Navigation und Service

  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Fi­nanz­märk­te und Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des

    Die Kreditaufnahme des Bundes umfasst die Kreditaufnahme für die Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) und die Kreditaufnahme für die Refinanzierung der Sondervermögen des Bundes zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes.

    Entwicklung der Kreditaufnahme des Bundes

    Der Bund hatte am 31. Dezember 2019 Kredite in Höhe von 1.078,3 Mrd. € aufgenommen. Dieser Bestand erhöhte sich zum 30. September 2020 auf 1.282,6 Mrd. €. Der mit 204,3 Mrd. € deutliche Anstieg der Kreditaufnahme geht auf die Finanzierungsbedürfnisse des Bundes für den Haushalt und die Sondervermögen zurück, aber auch auf die Bedarfe für Refinanzierungen derjenigen Sondervermögen, die dazu dienen, Kredite an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts weiterzuleiten. Den wirtschaftlichen Hintergrund der gestiegenen Kreditaufnahme bilden die Maßnahmen, welche die Bundesregierung zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie beschlossen hat. Diese sehen sowohl eine gestiegene Nettokreditaufnahme des Bundeshaushalts als auch umfangreiche Refinanzierungsaufgaben des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) vor.

    Der Anstieg der Kreditaufnahme gegenüber dem 31. Dezember 2019 resultiert aus neuen Aufnahmen im Volumen von 384,7 Mrd. € bei Fälligkeiten im Volumen von 180,4 Mrd. €. In den Monaten Januar bis September des Jahres 2020 wurden für die Verzinsung aller auch in früheren Jahren aufgenommenen bestehenden Kredite saldiert 5,8 Mrd. € aufgewendet.

    Im September wurden 59,5 Mrd. € an Bundeswertpapieren emittiert. Erstmals begab der Bund ein Grünes Bundeswertpapier, dessen Emissionsvolumen 6,5 Mrd. € betrug. Der Schwerpunkt der Emissionen lag mit 52,5 Mrd. € bei den konventionellen Bundeswertpapieren. Sie verteilten sich auf 1,5 Mrd. € 30-jährige Bundesanleihen, 18 Mrd. € 10-jährige Bundesanleihen, 4 Mrd. € Bundesobligationen, 5 Mrd. € Bundesschatzanweisungen und 24 Mrd. € Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes. In inflationsindexierten Bundeswertpapieren wurden 0,5 Mrd. € begeben.

    Die Eigenbestände des Bundes erhöhten sich um saldiert 0,6 Mrd. €. Konkret handelte es sich dabei um Verkäufe in Höhe von 15,9 Mrd. € am Sekundärmarkt, denen Käufe von 2,9 Mrd. € und die Erhöhung von Eigenbeständen um 13,9 Mrd. € durch bei Emissionen zurückbehaltene Emissionsanteile gegenüberstanden. Zudem gab es Tilgungen im Eigenbestand in Höhe von 0,3 Mrd. €. Damit erhöhte sich der Eigenbestand zum 30. September 2020 auf insgesamt 178,9 Mrd. €.

    Am 30. September 2020 entfielen 95,5 Prozent der Kreditaufnahmen auf die Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) und 4,5 Prozent auf die Refinanzierung der Sondervermögen für durchgeleitete Kredite an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts.

    Entwicklung der Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen)

    Im September 2020 wurden für den Bund (Haushalt und Sondervermögen) 50,5 Mrd. € an Krediten aufgenommen. Gleichzeitig wurden 39 Mrd. € fällige Kredite getilgt. Für die Verzinsung der Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) ergab sich im September saldiert ein Einnahmeüberschuss in Höhe von 0,8 Mrd. €.

    Am 30. September 2020 betrug die Verschuldung des Bundes (Haushalt und Sondervermögen) insgesamt 1.225 Mrd. €. Damit erhöhte sie sich gegenüber dem 31. Dezember 2019 um 171,8 Mrd. €. Der größte Teil der Erhöhung entfiel mit 173,7 Mrd. € auf den Bundeshaushalt, dessen Verschuldung auf 1.185 Mrd. € anstieg. Bis zum 30. September 2020 wurden die Kreditermächtigungen des WSF für Kredite für Rekapitalisierungsmaßnahmen gemäß § 22 Stabilisierungsfondsgesetz (StFG) in Höhe von 1,4 Mrd. € in Anspruch genommen.

    Beim Investitions- und Tilgungsfonds (ITF) verringerte sich die Verschuldung seit Jahresbeginn infolge des nach den gesetzlichen Vorgaben beim ITF vereinnahmten Bundesbankmehrgewinns um 3,3 Mrd. €. Seine Verschuldung sank damit auf 15,9 Mrd. €. In einem relativ geringen Umfang von 30 Mio. € sank in dieser Zeit auch die Verschuldung des Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS) für Kredite für Aufwendungen gemäß § 9 Abs. 1 StFG.

    Entwicklung der Refinanzierung der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes

    Im Jahr 2019 begann der FMS gemäß § 9 Abs. 5 StFG, Kredite zur Refinanzierung von an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts durchzuleitende Darlehen aufzunehmen. Seit Jahresbeginn 2020 wurden durch den FMS Kredite zur Refinanzierung von Darlehen an die FMS Wertmanagement in Höhe von 5 Mrd. € aufgenommen, sodass per 30. September 2020 der Bestand an solchen Krediten 30 Mrd. € betrug. Diese gleichzeitige Kreditaufnahme und Darlehensvergabe, die eine Kostenersparnis bei der Kreditaufnahme im konsolidierten Bundbereich zum Ziel hat, ist für die Verschuldung des Bundes insgesamt neutral, da sie bei der jeweiligen Abwicklungsanstalt des Bundes sonst notwendige Refinanzierungen substituiert.

    Seit Juli 2020 nimmt der WSF Kredite für die Gewährung von Darlehen an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gemäß § 23 StFG auf. Bis Ende September wurden insgesamt 27,5 Mrd. € solcher Kredite aufgenommen. Die Kreditaufnahme über den Bund dient der Kostensenkung im Bundeshaushalt, der die saldierten Kosten und Erträge des KfW‑Sonderprogramms 2020 trägt.

    Seit Jahresbeginn stieg der Bestand der Refinanzierungen der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an Bundesanstalten des öffentlichen Rechts somit insgesamt um 32,5 Mrd. € auf 57,5 Mrd. €.

    Weitere Einzelheiten zur Kreditaufnahme des Bundes können folgenden Tabellen entnommen werden:

    • Entwicklung der Kreditaufnahme des Bundes,
    • Entwicklung der Verschuldung des Bundeshaushalts und der Sondervermögen,
    • Entwicklung der Refinanzierung der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes,

    jeweils für Januar bis September 2020 sowie für den Monat September 2020.

    Die Tabelle „Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbestände an Bundeswertpapieren“ zeigt das Umlaufvolumen der emittierten Bundeswertpapiere und die Eigenbestände jeweils zu Nennwerten. Darüber hinaus enthält der statistische Anhang der Online-Version des Monatsberichts auch die nach Restlaufzeitklassen gruppierte Kreditaufnahme des Bundes.

    Die Abbildung „Struktur der Kreditaufnahme des Bundes nach Instrumentenarten“ zeigt die Verteilung auf die Finanzierungsinstrumente. Danach entfällt mit 42,1 Prozent der größte Anteil der Kreditaufnahme auf konventionelle 10-jährige Bundesanleihen, gefolgt von den 30-jährigen Bundesanleihen mit 19,5 Prozent, den Bundesobligationen mit 14,9 Prozent, den Unverzinslichen Schatzanweisungen mit 9,9 Prozent, den Bundesschatzanweisungen mit 7,7 Prozent und den inflationsindexierten Bundeswertpapieren mit einem Anteil von 4,5 Prozent. Die im September 2020 erstmalig begebenen Grünen Bundeswertpapiere machen einen Anteil von 0,5 Prozent aus. Ein Anteil von 0,9 Prozent der Kreditaufnahme entfällt auf Schuldscheindarlehen und sonstige Kredite.

    Von der Kreditaufnahme des Bundes sind somit über 99 Prozent in Form von Inhaberschuldverschreibungen verbrieft, bei denen die konkreten Gläubiger dem Bund nicht bekannt sind.

    Details zu den geplanten Emissionen der konventionellen nominalverzinslichen Bundeswertpapiere wie auch zu den bereits etablierten inflationsindexierten und den neu hinzugekommenen Grünen Bundeswertpapieren können in den Pressemitteilungen zum Emissionskalender1 sowie auf der Internetseite der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH nachgelesen werden. Dort sind auch die vierteljährliche Vorschau der Tilgungszahlungen bis Ende des Jahres 2020 und die nach jeder Auktion von Bundeswertpapieren veröffentlichten Ergebnisse über die durchgeführten Auktionen zu finden.2

    Entwicklung der Kreditaufnahme des Bundes im September 2020

    Tabelle 1

    Entwicklung der Verschuldung des Bundeshaushalts und der Sondervermögen im September 2020

    Tabelle 2

    Entwicklung der Refinanzierung der Sondervermögen zur Durchleitung von Krediten an öffentliche Anstalten des Bundes im September 2020

    Tabelle 3

    Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbestände an Bundeswertpapieren im September 2020

    Tabelle 4

    Struktur der Kreditaufnahme des Bundes nach Instrumentenarten per 30. September 2020

    in %

    Das Kreis­dia­gramm zeigt die Struk­tur der Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des nach In­stru­men­te­nar­ten per 30. Sep­tem­ber 2020. Die An­ga­ben sind in Pro­zent.
    nullWert
    Bundesschatzanweisungen7,7
    Unverzinsliche Schatzanweisungen9,9
    Grüne Bundeswertpapiere0,5
    Inflationsindexierte Bundeswertpapiere4,5
    Schuldscheindarlehen und sonstige Kredite0,9
    30-jährige Bundesanleihen19,5
    10-jährige Bundesanleihen42,1
    Bundesobligationen14,9
    Abbildung 1

    Bedarf der Kreditaufnahme des Bundes von Januar bis September 2020

    in Mio.

    Bal­ken­dia­gramm: Be­darf der Kre­dit­auf­nah­me des Bun­des von Ja­nu­ar bis Sep­tem­ber 2020
    KreditaufnahmeWert
    30-jährige Bundesanleihen19712
    10-jährige Bundesanleihen111235
    Bundesobligationen36669
    Bundesschatzanweisungen47046
    Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes160639
    Grüne Bundeswertpapiere6050
    Inflationsindexierte Bundeswertpapiere3339
    Abbildung 2

    Kreditaufnahme des Bundes 2020

    Tabelle 5

    Bedarf der Kreditaufnahme des Bundes 2020

    Tabelle 6

    Tilgungen von Kreditaufnahmen des Bundes 2020

    Tabelle 7

    Zinsen für die Kreditaufnahme des Bundes 2020

    Tabelle 8

    Die Rentenmarktentwicklung im 3. Quartal 2020

    Das 3. Quartal verlief an den internationalen Rentenmärkten vergleichsweise ruhig. Die Renditen in den bedeutenden Währungsräumen entwickelten sich in der Tendenz seitwärts und ohne allzu große Schwankungen.

    Die Corona-Pandemie rückte im Vergleich zum 2. Quartal deutlich in den Hintergrund der Medienberichterstattung. Nach Ende der Sommerferien mit tendenziell steigenden Fallzahlen in Deutschland und zum Teil stark steigenden Fallzahlen in Ländern wie Frankreich oder Spanien rückte das Thema aber wieder mehr in den Fokus der Marktanalystinnen und Marktanalysten. Die Angst vor einer zweiten Ausbreitungswelle und damit einhergehenden Einschränkungen für die Wirtschaftsentwicklung nahm wieder zu, was auch zu einer anziehenden Schwankungsintensität an den Rentenmärkten führte.

    Vonseiten der Zentralbanken gab es im 3. Quartal keine nennenswerten Anpassungen in ihrer aktuellen Geldpolitik. Die US-Notenbank FED stellte Ende August klar, dass sie in Zukunft ein sogenanntes Average Inflation Targeting betreiben werde. Das heißt, dass sie sich perspektivisch an einer durchschnittlichen Inflationsrate orientieren und bei der Festlegung der Leitzinsen auch Abweichungen vom Inflationsziel in vergangenen Betrachtungszeiträumen berücksichtigen wird. Eine baldige Erhöhung der Leitzinsen in den USA ist damit unwahrscheinlicher geworden. Die unverändert niedrige Inflation sowie jüngste Äußerungen von Ratsmitgliedern der Europäischen Zentralbank deuten auch für den Euroraum darauf hin, dass die Situation unkonventioneller geldpolitischer Maßnahmen noch über Jahre anhalten wird.

    Entwicklung der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen im 3. Quartal 2020

    Tabelle 9
    Entwicklung der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen im 3. Quartal 2020

    Rendite in % p. a.

    Ent­wick­lung der Ren­di­ten 10-jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen im 3. Quar­tal 2020
    Quelle: Thomson Reuters
    DatumUSAVereinigtes KönigreichJapanDeutschland
    1.7.20200,65610,17050,02-0,456
    2.7.20200,67580,20950,04-0,396
    3.7.20200,66930,18470,029-0,43
    4.7.20200,66930,18580,022-0,434
    5.7.20200,66930,18580,022-0,434
    6.7.20200,66930,18580,022-0,434
    7.7.20200,67590,19990,036-0,434
    8.7.20200,63970,17860,033-0,43
    9.7.20200,66440,18110,02-0,441
    10.7.20200,61350,15720,017-0,464
    11.7.20200,64470,15280,013-0,469
    12.7.20200,64470,15280,013-0,469
    13.7.20200,64470,15280,013-0,469
    14.7.20200,61840,18470,028-0,419
    15.7.20200,62330,14840,019-0,448
    16.7.20200,62990,16450,02-0,446
    17.7.20200,61680,13750,011-0,468
    18.7.20200,62660,16140,011-0,45
    19.7.20200,62660,16140,011-0,45
    20.7.20200,62660,16140,011-0,45
    21.7.20200,61020,150,018-0,462
    22.7.20200,60040,13440,01-0,462
    23.7.20200,59710,11920,012-0,492
    24.7.20200,57740,12270,012-0,482
    25.7.20200,58880,1430,012-0,449
    26.7.20200,58880,1430,012-0,449
    27.7.20200,58880,1430,012-0,449
    28.7.20200,61510,10810,017-0,493
    29.7.20200,5790,10740,018-0,509
    30.7.20200,57410,11720,017-0,501
    31.7.20200,54620,08710,014-0,543
    1.8.20200,52820,10310,014-0,525
    2.8.20200,52820,10310,014-0,525
    3.8.20200,52820,10310,014-0,525
    4.8.20200,55430,09810,02-0,524
    5.8.20200,50690,07540,012-0,553
    6.8.20200,54770,1290,006-0,507
    7.8.20200,53620,10670,014-0,532
    8.8.20200,5640,13710,006-0,51
    9.8.20200,5640,13710,006-0,51
    10.8.20200,5640,13710,006-0,51
    11.8.20200,57550,12950,006-0,528
    12.8.20200,64150,19870,027-0,479
    13.8.20200,67470,23610,039-0,449
    14.8.20200,72080,24190,029-0,414
    15.8.20200,70940,24190,045-0,423
    16.8.20200,70940,24190,045-0,423
    17.8.20200,70940,24190,045-0,423
    18.8.20200,68820,21530,041-0,453
    19.8.20200,66870,21790,034-0,464
    20.8.20200,68010,23510,026-0,474
    21.8.20200,65090,22430,03-0,497
    22.8.20200,62820,20490,028-0,509
    23.8.20200,62820,20490,028-0,509
    24.8.20200,62820,20490,028-0,509
    25.8.20200,65420,21170,022-0,492
    26.8.20200,68350,26230,03-0,433
    27.8.20200,68840,30050,042-0,417
    28.8.20200,75220,3350,038-0,408
    29.8.20200,72110,31020,054-0,41
    30.8.20200,72110,31020,054-0,41
    31.8.20200,72110,31020,054-0,41
    1.9.20200,70480,31020,047-0,398
    2.9.20200,66890,29310,042-0,421
    3.9.20200,64770,22880,038-0,475
    4.9.20200,63470,23510,035-0,49
    5.9.20200,7180,26120,036-0,474
    6.9.20200,7180,26120,036-0,474
    7.9.20200,7180,26120,036-0,474
    8.9.20200,7180,24710,041-0,463
    9.9.20200,67880,18730,035-0,496
    10.9.20200,70010,23560,025-0,464
    11.9.20200,67720,2260,023-0,434
    12.9.20200,66580,18090,022-0,482
    13.9.20200,66580,18090,022-0,482
    14.9.20200,66580,18090,022-0,482
    15.9.20200,67230,19330,016-0,482
    16.9.20200,67890,21620,015-0,48
    17.9.20200,69690,20970,015-0,485
    18.9.20200,68870,18370,011-0,492
    19.9.20200,69370,18240,009-0,487
    20.9.20200,69370,18240,009-0,487
    21.9.20200,69370,18240,009-0,487
    22.9.20200,66580,15550,009-0,53
    23.9.20200,67080,20210,009-0,506
    24.9.20200,67240,21740,003-0,506
    25.9.20200,66590,21780,006-0,502
    26.9.20200,65440,18720,006-0,53
    27.9.20200,65440,18720,006-0,53
    28.9.20200,65440,18720,006-0,53
    29.9.20200,65280,2010,018-0,528
    30.9.20200,64950,18240,012-0,546
    01.10.20200,6840,22830,011-0,523
    Abbildung 3

    Sekundärmarkthandel in Bundeswertpapieren im 1. Halbjahr 2020

    Bruttohandel

    Die Liquidität von Bundeswertpapieren kann insbesondere an der Höhe ihrer Handelsumsätze bemessen werden. Der Bund erhält Meldungen über Sekundärmarktumsätze von Banken, die als Mitglieder der „Bietergruppe Bundesemissionen“ an den Auktionen des Bundes teilnehmen. Als Auktionsteilnehmer sind diese Bieterbanken prädestiniert für den Handel mit Bundeswertpapieren, sodass sich Investorinnen und Investoren bevorzugt an sie wenden, wenn sie Bundeswertpapiere kaufen oder verkaufen möchten. Die Meldungen geben Aufschluss über das gehandelte Instrument, also den Typ des gehandelten Bundeswertpapiers, über den Kontrahenten, also mit welcher Art von Unternehmen gehandelt wurde, und darüber, in welcher Region der Kontrahent seinen Sitz hat.

    Im 1. Halbjahr 2020 wurden von den Banken der „Bietergruppe Bundesemissionen“ Handelsumsätze von insgesamt 2,3 Bio. € gemeldet. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 stellt dies einen leichten Zuwachs von etwas über 2 Prozent dar.

    Innerhalb der Kategorien „Instrumenten-Typ“, „Kontrahenten-Typ“ und „Region des Kontrahenten“ lassen sich Trends erkennen: Wichtigstes Instrument, dessen Umsätze mehr als die Hälfte der Umsätze in Bundeswertpapieren insgesamt ausmachten, waren die 10-jährigen Bundesanleihen, obwohl es im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 einen Rückgang von circa 10 Prozent gab. Umsätze im hinsichtlich Handelsvolumen zweitstärksten Instrument, den 5-jährigen Bundesobligationen, verringerten sich leicht um 6 Prozent. Dagegen erhöhten sich die Umsätze in 30-jährigen Bundesanleihen um mehr als 50 Prozent auf ein Niveau, das zuletzt 2007 erreicht worden war. Damit stellten sie gemessen am Handelsvolumen die drittstärkste Laufzeit dar. Bei 2-jährigen Bundesschatzanweisungen gab es wenig Veränderung. Das Handelsvolumen in Unverzinslichen Schatzanweisungen (Bubills), die einen Beitrag von 8 Prozent zum gesamten Handelsvolumen darstellen, verdreifachte sich im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019. Sie wurden damit ähnlich stark gehandelt wie zuletzt im Jahr 2011. Sowohl bei den 30-jährigen Bundesanleihen als auch bei den Bubills wurden im 2. Quartal des Jahres die Emissionsvolumina überproportional ausgeweitet.

    Die Kontrahenten-Typen mit den höchsten Umsätzen blieben Asset Manager und Broker, die in Summe für über die Hälfte der Umsätze in Bundeswertpapieren verantwortlich waren. Bei Banken, die rund 20 Prozent zum gesamten Handelsvolumen beitrugen, war gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 ein Rückgang von 10 Prozent zu beobachten. Die Umsätze von Zentralbanken und anderen öffentlichen Institutionen, die etwa 12 Prozent zum gesamten Handelsvolumen beitrugen, erhöhten sich gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 um gut ein Drittel. Bei Hedgefonds, Pensionsfonds und Versicherungen gab es relativ gesehen deutliche Anstiege; insgesamt machten diese Kontrahenten-Typen mit weniger als 5 Prozent des gesamten Handelsvolumens jedoch nur einen geringen Anteil aus.

    Wichtigste Handelsregion blieb das übrige Europa (Europa ohne Euroraum-Staaten). Hier wurde über die Hälfte des Volumens in Bundeswertpapieren umgesetzt. Veränderungen gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 waren nur geringfügig. Im Euroraum, der zweitwichtigsten Region, stieg das Handelsvolumen um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr. In Amerika und Asien gab es nur leichte Veränderungen. Die Beiträge durch Kontrahenten in den arabischen Staaten oder Afrika zum gesamten Handelsvolumen waren verschwindend gering.

    Bruttohandel in Bundeswertpapieren

    Tabelle 10

    Nettohandel

    Da die Sekundärmarktumsatz-Meldungen Angaben über Kauf oder Verkauf enthalten, kann daraus auch grob auf Bestandsbewegungen geschlossen werden.

    Wichtigste Nettokäufer im 1. Halbjahr 2020 waren Zentralbanken; hier waren auch im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 und 2. Halbjahr 2019 die höchsten Zuwächse zu beobachten. Zentralbanken zählen neben den Asset Managern und Banken schon seit Statistikbeginn zum wichtigsten Käuferkreis von Bundeswertpapieren. 2018 kamen die Hedgefonds neu in den Kreis bedeutender Nettokäufer hinzu. Das Kauf- beziehungsweise Verkaufsverhalten von Hedgefonds ist allerdings stark schwankend. Im 1. Halbjahr des Jahres 2020 tätigten sie nach 2018 die zweithöchsten Käufe seit Statistikbeginn. Über Broker und elektronische Handelsplattformen wurden im 1. Halbjahr 2020 per saldo so viele Bundeswertpapiere an die Bieterbanken verkauft wie nie zuvor. Versicherungen bauten über die vergangenen drei Halbjahre geringfügig Bestände in Bundeswertpapieren ab; Pensionsfonds bauten ihre Bestände leicht auf.

    Regional dominant ist und bleibt das übrige Europa (ohne Euroraum), wo im 1. Halbjahr 2020 die höchsten Nettokäufe seit dem Jahr 2015 verzeichnet werden konnten. Daneben spielen der Euroraum und auch Amerika eine wichtige Rolle hinsichtlich der Nettokäufe, wobei davon auszugehen ist, dass ein großer Anteil der Nachfrage im Euroraum inzwischen aus den Staatsanleihekaufprogrammen der EZB resultiert. Nettoverkäufe tätigten Kontrahenten aus Asien.

Footer