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  • Analysen und Berichte

    Das „grü­ne“ Lie­gen­schafts­ver­mö­gen des Bun­des – Bun­des­forst als Dienst­leis­ter und Flä­chen­ma­na­ger

    • Der Bundesforst ist eine Sparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die BImA ist eine bundesunmittelbare, rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des BMF.
    • Mit 1.250 Beschäftigten bewirtschaftet der Bundesforst eine Fläche von insgesamt rund 575.000 Hektar.
    • Als Umweltdienstleister des Bundes verantwortet der Bundesforst ein umfassendes, nutzerorientiertes und nachhaltiges Geländemanagement auf den durch die Bundesressorts und Gaststreitkräfte genutzten Liegenschaften. Daneben hat der Bundesforst eine bedeutende Rolle bei der Umsetzung des Projektes zum Erhalt des Nationalen Naturerbes, dem größten Naturschutzprojekt der Bundesregierung. Insgesamt betreut der Bundesforst etwa 123.000 Hektar Naturerbefläche, davon etwa 33.000 Hektar im Eigentum des Bundes.
    • Sich verändernde klimatische Verhältnisse erfordern eine Anpassung der Baumartenwahl und der Waldbewirtschaftung. Um in der Zukunft möglichst ökologisch stabile und klimaresiliente Wälder zu haben, baut der Bundesforst seine Waldflächen großflächig um.
    • Durch die Klimaerwärmung und zunehmende Trockenheit steigt die Waldbrandgefahr. Der Bundesforst arbeitet daher intensiv an vorbeugendem Waldbrandschutz. Um die Waldbrandgefahr zu mindern, werden insbesondere auch die Anstrengungen zur Beseitigung von Kampfmitteln und Munitionsrückständen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen verstärkt.
    • Bei der Umsetzung der Klimaschutzziele im unmittelbaren Verantwortungsbereich des Bundes kommt seiner Forstverwaltung eine wesentliche Rolle zu.

    Einleitung

    Deutschland ist mit einem Waldflächenanteil von rund 32 Prozent eines der waldreichsten Länder Europas. Seit 1990 konnte die Waldfläche um mehr als 200.000 Hektar – das sind knapp 2 Prozent – auf insgesamt 11,4 Mio. Hektar vergrößert werden. 48 Prozent des Waldes sind Privatwald und 19 Prozent Eigentum der Kommunen. Die übrigen Wälder sind Eigentum der Länder (29 Prozent) und des Bundes (4 Prozent). Insgesamt gibt es in Deutschland circa 1,8 Millionen private Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Die meisten davon besitzen Kleinstprivatwald mit einer durchschnittlichen Flächengröße von rund 2,5 Hektar.

    Die besondere Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz spiegelt sich auch im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung wider, der eine Vielzahl umwelt- und klimapolitischer Ziele gesetzt hat. Dem Bundeswald kommt bei der Umsetzung von Naturschutzzielen eine Vorbildfunktion zu.

    Neben den reinen Waldflächen findet man auf Bundesliegenschaften auch vielfältige und artenreiche Offenlandflächen mit ihren Übergangsbereichen. Oft handelt es sich hier um besonders schützenswerte Biotope wie z. B. Moore, Mager- und Trockenrasen, Feuchtwiesen und Bachläufe. Der Bundesforst ist im Umweltbereich ein kompetenter und erfahrener Dienstleister. Er verfügt über qualifiziertes und geschultes Fachpersonal mit langjährigen Erfahrungen, dass die unterschiedlichen Lebensräume im Wald- und Offenland entsprechend den jeweiligen Anforderungen betreut und bewirtschaftet.

    Der Geschäftsbereich Bundesforst der BImA

    Der Bundesforst ist ein Geschäftsbereich der BImA und verantwortet als Dienstleister ein umfassendes Umweltmanagement. Dazu gehören die forstliche Bewirtschaftung, aber auch die naturschutzfachliche Betreuung des Liegenschaftsvermögens des Bundes, die Fachberatung der Kundinnen und Kunden sowie die Begleitung von Verfahren im nationalen und europäischen Umweltrecht. Diese Aufgabe erfüllt der Bundesforst durch ein nachhaltiges, nutzerorientiertes, naturverträgliches und wirtschaftliches Liegenschaftsmanagement. Außerdem bietet die Forstverwaltung des Bundes differenzierte fachliche und verfahrensbegleitende Umweltdienstleistungen für Dritte an. Aus der Vielzahl dieser Dienstleistungen seien neben der Geländebetreuung exemplarisch genannt: Kompensationsmaßnahmen nach Forst- und Naturschutzrecht, Wertgutachten und Schadensermittlung für forstwirtschaftliche Flächen, Inventur, mittelfristige Planung und Monitoring.

    Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)
    wurde gegründet als bundesunmittelbare, rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts zum 1. Januar 2005 auf der Grundlage des BImA-Errichtungsgesetzes als Nachfolgeeinrichtung der Bundesvermögensverwaltung. Auch die Aufgaben der ehemaligen Bundesforstämter sind auf die BImA übergegangen. Die BImA gehört zum Geschäftsbereich des BMF. In ihrem Eigentum befinden sich etwa 480.000 Hektar Grundstücksfläche. Davon entfallen circa 460.000 Hektar auf Wald- und Offenlandflächen.

    Die operative Umsetzung des gesamten Aufgabenspektrums leistet der Bundesforst mit rund 1.250 Beschäftigten bundesweit in 17 Bundesforstbetrieben und rund 260 Forstrevieren. Der Bundesforst bewirtschaftet zusammen mit bundeseigenen Flächen einschließlich der Flächen Dritter, auf denen er Dienstleistungen erbringt, rund 575.000 Hektar.

    Die Zentrale Bundesforst der BImA führt die 17 Bundesforstbetriebe strategisch durch Rahmenvorgaben und Zielvereinbarungen. Sie ist in fünf funktional ausgerichtete Fachabteilungen und einen Leitungsstab gegliedert.

    Die Aufgaben der Sparte Bundesforst sind in vier Geschäftsfelder unterteilt:

    • Dienstleistungen für Bundesressorts und Streitkräfte (351.000 Hektar)
    • Dienstleistungen für Träger des Nationalen Naturerbes (123.000 Hektar)
    • Dienstleistungen im allgemeinen Bundesinteresse (101.000 Hektar)
    • Forstprodukte (Holz- und Wildbretverkauf sowie Jagddienstleistungen)

    Dienstleistungen für Bundesressorts und Streitkräfte

    Der Bedarf und die Ansprüche der verschiedenen Bundesministerien sind vielfältig. Sie reichen von der Sicherung spezifischer Waldfunktionen über das Planen und Umsetzen von forst- und naturschutzfachlichen Maßnahmen bis hin zur Realisierung von ökologischen Kompensationen.

    Eines der Kerngeschäfte ist die Betreuung der im Eigentum des Bundes stehenden Flächen der 17 Truppenübungsplätze der Bundeswehr, der Standortübungsplätze, der Flugplätze und Depots sowie der durch die Gaststreitkräfte genutzten Liegenschaften. Die militärisch genutzte Fläche im Eigentum des Bundes umfasst circa 351.000 Hektar. Den Waldflächen kommen hier überwiegend Schutzfunktionen vor allem für das zivile Umland zu. Alle Flächen müssen so gestaltet und erhalten bleiben, dass die militärische Nutzung selbst bei intensivem Übungsbetrieb nachhaltig möglich ist.

    Als weiteres Aufgabengebiet pflegt der Bundesforst für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung den Wald und betreut bei Bedarf die Freiflächen entlang von Bundeswasserstraßen landschaftspflegerisch und naturschutzfachlich. Darüber hinaus spielen die Verkehrssicherung entlang der Bundeswasserstraßen und Kompensationsmaßnahmen zum Ausgleich für Baumaßnahmen eine große Rolle.

    Beim Aus- und Neubau der Verkehrsinfrastruktur unterstützt der Bundesforst die Bundesfernstraßenverwaltung/Autobahn GmbH des Bundes sowie die Deutsche Bahn AG, indem zahlreiche Kompensationsmaßnahmen entlang der Verkehrswege entsprechend den jeweiligen landesrechtlichen Regelungen umgesetzt werden.

    Dienstleistungen für Träger des Nationalen Naturerbes

    Die Anfang der 1990er-Jahre eingeleitete neue europäische Friedensordnung hat durch Abbau von Streitkräften zur Freigabe von militärischen Übungsflächen geführt. Trotz der vorangegangenen militärischen Nutzung sind diese Flächen von hohem ökologischem Wert, da sie extensiv genutzt und keine Kunstdünger oder Spritzmittel eingesetzt wurden. Darüber hinaus handelt es sich um größere zusammenhängende Flächen. Aus diesem Flächenbestand speist sich das Nationale Naturerbe (NNE), das größte Naturschutzprojekt der Bundesregierung. Die BImA hat seit 2005 aus diesem Liegenschaftsbestand rund 125.000 Hektar ökologisch wertvolle Flächen in das NNE eingebracht und verschiedenen Trägern wie z. B. der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und Naturschutzverbänden übereignet. Etwa 33.000 Hektar des Naturerbes sind darüber hinaus im Eigentum der BImA verblieben. Entsprechend den Vorgaben des Bundesumweltministeriums betreut der Bundesforst als größter Naturschutzflächendienstleister Deutschlands diese Flächen für die Träger nach einheitlichen Grundsätzen mit dem Ziel eines strengen Naturschutzes.

    Dienstleistungen im allgemeinen Bundesinteresse

    Vom Büro bis zum Wald: Im forstlichen Alltag setzen Bundesforstbeschäftigte Aspekte verschiedener Bundesprogramme um, darunter die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, die Waldstrategie 2050 oder das Aktionsprogramm Insektenschutz.

    Durch das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ sollen Deutschlands Wasserstraßen wieder naturnaher werden. Der Bundesforst stellt für diesen Zweck Flächen bereit.

    Außerdem bietet der Bundesforst differenzierte fachliche und verfahrensbegleitende forstliche Dienstleistungen für den Grundstücksverkehr des Bundes und für Dritte an und setzt dabei bundesweit fachliche Maßstäbe in der Forstbranche.

    Besonders gefordert ist der Bundesforst auch im Problemflächenmanagement, um beispielsweise Risikoanalysen zu erarbeiten und Konzepte für eine Nachnutzung zu entwickeln. Dabei begleitet der Bundesforst in Zusammenarbeit mit anderen Geschäftsbereichen der BImA den Rückbau ehemaliger militärischer Infrastruktur einschließlich der Entmunitionierung und bietet nach einer erfolgreichen Entwicklung diese Konversionsprojekte unterschiedlichen Bundesbedarfsträgern an.

    Auch bei der Unterstützung der nachhaltigen Klimaschutz- und Energiewendeziele der Bundesregierung ist der Bundesforst sehr erfolgreich engagiert. Um z. B. bundesweit geeignete Standorte für die Erzeugung von Strom aus Wind- und Solarenergie zu finden, prüfen die Spezialisten der Bundesforstbetriebe hierzu geeignete Liegenschaften gezielt auf ihr Potenzial für erneuerbare Energien und mobilisieren diese. Dadurch ist es gelungen, dass bereits 51 Windenergieanlagen und 27 Freiflächen-Fotovoltaikanlagen auf BImA-Liegenschaften grünen Strom für circa 100.000 Haushalte erzeugen.1

    Forstprodukte

    Als einer der größten Waldeigentümer Deutschlands beliefert der Bundesforst die holzverarbeitende Industrie mit mehr als 1 Mio. Kubikmeter Rundholz jährlich. Das Holz wird sowohl als sogenanntes stehendes Holz im Wald als auch bereits gefällt und entastet an der Waldstraße verkauft. Zertifizierungen bestätigen eine nachhaltige Produktherstellung vom Rohstoff bis zum gebrauchsfertigen Endprodukt.

    Waldstraße
    bezeichnet in der Forstwirtschaft die Stelle, an der Holz aus dem Bestand entastet und gesägt am Waldweg abgelegt und dort von den Holzkäufern abgeholt wird.

    Selbstverständlich ist auch die Jagd ein integrierter Bestandteil einer ganzheitlichen Geländebetreuung und richtet sich primär nach den örtlichen Anforderungen. Diese ergeben sich aus der Zweckbindung der Liegenschaft und den naturräumlichen Verhältnissen. Dabei werden durch liegenschaftsspezifische Jagdkonzepte die waldbaulichen Ziele mit den Bedürfnissen der vorkommenden Wildarten verknüpft. Artenreiche, gesunde und angepasste Wildbestände sind Teil eines sich natürlich verjüngenden Wald- und Offenlandlebensraums.

    Abbildung 1 zeigt zusammenfassend die vielfältigen Nutzungen der vom Bundesforst betreuten Flächen. Daraus wird ersichtlich, dass die Schwerpunkte auf der Bewirtschaftung der Truppenübungsplätze im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung sowie den Aufgaben im Zusammenhang mit dem Nationalen Naturerbe liegen. Eine klassische Forstwirtschaft – vergleichbar mit anderen Forstbetrieben – kann der Bundesforst lediglich auf seinen Geschäftsliegenschaften betreiben.

    Flächennutzung und Kundenstruktur
    Das Kreisdiagramm zeigt die Nutzung und Kundenstruktur der vom Bundesforst betreuten Flächen prozentual nach Anteil.Datenwerte:Dienstliegenschaften BMVg: 42 ProzentDienstliegenschaften BMDV: 8 Prozentsonstige Dienstliegenschaften: 4 Prozentsonstige Dritte: 5 ProzentDBU Naturerbe GmbH: 11 ProzentBImA – Naturerbe Bund: 5 ProzentBImA – Geschäftsliegenschaften: 15 ProzentBImA – Dienstliegenschaften Gaststreitkräfte: 10 ProzentQuelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforst
    Quelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforst
    nullFlächennutzung und Kundenstruktur
    Dienstliegenschaften BMVg42
    Dienstliegenschaften BMDV8
    sonstige Dienstliegenschaften4
    sonstige Dritte5
    DBU Naturerbe GmbH11
    BImA – Naturerbe Bund5
    BImA – Geschäftsliegenschaften15
    BImA – Dienstliegenschaften Gaststreitkräfte10
    Abbildung 1

    Vorbeugender Waldbrandschutz und Beseitigung von Kampfmitteln

    Die extreme Trockenheit in den Jahren 2018 bis 2020 und im Jahr 2022 mit nachfolgenden Schäden durch Borkenkäfer- und Sturmereignisse haben auch in den Wäldern des Bundes zu großen Schäden geführt. Zusätzlich ist durch die Trockenheit die Waldbrandgefahr erhöht.

    Ein Großbrand im Jahr 2019 auf der größten Naturerbefläche des Bundes, dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern, hat die Notwendigkeit für weitere Anstrengungen bei der Beseitigung militärischer Kampfmittel zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nochmals nachdrücklich aufgezeigt.

    Unter dem Eindruck dieses Großbrands hat die BImA eine „Task Force“ Waldbrandschutz gegründet, die neben den Truppenübungsplätzen auch die Naturerbeflächen des Bundes auf die bestehende Waldbrandgefahr untersucht. Für die mit Kampfmitteln belasteten Flächen wurden und werden besondere Waldbrandschutzkonzepte erstellt.

    Eine einheitliche externe Kommunikation soll bei künftigen Waldbrandereignissen sicherstellen, dass im Ernstfall Missverständnissen oder Fehleinschätzungen vorgebeugt werden kann.

    Task Force“ Waldbrandschutz
    Auftrag der „Task Force“ Waldbrandschutz ist es, den Stand und die Ausgestaltung der im Zuge des vorbeugenden Brandschutzes erarbeiteten bisherigen Waldbrandkonzepte auf kampfmittelbelasteten beziehungsweise kampfmittelverdächtigen Liegenschaften der BImA auf Grundlage der in Lübtheen gemachten Erfahrungen zu prüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten. Damit einhergehend soll eine Anpassung des „Kampfmittelräumprogramms“ der BImA geprüft und in Abhängigkeit der Ergebnisse umgesetzt werden.

    Die Kampfmittelräumfirmen sind durch große Infrastrukturprojekte (Stromtrassen, Streckenneubau) stark ausgelastet. Selbst bei einer Priorisierung der Flächen nach Grad der Waldbrandgefährdung ist nach Schätzung der BImA unter den aktuellen Gegebenheiten ein Zeitraum von mindestens zehn Jahren für die Kampfmittelräumung notwendig. Aufgrund der Erfahrungen mit dem vorbeugenden Brandschutz für die Naturerbeflächen Lübtheener Heide in Mecklenburg-Vorpommern, Wittstock/Kyritz-Ruppiner Heide in Brandenburg und Ehra-Lessien in Niedersachsen sind sukzessive sämtliche Ortsrandlagen, Waldbrandschutzstreifen und Wundstreifen auf Bedrohung durch Kampfmittel zu untersuchen.

    Wundstreifen
    sind Waldstreifen von über einem Meter Breite, die von brennbarem Material freigehalten werden.

    Der Bundesfinanzminister vor Ort

    Im Sommer 2022 besuchte Bundesfinanzminister Christian Lindner den Bundesforstbetrieb Westbrandenburg. Bei der Besichtigung des ehemaligen „Bombodroms“, dem ehemaligen Truppenübungsplatz Wittstock, konnte sich der Minister einen Überblick über den Fortschritt bei der Beseitigung von Kampfmitteln verschaffen. In der Wittstock-Ruppiner Heide sind drei Unternehmen mit mehr als 220 Beschäftigten für die BImA tätig, um geborgene Munition zu bewerten, zu lagern und zu vernichten. An der Räumstelle sahen sich Bundesfinanzminister Christian Lindner, Abteilungsleiter Stefan Ramge, Projektsteuerer der Räumstelle Dr. Kay Winkelmann, BImA-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz und der Leiter Bundesforst Gunther Brinkmann (von links) die Bombenfunde an.

    Christian Lindner, Stefan Ramge, Dr. Kay Winkelmann, Paul Johannes Fietz und und Gunther Brinkmann (von links); im Bildvordergrund die Bombenfunde BildVergroessern
    Quelle:  Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Pressestelle

    Der Umbau von Waldflächen

    Die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen und es gibt zunehmend weniger Niederschläge, insbesondere in der Vegetationszeit. Immer häufiger gibt es Perioden mit langanhaltender Hitze oder heftigen Stürmen. Neben den Sturmschäden, beispielsweise dem flächenhaften Abknicken von Bäumen, ist die Massenvermehrung von Schädlingen eine Folge dieser Extremwetterverhältnisse. Die Wälder in Deutschland geraten dadurch unter Stress und dies führt zu großflächigen Totalverlusten der Waldsubstanz. Inzwischen weisen nahezu alle Hauptbaumarten Vitalitätseinbußen und Schadsymptome auf. Vor allem Fichten sterben großflächig, sogar auf bisher relativ gut mit Wasser versorgten Standorten der Mittelgebirge, ab.

    Hauptbaumarten
    in Deutschland sind Fichte, Kiefer, Buche und Eiche.

    Die Abbildung zum Schadholzanfall in Deutschland von 2018 bis 2022 enthält zwei Diagramme (mehr in der Langbeschreibung) BildVergroessern
    Abbildung 2

    Aus der Abbildung 2 ist erkennbar, dass sich das Schadholzaufkommen insbesondere auf die westlichen und südlichen Bundesländer konzentriert. Der Bundesforst ist mit 2 Mio. Kubikmetern Schadholz in den bundeseigenen Liegenschaften im Vergleich z. B. zu Nordrhein-Westfalen mit einem Schadholzaufkommen von 46 Mio. Kubikmetern aktuell vergleichsweise noch nicht so stark betroffen. Der Schwerpunkt des Schadholzaufkommens liegt beim Nadelholz.

    Häufig sind aber auch Laubbaum- und Mischwaldbestände durch erhebliche Schäden infolge von Trockenheit betroffen. Gerade diese Waldbestände erfüllen vielfältige Schutzfunktionen, z. B. auf militärisch genutzten Liegenschaften, und müssen deshalb erhalten werden. Dazu ist es erforderlich, die Waldflächen des Bundes auf großer Fläche an die fortschreitende Klimaerwärmung mit differenzierten waldbaulichen Methoden anzupassen und umzubauen, damit Resilienz entsteht. Dieser Prozess wird Jahrzehnte dauern.

    Resilienz
    beschreibt die Eigenschaft, mit belastenden Situationen umgehen zu können sowie die Fähigkeit, durch Krisen und Rückschläge widerstandsfähiger zu werden. Der Begriff „Klimaresilienz“ wird im Zusammenhang mit Wald verwendet, wenn der Baumbestand den Veränderungen durch Klimawandel standhalten soll. In diesem Zusammenhang fällt auch häufig der Begriff „klimaplastischer Wald“. Er beschreibt ein Leitbild für zukünftige Waldentwicklung, das Personen, die Wald besitzen oder Forstwirtschaft betreiben, unterstützen soll, dem Klimawandel zu begegnen und nachhaltige, zukunftsfähige Wälder zu entwickeln.

    In Waldökosystemen sind die Herausforderungen des Klimawandels sehr komplex. Klimaresiliente oder klimastabile Wälder sind gekennzeichnet durch standortangepasste Baumartenwahl, eine möglichst große Anzahl unterschiedlicher Baumarten, eine intensive Durchmischung sowie eine vielfältige vertikale und horizontale Bestandsstruktur.

    Im Rahmen des Projekts „Klimaplastischer Bundeswald“ wird mit dem Projektpartner, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen, eine GIS-basierte Entscheidungshilfe entwickelt. Ziel ist es, die verfügbaren Klimaszenarien zu regionalisieren und kartografisch darzustellen. Unter Berücksichtigung der Faktoren Standort und Wasserhaushalt wird es so möglich werden, eine optimierte Baumartenwahl und Waldbehandlung für eine konkrete Fläche auszuweisen. Besondere Anforderungen, die sich aus der Zweckbestimmung der Liegenschaft oder rechtlichen Restriktionen ergeben (militärische Nutzung, Naturschutz) müssen bei der Baumartenwahl ebenfalls berücksichtigt werden. Zusätzlich muss das Projekt die bundesweite Verteilung der Bundesforstliegenschaften und damit einhergehend klimatische und standörtliche Unterschiede in die Betrachtung aufnehmen. Erste Ergebnisse werden im 1. Quartal 2023 vorliegen und können über ein GIS visualisiert werden.

    GIS
    steht für Geografische Informationssysteme. Hierbei handelt es sich um Computerprogramme, die verschiedenste Naturaldaten zusammenfügen können. So können z. B. Klimadaten, Waldflächen, Gewässerlinien, Flurstückbezeichnungen und Flurstückgrößen kartenmäßig dargestellt werden. Diese Informationen können je nach Bedarf und Fragestellung auf vielfältige Weise neu miteinander kombiniert werden.

    Ziel der Zusammenführung der Daten ist die Optimierung und Kombination der Baumarten zu Mischbestandstypen. Unter Berücksichtigung der besonderen Funktionen des Bundeswaldes dienen diese als webbasierte Entscheidungshilfen für die Verantwortlichen vor Ort.

    Kurzinterview mit dem Leiter Bundesforst Gunther Brinkmann

    Porträtfoto von Gunther Brinkmann in grüner Dienstkleidung
    Leiter Bundesforst Gunther BrinkmannQuelle:  Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Pressestelle

    Die weltweit spürbaren Veränderungen durch den Klimawandel und die Bemühungen, den weltweiten Temperaturanstieg zu bremsen, sind aktuell durch die Klimakonferenz in Scharm El-Scheich wieder in aller Munde. Wie wichtig dabei auch der Walderhalt weltweit ist, zeigen die aktuellen Diskussionen bei der Konferenz.

    Die Bundesforstverwaltung hat sich mit ihrem Waldumbauprogramm zur Schaffung klimaresilienter Wälder auf den Weg gemacht, ihren Beitrag zur Erhaltung der Wälder in Deutschland zu leisten. Wir haben Gunther Brinkmann zu drei Themenkomplexen befragt.

    Auch im Koalitionsvertrag nehmen Waldthemen einen großen Raum ein. Stichworte sind z. B. der Einschlagstopp alter Buchenwälder oder die Schaffung von artenreichen und klimaresilienten Wäldern überwiegend mit einheimischen Baumarten. Wie schätzen Sie das ein?

    Ohne Zweifel können alte Buchenwälder einen erheblichen Beitrag für den Natur- und Artenschutz leisten. Um ihre spezifischen Lebensgemeinschaften zu sichern, muss man jedoch nicht alle Buchenwälder aus der nachhaltigen forstlichen Nutzung nehmen.

    Letztendlich geht es vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung doch um die Frage, wie es uns gelingen kann, ein hohes Maß an Biodiversität im Wald zu erhalten und gleichzeitig viel Nutzholz nachhaltig zu erzeugen, das wir z. B. für den Holzbau dringend benötigen. Wenn sich die pessimistischen Klimaszenarien bewahrheiten sollten, werden wir gegen Ende dieses Jahrhunderts feststellen müssen, dass wir diese Ziele allein mit heimischen Baumarten in einem dann nicht heimischen Klima nicht werden erreichen können.

    Der Besuch des Bundesfinanzministers hat sein Interesse am Bundesforst gezeigt. Was haben Sie für sich und Ihre Beschäftigten von dem Besuch mitgenommen?

    Wenn der Minister sich für die Arbeit eines nachgeordneten Geschäftsbereichs interessiert und sich vor Ort ein Bild macht, ist das immer ein positives Zeichen für alle Beschäftigten und entfaltet eine enorm motivierende Wirkung.

    Die Wertschätzung, die Bundesfinanzminister Christian Lindner bei seinem Besuch für unsere Arbeit zum Ausdruck gebracht hat, ist zugleich eine Verpflichtung für uns, die damit verbundenen Erwartungen zu erfüllen.

    Der Bundesfinanzminister vor Ort im Gespräch mit dem Leiter Bundesforst Gunther Brinkmann
    Der Bundesfinanzminister vor Ort im Gespräch mit dem Leiter Bundesforst Gunther BrinkmannQuelle:  Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Pressestelle

    Mit Interesse wird das Projekt zum Waldumbau verfolgt. Können Sie uns erste Ergebnisse verraten?

    Derzeit sind wir noch damit beschäftigt, die in den vergangenen Jahren entstandenen Kahlflächen wieder in Bestockung zu bringen und labile Bestände durch Naturverjüngung und Pflanzung weiterer Baumarten zu stabilisieren.

    Mit Bestockung,
    auch Waldbestockung, wird in der Forstwirtschaft der Baumbestand einer Fläche bezeichnet. Die Bestockung, also die Menge der Bäume, verändert sich auf jeder Fläche im Laufe der Zeit allmählich oder schlagartig (Brände, Sturm, Holzernte). In einem nicht bewirtschafteten Wald kann sich die Bestockung in Richtung eines Gleichgewichts entwickeln. Im Idealfall befinden sich Bäume jeden Alters auf einer Fläche. Absterbende Altbäume werden umgehend durch nachwachsende Bäume ersetzt.

    Als Ergebnis des Entwicklungsprojekts mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt erwarten wir eine technische Entscheidungshilfe, die auf bodenkundliche Daten und regionalisierte Klimaprojektionen zugreift. Diese Informationen wollen wir über ein geografisches Informationssystem für jeden Waldbestand abbilden, damit unsere Försterinnen und Förster die Unsicherheit bei Baumartenwahl und Bestandsbehandlung so weit wie möglich reduzieren können.

    Eine letzte Frage noch: Wie schätzen Sie aufgrund Ihrer langjährigen Erfahrungen im Bundesforst und mit Blick auf die Zukunft die Entwicklung Ihrer Sparte in den nächsten zehn Jahren ein?

    Höchste Anstrengungen wird es erfordern, auf den militärisch genutzten Übungsplätzen von Bundeswehr und Gaststreitkräften die Schutzwaldfunktionen nachhaltig zu sichern.

    Gleichzeitig werden die Erwartungen der Bundesressorts wachsen, dass die BImA in ihren Wald- und Geländeliegenschaften die Politik der Bundesregierung in den Sektoren Naturschutz, Produktion von Nutzholz, ökologische Kompensationen für baubedingte Eingriffe, erneuerbare Energien und so weiter durch vorbildliche Umsetzung unterstützt.

    Wie alle Bereiche in Wirtschaft und Verwaltung müssen auch wir einen Generationenwechsel bei knappem Nachwuchs bewältigen. Auch das ist eine Herausforderung.

    Fazit

    Der Bundesforst steht hinsichtlich des Waldbrandschutzes und der damit verbundenen Notwendigkeit der Räumung von Kampfmitteln sowie des Umbaus des Bundeswaldes im Zusammenhang mit dem Klimawandel vor großen Herausforderungen. Bezüglich der Zukunftsthemen hat sich der Bundesforst strategisch neu ausgerichtet. Insbesondere mit dem Projekt „Klimaplastischer Bundeswald“ werden neue Wege beschritten.

    Die Ergebnisse der Arbeit in Waldökosystemen sind nicht immer sofort sichtbar. Anders als in anderen Bereichen werden Erfolge erst in vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten mess- und damit prüfbar sein. Gerade deshalb ist es zwingend erforderlich, diese Prozesse jetzt anzuschieben, damit unsere Wälder eine Überlebenschance haben.

    Fußnoten

    1
    Mehr Informationen dazu sind abrufbar unter https://erneuerbare-energien.bundesimmobilien.de/

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