilgungen und 0,5 Mrd. € auf Zinseinnahmen.

    Der Schuldenstand zum 31. März 2020 hat sich gegenüber dem Jahresende 2019 um 22,1 Mrd. € auf 1.100,3 Mrd. € erhöht. In diesem Anstieg ist ein Sondereffekt enthalten, da in den Monaten Januar bis März Kredite in Höhe von 3,5 Mrd. € für die Darlehensgewährung an Abwicklungsanstalten gemäß § 9 Abs. 5 Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetz aufgenommen wurden. Die gleichzeitige Kreditaufnahme und Darlehensvergabe, die eine Kostenersparnis bei der Kreditaufnahme im konsolidierten Bundbereich zum Ziel hat, ist für die Verschuldung des Bundes insgesamt neutral, weil in gleichem Umfang bei der FMS Wertmanagement – einer Abwicklungsanstalt des Bundes – sonst notwendige Refinanzierungen substituiert werden. Rechnet man diese Kreditaufnahme zwecks Vergleichbarkeit mit früheren Jahren heraus, hat sich der Schuldenstand seit Jahresbeginn nur um 18,6 Mrd. € auf insgesamt nur 1.071,8 Mrd. € erhöht, wobei sich diese Erhöhung nur beim Kernhaushalt niedergeschlagen hat. Gegenüber dem Jahresbeginn verringerte sich der Schuldenstand des Finanzmarktstabilisierungsfonds ohne die gleichzeitige Kreditaufnahme und Darlehensgewährung um 3 Mio. € und der Schuldenstand des Investitions- und Tilgungsfonds blieb gleich.

    Im März lagen die Schwerpunkte der Kreditaufnahme auf den Emissionen einer 2-jährigen Bundesschatzanweisung sowie einer 10-jährigen Bundesanleihe jeweils mit einem Nominalvolumen von 4 Mrd. € sowie einer 30-jährigen Bundesanleihe mit einem Nominalvolumen von 1,5 Mrd. €. Zudem wurden Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes mit einem Nominalvolumen von 4,5 Mrd. € und im Rahmen einer Multi-ISIN-Auktion gleichzeitig zwei inflationsindexierte Anleihen des Bundes mit einem Emissionsbetrag von zusammen 500 Mio. € begeben.

    Der Eigenbestand verringerte sich im März gegenüber dem Vormonat um 0,1 Mrd. € auf ein Volumen von insgesamt 55,1 Mrd. €. Der März-Saldo setzte sich zusammen aus zurückbehaltenen Emissionsanteilen über 3,9 Mrd. €, Sekundärmarktkäufen von Bundeswertpapieren über 2,0 Mrd. € und Sekundärmarktverkäufen über 6,0 Mrd. €. Die Einbehalte an den Emissionstagen sowie die Käufe und die Verkäufe in Bundeswertpapieren dienen der Feinsteuerung der Kreditaufnahme des Bundes wie auch der Unterstützung der Sekundärmarktliquidität an Bundeswertpapieren.

    Weitere Einzelheiten zu den Schuldenständen sowie ihrer Veränderung infolge von Kreditaufnahme und Tilgungen zeigt die Tabelle „Entwicklung der Verschuldung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen“. Eine detaillierte Aufstellung der Kreditaufnahme, der Tilgungs- und Zinszahlungen sowie der Schuldenstände des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen einschließlich der Kredite für Abwicklungsanstalten ist im statistischen Anhang der Online-Version des Monatsberichts enthalten. Darüber hinaus enthält der statistische Anhang auch die Verschuldung, gruppiert nach Restlaufzeitklassen.

    Die Tabelle „Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbestände an Bundeswertpapieren“ zeigt das Umlaufvolumen der emittierten Bundeswertpapiere und die Eigenbestände jeweils zu Nennwerten.

    Die Abbildung „Struktur der Verschuldung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen einschließlich Kredite für Abwicklungsanstalten nach Instrumentenarten per 31. März 2020“ zeigt die Verteilung der vom Bund und seinen Sondervermögen eingegangenen Gesamtschulden nach Instrumentenarten. Mit 44,2 % entfällt der größte Anteil der Schuld auf 10-jährige Bundesanleihen, gefolgt von den 30-jährigen Bundesanleihen mit 21,4 %, den Bundesobligationen mit 16,5 %, den Bundesschatzanweisungen mit 8,3 %, den inflationsindexierten Bundeswertpapieren mit 6,5 % und den Unverzinslichen Schatzanweisungen mit einem Anteil von 2,1 %. Ein Anteil von 1,0 % der Schulden entfällt auf Schuldscheindarlehen und sonstige Kredite.

    Von den Schulden des Bundes sind 98,9 % in Form von Inhaberschuldverschreibungen verbrieft, bei denen die konkreten Gläubiger dem Bund nicht bekannt sind.

    Die Emissionsplanung des Bundes für das 2. Quartal 2020 wurde zunächst am 23. März 2020 veröffentlicht. Am 7. April 2020 wurde sie mit einer Aufstockung zugunsten der Corona-Hilfsprogramme nochmals präzisiert. Insgesamt steigen sowohl im laufenden Quartal als auch im weiteren Jahresverlauf der Finanzierungs- und Liquiditätsbedarf des Bundes und seiner Sondervermögen.

    Die Details zu den geplanten Auktionen der nominalverzinslichen 30- und 10-jährigen Bundesanleihen, 5-jährigen Bundesobligationen, 2-jährigen Bundesschatzanweisungen, inflationsindexierten Bundeswertpapiere und Unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes können auf der Internetseite der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH (Finanzagentur) sowie in den Pressemitteilungen zum Emissionskalender1 nachgelesen werden, ebenso wie die vierteljährliche Vorschau der Tilgungszahlungen bis Ende des Jahres 2020 und die nach jeder Auktion veröffentlichten Ergebnisse über die durchgeführten Auktionen von Bundeswertpapieren2.

    Struktur der Verschuldung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen nach Instrumentenarten einschließlich Kredite für Abwicklungsanstalten per 31. März 2020

    in %

    Das Kreis­dia­gramm zeigt die Struk­tur der Ver­schul­dung nach In­stru­men­te­nar­ten ein­schließ­lich Kre­di­te für Ab­wick­lungs­an­stal­ten per 31. März 2020. Die An­ga­ben sind in Pro­zent.
    nullWert
    10-jährige Bundesanleihen44,2
    30-jährige Bundesanleihen21,4
    Bundesobligationen16,5
    Bundesschatzanweisungen 8,3
    Inflationsindexierte Bundeswertpapiere6,5
    Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes2,1
    Schuldscheindarlehen und sonstige Kredite1
    Sonstige Bundeswertpapiere0
    Abbildung 1
    Kreditaufnahme des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen einschließlich Kredite für Abwicklungsanstalten bis März 2020

    in Mio. €

    Bal­ken­dia­gramm: Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des­haus­halts und sei­ner Son­der­ver­mö­gen ein­schließ­lich Kre­di­te für Ab­wick­lungs­an­stal­ten bis März 2020
    KreditaufnahmeWert
    30-jährige Bundesanleihen4526
    10-jährige Bundesanleihen19071
    Inflationsindexierte Bundeswertpapiere1223
    Bundesobligationen7376
    Bundesschatzanweisungen14854
    Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes17111
    Abbildung 2

    Entwicklung der Verschuldung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen

    Tabelle 1

    Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbeständen an Bundeswertpapieren

    Tabelle 2

    Verschuldung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen einschließlich Kredite für Abwicklungsanstalten 2020

    Tabelle 3

    Bruttokreditbedarf des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen einschließlich Kredite für Abwicklungsanstalten 2020

    Tabelle 4

    Tilgungen des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen einschließlich Kredite für Abwicklungsanstalten 2020

    Tabelle 5

    Verzinsung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen einschließlich Kredite für Abwicklungsanstalten 2020

    Tabelle 6

    Die Marktentwicklung im 1. Quartal 2020

    Renten

    Die Entwicklung der Rentenmärkte stand im 1. Quartal insbesondere unter dem Einfluss des Ausbruchs des Coronavirus.

    Analystinnen und Analysten hatten wirtschaftliche Beeinträchtigungen zunächst vor allem für China und weitere asiatische Länder prognostiziert. Schnell wurde dann jedoch klar, dass durch Betriebsschließungen und Produktionsstopps in China auch Lieferketten für die Industrieproduktion in der gesamten Welt für längere Zeit unterbrochen werden und es damit global zu beträchtlichen Produktionsausfällen kommen könnte. Zu diesem Schock auf der Angebotsseite kam die Gewissheit, dass die Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit der Menschen in den betroffenen Regionen auch erhebliche Auswirkungen auf deren Konsumtätigkeit sowie sonstige Nachfragegewohnheiten („Nachfrageschock“) haben würden.

    Um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie einzudämmen, haben die Regierungen in den betroffenen Ländern und Kontinenten (per Ende März vor allem Asien, Europa, Nordamerika) relativ zügig fiskalische Schritte in die Wege geleitet – z. B. Sonderkreditprogramme für Unternehmen aufgelegt oder sich zur Gewährung finanzieller Zuschüsse für besonders betroffene Personengruppen bereit erklärt.

    Parallel sind in der Zwischenzeit auch alle großen Zentralbanken tätig geworden, um der Pandemie mit allen verfügbaren Mitteln entschieden entgegenzutreten. Zu nennen sind hier vor allem weitreichende liquiditätsschaffende Maßnahmen. So hat etwa die US-Notenbank FED gegen Ende des Quartals angekündigt, im Rahmen neuerlicher Quantitative-Easing(QE)-Maßnahmen Ankäufe von Staatsanleihen und Mortgage Backed Securities (MBS) künftig in nahezu unbegrenztem Umfang durchzuführen. Außerdem senkte sie ihr Zielfenster für die Fed Funds Rate, den US-Leitzins, auf eine Spanne von 0 % bis 0,25 %. Das entspricht im letzten Schritt einer Senkung um 100 Basispunkte.

    US-Treasuries und Bundeswertpapiere dienten in den vergangenen drei Monaten erneut als sicherer Hafen. Das führte von Anfang Januar bis Mitte März in beiden Staatsanleihemärkten zu einer weit überdurchschnittlichen Nachfrage und zu stark sinkenden Renditen. In den USA und Deutschland wurden die bisher erreichten historischen Tiefststände bei der 10-Jahres-Rendite im Laufe des März noch einmal deutlich unterschritten. Auch die 30-jährige Bundesanleihen verzeichneten eine Renditeentwicklung, die phasenweise deutlich in den negativen Bereich führte.

    Entwicklung der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen im 1. Quartal 2020 (Renditestände in % p. a.)

    Tabelle 7

    Für 2020 hat die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt, ihre Ankaufsprogramme für Vermögenswerte in diesem Jahr um insgesamt 870 Mrd. € auszuweiten. Am 12. März 2020 wurden 120 Mrd. € an zusätzlichen Anleihekäufen bekannt gegeben, sechs Tage später eine neuerliche Aufstockung der QE-Maßnahmen um insgesamt 750 Mrd. €. Das jüngste Programm wurde unter der Bezeichnung Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) aufgelegt. Innerhalb dieses Programms dürfen Finanzinstrumente aller Asset-Klassen angekauft werden, die bisher auch Gegenstand des Asset Purchase Programme (APP) sind. Zusätzlich dürfen im PEPP auch griechische Staatsanleihen, Anleihen mit vergleichsweise kurzen Laufzeiten sowie Sonderformen kurzfristiger Schuldverschreibungen (sogenannte Commercial Paper) von der EZB angekauft werden. Die Restriktionen, insbesondere Emissions- und Emittentenlimite, die für das Public Sector Purchase Programme (PSPP) gelten, sind im neuen Programm vollständig aufgehoben worden. Die Länderaufteilung für Schuldtitel des öffentlichen Sektors richtet sich auch im PEPP grundsätzlich nach dem Kapitalschlüssel. Die EZB betonte allerdings mehrfach, dass die Umsetzung flexibel gehandhabt werde, um das Funktionieren des geldpolitischen Transmissionsmechanismus in allen Staaten des Euroraums sicherzustellen.

    Entwicklung der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen im 1. Quartal 2020

    Rendite in % p. a.

    Das Ver­laufs­dia­gramm ver­an­schau­licht die Ent­wick­lung der Ren­di­ten 10-jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen im 1. Quar­tal 2020
    Quelle: Thomson Reuters
    Datum USA Vereinigtes Königreich Japan Deutschland
    31.12.20191,8950,866-0,022-0,181
    01.01.20201,8950,866-0,022-0,181
    02.01.20201,8820,794-0,022-0,221
    03.01.20201,7880,74-0,022-0,283
    04.01.20201,7880,74-0,022-0,283
    05.01.20201,7880,74-0,022-0,283
    06.01.20201,8110,77-0,029-0,287
    07.01.20201,8250,793-0,012-0,282
    08.01.20201,8740,821-0,01-0,258
    09.01.20201,8580,8230-0,222
    10.01.20201,8270,7710,002-0,23
    11.01.20201,8270,7710,002-0,23
    12.01.20201,8270,7710,002-0,23
    13.01.20201,8480,7510,002-0,192
    14.01.20201,8180,7220,016-0,209
    15.01.20201,7880,6540,01-0,206
    16.01.20201,8090,6460,009-0,214
    17.01.20201,8350,6330-0,214
    18.01.20201,8350,6330-0,214
    19.01.20201,8350,6330-0,214
    20.01.20201,8350,650,006-0,215
    21.01.20201,7690,631-0,006-0,25
    22.01.20201,7710,637-0,003-0,26
    23.01.20201,7390,592-0,019-0,312
    24.01.20201,680,564-0,022-0,33
    25.01.20201,680,564-0,022-0,33
    26.01.20201,680,564-0,022-0,33
    27.01.20201,6050,51-0,044-0,384
    28.01.20201,6410,553-0,038-0,379
    29.01.20201,5940,518-0,036-0,372
    30.01.20201,5550,544-0,055-0,407
    31.01.20201,5190,527-0,063-0,442
    01.02.20201,5190,527-0,063-0,442
    02.02.20201,5190,527-0,063-0,442
    03.02.20201,520,514-0,059-0,436
    04.02.20201,6010,567-0,051-0,405
    05.02.20201,6490,616-0,038-0,37
    06.02.20201,6440,583-0,017-0,365
    07.02.20201,5770,57-0,038-0,382
    08.02.20201,5770,57-0,038-0,382
    09.02.20201,5770,57-0,038-0,382
    10.02.20201,5470,558-0,058-0,411
    11.02.20201,590,57-0,058-0,391
    12.02.20201,630,613-0,039-0,376
    13.02.20201,6170,653-0,034-0,388
    14.02.20201,5880,629-0,029-0,4
    15.02.20201,5880,629-0,029-0,4
    16.02.20201,5880,629-0,029-0,4
    17.02.20201,5880,642-0,038-0,399
    18.02.20201,5560,614-0,054-0,409
    19.02.20201,570,601-0,047-0,416
    20.02.20201,5250,578-0,043-0,444
    21.02.20201,470,574-0,064-0,433
    22.02.20201,470,574-0,064-0,433
    23.02.20201,470,574-0,064-0,433
    24.02.20201,3770,54-0,064-0,481
    25.02.20201,330,521-0,102-0,512
    26.02.20201,310,505-0,093-0,495
    27.02.20201,2990,471-0,105-0,552
    28.02.20201,1260,442-0,153-0,612
    29.02.20201,1260,442-0,153-0,612
    01.03.20201,1260,442-0,153-0,612
    02.03.20201,0880,407-0,135-0,62
    03.03.20201,0170,39-0,112-0,641
    04.03.20200,9920,371-0,14-0,634
    05.03.20200,9250,333-0,111-0,677
    06.03.20200,7070,232-0,138-0,728
    07.03.20200,7070,232-0,138-0,728
    08.03.20200,7070,232-0,138-0,728
    09.03.20200,4980,16-0,15-0,844
    10.03.20200,7520,241-0,041-0,802
    11.03.20200,8220,295-0,067-0,751
    12.03.20200,8520,263-0,053-0,74
    13.03.20200,9540,409-0,002-0,585
    14.03.20200,9540,409-0,002-0,585
    15.03.20200,9540,409-0,002-0,585
    16.03.20200,7280,4360,01-0,458
    17.03.20200,9960,5540,013-0,432
    18.03.20201,2580,790,057-0,231
    19.03.20201,1290,7230,104-0,167
    20.03.20200,9380,5590,104-0,339
    21.03.20200,9380,5590,104-0,339
    22.03.20200,9380,5590,104-0,339
    23.03.20200,7670,4210,068-0,377
    24.03.20200,8180,4750,037-0,323
    25.03.20200,8560,4430,036-0,293
    26.03.20200,8080,3980,006-0,369
    27.03.20200,7440,3630,011-0,485
    28.03.20200,7440,3630,011-0,485
    29.03.20200,7440,3630,011-0,485
    30.03.20200,6710,3310,002-0,527
    31.03.20200,6990,3550,017-0,457
    01.04.20200,6350,3130,007-0,47
    01.04.20200,6350,3130,007-0,47
    Abbildung 3

    Der Sekundärmarkthandel mit Bundeswertpapieren

    Bruttohandel

    Die Liquidität von Bundeswertpapieren kann insbesondere an der Höhe ihrer Handelsumsätze gemessen werden. Die Umsätze ergeben sich als Summe aus Käufen und Verkäufen von Bundeswertpapieren. Die einzelnen Kauf- und Verkaufstransaktionen werden regelmäßig von Banken gemeldet, die Bundeswertpapiere bereits direkt in den Auktionen erwerben und dann an andere Investoren weiterverkaufen. Im Kalenderjahr 2019 übermittelten 32 der 36 Kreditinstitute dieser „Bietergruppe Bundesemissionen“ auf freiwilliger Basis ihre Käufe und Verkäufe an die Finanzagentur. Die Transaktionen kamen dabei im direkten Handel mit anderen Kontrahenten sowie über elektronische Handelsplattformen oder Wertpapierhandelsbörsen zustande.

    Gegenüber dem Vorjahr gingen die Handelsumsätze 2019 um rund 600 Mrd. € auf 4.091 Mrd. € zurück.

    Jährliches Handelsvolumen in Bundeswertpapieren

    in Mrd. €

    Li­ni­en­dia­gramm: Jähr­li­ches Han­dels­vo­lu­men in Bun­des­wert­pa­pie­ren
    Quellen: Bundesministerium der Finanzen, Finanzagentur
    JahrMrd. Euro
    20057.318
    20066.942
    20076.554
    20086.143
    20094.762
    20105.863
    20116.184
    20125.518
    20135.840
    20144.869
    20154.715
    20164.294
    20174.790
    20184.694
    20194.091
    Abbildung 4

    Aufgeschlüsselt nach Wertpapierarten erhöhte sich dabei der Handel mit Unverzinslichen Schatzanweisungen um 38 % beziehungsweise rund 32 Mrd. € auf 116 Mrd. €. Auch der Handel mit Bundesobligationen stieg um knapp 3 Mrd. €. Alle übrigen Bundeswertpapiere wiesen rückläufige Umsätze auf; 521 Mrd. € waren es bei den 10-jährigen Bundesanleihen, wobei sie jedoch mit rund 55 % Anteil am Handel, gefolgt von den Bundesobligationen mit 18 % Anteil, die wichtigsten Instrumente blieben.

    In der geografischen Verteilung der Umsätze mit Bundeswertpapieren konnte 2019 der Euroraum absolute Zuwächse von rund 30 Mrd. € verbuchen. Sein Anteil am Gesamthandel über alle Regionen erhöhte sich um 4 Prozentpunkte. Der Umsatz liegt hier bereits seit fünf Jahren stabil auf dem Niveau von knapp über 1 Bio. €.

    Die Umsätze der europäischen Kontrahenten außerhalb des Euroraums fielen gegenüber dem Vorjahr um 443 Mrd. € beziehungsweise 17 % auf 2,2 Bio €. Auch der Handel mit amerikanischen Kontrahenten fiel um 152 Mrd. € oder 21 % auf 559 Mrd. €.

    Schaut man auf die handelnden Institutionen, konnten die „Sonstigen“ um 12 % und die Pensionsfonds um 21 % auf ein Niveau von jeweils rund 50 Mrd. € zulegen. Bei den Zentralbanken reduzierte sich das Handelsvolumen um 9 % auf 395 Mrd. €, bei den Brokern reduzierte es sich um 15 % auf 1.192 Mrd. €, auch bei den Banken und Asset Managern und Hedgefonds ging der Umsatz um 10 % auf 370 Mrd. € zurück.

    Bruttohandel mit Bundeswertpapieren

    Tabelle 8

    Nettohandel

    Beim anfangs analysierten Bruttohandel werden die absoluten Beträge der Käufe und Verkäufe von Bundeswertpapieren aus Richtung der Banken der Bietergruppe in jeder Kategorie einfach aufsummiert. Bei der Betrachtung des Nettohandels werden hingegen die Verkäufe der betreffenden Kontrahenten von ihren Käufen abgezogen. Ergibt sich dabei ein positiver Saldo (Nettokauf), deutet das auf einen Bestandsaufbau bei den Kontrahenten hin. Entsprechend zeigt ein negativer Wert (Nettoverkauf) einen Bestandsabbau.

    Im Vergleich der Jahre 2018 und 2019 ergaben sich fast 50 % höhere Nettokäufe bei den Bundesobligationen (+9 Mrd. €). Mit einem Plus von 44 % überaus positiv entwickelte sich der Nettoabsatz auch bei 10-jährigen Bundesanleihen. Die Unverzinslichen Schatzanweisungen konnten im Nettoabsatz gegenüber 2018 leicht mit 0,3 Mrd. € zulegen. Einen mit 63 % deutlichen Rückgang der Nettokäufe auf 1,7 Mrd. € war bei den inflationsindexierten Bundeswertpapieren zu beobachten. Den zweitstärksten Rückgang um 57 % gab es bei den Nettokäufen der 30-jährigen Bundesanleihen, deren Volumen betrug 5,5 Mrd. €. Auffällig war die Entwicklung der 2-jährigen Bundesschatzanweisungen: Ihr Nettoabsatz stieg gegenüber 2018 um 8 %, jedoch ungleich verteilt. Hier gab es eine schwache Nachfrage im 1. Halbjahr (-38 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2018 auf 8 Mrd. €) und eine sehr starke Netto-Nachfrage im 2. Halbjahr (+24,5 Mrd. €). Insgesamt lagen die Bundesschatzanweisungen mit einem Nettoabsatz von insgesamt 32,5 Mrd. € an der Spitze des vorigen Jahres.

    In der Regionalanalyse war der Nettohandel mit Amerika wieder äußerst volatil. 2019 steht ein deutliches Plus von 16 Mrd. € auf rund 22 Mrd. € auf dem Konto. Den Spitzenwert bei den Nettokäufen im Jahr 2019 nahm aber mit fast 95 Mrd. € die Region „Übriges Europa“ ein. Investoren in der Region Asien kauften netto hingegen nur wenig, konkret waren es 1,6 Mrd. €, ein Rückgang von fast 9 Mrd. € gegenüber dem Vorjahr. Am deutlichsten reduzierte sich der Nettoabsatz jedoch im Euroraum selbst – um fast 50 Mrd. € auf jetzt nur noch 2,1 Mrd. €.

    Jährliche Nettohandelsvolumina mit Bundeswertpapieren nach Institutionen

    in Mrd. €

    Das Bal­ken­dia­gramm ver­an­schau­licht die jähr­li­chen Net­to­han­dels­vo­lu­mi­na von Bun­des­wert­pa­pie­ren nach In­sti­tu­tio­nen
    Quelle: Bundesministerium der Finanzen, Finanzagentur
    JahrAsset ManagerBankenBrokerHedgefondsPensionsfondsSonstigeVersicherungenZentralbanken
    200563,79456459,77513921-2,725647945-6,5270528267,007943218,888033265,07378623556,38748569
    200655,5178671520,93484695-18,013187832,9261030343,013700410,714524075,46257818560,5057636
    200731,63144619,89360682-33,4570555525,1519333-14,680437386,186405773-1,40669277367,73238985
    20089,74404418646,75185527-32,884220076,6641350710,57600711523,389943550,3063791274,94067721
    200948,9433827673,15259353-57,53320992-7,32371617910,5961164629,200320774,072784766126,9947418
    201078,7546079529,66146728-42,15833108-2,7477304418,0939612915,119428169,048028731147,8488768
    201171,529008072,445982811-28,636607883,2914752673,98038037821,867362182,96262422794,77634655
    201224,4213157537,99738349-30,927403782,6471196743,91614572811,11441733-0,076986844115,0776247
    201320,9209562242,65754833-30,876386410,935991912-4,43097675121,477470211,667732014138,3173515
    201442,3325485238,67681494-29,488066855,0475365981,46391775310,477577262,13382486658,35356014
    201522,8732016637,15299274-8,970190642-1,6941942092,306155647-0,4817281330,52107029787,00628287
    2016-3,0163220926,1600463-15,42024027-10,972438520,25457661710,865004660,409136308138,3984806
    20170,95195609413,62835278-11,25211784-0,6631866193,0898022475,6603093411,896591522116,9140833
    201834,8767202-12,43656446-6,84145454940,41602424-0,860637296-1,101810690,08524136955,47807499
    201928,846340691,366742137-14,6377710529,182835344,2621247960,717525549-0,42867893470,7704924
    Abbildung 5

    Der Nettoabsatz im Jahr 2019 wird genau wie im Vorjahr von Zentralbanken, Hedgefonds und Asset Managern dominiert. Während die Zentralbanken ihr Nettohandelsvolumen gegenüber 2018 ausbauen konnten (+15,3 Mrd. €), gingen die entsprechenden Werte bei Hedgefonds (-11,2 Mrd. €) und Asset Managern (-6,0 Mrd. €) recht deutlich zurück (-28 % beziehungsweise -17 %). Pensionsfonds kehrten im Jahr 2019 zurück in den positiven Bereich und verzeichneten einen Anstieg des Nettoabsatzes von über 5 Mrd. €. Auch die Banken entwickelten sich 2020 wieder zu Nettokäufern (+13,8 Mrd. €).

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