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    Die Mu­se­ums­s­tif­tung Post und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on

    • Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation mit Sitz in Bonn ist eine öffentlich-rechtliche Stiftung, die durch das Gesetz zur Errichtung einer Museumsstiftung Post und Telekommunikation mit Wirkung vom 1. Januar 1995 errichtet worden ist. Sie unterliegt der Rechtsaufsicht des BMF.
    • Die Museumsstiftung finanziert sich durch eigene Einnahmen sowie durch Zuschüsse der beiden Unternehmen Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG.
    • Die Museumsstiftung unterhält Museen für Kommunikation in Berlin (ehemaliges Reichspostmuseum eröffnet 1898, beziehungsweise ehemaliges Postmuseum der Deutschen Demokratischen Republik, eröffnet 1958), in Frankfurt am Main (ehemaliges Bundespostmuseum, eröffnet 1958) und in Nürnberg (eröffnet 1925). Die drei Museen verzeichneten im Jahr 2019 circa 342.000 Besucherinnen und Besucher.
    • Zur Unterbringung ihrer Sammlungen unterhält die Museumsstiftung darüber hinaus zwei Depots in Berlin und in Heusenstamm bei Frankfurt am Main. Die philatelistische Sammlung (circa 18,6 Mio. Objekte) ist im Archiv für Philatelie in Bonn zusammengefasst.

    Zur Geschichte der Museumsstiftung

    Die Museumsstiftung geht auf die Sammlung der Deutschen Bundespost und ihrer Vorgänger zurück. Die Sammlung war auf eine Vielzahl von Museen und Standorte verteilt. Nach der deutschen Wiedervereinigung kam noch das ehemalige Postmuseum der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) hinzu (siehe Abbildung 1).

    Deutschlandkarte mit Standorten BildVergroessern
    Abbildung 1

    Eine übergeordnete rechtliche Struktur gab es nicht. Im Zuge der Postreform I – der Gliederung der Deutschen Bundespost in die drei öffentlichen Unternehmen Deutsche Bundespost POSTDIENST, Deutsche Bundespost POSTBANK und Deutsche Bundespost TELEKOM – wurde die Weiterführung des Museumswesens der Deutschen Bundespost zwar auf die Deutsche Bundespost TELEKOM übertragen (mit Ausnahme der Postwertzeichen, die bei der Deutschen Bundespost POSTDIENST verblieben) – eine organisatorische und rechtliche Verselbstständigung war damit jedoch nicht verbunden. Eine rechtlich eigenständige Struktur wurde erst zeitgleich mit der Gründung der drei Aktiengesellschaften Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG und Deutsche Telekom AG durch die Errichtung der Museumsstiftung geschaffen.

    Die Anfangsjahre der Museumsstiftung waren geprägt von der Zusammenführung der vorhandenen Museen und Standorte in die heutige Struktur. Außerdem musste das Museumsgebäude in Berlin, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden war (siehe Abbildung 2), aufwändig restauriert werden. Die DDR hatte zwar das Gebäude 1958 zunächst behelfsmäßig und 1960 endgültig als Postmuseum der DDR wiedereröffnet. Dabei war jedoch insbesondere die zerstörte Kuppel nicht wiederhergestellt worden. Nach einer mehrjährigen Baumaßnahme konnte das historische Gebäude am 17. März 2000 als Museum für Kommunikation neu eröffnet werden.

    Schwarz-weiß-Aufnahme: Zerstörte Kuppel des heutigen Museums für Kommunikation Berlin BildVergroessern
    Abbildung 2: Zerstörte Kuppel des heutigen Museums für Kommunikation Berlin; Quelle: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

    Gesetzliche Aufgaben der Museumsstiftung

    Nach dem Willen des Gesetzgebers soll die Museumsstiftung nicht im Sinne eines Firmenmuseums der aus der Deutschen Bundespost hervorgegangenen Aktiengesellschaften agieren. Angestrebt wird vielmehr die Erschließung und Darstellung der „gesamten“ Kommunikationsgeschichte.

    In § 1 Abs. 1 des Gesetzes zur Errichtung einer Museumsstiftung Post und Telekommunikation wird der Stiftungszweck deshalb wie folgt bestimmt: „Zweck der Stiftung ist die Erschließung, Sammlung und Darstellung der gesamten Entwicklung der Nachrichtenübermittlung und des damit im Zusammenhang stehenden Bank-, Güter- und Personenverkehrs im Post- und Fernmeldewesen.“ Hierzu zählt insbesondere die Aufgabe, die übertragenen Sammlungsgegenstände zu bewahren, zu pflegen, zu ergänzen und der Öffentlichkeit zu erschließen. Zur Erfüllung dieser Aufgabe tragen verschiedene Komponenten bei.

    Dauerausstellungen und Wechselausstellungen

    Alle drei Museen bieten Ausstellungen, die längerfristig präsentiert werden – die sogenannten Dauerausstellungen. Diese sollen vorrangig die Sammlungsgegenstände der Öffentlichkeit erschließen und die Entwicklung der Nachrichtenübermittlung darstellen. Da sich einerseits neue Entwicklungen nur begrenzt in eine bestehende Ausstellung integrieren lassen und andererseits die Ausstellungskonzepte einem steten Wandel unterliegen, müssen Dauerausstellungen in regelmäßigen Abständen (nach circa 15 Jahren bis 20 Jahren) eingehend überarbeitet werden. Seit der Errichtung der Museumsstiftung hat an allen drei Standorten eine Überarbeitung stattgefunden (Nürnberg: 2010, Berlin: 2010 bis 2016, Frankfurt am Main: 2017).

    Mit den zeitlich begrenzten Wechselausstellungen, die in der Regel an mehreren Standorten gezeigt werden, kann die Museumsstiftung ein breiteres Themenspektrum anbieten. Die Wechselausstellungen berücksichtigen insbesondere auch soziokulturelle Aspekte.

    Wechselausstellungen der Museumsstiftung (Auswahl)

    • Globalisierung 2.0 (2007)
    • Glücksfälle-Störfälle. Facetten interkultureller Kommunikation (2012)
    • Außer Kontrolle. Leben in einer überwachten Welt (2013)
    • „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“ Kommunikations- und Logistiknetze der Einheit (2015)
    • Dialog mit der Zeit – Eröffnung durch Herrn Bundespräsident Joachim Gauck (2015)
    • Berührt – verführt. Werbekampagnen, die Geschichte machten (2015 bis 2017)
    • Die Nacht. Alles außer Schlaf (2017 bis 2019)
    • Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße (2019 bis 2020)

    Die Museen der Stiftung als Orte der außerschulischen Bildung und der Kommunikation

    Die Stiftung erreicht über ihre Museen jedes Jahr circa 5.000 Schulklassen und Gruppen. Zwei Drittel besuchen dabei nicht nur die Ausstellungen, sondern buchen zudem Führungen und Workshops mit speziell abgestimmten Programmen.

    Bei den Bildungsinhalten haben sich in den vergangenen Jahren angesichts der Umbrüche in der Gesellschaft (Stichwort Digitale Transformation/Wirtschaft 4.0) die Vermittlung von Medienkompetenz und digitalen Kompetenzen als zentrale Themen etabliert. Die Bandbreite bei den Zielgruppen reicht von Vorschulprogrammen zur Internetnutzung von Kindergartenkindern bis zu „Silver-Surfer“-Kursen für Smartphones und Social Media der Generation 50+.

    Inhaltlich umfasst das Angebot insbesondere Kurse zum Umgang mit Cybermobbing, zur Nutzung von Messenger-Diensten, zum Datenschutz und zu Persönlichkeitsrechten.

    Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation und die Herausforderungen der Corona-Pandemie

    Die drei Museen für Kommunikation sind wie alle anderen Museen von der Entwicklung der Corona-Pandemie sehr stark betroffen. Aufgrund der vielfältigen Angebote der Museumsstiftung, die es in den meisten Museen in diesem Umfang nicht gibt (wie etwa die Debatten-Dienstage im Museum für Kommunikation Frankfurt), sind hier die Auswirkungen jedoch besonders stark, weil sich Zugangsbeschränkungen zwangsläufig auch auf die verschiedenen Veranstaltungen auswirken.

    Eröffnung von Wechselausstellungen und Schließung der Museen

    Im März 2020 sollten im Museum für Kommunikation Berlin und im Museum für Kommunikation Frankfurt zwei Wechselausstellungen eröffnet werden:

    Berlin: „Briefe ohne Unterschrift. DDR-Geschichte(n) auf BBC Radio“

    Thema dieser Ausstellung sind anonym verfasste Briefe, die über Westberliner Deckadressen zur BBC in London gelangten. Die Ausstellung wurde bis zum 10. Januar 2021 verlängert.

    Frankfurt: „#neuland – Ich, wir und die Digitalisierung“

    In der Schlussphase der Vorbereitungen zur Eröffnung der Ausstellung wurde diese noch um eine „Corona-Spur“ erweitert. In dieser wurde dargestellt, wie die Bewältigung der Corona-Krise die Nutzung von technischen Möglichkeiten forciert hat, etwa die Nutzung des Homeoffice.

    Aufgrund der rasanten Entwicklung der Corona-Pandemie mussten alle drei Museen am 14. März 2020 geschlossen werden. Damit konnten die Eröffnungsveranstaltungen zu den beiden Ausstellungen nicht stattfinden. Die Ausstellung in Frankfurt wurde allerdings durch eine Videobotschaft im Internet eröffnet.

    In der Folgezeit war jedoch weder ein Besuch der Dauerausstellungen noch der Wechselausstellungen möglich.

    Wiedereröffnung der Museen und neue Wechselausstellungen

    Die Museen konnten Mitte Mai 2020 wiedereröffnet werden. Wegen der Corona-Pandemie galten – und gelten – neben den üblichen Vorgaben jedoch erhebliche Zugangsbeschränkungen, die von Bundesland zu Bundesland variieren. So durften sich in den Dauerausstellungen in Berlin und Nürnberg höchstens 40 Personen beziehungsweise 50 Personen gleichzeitig aufhalten. Starke Einschränkungen bei den Gruppenangeboten haben dazu geführt, dass Führungen für Schulklassen auf absehbare Zeit nicht möglich sind. Damit entfällt einer der Schwerpunkte der Museumsaktivitäten. Das Museum für Kommunikation Nürnberg will allerdings erstmals anbieten, selbst in Schulen zu gehen und dort Teilbereiche einer neuen Ausstellung vorzustellen. Insofern führen diese ungewöhnlichen Zeiten dazu, dass das Museum die Besucherin oder den Besucher an anderem Ort abholt und selbst zum Besucher wird.

    Die geltenden Einschränkungen hatten auch starken Einfluss auf die Eröffnung von zwei neuen Wechselausstellungen im Oktober 2020.

    Museum für Kommunikation Berlin

    An der Eröffnung der Ausstellung „On Air. 100 Jahre Radio“ am 1. Oktober 2020 konnten lediglich 90 geladene Gäste (statt sonst bis zu 400 Gäste) teilnehmen, um während der Veranstaltung die erforderlichen Sicherheitsabstände einhalten zu können (siehe Abbildung 3).

    Eröffnung der Ausstellung „On Air. 100 Jahre Radio“ BildVergroessern
    Abbildung 3: Eröffnung der Ausstellung „On Air. 100 Jahre Radio“ am 1. Oktober 2020; Quelle: Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Fotograf: Kay Herschelmann

    Die Ausstellung läuft bis zum 29. August 2021. Sie wird ergänzt durch 100 interessante Fakten zur 100-jährigen Geschichte des Radios, die über die Laufzeit der Ausstellung unter dem Hashtag #100Jahre100Postings digital verfügbar sein werden.

    Museum für Kommunikation Nürnberg

    Auch bei der Eröffnung der Ausstellung „#neuland – Ich, wir und die Digitalisierung“ am 27. Oktober 2020 war die Zahl der Gäste beschränkt. Am Platz, in den Gängen und in der Ausstellung herrschte Maskenpflicht. Grußworte wurden zum Teil virtuell übermittelt.

    Die Ausstellung (Laufzeit bis zum 25. April 2021) wurde aus dem Museum für Kommunikation Frankfurt übernommen und durch aktuelle Corona-Bezüge ergänzt, etwa durch eine Vitrine mit Corona-Objekten (siehe Abbildung 4).

    Vitrine mit Corona-Objekten BildVergroessern
    Abbildung 4: Vitrine mit Corona-Objekten; Quelle: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

    Auswirkungen auf die sonstigen Angebote der drei Museen

    Die Angebote der Museen, etwa der medienpädagogische Küchentalk im Museum für Kommunikation Berlin, die Debatten-Dienstage im Museum für Kommunikation Frankfurt und die Daten-Dienstage im Museum für Kommunikation Nürnberg, sind naturgemäß als Veranstaltungen vor Ort konzipiert. Die Durchführung der Veranstaltungen ist wegen der Corona-Pandemie zwar vor Ort nicht möglich – sie finden nunmehr jedoch in digitaler Form statt.

    Bereits vor der Corona-Krise ist die Museumsstiftung mit Google Arts & Culture eine Kooperation eingegangen, um die vielen Objekte der Museumsstiftung einem möglichst breiten Publikum zu präsentieren. In mittlerweile 15 Online-Ausstellungen können besondere Geschichten und Informationen zu ausgewählten Themen aus der Kommunikationsgeschichte bei einem virtuellen Rundgang erlebt werden. Dieses Angebot wurde bereits vor der Corona-Krise gut angenommen. Nun ist die Nachfrage jedoch noch stark angestiegen.

    Auch die Mitmachangebote für Kinder konnten in der bisherigen Form nicht aufrechterhalten werden. Das Museum für Kommunikation Frankfurt hat allerdings eine „Kinderwerkstatt to go“ konzipiert. Im Museum können vorbereitete Bastelsets mit Anleitung abgeholt und zu Hause bearbeitet werden (siehe Abbildung 5). Auf den Websites der Museen finden sich zudem weitere Angebote, etwa die Mitmachaktion „Schrott-Robos“ des Museums für Kommunikation Berlin.

    Bastelsets mit Anleitung BildVergroessern
    Abbildung 5: Bastelsets mit Anleitung; Quelle: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

    Ausblick

    Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie lässt sich nicht abschätzen. Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation wird somit weiterhin den oben dargestellten Einschränkungen ausgesetzt sein. Im November bleiben die Museen zunächst wieder geschlossen. Davon betroffen ist auch die neue Ausstellung „Back to Future – Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ im Museum für Kommunikation Frankfurt, die vom 18. November 2020 bis zum 29. August 2021 präsentiert werden soll.

    Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Museumsstiftung viele ihrer Angebote in digitaler Form zur Verfügung stellen kann. Die digitalen Angebote wird sie beibehalten und weiter ausbauen und lädt daher herzlich – auch und gerade im November 2020 – ein, im umfangreichen digitalen Angebot auf Museumstour zu gehen.

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