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  • Analysen und Berichte

    Brief­mar­ken – Deutsch­lands kleins­te Kul­tur­bot­schaf­ter

    • Das BMF ist seit der Auflösung des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation im Jahre 1998 Herausgeber der deutschen Briefmarken.
    • Jährlich werden rund 50 neue Motive herausgegeben.
    • Die zusätzlichen Centbeträge der sogenannten Plus-Briefmarken führen jedes Jahr zu Erlösen in Millionenhöhe und werden verwendet, um vielfältige gemeinnützige Projekte zu unterstützen.

    Einleitung

    Der Bundesminister der Finanzen ist seit 1998 Herausgeber der Postwertzeichen mit dem Aufdruck „Deutschland“ (Briefmarken).

    Von der Idee bis zur Entstehung einer Briefmarke ist es ein weiter Weg.1 Hierbei erhält das BMF Unterstützung durch angesehene Expertinnen und Experten u. a. aus dem Bereich der Grafik, der Philatelie, der Wissenschaft, aber auch durch Bundestagsabgeordnete und Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Post AG. Jedes Jahr entstehen so rund 50 kleine Kunstwerke, die mit einer Auflage zwischen 2 Mio. und 600 Mio. Stück weltweit versandt werden. Die Briefmarken der Bundesrepublik Deutschland spiegeln nicht nur Ereignisse mit nationalem, sondern auch mit internationalem Bezug wider. Sie dienen selbstverständlich weiterhin als Porto für Postsendungen – und tun manchmal sogar Gutes.

    Nachfolgend wird ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt der Briefmarken und der damit verbundenen Veranstaltungen in Form eines Rückblicks präsentiert. Gleichzeitig wird ein Ausblick auf die Höhepunkte des Jahres 2021 gegeben.

    Rückblick

    EU-Ratspräsidentschaft

    Postwertzeichen „EU-Ratspräsidentschaft“ Bild vergrößern
    Gestaltung Postwertzeichen: Professorin Annette le Fort und Professor André Heers, Berlin; Gestaltung der Bildwortmarke zur EU-Ratspräsidentschaft Deutschland 2020: Zum goldenen Hirschen, Berlin

    Ein Höhepunkt des Jahres 2020 war die deutsche EU-Ratspräsidentschaft von Juli bis Dezember. Unter der besonderen Herausforderung der Corona-Pandemie gelang es der deutschen Ratspräsidentschaft, über alle bedeutenden Bestandteile des vom Europäischen Rat im Juli beschlossenen Corona-Wiederaufbaupakets Einvernehmen zu erzielen. Aber auch alle anderen europäischen Vorhaben im Bereich der Finanzdienstleistungen, des EU-Haushalts, der Steuern und des Zolls wurden substanziell vorangebracht und soweit möglich abgeschlossen. Mittelpunkt des Logos der deutschen Ratspräsidentschaftsbriefmarke ist das Möbius-Band. Es hat nur eine einzige Seite und symbolisiert die Stärke der Europäischen Union: Einigkeit und Verbundenheit zu schaffen und dabei die verschiedenen Interessen und die Vielfalt zu wahren.2

    Serie „Europa“: Historische Postwege

    Serie „Europa“ – Historische Postwege Bild vergrößern
    Gestaltung Postwertzeichen: Michael Kunter, Berlin

    Thema der Serie „Europa“ im Jahr 2020 waren die historischen Postwege. Die Beförderung von Nachrichten durch geschriebene Dokumente ist schon seit der Erfindung schriftlicher Zeichen bezeugt. Dieser Markenblock lädt dazu ein, genauer hinzuschauen, wie um das Jahr 1627 die Post befördert wurde: Der reitende Bote muss schnell vor Sonnenuntergang die nächste Stadt erreichen. Kommt der andere Bote auf dem Boot sicher in Rheinhausen an und wie sah überhaupt das Transportnetz damals aus? Der Begriff „Post“ ist übrigens vom lateinischen „posita“ (Deutsch: festgestellt) abgeleitet und bezeichnet Kurse auf festgelegten Strecken zu regelmäßigen Zeiten. Erfreulicherweise hat es diese Marke sogar auf den dritten Platz der 2020 EUROPA Stamp Jury Competition3 geschafft.

    75 Jahre Vereinte Nationen

    Postwertzeichen „75 Jahre Vereinte Nationen“ Bild vergrößern
    Gestaltung Postwertzeichen: Angela Kühn, Hamburg

    Das Markenmotiv zeigt die ersten Worte der Präambel der Vereinten Nationen (VN). Vor 75 Jahren wurden die VN gegründet. Mittlerweile gehören ihr mit 193 Staaten nahezu alle Staaten der Welt an. Bis heute sind die VN das einzige Forum, in dem alle Staaten zusammenkommen, um gemeinsame Lösungen für globale Fragen zu finden. Die verschiedenen Buchstaben auf dieser Briefmarke teilen sich gleiche Farbtöne, sinnbildlich für die sich überschneidenden Inhalte, Interessen und Meinungen in der Gemeinschaft; diese Vielfalt verbindet sich zu einem Neuen, zu einem lebendigen Ganzen, zu einem „WIR“, das vor allem steht.

    Frauen der Reformation

    Postwertzeichen „Frauen der Reformation“ Bild vergrößern
    Gestaltung Postwertzeichen: Susann Stefanizen, Berlin

    Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen Bettina Hagedorn stellte im September 2020 in der Marktkirche Hannover die Briefmarke „Frauen der Reformation“ vor. Viele verbinden mit der Reformation vor allem Martin Luther. Tatsächlich konnte es jedoch nur deshalb einen tiefgreifenden kirchlichen Aufbruch geben, weil er von vielen Personen mitgestaltet wurde. Dies geschah in der Anfangszeit der Reformation nicht in Gelehrtenstuben, sondern in Häusern, auf den Straßen, kurz: in der Öffentlichkeit – und zwar auch unter Mitwirkung von Frauen. So haben mächtige Frauen die Reformation entscheidend mitgeprägt – z. B. Elisabeth von Calenberg-Göttingen oder Elisabeth von Rochlitz. Sie verfügten über die politische Macht, die Reformation in ihren Herrschaftsgebieten einzuführen.

    Willy Brandt – Kniefall von Warschau vor 50 Jahren

    Am 7. Dezember 1970 legte der damalige Bundeskanzler Willy Brandt unmittelbar vor Unterzeichnung des Warschauer Vertrags zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland am Mahnmal für die Helden des Warschauer Ghettoaufstandes im Jahr 1943 einen Kranz nieder. Hier kommt es zu der für alle überraschenden Geste, die weltweit Aufmerksamkeit erregen wird: Willy Brandt schreitet vor das Mahnmal, zupft die schwarz-rot-goldene Schleife am Kranz zurecht, tritt einige Schritte zurück und sinkt schweigend auf die Knie.

    Postwertzeichen „Willy Brandt– Kniefall von Warschau vor 50 Jahren“ Bild vergrößern
    Gestaltung Postwertzeichen: Professor Wilfried Korfmacher, Meerbusch; Fotografie: Fotoagentur Sven Simon

    Jahre später erklärte er, dass der Kniefall keine geplante Geste war. Er habe ein Zeichen setzen und um Verzeihung bitten wollen. Daran erinnert die Briefmarke zum 50. Jahrestag.

    Serie „Für die Jugend“: Historische Feuerwehrfahrzeuge

    Serie „Für die Jugend“ – Historische Feuerwehrfahrzeuge Bild vergrößern
    Gestaltung Postwertzeichen: Thomas Meyer, Berlin; Motiv „Volkswagen Typ 2 T1“ © Volkswagen 2020; Motiv „Mercedes Benz L 1113“ © Mercedes-Benz Classic

    Die Serie „Für die Jugend“ zur Unterstützung der Stiftung Deutsche Jugendmarke e. V. widmete sich im vergangenen Jahr den historischen Feuerwehrfahrzeugen. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen Bettina Hagedorn stellte die Briefmarken im August 2020 passenderweise in der Berliner Feuerwache Tegel vor. Auf den Briefmarken sind unterschiedliche Feuerwehrfahrzeuge abgebildet. Der VW-Bus als Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) stellt den kleinsten Typ Löschfahrzeug dar. Der Mercedes-Benz LF 16 war ebenfalls ein Löschfahrzeug und beförderte eine Löschgruppe bestehend aus einem Wagenführer und acht Mann. Die Zahl 16 zeigt an, dass die fest im Heck des Fahrzeugs eingebaute Feuerlösch-Kreiselpumpe 1.600 l Löschwasser in der Minute fördern konnte. Das Tanklöschfahrzeug (TLF) war zunächst in Werdau für 5 t Traglast entwickelt worden (daher W 50). Die Besatzung umfasste einen Wagenführer und zwei Mann. Ausgerüstet mit einem Tank von 2.000 l Löschwasser und einem Tank von 500 l für Schaummittel, war dieses Fahrzeug vornehmlich für die Schnelllöschung vorgesehen, also ohne vorherigen Aufbau einer Wasserversorgung. Mit den zusätzlichen Erlösen aus dem Verkauf der Plus-Briefmarken fördert die Stiftung zahlreiche Maßnahmen zum Wohle von Kindern und Jugendlichen.

    Plus-Briefmarken
    lassen ihren besonderen Mehrwert schon auf den ersten Blick durch das „Plus“-Zeichen erkennen. Dieses Signet wurde 2008 entworfen und bürgt dafür, dass jeder zusätzliche Cent gut angelegt ist und direkt bei denjenigen Menschen ankommt, die auf die Solidarität unserer Gesellschaft angewiesen sind. Die Porto- und „Pluswerte“ betragen jeweils 80 Cent + 40 Cent, 95 Cent + 45 Cent und 155 Cent + 55 Cent. Jedes Jahr kommt ein „Plus“-Erlös von rund 10 Mio. € zusammen. Welcher karitative Bereich die Erlöse erhält, steht jeweils auf den Marken: für die Wohlfahrtspflege, die Jugend, den Sport, den Umweltschutz oder zur Förderung der Philatelie. Die Marken mit dem „Plus“ sind in den Filialen beziehungsweise im Onlineshop der Deutschen Post AG erhältlich.

    Serie „Für den Sport“: Neue Olympische Sportarten

    Mit der Briefmarkenserie „Für den Sport“ unterstützt das BMF die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Seit dem Jahr 1968 sind durch die Marken mit dem „Plus“ rund 140 Mio. € an Fördermitteln für die sozialen Belange und Aufgaben im Bereich des Nachwuchs- und Spitzensports zur Verfügung gestellt worden. Im vergangenen Jahr wurden drei „Neue Olympische Sportarten“ dargestellt, die in Tokio erstmals im Wettkampf zugelassen sind: Karate, Skateboarden und Sportklettern.

    Serie „Für den Sport“ – Neue Olympische Sportarten Bild vergrößern
    Gestaltung Postwertzeichen: Thomas Serres, Hattingen; Motiv „Sportklettern“ nach einer Vorlage von Dr. Nils Nöll, Königswinter; Motiv „Skateboarden“ nach einer Vorlage © Dizzo/Getty Images; Motiv „Karate“ nach einer Vorlage © Volodymyr Melnyk/123rf.com

    Ausblick für das Jahr 2021

    Sophie Scholl (Mai)

    Im Mai vor 100 Jahren wurde Sophie Scholl geboren. Im Alter von knapp 22 Jahren setzte sie sich gegen den Nationalsozialismus ein und half mit an der Herstellung und Verbreitung des fünften Flugblatts der Weißen Rose. Bei der Verbreitung des sechsten Flugblatts in der Münchener Universität im Februar 1943 wurden sie und ihr Bruder vor Ort entdeckt und festgenommen. Wenige Tage später wurden sie zum Tode verurteilt und am gleichen Tag ermordet. Sophie Scholl gilt heute als eine der bedeutendsten Frauen im deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

    Fußball-Europameisterschaft (Juni)

    Die Fußball-Europameisterschaft – pandemiebedingt um ein Jahr verschoben – soll nun in diesem Jahr erstmals in zwölf Ländern ausgetragen werden. In Deutschland sollen drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinale stattfinden. Mit der im Juni dazu erscheinenden Briefmarke können Standardbriefe im Inland frankiert werden.

    Serie „Aufrechte Demokraten“: Robert Blum (November)

    In der Serie „Aufrechte Demokraten“ wird diesen November ein Briefmarkenblock zu Robert Blum herausgegeben. Als herausragender Redner und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung gilt er als einer der herausragenden Streiter für die Demokratie. Im Jahr 1807 in Köln geboren und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, bildete er sich zum Teil autodidaktisch weiter.

    Fazit

    Briefmarken sind die kleinsten Botschafter Deutschlands. Sie dienen der Erinnerung an Ereignisse der jüngeren und älteren Zeitgeschichte und spiegeln aufgrund ihrer thematischen Vielfalt die verschiedenen gesellschaftlichen Interessen wider. Auch im digitalen Zeitalter hat die Briefmarke ihren Platz und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit in breiten Teilen der Gesellschaft. In diesem Jahr wird es wieder über 50 Briefmarken mit verschieden Motiven geben, die zum Sammeln oder Schreiben anregen und als Plusmarken sogar etwas Gutes bewirken.

    Übersicht Sonderpostwertzeichen und Ausgabe 20-€-Münzen 2021

    Tabelle vergrößern
    Tabelle 1

    Fußnoten

    1
    Hier können Sie mehr über die Entstehung einer Briefmarke lesen: http://www.bundesfinanzministerium.de/mb/20200241
    2
    Hier können Sie mehr erfahren: http://www.bundesfinanzministerium.de/mb/20210322
    3
    Diese Jury wird von PostEurop eingesetzt um die besten EUROPA-Briefmarken der teilnehmenden Mitglieder zu ermitteln. PostEurop gehören 53 Postorganisationen in 50 Staaten an. Briefmarken von anderen Postorganisationen können Sie hier finden.

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