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  • Aktuelle Wirtschafts- und Finanzlage

    Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

    Verhaltene konjunkturelle Entwicklung durch russischen Angriffskrieg

    Der russische Angriff auf die Ukraine belastet die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland merklich. Zwar bestehen nach wie vor konjunkturelle Aufwärtskräfte, die sich aus den vollen Auftragsbüchern der Industrieunternehmen sowie pandemiebedingten Nachholeffekten beim Konsum vor allem im Dienstleistungsbereich ergeben können. Zudem wirkt die positive Arbeitsmarktentwicklung stützend für die private Nachfrage. Allerdings dürften in diesem Jahr ein deutlich erhöhter Preisdruck, insbesondere im Bereich der Energiegüter, aber auch anhaltende Lieferengpässe und die gestiegene Unsicherheit die wirtschaftliche Erholung dämpfen. Um die Auswirkungen der Energiepreisanstiege zu mildern, hat die Bundesregierung bereits zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zielgerichtet besonders betroffene Haushalte und Unternehmen entlasten. Dabei kann der Staat jedoch nicht alle negativen wirtschaftlichen Folgen des Kriegs ausgleichen. Zudem gilt es, keinen zusätzlichen Preisdruck zu erzeugen.

    Mit Blick auf die Entwicklung der Konjunkturindikatoren im 2. Quartal 2022 verzeichnete die Industrieproduktion im April und Mai zwar leichte Zuwächse, konnte den deutlichen Rückgang aus dem März aber nicht wieder wettmachen. Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex als Frühindikator blieb im Durchschnitt des 2. Quartals 2022 gegenüber dem 1. Quartal 2022 unverändert. Auch der wöchentliche Aktivitätsindex der Deutschen Bundesbank wies am aktuellen Rand eine Seitwärtsbewegung auf. Laut Umfragen des ifo Instituts verschlechterte sich im Juni 2022 das Geschäftsklima wieder etwas und die Unternehmen sind mit Blick auf die kommenden Monate weiterhin spürbar skeptisch. Die aktuelle Lage wurde dabei trotz des leichten Rückgangs im Juni weiterhin als etwas besser eingeschätzt als vor Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Dabei entwickelte sich das Geschäftsklima im Juni über die einzelnen Wirtschaftsbereiche unterschiedlich: Die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel zeigten sich nochmals pessimistischer. Im Dienstleistungssektor hingegen verbesserte sich die Stimmung zum dritten Mal in Folge, was vor allem durch Bereiche, die bis zum Frühjahr spürbar von Eindämmungsmaßnahmen der Pandemie betroffen waren, getrieben sein dürfte. Insbesondere das Gastgewerbe erlebte laut ifo Institut einen guten Einstieg in den Sommer. Auch der Tourismus im Inland nimmt am aktuellen Rand an Fahrt auf, sodass die Zahl der Übernachtungen in deutschen Beherbergungsbetrieben im Mai fast wieder das Vor-Pandemie-Niveau überschreiten konnte.

    In der Industrie dürfte die Produktion bei hohem Auftragsbestand durch Materialengpässe, hohe Energiepreise sowie Unsicherheiten um die zukünftige Energieversorgung auch die kommenden Monate beeinträchtigt werden. Im Dienstleistungsbereich ist dagegen prinzipiell mit positiven Impulsen zu rechnen, auch wenn die hohen (Energie-)Preissteigerungsraten auch hier die Entwicklung bremsen könnten. Auf Basis der aktuellen Belastungen haben zuletzt führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute sowie nationale und internationale Organisationen ihre Prognosen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr tendenziell nach unten angepasst. Ein kompletter Lieferstopp von Erdgas aus Russland stellt dabei ein gewichtiges Risiko dar, bei dessen Eintreten die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts deutlich schwächer und der Anstieg der Verbraucherpreise noch stärker ausfallen dürfte.

    Die Steuereinnahmen insgesamt (ohne Gemeindesteuern) lagen im Juni 2022 um 26,3 Prozent über dem Ergebnis vom Juni 2021. Das Plus war dabei durch kassentechnische Buchungsverschiebungen bei der Einfuhrumsatzsteuer überzeichnet (siehe Bericht zur Entwicklung der Steuereinnahmen in dieser Ausgabe). Auch bereinigt um diesen Effekt ergab sich aber ein kräftiger Zuwachs, der auf die Entwicklung der steuerlichen Bemessungsgrundlagen wie Löhne und Gehälter, Gewinne oder Umsätze im Vorjahresvergleich zurückzuführen war. So fiel beispielsweise das Plus bei den Einnahmen aus der Lohnsteuer brutto (ohne Abzüge durch Kindergeldzahlungen) gegenüber dem Vorjahresmonat mit 10,6 Prozent vor dem Hintergrund der anhaltend positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt weiterhin sehr kräftig aus.

    Die weitere Entwicklung der Steuereinnahmen im Jahresverlauf ist vor allem angesichts der geopolitischen Situation mit hoher Unsicherheit behaftet und hängt maßgeblich von den oben genannten Einflussfaktoren auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung ab.

    Rückgang der Warenexporte und Anstieg der Warenimporte im Mai

    Nach zuvor deutlichem Zugewinn mussten die nominalen Warenexporte im Mai 2022 einen leichten Dämpfer hinnehmen. Sie sanken kalender- und saisonbereinigt um 0,5 Prozent gegenüber April (nach +4,4 Prozent im April). Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Ausfuhren um 11,7 Prozent höher. Die nominalen Warenimporte setzten hingegen ihre deutliche Aufwärtsbewegung mit einem Anstieg um 2,7 Prozent gegenüber dem Vormonat weiter fort. Im Vorjahresvergleich lagen die Einfuhren um 27,8 Prozent höher. Der Saldo der Warenhandelsbilanz betrug im Mai 0,5 Mrd. Euro und damit 11,9 Mrd. Euro weniger als im Vorjahresmonat.

    Im Warenhandel mit Russland lagen die deutschen Exporte im Mai etwas höher als im Vormonat, auf Basis des Rückgangs von über 60 Prozent im März aber weiterhin auf gegenüber vor dem Krieg niedrigem Niveau. Bei den Importen ist – bei mengenmäßigen Reduzierungen – die wertmäßige Entwicklung weiterhin vor allem durch gestiegene Preise im Energiebereich getrieben.

    Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren verschlechterte sich gemäß ifo Exporterwartungen im Juni 2022 leicht. Neben den Auswirkungen des Kriegs machten sich weiterhin die Folgen globaler Lieferkettenstörungen bemerkbar. Laut Kiel Trade Indicator nehmen die Staus in der Containerschifffahrt derzeit weiter zu. Hierbei ist die Zahl in der Nordsee wartender Schiffe mit über 2 Prozent der globalen Frachtkapazitäten außergewöhnlich hoch. Auch vor den Häfen von Schanghai und Zhejiang wächst die Warteschlange, über 4 Prozent der globalen Frachtkapazität stecken hier fest. Die weitere Entwicklung des Außenhandels bleibt vor diesem Hintergrund mit hoher Unsicherheit behaftet.

    Erneuter leichter Zuwachs der Produktion im Mai

    Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im Mai preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Produktion um 1,5 Prozent niedriger. Hierbei verzeichnete die Industrieproduktion nach dem deutlichen Rückgang zu Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zum zweiten Mal in Folge einen leichten Zuwachs (+0,6 Prozent), womit das Minus vom März jedoch noch nicht wieder kompensiert werden konnte. Der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Mai spürbar um 3,2 Prozent gegenüber April und lag um 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.

    Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stiegen im Mai um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat (April revidiert -1,8 Prozent). Die Auftragsbücher sind trotz des zuletzt abwärtsgerichteten Trends in den Auftragseingängen gut gefüllt, sodass die Unternehmen bei funktionierenden Lieferketten wohl deutlich mehr produzieren würden. Die Reichweite des Auftragsbestands lag im April im Durchschnitt bei einem neuen Höchststand von acht Monaten. Die Hersteller von Investitionsgütern müssten rechnerisch – ohne neue Aufträge und bei gleichbleibendem Umsatz – sogar zwölf Monate produzieren, um alle Aufträge zu erfüllen.

    Das ifo Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe verschlechterte sich im Juni etwas (-2,4 Punkte), was vor allem auf pessimistischere Geschäftserwartungen zurückzuführen war. Aber auch die aktuelle Lage wurde als leicht schlechter beurteilt. Neben gestiegenen Energiepreisen blieb im Verarbeitenden Gewerbe der Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten das beherrschende Thema. Laut ifo Institut dürfte der Materialmangel, von dem im Juni nach eigener Einschätzung 74 Prozent der Industrieunternehmen betroffen waren (nach 77 Prozent im Mai), noch bis in das nächste Jahr hinein anhalten.

    Die Bauproduktion stieg im Mai um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Zugleich lagen die Baupreise im Mai um 17,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, der stärkste Anstieg seit über 50 Jahren. In der Baubranche haben sich infolge des Kriegs in der Ukraine die Lieferprobleme deutlich verschärft, sodass die Betroffenheit von Materialengpässen laut ifo Institut im Juni neue Höchststände erreichte. Dennoch bewerteten die Bauunternehmen ihre aktuelle Lage im Juni im Vergleich zum Mai als etwas besser. Die Erwartungen hellten sich zudem etwas auf, blieben aber deutlich pessimistisch ausgerichtet.

    Einzelhandel durch Lieferprobleme und Preisdruck weiter belastet

    Nach einem deutlichen Rücksetzer im Vormonat legten die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) im Mai 2022 wieder etwas zu. Sie stiegen gegenüber dem Vormonat preis, kalender- und saisonbereinigt um 0,6 Prozent. Die vorherigen Verluste konnten damit aber nur zu einem kleinen Teil wieder wettgemacht werden. Deutlich sichtbar werden derzeit die hohen Preissteigerungsraten: So sind die nominalen Umsätze gegenüber dem Vorjahr deutlich um 4,1 Prozent höher gewesen, in preisbereinigter Rechnung ergibt sich dagegen ein Minus gegenüber Mai 2021 von 3,6 Prozent. Gegenüber dem Vor-Pandemie-Niveau im Februar 2020 waren die Einzelhandelsumsätze um 1,0 Prozent höher.

    Nach Einzelbereichen waren die Umsätze im Bereich Lebensmittel/Getränke/Tabak im Mai um 6,4 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln war hingegen ein Umsatzplus gegenüber Vorjahr von 5,3 Prozent zu verzeichnen. Dabei fiel vor allem der Umsatzzuwachs gegenüber Mai 2021 im Bereich Textilien/Bekleidung/Schuhe/Lederwaren mit 65,3 Prozent weiterhin erheblich aus. Beim Internet- und Versandhandel war ein Rückgang von 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen.

    Der Umsatz im Gastgewerbe stieg im April um 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich der Umsatz bedingt durch die niedrige Vorjahresbasis mehr als verdoppelt (138,4 Prozent). Im Vergleich zum Vorkrisenmonat Februar 2020 war der Gastgewerbeumsatz noch um 24,0 Prozent niedriger.

    Die Stimmungsindikatoren verschlechterten sich am aktuellen Rand tendenziell leicht. Im Einzelhandel gab das ifo Geschäftsklima im Juni nach vorherigem Zugewinn wieder etwas nach. Hierbei wurden sowohl die aktuelle Lage als auch der Ausblick auf die kommenden sechs Monate schlechter eingeschätzt als im Vormonat. Die Einzelhändler erwarten laut Befragung des ifo Instituts, dass ihre Lieferprobleme im Durchschnitt ein weiteres Jahr andauern werden, im Handel mit Fahrrädern sogar anderthalb Jahre. Vergleichsweise gering betroffen ist dagegen der Handel mit Bekleidung sowie Computern und Software.

    Auch die Verbraucherstimmung musste im Juni einen Dämpfer hinnehmen. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung gaben im Vormonatsvergleich etwas nach. Die Konsumlaune der Verbraucherinnen und Verbraucher wird durch den anhaltenden Krieg sowie die hohe Inflation deutlich belastet. Für Juli prognostiziert die Gesellschaft für Konsumforschung einen Wert des Konsumklimas von -27,4 Punkten, was einem historischen Allzeittief entspräche. Stützend für den privaten Konsum wirkt jedoch die weiterhin sehr robuste Arbeitsmarktentwicklung. Zudem wurden im Zuge der Pandemie hohe „unfreiwillige“ Ersparnisse aufgebaut, die jetzt für Konsumzwecke zur Verfügung stehen. Diese können den starken Preissteigerungsraten entgegenwirken.

    Arbeitsmarkt trotz Ukraine-Krieg weiterhin robust

    Trotz bestehender Belastungen für die deutsche Wirtschaft durch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiterhin grundsätzlich positiv. Die Erwerbstätigkeit steigt über das Vor-Pandemieniveau hinaus weiter an. So waren im Mai 2022 nach Inländerkonzept und Ursprungswerten 45,4 Millionen Personen erwerbstätig, das sind 752.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Gegenüber Vormonat stieg die Erwerbstätigkeit saisonbereinigt um 34.000 Personen an (+0,1 Prozent). Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit (BA) im April bei 34,4 Millionen Personen (+2,0 Prozent gegenüber Vorjahresmonat). Nach Hochrechnungen der BA erhielten im April 401.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld (-332.000 Personen gegenüber März). Der durchschnittliche Arbeitsausfall belief sich auf 37 Prozent. Das ifo Institut erwartet für Mai einen weiteren Rückgang auf 277.000 Personen.

    Die Zahl der als arbeitslos registrierten Personen lag im Juni nach Ursprungswerten bei 2,36 Millionen (-251.000 Personen gegenüber Vorjahresmonat). Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 133.000 Personen zu. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,0 Prozent auf 5,3 Prozent (5,2 Prozent nach Ursprungswerten). Dieser sprunghafte Anstieg liegt in der umfassenden Erfassung ukrainischer Geflüchteter in den Jobcentern begründet, da diese seit dem 1. Juni 2022 Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende erhalten können. Nach Berechnungen der BA wäre die Arbeitslosenquote ohne Erfassung der aus der Ukraine Geflüchteten im Juni um 0,3 Prozentpunkte niedriger ausgefallen und damit gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben.

    Aufgrund der erwarteten Registrierung weiterer ukrainischer Geflüchteter signalisiert das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten. Die Beschäftigungsaussichten insgesamt sind aber gut. Die entsprechende Komponente des IAB-Barometers, das ifo Beschäftigungsbarometer und der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit befinden sich trotz geringfügiger Rückgänge im Juni 2022 auf hohem Niveau. Besonders im Dienstleistungsbereich ist der Personalbedarf groß.

    Inflationsrate im Juni auf sehr hohem Niveau etwas gesunken

    Die Inflationsrate (Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat) sank im Juni 2022 auf stark erhöhtem Niveau etwas. Sie lag nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bei 7,6 Prozent und damit etwas niedriger als im Vormonat (7,9 Prozent). Gegenüber Mai kam es zu einem nichtsaisonbereinigten Anstieg des Index um 0,1 Prozent. Im Einzelnen betrug der Anstieg des Teilindex für Waren 14,0 Prozent (nach +13,6 Prozent im Mai), darunter 38,0 Prozent für Energie (nach +38,3 Prozent) und 12,7 Prozent für Nahrungsmittel (nach +11,1 Prozent).

    Maßgeblicher Treiber für die hohe Inflationsrate ist damit weiterhin der Preisindex für Energie, dessen Anstieg sich jedoch gegenüber dem Vormonat etwas abgeschwächt hat. Hierzu dürfte auch die temporäre Absenkung des Energiesteuersatzes für Kraftstoffe beigetragen haben. Vor dem Hintergrund der Einführung des 9-Euro-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr schwächte sich zudem die Teuerung bei den Dienstleistungen spürbar ab: Sie fiel mit 2,1 Prozent deutlich geringer aus als im Vormonat (+2,9 Prozent), darunter war unverändert eine Rate von 1,7 Prozent bei Wohnungsmieten zu verzeichnen.

    Die Deutsche Bundesbank schätzt, dass die Absenkung des Energiesteuersatzes für Kraftstoffe in den Monaten Juni bis August 2022 im Fall einer vollständigen Weitergabe an die Verbraucherinnen und Verbraucher für sich genommen einen dämpfenden Effekt auf die Inflationsrate (gemäß Harmonisiertem Verbraucherpreisindex) von 0,4 Prozentpunkten hat. Das 9-Euro-Ticket dürfte die Inflationsrate in diesem Zeitraum darüber hinaus um weitere 0,5 Prozentpunkte mindern.

    Die sehr starken Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen, vor allem bei Energie, aber auch bei anderen Produkten, wirken sich dagegen weiterhin merklich erhöhend auf die Verbraucherpreise aus. Zuvorderst ist dies bei Lebensmitteln zu sehen, deren Teuerungsrate sich im Juni auf bereits hohem Niveau nochmals erhöht hat. Im Juli wird die vollständige Abschaffung der EEG-Umlage für Verbraucherinnen und Verbraucher für sich genommen zusätzlich dämpfend auf die Inflationsrate wirken. Für das Gesamtjahr dürfte die Inflationsrate durch die drei Maßnahmen (Energiesteuersatzsenkung, 9-Euro-Ticket, Abschaffung der EEG-Umlage) nach Schätzungen der Deutschen Bundesbank für sich genommen um rund 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen, wobei der temporäre Charakter der Energiesteuersatzsenkung und des 9-Euro-Tickets berücksichtigt ist.

    Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten

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    Tabelle 1
    BIP-Wachstum und ifo Geschäftsklima Deutschland
    Verlaufsdiagramm mit Säulen und horizontalen Linien „BIP-Wachstum und ifo Geschäftsklima Deutschland“: 3 Kurven zeigen den Verlauf der saisonbereinigten Salden der Geschäftserwartungen, des Geschäftsklimas und der Geschäftslage von Januar 2016 bis Juni 2022. Im Juni 2022 sind die Salden im Vergleich zum Vormonat gesunken.Aktuelle Salden für Juni 2022:Geschäftserwartung: 26,38Geschäftsklima: 1,79Geschäftslage: -20,14Außerdem wird in Form von Säulen das reale BIP pro Quartal in Prozent zum Vorjahr gezeigt. Im Jahr 2020 und zu Beginn des Jahres 2021 sind die Säulen im Minus. Seit Mitte 2021 liegen sie wieder im Plus.In Form von horizontalen Linien wird außerdem der BIP-Jahresdurchschnitt von 2016 bis 2021 in Prozent zum Vorjahr gezeigt.Datenwerte:2016: 2,2 %2017: 2,7 %2018: 1,1 %2019: 1,1 %2020: -4,6 %2021: 2,9 %Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo Institut, eigene Berechnungen
    Im April 2018 löste das ifo Geschäftsklima Deutschland den bisherigen Index für die Gewerbliche Wirtschaft ab. <br> Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo Institut, eigene Berechnungen
    nullBIP (Quartal), real, % zum VorjahrGeschäftsklima, saisonbereinigte SaldenGeschäftserwartungen, saisonbereinigte SaldenGeschäftslage, saisonbereinigte SaldenBIP (Jahresdurchschnitt), real, % zum Vorjahr
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    Abbildung 1

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