Navigation und Service

  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Steuer­ein­nah­men im Au­gust 2020

    Die Steuereinnahmen insgesamt (ohne Gemeindesteuern) sanken im August 2020 um 2,3 % gegenüber dem August 2019. Die konjunkturellen Auswirkungen der Corona-Krise belasteten weiterhin das Steueraufkommen. So zeigte sich ein erheblicher Rückgang im Aufkommen der Lohnsteuern. Daneben wirkten sich auch die steuerlichen Maßnahmen zur Abfederung der Auswirkungen des Coronavirus erheblich auf die Steuereinnahmen aus. Das Ziel dieser Maßnahmen besteht vor allem darin, kurzfristig Liquidität bei den durch die Krise betroffenen Steuerpflichtigen zu schaffen. Dem dienen neben anderen Maßnahmen auch Stundungen, die in den vergangenen Monaten wie auch im aktuellen Monat in beträchtlichem Umfang in Anspruch genommen worden sind. Die Finanzverwaltungen der Länder haben Stundungen grundsätzlich für einen Zeitraum von drei Monaten ausgesprochen. Soweit keine Anschlussstundungen beantragt wurden, standen im August in beträchtlichem Umfang früher gestundete Steuern zur Zahlung an. Wie bereits im Juli überstieg auch im August das Volumen der fällig gewordenen Beträge das Volumen der in diesem Monat neu gewährten Stundungen. Somit ergab sich hieraus im Saldo eine Verbesserung der Einnahmesituation bei den betroffenen Steuerarten – insbesondere bei den Steuern vom Umsatz. Die Einnahmen aus den Gemeinschaftsteuern lagen insgesamt um 2,2 % unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Bei den Bundessteuern ergab sich im August ein Einnahmerückgang um 1,6 %. Die Einnahmen aus den Ländersteuern wiesen einen Rückgang um 8,1 % auf.

    EU-Eigenmittel

    Im Berichtsmonat August 2020 verringerten sich die Zahlungen von EU-Eigenmitteln inklusive der Zölle um 46,3 % und lagen bei rund 1,4 Mrd. € gegenüber 2,7 Mrd. € im August 2019. Die monatlichen Anforderungen der Europäischen Union (EU) schwanken aufgrund des jeweiligen Finanzierungsbedarfs der EU. Sie orientieren sich grundsätzlich am Finanzrahmen für das laufende Jahr 2020.

    Gesamtüberblick kumuliert Januar bis August 2020

    In den Monaten Januar bis August 2020 sank das Steueraufkommen insgesamt um 7,3 % gegenüber dem Vorjahresniveau. Die Einnahmen aus den Gemeinschaftsteuern verringerten sich um 8,5 %; das Aufkommen der Bundessteuern sank um 4,4 %. Die Ländersteuern verzeichneten einen Einnahmezuwachs um 6,6 %.

    Verteilung auf Bund, Länder und Gemeinden

    Die Steuereinnahmen des Bundes nach Verrechnung von Bundesergänzungszuweisungen verzeichneten im August 2020 einen Rückgang um 14,1 % gegenüber dem Ergebnis im August 2019. Die Einnahmen des Bundes aus den Gemeinschaftsteuern verringerten sich um 10,8 %. Aufgrund der Änderung des Finanzausgleichsgesetzes durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz verringert sich der Anteil des Bundes an den Steuern vom Umsatz zugunsten von Ländern und Gemeinden beträchtlich. Damit sollen die Steuermindereinnahmen der Länder durch den aus dem Lohnsteueraufkommen zu zahlenden einmaligen Kinderbonus sowie durch die temporäre Steuersatzsenkung bei der Umsatzsteuer kompensiert werden. Aus diesem Grund sanken die Einnahmen des Bundes aus dem Aufkommen der Steuern vom Umsatz um 13,8 % gegenüber dem August 2019. Die Einnahmen aus Bundessteuern verringerten sich um 1,6 %. Zudem wurden im August die mit dem Gesetz über begleitende Maßnahmen zur Umsetzung des Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets den Ländern zusätzlich zugewiesenen Regionalisierungsmittel in Höhe von 2,5 Mrd. € ausgezahlt. Demgegenüber waren geringere Bundesergänzungszuweisungen sowie deutlich geringere EU-Eigenmittelabführungen gegenüber dem Vorjahresmonat August 2019 zu leisten.

    Die Länder verbuchten im August 2020 einen deutlichen Anstieg ihrer Steuereinnahmen um 14,1 %. Grund waren die oben aufgeführte geänderte Umsatzsteuerverteilung, die zu einem höheren Länderanteil an den Steuern vom Umsatz (+17,8 %) und in der Folge zu höheren Einnahmen aus dem Länderanteil an den Gemeinschaftsteuern (+6,0 %) führte, sowie der Zufluss von zusätzlichen Regionalisierungsmitteln in Höhe von 2,5 Mrd. €. Demgegenüber waren geringere Einnahmen aus den Ländersteuern (-8,1 %) zu verzeichnen. Die Einnahmen der Gemeinden aus ihrem Anteil an den gemeinschaftlichen Steuern stiegen – auch aufgrund des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes – um 0,6 %.

    Entwicklung der Steuereinnahmen (ohne reine Gemeindesteuern) im laufenden Jahr

    Tabelle 1

    Gemeinschaftsteuern

    Lohnsteuer

    Das Lohnsteueraufkommen entwickelte sich im Berichtsmonat rückläufig. Dabei verringerte sich das Bruttoaufkommen der Lohnsteuer im August 2020 um 5,1 % gegenüber dem August 2019. Aufgrund der Corona-Krise wurde von den Unternehmen auch weiterhin in großem Umfang Kurzarbeit in Anspruch genommen. Dies reduzierte beträchtlich die lohnsteuerabzugspflichtigen Bruttolöhne und -gehälter. Das aus dem Lohnsteueraufkommen gezahlte Kindergeld verzeichnete im Vergleich zum August 2019 einen Anstieg um 2,6 %. Per saldo verringerte sich das kassenmäßige Lohnsteueraufkommen gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,6 %. In den Monaten Januar bis August 2020 lag damit das kassenmäßige Lohnsteueraufkommen um 2,4 % unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

    Körperschaftsteuer

    Im aufkommensschwachen Veranlagungsmonat August wurden rund 9 Mio. € Körperschaftsteuer vereinnahmt. Im Vorjahresmonat waren rund 71 Mio. € vereinnahmt worden. In Veranlagungsmonaten sind regelmäßig Schwankungen im Steueraufkommen gegenüber dem Vorjahresmonat zu beobachten. Die Investitionszulage hatte – aufgrund ihres geringen Volumens – nahezu keinen Einfluss auf das Ergebnis. In den Monaten Januar bis August 2020 verringerte sich das kassenmäßige Körperschaftsteueraufkommen um 38,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Veranlagte Einkommensteuer

    Das Aufkommen aus veranlagter Einkommensteuer wurde im August ebenfalls von der Veranlagungstätigkeit bestimmt. Das Bruttoaufkommen stieg auf rund 1,0 Mrd. € (+5,6 %). Nach Abzug der Arbeitnehmererstattungen (-11,6 % gegenüber August 2019) und der nur noch unbedeutenden Investitions- und Eigenheimzulagen ergab sich per saldo im August 2020 ein Erstattungsvolumen von rund 0,3 Mrd. € gegenüber 0,5 Mrd. € im August 2019. In den Monaten Januar bis August 2020 verringerte sich das kassenmäßige Aufkommen der veranlagten Einkommensteuer um 11,0 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Nicht veranlagte Steuern vom Ertrag

    Im August 2020 lag das Bruttoaufkommen der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag um 8,5 % unter der Vorjahresbasis, nachdem noch im Vormonat ein Plus von 41,8 % zu beobachten gewesen war. Die wirtschaftliche Lage infolge der Corona-Pandemie veranlasste verschiedene Unternehmen zur Reduktion der diesjährigen Dividendenzahlungen, sodass insgesamt in diesem Jahr mit einem geringeren Aufkommen als im Vorjahr gerechnet werden muss. Die aus dem Aufkommen geleisteten Erstattungen durch das Bundeszentralamt für Steuern lagen bei rund 230 Mio. €. Hieraus ergab sich ein Rückgang des Kassenaufkommens der nicht veranlagten Steuern von Ertrag um 17,9 % gegenüber dem August 2019. In den Monaten Januar bis August 2020 verringerte sich das kassenmäßige Aufkommen der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag um 18,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge

    Das Aufkommen aus der Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge verzeichnete im Vergleich zum August 2019 einen Anstieg um 3,4 %. Aufgrund der im bisherigen Jahresverlauf zu beobachtenden Einnahmezuwächse stieg das kassenmäßige Aufkommen der Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge in den Monaten Januar bis August 2020 um 31,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Steuern vom Umsatz

    Das Aufkommen der Steuern vom Umsatz verzeichnete im August 2020 einen Anstieg von 2,5 % gegenüber dem August 2019. Das Aufkommen der Binnenumsatzsteuer war in den Vormonaten u. a. durch umfangreiche Stundungen in Verbindung mit der Corona-Pandemie gemindert worden. Da die Stundungen in der Regel für einen Zeitraum von drei Monaten gewährt worden waren, wurden im Berichtsmonat in beträchtlichem Ausmaß gestundete Steuerschulden fällig. Das Volumen der im August gewährten Stundungen lag wesentlich niedriger, sodass sich ein positiver Aufkommenseffekt in Höhe von circa 1,2 Mrd. € ergab. Im Ergebnis stieg das Aufkommen aus der Binnenumsatzsteuer um 12,6 %, wohingegen die Einnahmen aus der Einfuhrumsatzsteuer um 25,2 % gegenüber dem August 2019 sanken. In den Monaten Januar bis August 2020 sank das kassenmäßige Aufkommen der Steuern vom Umsatz um 8,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Bundessteuern

    Das Aufkommen aus den Bundessteuern lag im August 2020 um 1,6 % unter dem Steueraufkommen des Vorjahresmonats. Bei einigen Steuerarten führten die steuerlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität der Unternehmen zu einem Einnahmerückgang. Ein höheres Steueraufkommen gegenüber dem August 2019 war bei der Energiesteuer (+0,7 %) sowie bei der Stromsteuer (+1,2 %) zu beobachten. Rückgänge zeigten die Versicherungsteuer (-0,9 %) sowie die Kraftfahrzeugsteuer (-1,1 %). Infolge des Lockdowns kam der weltweite Luftverkehr nahezu zum Erliegen. Dies sowie Steuerstundungen waren Gründe für den Einbruch der Luftverkehrsteuer um 72,3 % gegenüber dem August 2019. Die Lockerungsmaßnahmen in den Sommermonaten führten lediglich zu einer leichten Erholung des Steueraufkommens gegenüber den Vormonaten. Der Solidaritätszuschlag verringerte sich um 3,5 % infolge des Rückgangs seiner Bemessungsgrundlagen. Das Tabaksteueraufkommen lag um 2,5 % unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Veränderungen bei den übrigen Steuerarten hatten betragsmäßig nur geringen Einfluss auf das Gesamtergebnis der Bundessteuern.

    Ländersteuern

    Das Aufkommen der Ländersteuern lag im August 2020 um 8,1 % unter dem Ergebnis im August 2019. Ursächlich hierfür waren deutlich geringere Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer (-11,9 %) sowie der Erbschaftsteuer (-4,5 %). Rennwett- und Lotteriesteuer (+ 1,6 %), Feuerschutzsteuer (+ 4,2 %) sowie Biersteuer (+3,7 %) konnten gegenüber dem August 2019 Zuwächse verzeichnen.

Footer