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  • Schlaglicht: Die deutsche G7-Präsidentschaft 2022

    Kur­z­in­ter­view mit Staats­se­kre­tär Dr. Cars­ten Pil­lath

    Staatssekretär Dr. Carsten Pillath vor dem BMF, blickt in die Kamera Bild vergrößern
    Staatssekretär Dr. Carsten Pillath; © Bundesministerium der Finanzen/photothek

    Im Schlaglichtartikel dieses Monatsberichts geht es um die deutsche G7-Präsidentschaft und die Ziele des BMF für den sogenannten Finance Track. Was haben Sie sich als Staatssekretär in diesem Zusammenhang vorgenommen?

    Mit der deutschen G7-Präsidentschaft haben wir direkt zu Beginn der Legislaturperiode die Gelegenheit, globale Themen zu setzen und mitzugestalten. Das ist eine spannende Herausforderung, aber auch eine große Verantwortung. Im sogenannten G7 Finance Track ist aus meiner Sicht die wichtigste Priorität zum jetzigen Zeitpunkt, dass wir die Erholung der Weltwirtschaft in der Phase nach der akuten Krise gemeinsam gestalten. Angesichts der Inflationsdynamik, der Lieferengpässe und der steigenden Schuldenstände weltweit ist das keine leichte Aufgabe. Deswegen ist es für mich besonders wichtig, dass wir hier als G7 einen gemeinsamen Pfad aus der Krise definieren. Wir wollen sicherstellen, dass die Erholung nachhaltig, digital und klimafreundlich wird, damit wir die Wirtschaft fit für die Zukunft machen. Wir wollen zudem die Vorreiterrolle der G7 bei der Pandemieversorgung und -bekämpfung weiter ausbauen. Dafür brauchen wir eine massive Beschleunigung der globalen Impfkampagne. Die Impfstoffe müssen bei den Menschen auch wirklich ankommen. Im Finance Track treiben wir die Finanzierung der globalen Impfkampagne voran. Gleichzeitig müssen wir gemeinsame Antworten in herausfordernden Zeiten finden. Natürlich haben wir als G7 auch die aktuelle sicherheitspolitische Situation und ihre ökonomischen Auswirkungen im Blick. Zur Lage in der Ukraine haben wir schon ein gemeinsames Statement der G7-Finanzministerinnen und -Finanzminister veröffentlicht. Das zeigt, wie agil die G7 als wichtiges Forum der internationalen Kooperation ist – das wird auch für die verbleibende Zeit der Präsidentschaft wichtig bleiben.

    Sie sind zuständig für die Abteilungen E und VII, die für Europa- beziehungsweise Finanzmarktpolitik verantwortlich sind. Welche Themen stehen neben der G7-Präsidentschaft oben auf der Agenda?

    Das Themenspektrum ist breit und alle Aufgabenbereiche haben ihren Reiz. Wenn ich mich auf wenige beschränken soll, dann würde ich die europäische Finanzmarktregulierung, einschließlich der Banken- und Kapitalmarktunion, die Stärkung des deutschen und europäischen Finanzstandorts – wozu die Fortsetzung der Modernisierung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gehört – und die Bekämpfung der Finanzkriminalität aufzählen. Im Rahmen des grünen und digitalen Wandels zähle ich moderne Themen wie Krypto-Assets und digitales Geld dazu. Die Start-up-Finanzierung ist dabei ein Thema, welches in dieser Legislatur weiter vorangebracht werden soll – erst kürzlich war ich dazu mit unserem Minister in Paris zur Unterzeichnung der European Tech Champions Initiative!

    Das Dossier Nachhaltigkeit sehe ich in meinen beiden Abteilungen im Fokus, u. a. kann ich dabei die Themen Sustainable Finance und die EU-Taxonomie nennen, aber auch die Grünen Bundesanleihen der Finanzagentur als Schuldenmanagerin des Bundes. Wenn wir schon bei Schulden sind: Der Abbau hoher Schuldenquoten in einigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) ist ein Projekt, an dem ich gemeinsam mit meinen Kollegen und Kolleginnen in den anderen Hauptstädten arbeite. Dabei versuchen wir, die vielen Investitionsinitiativen auf europäischer Ebene gut zu verzahnen, die Aufbau- und Resilienzfazilität zu einem Erfolg zu machen und die Wirtschaft in allen Mitgliedstaaten schnell wieder über Vorkrisenniveau wachsen zu lassen. In der Abteilung E für Europa und Internationales arbeiten meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei nicht nur für eine europäische Wirtschaft im Dienste der Menschen, sondern behalten auch international die Wirtschaftsentwicklung und -stabilität im Blick.

    Sie haben für viele Jahre in Brüssel gearbeitet. Wie beeinflusst diese Erfahrung Ihre Perspektive auf die Arbeit des BMF?

    Persönlich ist es für mich sehr spannend, nach langer Zeit auf dem europäischen Parkett wieder vertieft ins nationale und außereuropäische internationale Geschäft einzusteigen. Seitdem ich vor vielen Jahren G8 begleitet habe, hat sich viel verändert. Die Themen sind viel breiter aufgestellt, die inhaltliche Arbeit viel intensiver geworden. Im Ratssekretariat hatte ich es alle sechs Monate mit einer neuen Präsidentschaft zu tun, das ging jeweils mit neuen Herausforderungen einher. Meine Fähigkeiten als Berater, Prozessmanager und Kenner der Institutionen werde ich auch im BMF einsetzen und mich über eine gewisse Konstanz, kombiniert mit der notwendigen Offenheit für Veränderung, in den Positionen freuen. Zwar bin ich nun wieder Insider mit nationalem Interesse, gleichzeitig bin ich aber froh, dass ich regelmäßig mit allen europäischen Kollegen im Austausch stehe, mein Netzwerk also weiter nutzen und auch zu meinen internationalen Wurzeln zurückkehren kann – ich habe vor langer Zeit beim Internationalen Währungsfonds und im Sherpa-Stab des Bundeskanzleramts gearbeitet!

    Auf welche Aspekte Ihrer neuen Funktion als Staatssekretär im BMF freuen Sie sich am meisten?

    Für mich war der Start im BMF zu Jahresbeginn wie ein Nachhausekommen. Ich habe sehr viele nette E-Mails und Briefe bekommen von ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Staatssekretärskreis, auf die Unterstützung des Ministers, und ich zähle auf meine Teams in den Abteilungen. Und wenn ich dann viele gut strukturierte und fokussierte Vorlagen gebilligt habe, freue ich mich darauf, die neuesten Progrock-Veröffentlichungen zu hören, ein veganes Restaurant mit meinem Sohn zu besuchen und am See zu spazieren, wenn meine Frau mich in Berlin besucht.

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