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  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Fi­nanz­märk­te und Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des

    Die Kreditaufnahme des Bundes umfasst die Kreditaufnahme für die Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) und die Kreditaufnahme für die Refinanzierung der Sondervermögen des Bundes zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes.

    Entwicklung der Kreditaufnahme des Bundes

    Der Bund hatte zum 31. Dezember 2019 Kredite in Höhe von 1.078,3 Mrd. € aufgenommen. Dieser Bestand hat sich zum 31. Juli 2020 auf 1.221,9 Mrd. € erhöht. Der mit 143,7 Mrd. € deutliche Anstieg der Kreditaufnahme geht auf die Finanzierungsbedürfnisse des Bundes für den Haushalt und die Sondervermögen, aber auch auf die Bedarfe für Refinanzierungen der Sondervermögen zurück, die dazu dienen, Kredite an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts weiterzuleiten. Der wirtschaftliche Hintergrund der gestiegenen Kreditaufnahme beruht auf der erfolgreichen Umsetzung der Hilfsprogramme im Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie, die sowohl eine gestiegene Nettokreditaufnahme des Bundeshaushalts als auch umfangreiche Refinanzierungsaufgaben des Wirtschaftsstabilisierungsfonds vorsehen.

    Der Anstieg gegenüber dem 31. Dezember 2019 setzte sich zusammen aus 276,4 Mrd. € an neuen Kreditaufnahmen und 132,8 Mrd. € an fälligen Krediten. In den Monaten Januar bis Juli des Jahres 2020 musste der Bund für die Verzinsung aller auch in früheren Jahren bislang aufgenommenen, bestehenden Kredite saldiert 6,1 Mrd. € aufwenden.

    Auch im Juli lag der Schwerpunkt der Kreditaufnahme mit einem Gesamtvolumen von 55,0 Mrd. € bei den konventionellen Bundeswertpapieren. Sie verteilten sich auf 1,5 Mrd. € 30-jährige Bundesanleihen, 15,5 Mrd. € 10-jährige Bundesanleihen, 5 Mrd. € Bundesobligationen, 5 Mrd. € Bundesschatzanweisungen und 28 Mrd. € Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes. In inflationsindexierten Bundeswertpapieren wurden 0,75 Mrd. € emittiert. Darüber hinaus wurden saldiert 1,4 Mrd. € Bundeswertpapiere dem Eigenbestand entnommen, um Kreditaufnahme zu finanzieren. Konkret handelte es sich dabei um 16,4 Mrd. € Verkäufe am Sekundärmarkt, denen Käufe von 1,8 Mrd. € und die Erhöhung von Eigenbeständen um 13,2 Mrd. € durch bei Emissionen zurückbehaltene Emissionsanteile gegenüberstanden. Damit verringerte sich der Eigenbestand zum 31. Juli auf insgesamt 179,4 Mrd. €.

    Am 31. Juli 2020 entfielen 96,8 % der Kreditaufnahmen auf die Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) und 3,2 % auf Refinanzierung der Sondervermögen für durchgeleitete Kredite an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts.

    Entwicklung der Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen)

    Im Juli 2020 wurden für den Bund (Haushalt und Sondervermögen) 48,3 Mrd. € an Krediten aufgenommen. Gleichzeitig wurden 31,0 Mrd. € fällige Kredite getilgt. Für die Verzinsung der Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) wurden im Juli im Saldo 4,7 Mrd. € aufgewendet.

    Am 31. Juli 2020 betrug die Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) 1.182,9 Mrd. €. Damit erhöhte sie sich gegenüber dem 31. Dezember 2019 um 129,7 Mrd. €. Der größte Teil der Erhöhung entfiel mit 131,7 Mrd. € auf den Bundeshaushalt, dessen Verschuldung auf 1.143,1 Mrd. € anstieg. Erstmalig wurden im Juli 2020 die Kreditermächtigungen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) für Kredite für Rekapitalisierungsmaßnahmen gemäß § 22 Stabilisierungsfondsgesetz (StFG) in Höhe von 1,3 Mrd. € in Anspruch genommen.

    Beim Investitions- und Tilgungsfonds (ITF) verringerte sich die Verschuldung seit Jahresbeginn um 3,3 Mrd. € infolge des nach den gesetzlichen Vorgaben zur Nettotilgung beim ITF vereinnahmten Bundesbankmehrgewinns. Seine Verschuldung sank damit auf 15,9 Mrd. €. In einem relativ geringen Umfang von 30 Mio. € sank in dieser Zeit auch die Verschuldung des Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS) für Kredite für Aufwendungen gemäß § 9 Abs. 1 StFG.

    Entwicklung der Refinanzierung der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes

    Nachdem im Jahr 2019 der FMS gemäß § 9 Abs. 5 StFG bereits begonnen hatte, Kredite zur Refinanzierung von an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts durchzuleitende Darlehen aufzunehmen, gab es im Juli 2020 erstmals auch durchgeleitete Kreditaufnahmen an den WSF für Kredite für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gemäß § 23 StFG.

    Seit Jahresbeginn wurden durch den FMS 5 Mrd. € an Krediten zur Refinanzierung von Darlehen an die FMS Wertmanagement aufgenommen, sodass per 31. Juli 2020 der Bestand an solchen Krediten auf 30 Mrd. € angestiegen ist. Diese gleichzeitige Kreditaufnahme und Darlehensvergabe, die eine Kostenersparnis bei der Kreditaufnahme im konsolidierten Bundbereich zum Ziel hat, ist für die Verschuldung des Bundes insgesamt neutral, weil sie bei der jeweiligen Abwicklungsanstalt des Bundes sonst notwendige Refinanzierungen substituiert.

    Im Juli wurden nun erstmalig in Höhe von 9,0 Mrd. € Kredite durch den WSF für die Darlehensgewährung an die KfW aufgenommen. Diese Kreditaufnahme dient der Kostensenkung im Bundeshaushalt, der die saldierten Kosten und Erträge des KfW‑Sonderprogramms 2020 trägt.

    Seit Jahresbeginn stieg daher in der Summe der Bestand der Refinanzierungen der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts um 14 Mrd. € auf 39 Mrd. €. Von den 39 Mrd. € entfielen dabei 13,2 Mrd.€ auf 10-jährige Bundesanleihen, 15,4 Mrd.€ auf 5-jährige Bundesobligationen, 9 Mrd. € auf 2-jährige Bundesschatzanweisungen und 1,4 Mrd. € auf Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes.

    Weitere Einzelheiten zu der Kreditaufnahme des Bundes können folgenden Tabellen entnommen werden:

    • Entwicklung der Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen),
    • Entwicklung der Refinanzierung der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes,
    • Entwicklung der Kreditaufnahme des Bundes,

    jeweils für Januar bis Juli 2020 sowie für den Monat Juli 2020.

    Die Tabelle „Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbestände an Bundeswertpapieren“ zeigt das Umlaufvolumen der emittierten Bundeswertpapiere und die Eigenbestände jeweils zu Nennwerten.

    Darüber hinaus enthält der statistische Anhang der Online-Version des Monatsberichts auch die nach Restlaufzeitklassen gruppierte Kreditaufnahme des Bundes.

    Die Abbildung „Struktur der Kreditaufnahme des Bundes“ zeigt die Verteilung auf die Finanzierungsinstrumente. Danach entfällt mit 43,1 % der größte Anteil der Kreditaufnahme auf 10-jährige Bundesanleihen, gefolgt von den 30-jährigen Bundesanleihen mit 20,2 %, den Bundesobligationen mit 15,0 %, den Bundesschatzanweisungen mit 8,2 %, den inflationsindexierten Bundeswertpapieren mit 4,6 % und den Unverzinslichen Schatzanweisungen mit einem Anteil von 8,0 %. Ein Anteil von 0,9 % der Kreditaufnahme entfällt auf Schuldscheindarlehen und sonstige Kredite.

    Von der Kreditaufnahme des Bundes sind somit über 99,1 % in Form von Inhaberschuldverschreibungen verbrieft, bei denen die konkreten Gläubiger dem Bund nicht bekannt sind.

    Die Details zu den geplanten Emissionen der konventionellen nominalverzinslichen 30- und 10-jährigen Bundesanleihen, 5-jährigen Bundesobligationen, 2-jährigen Bundesschatzanweisungen und Unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes wie auch zu den bereits etablierten inflationsindexierten und den neu hinzukommenden Grünen Bundeswertpapieren können in den Pressemitteilungen zum Emissionskalender1 sowie auf der Internetseite der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH (Finanzagentur) nachgelesen werden. Dort sind auch die vierteljährliche Vorschau der Tilgungszahlungen bis Ende des Jahres 2020 und die nach jeder Auktion von Bundeswertpapieren veröffentlichten Ergebnisse über die durchgeführten Auktionen zu finden.2

    Entwicklung der Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) im Juli 2020

    Tabelle 1

    Entwicklung der Refinanzierung der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes im Juli 2020

    Tabelle 2

    Entwicklung der Kreditaufnahme des Bundes im Juli 2020

    Tabelle 3

    Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbeständen an Bundeswertpapieren im Juli 2020

    Tabelle 4

    Struktur der Kreditaufnahme des Bundes nach Instrumentenarten per 31. Juli 2020

    in %

    Das Kreis­dia­gramm zeigt die Struk­tur der Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des nach In­stru­men­te­nar­ten per 31. Ju­li 2020. Die An­ga­ben sind in Pro­zent.
    nullWert
    30-jährige Bundesanleihen20,2
    10-jährige Bundesanleihen43,1
    Bundesobligationen15
    Bundesschatzanweisungen8,2
    Unverzinsliche Schatzanweisungen8,0
    Inflationsindexierte Bundeswertpapiere4,6
    Schuldscheindarlehen und sonstige Kredite0,9
    Abbildung 1

    Bedarf der Kreditaufnahme des Bundes von Januar bis Juli 2020

    in Mio.

    Bal­ken­dia­gramm: Be­darf der Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des von Ja­nu­ar bis Ju­li 2020
    KreditaufnahmeWert
    30-jährige Bundesanleihen16182
    10-jährige Bundesanleihen81383
    Bundesobligationen28554
    Bundesschatzanweisungen36489
    Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes110939
    Inflationsindexierte Bundeswertpapiere2872
    Abbildung 2

    Kreditaufnahme des Bundes 2020

    Tabelle 5

    Bedarf der Kreditaufnahme des Bundes 2020

    Tabelle 6

    Tilgungen von Kreditaufnahmen des Bundes 2020

    Tabelle 7

    Zinsen für die Kreditaufnahme des Bundes 2020

    Tabelle 8

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