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  • Schlaglicht: Finanzkriminalitätsbekämpfungsgesetz

    Im In­ter­view: Da­niel The­les­klaf, Lei­ter der Fi­nan­ci­al In­tel­li­gence Unit (FIU)

    Portraitfoto von Daniel Thelesklaf BildVergroessern
    Daniel ThelesklafQuelle:  © Bundesministerium der Finanzen/photothek

    Herr Thelesklaf, seit dem 1. Juli 2023 sind Sie Leiter der deutschen Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen. Was sind Ihre ersten Eindrücke aus den vergangenen Monaten?

    Wie erwartet ist die Aufgabe komplex, herausfordernd und spannend zugleich. Dank der Unterstützung meiner engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und des BMF konnten wir bereits einige wichtige Fortschritte erzielen: Dazu gehört namentlich die Verabschiedung des FIU-Stärkungsgesetzes durch den Bundestag am 12. Oktober. In diesem Gesetz wird klargestellt, dass die FIU ihre Arbeit risikobasiert ausüben darf und soll: Das brauchen wir, um die Finanztransaktionen der professionellen Geldwäscher (die „großen Fische“) aufzuspüren.

    Parallel dazu konnte ich die Zeit nutzen, um mit der Belegschaft zu sprechen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wo der Schuh drückt. Wir haben viele motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mehr gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung tun wollen: Dieses Kapital ist Motivation und Verpflichtung zugleich. Zudem tauschte ich mich in den ersten Monaten mit allen großen Finanzinstituten aus und bot eine bessere Zusammenarbeit an. Das Potenzial, zusammen mit dem Privatsektor mehr zur Prävention beizutragen, ist enorm.

    Deutschland ist nicht Ihre erste Station in dieser Funktion. Sie haben bereits die FIU-Behörden in der Schweiz und Liechtenstein geleitet. Wo liegen die größten Unterschiede und was kann Deutschland beispielsweise von den Eidgenossen noch lernen?

    Ich denke, wir können international alle voneinander lernen. Die FIUs haben die gleichen Kernaufgaben und professionelle Geldwäscher handeln naturgemäß grenzüberschreitend. Das macht den Job nicht einfacher, hilft uns aber insofern, dass wir nicht alles nochmals neu erfinden müssen. Die internationale Zusammenarbeit – vor allem in der EU – ist auf einem hohen Niveau, davon können andere Behörden nur träumen. Das liegt auch daran, dass die FIUs einen hohen Grad an Autonomie haben müssen und damit die Gefahr politischer Einflussnahme stark reduziert ist. Was ich aus meiner internationalen Tätigkeit gerne mitnehme, ist ein Sinn für pragmatische Lösungen und ein ausgeprägter Hang zur Effektivität. Bürokraten werden es schwer mit mir haben!

    Deutschland wird immer wieder vorgeworfen, ein Geldwäscheparadies zu sein. Was entgegnen Sie angesichts solcher Vorwürfe?

    Kein Land kann für sich in Anspruch nehmen, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung wirklich effektiv zu bekämpfen. So betrachtet ist die ganze Welt ein Geldwäscheparadies. Die Prüfung der Financial Action Task Force (FATF) hat gezeigt, dass Deutschland dabei im Mittelfeld steht – das ist natürlich nicht gut genug, diese Feststellung hat aber zu einer starken politischen Reaktion geführt: Die FIU wurde ausgebaut und das Problembewusstsein hat sich geschärft. Im Verbund mit den anderen zuständigen Behörden im Bund – voran mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, dem Bundeskriminalamt, dem Zoll und den Diensten – können wir heute schon mehr erreichen als noch vor einigen Jahren. Das gilt es nun, mit Nachdruck auf die Straße zu bringen.

    Mit dem geplanten neuen Bundesamt zur Bekämpfung von Finanzkriminalität (BBF) soll Finanzkriminalität zukünftig schlagkräftiger bekämpft werden. Auch die FIU wird Teil dieses Bundesamts sein. Welche Chancen sehen Sie in dieser neuen Behörde, auch im Hinblick auf die Kritik der FATF an Deutschland in der Vergangenheit?

    Die BBF läutet eine neue Ära ein – bald wird es eine Behörde geben, die sich auf die Bekämpfung der Geldwäsche fokussieren kann. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen in anderen Staaten träumen noch von einer solchen strategischen Herangehensweise! Als FIU bauen wir in den nächsten Monaten unsere Kapazitäten hinsichtlich dessen aus, komplexe und internationale Sachverhalte zu erkennen. Das passt hervorragend zur Fokussierung des neuen Ermittlungszentrums Geldwäsche. Gleichzeitig werden die Schnittstellen zur Aufsicht und zur Bekämpfung von Sanktionsumgehungen immer wichtiger: Dies alles unter einem Dach zu haben, ist vielversprechend. Schließlich verspreche ich mir viel von der zusätzlichen Kapazität, Mitarbeitende fortzubilden.

    Die FIU wird ein zentraler Pfeiler in der BBF und ich freue mich darauf, einen essenziellen Beitrag zum Gelingen der neuen Bundesoberbehörde zu ermöglichen.

    Wenn Sie sich für Ihre Arbeit etwas wünschen dürften, was wäre das?

    Vieles, was wir vorhaben, können wir anpacken, ohne dafür auf Weihnachten warten zu müssen. Es liegt an uns, dies nun auch umzusetzen. Aber natürlich braucht es dazu eine anhaltende Unterstützung für unseren tiefgreifenden Reformprozess und viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die gerne dazu bereit sind, Höchstleistungen zu bringen, damit Opfern von Finanzkriminalität Gerechtigkeit zukommen wird. Dazu noch eine IT, die mit den Möglichkeiten der Kriminellen Schritt halten wird, und wir schaffen den Sprung von der größten zur besten FIU!

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