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    Sta­ke­hol­der-Work­shop: Ei­ne na­tio­na­le Fi­nanz­bil­dungs­stra­te­gie für Deutsch­land

    • Im Rahmen der Initiative Finanzielle Bildung fand am 20. Oktober 2023 ein Stakeholder-Workshop mit rund 130 Personen im BMF in Berlin statt.
    • Die Initiative Finanzielle Bildung umfasst drei zentrale Maßnahmen, um die finanzielle Bildung in Deutschland nachhaltig zu stärken: die Erarbeitung einer nationalen Finanzbildungsstrategie in Zusammenarbeit mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Schaffung einer zentralen Finanzbildungsplattform zur Bündelung und Vernetzung der Angebote in diesem Bereich und die Stärkung der Forschung zur finanziellen Bildung.
    • Der Stakeholder-Workshop ist Bestandteil des Prozesses zur Erarbeitung einer nationalen Finanzbildungsstrategie für Deutschland gemeinsam mit der OECD. Der Workshop diente dazu, gemeinsam mit Praktikerinnen und Praktikern aus dem Bereich der finanziellen Bildung die Prioritäten, Herausforderungen und Erwartungen bezüglich finanzieller Bildung und der nationalen Finanzbildungsstrategie in einem breiten Rahmen zu diskutieren. Die Erkenntnisse des Workshops werden in den Prozess zur Erarbeitung einer Finanzbildungsstrategie einfließen.

    Einleitung

    Mit der Initiative Finanzielle Bildung will das BMF gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die finanzielle Bildung in Deutschland nachhaltig stärken. Denn finanzielle Bildung bedeutet Chancen für mehr Teilhabe, Wachstum und Wohlstand. Sie erleichtert die individuelle Lebensführung und hilft dabei, individuelle Risiken zu meiden und Chancen zu nutzen. Als Teil der ökonomischen Bildung öffnet sie auch den Blick auf die Funktionsweise des Wirtschafts- und Finanzsystems. Somit ist die finanzielle Bildung eine Grundvoraussetzung für ökonomische Teilhabe in modernen, marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaften.

    Finanzielle Bildung
    Gemäß der OECD und so auch von der Europäischen Kommission und der G20 als Begriff verwendet, bezeichnet finanzielle Bildung eine Kombination aus finanziellem Bewusstsein, Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen, die notwendig sind, um fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen und letztendlich individuelles finanzielles Wohlergehen zu erreichen. Finanzielle Bildung ist somit eine Grundvoraussetzung für kompetente ökonomische Teilhabe in modernen, marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaften.

    Neben der Schaffung einer Finanzbildungsplattform und der Stärkung der Forschung im Bereich der finanziellen Bildung wird als zentrale Maßnahme der Initiative gemeinsam mit der OECD eine nationale Finanzbildungsstrategie für Deutschland erarbeitet. Im Rahmen dieses Strategieprozesses fand am 20. Oktober 2023 ein hochkarätiger Stakeholder-Workshop unter dem Titel „Eine nationale Finanzbildungsstrategie für Deutschland“ mit Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger im BMF in Berlin statt. Der Workshop versammelte führende Akteurinnen und Akteure aus dem öffentlichen Bereich, Verbraucher- und Unternehmensverbänden, privaten Bildungsinitiativen sowie der Wissenschaft, die sich bereits im Voraus über die Teilnahme an einer Onlinebefragung in den Strategieprozess eingebracht haben. Die Durchführung des Workshops wurde durch die OECD unterstützt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ilka Groenewold, Fernseh- und Wirtschaftsmoderatorin.

    Impulse aus Praxis und Wissenschaft

    Während des Stakeholder-Workshops mit rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden verschiedene Themenbereiche intensiv diskutiert. Zentrale Fragen waren, warum Deutschland eine nationale Finanzbildungsstrategie braucht, welche Prioritäten diese für Deutschland setzen sollte sowie die Erwartungen und Beiträge unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure an die nationale Finanzbildungsstrategie.

    Gruppenbild vom Stakeholder-Workshop BildVergroessern
    Quelle:  © Bundesministerium der Finanzen/Photothek

    Keynotes und Präsentationen am Vormittag

    Nach einer kurzen Eröffnung der Veranstaltung durch Dr. Wolf Heinrich Reuter, Leiter der Abteilung für finanzpolitische und volkswirtschaftliche Grundsatzfragen im BMF, und Miles Larbey, Leiter der Abteilung Financial Consumer Protection, Education and Inclusion der OECD, hielt Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, eine Keynote zu der Frage, warum Deutschland eine nationale Finanzbildungsstrategie benötigt. Als zentraler Faktor für eine erfolgreiche Finanzbildung ging dabei das Verständnis für die Vielfalt der Zielgruppen hervor, die unterschiedliche Geschlechter, Altersgruppen, Bildungsniveaus und sozioökonomische Hintergründe umfasst. Gleichzeitig kristallisierten sich potenziell besonders wichtige Zielgruppen heraus, z. B. Frauen, Migrantinnen und Migranten und ältere Bevölkerungsgruppen. Schließlich betonte Prof. Dr. Christoph M. Schmidt die Notwendigkeit einer gemeinschaftlichen und gesamtstaatlichen Anstrengung unter Einbindung aller Stakeholder. Wichtig sei es, bei den Maßnahmen von Beginn an eine Evaluierungskultur zu verankern, um Effizienz und Effektivität der Maßnahmen feststellen zu können.

    Auf die Keynote folgte – ebenfalls zur Fragestellung, warum es in Deutschland einer Finanzbildungsstrategie bedarf – eine Fishbowl-Diskussion mit Prof. Dr. Christoph M. Schmidt und Dr. Johanna Börsch-Supan, Leiterin der Abteilung für Allgemeine und berufliche Bildung; Lebensbegleitendes Lernen im BMBF. Die anwesenden Stakeholder brachten sich aktiv in die Diskussion ein und stellten ihre Sichtweisen zur Notwendigkeit einer nationalen Finanzbildungsstrategie dar. Neben der Thematisierung der Bedeutung von Schulen bei der Vermittlung finanzieller Bildung wurde geraten, die Erwachsenenbildung nicht aus dem Blick zu verlieren. Auch die Einbindung bereits bestehender Initiativen wurde als zentraler Bestandteil für das Gelingen der Initiative Finanzielle Bildung identifiziert. Es gebe bereits viel gutes, zivilgesellschaftliches Engagement zur finanziellen Bildung der Bürgerinnen und Bürger. Dieses gelte es, zu präsentieren, zu vernetzen und vorhandenes, anwendbares Wissen zusammenzubringen.

    Im Anschluss stellte Andrea Grifoni, der für die Erarbeitung einer nationalen Finanzbildungsstrategie für Deutschland zuständige Referent bei der OECD, Zwischenergebnisse einer Umfrage unter Akteurinnen und Akteuren aus dem Bereich Finanzbildung in Deutschland vor, welche im Vorfeld des Stakeholder-Workshops im Rahmen der Strategieerarbeitung erstellt und veröffentlicht worden war. Nach einer ersten Auswertung der Umfrageergebnisse sollte eine nationale Finanzbildungsstrategie nach Ansicht der befragten Stakeholder insbesondere Kinder und junge Menschen adressieren. Zudem wurde von den Befragten die Notwendigkeit einer noch besseren Vernetzung der im Bereich der Finanzbildung tätigen Akteurinnen und Akteure dargelegt.

    Die OECD hat bereits in vielen anderen Ländern die Erarbeitung nationaler Finanzbildungsstrategien begleitet, so u. a. in Kanada und Österreich. Um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops diese internationale Perspektive zu verdeutlichen, stellten Supriya Syal, Vizekommissarin für Forschung, Politik und Bildung bei der Financial Consumer Agency of Canada, und Katharina Heindl, Bundesministerium für Finanzen der Republik Österreich, Best Practices und Lessons Learned im Zusammenhang mit nationalen Finanzbildungsstrategien aus ihren jeweiligen Ländern vor.

    Breakout-Sessions am Nachmittag

    Nach der Mittagspause begrüßten Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger die Teilnehmenden des Workshops und stellten sich deren Fragen. Mit Blick auf die Finanzbildungsplattform, welche ebenfalls als Maßnahme der Initiative Finanzielle Bildung aufgebaut werden soll, betonte Bundesfinanzminister Christian Lindner, dass Bürgerinnen und Bürger entsprechend ihrer Bedürfnisse und ihrem aktuellen Wissensstand abgeholt und an ihr persönliches Ziel gebracht werden müssten, ein Vorgehen nach dem sogenannten Taxi-Prinzip. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger erklärte, dass das BMBF die Forschung im Bereich finanzieller Bildung noch in diesem Jahr in gleich zwei Bereichen intensivieren werde. Einerseits werde das BMBF Vorhaben fördern, die allgemeine Konzepte zur finanziellen Bildung erforschen, andererseits soll Forschung unterstützt werden, die anwendungsorientierte Lehr- und Lernangebote entwickelt, erprobt und evaluiert.

    Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (stehend in der Mitte), vor ihnen sitzend Teilnehmende des Stakeholder-Workshops BildVergroessern
    Quelle:  © Bundesministerium der Finanzen/Photothek

    Anschließend wurde der Workshop in kleineren Arbeitsgruppen, sogenannten Breakout-Sessions, fortgesetzt. In diesen Sessions sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam bestimmte Teilbereiche des Strategieprozesses diskutieren und ihre diesbezüglichen Einschätzungen konkretisieren. So wurde den anwesenden Praktikerinnen und Praktikern, die bereits heute ehrenamtlich oder beruflich Finanzbildungsinhalte an Bürgerinnen und Bürger vermitteln, die bestmögliche Gelegenheit gegeben, sich aktiv in der Erarbeitung der nationalen Finanzbildungsstrategie für Deutschland einzubringen.

    In der ersten Session des Nachmittags wurde in Kleingruppen über die Prioritäten der nationalen Finanzbildungsstrategie für Deutschland diskutiert. Bei der Diskussion über die inhaltlichen Schwerpunkte einer nationalen Finanzbildungsstrategie wurde ein breites Spektrum möglicher Themen, von grundlegendem Wissen über Zahlungsverkehr über Finanzmathematik bis hin zu Konsumkompetenz, angesprochen. Aber auch Aspekte wie „Behavioral Finance“ und Grenzen der Finanzbildung müssten nach Ansicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Strategieerarbeitung mitgedacht werden. In den Arbeitsgruppen zu wichtigen Zielgruppen der nationalen Finanzbildungsstrategie wurde neben den bereits durch die Beantwortung des Fragebogens identifizierten Zielgruppen wie etwa Frauen, sozial Schwächeren und älteren Menschen ebenfalls die Bedeutung von Multiplikatoren wie Lehrerinnen und Lehrern betont. Nicht zu vergessen sei, dass die nationale Finanzbildungsstrategie an entsprechenden Lebensmomenten der Bürgerinnen und Bürger ansetzen müsse.

    In der letzten Session wurde über die Erwartungen und Beiträge aus der Sicht unterschiedlicher Gruppen von Stakeholdern diskutiert. Über alle Gruppen hinweg wurden hierbei sinnvolle Konzepte zur Qualitätssicherung und eine klare Abgrenzung zwischen Bildung und Beratung gefordert. Es wurde jedoch auch betont, dass man als Konsumentin oder Konsument in der Lage sein sollte, im Zweifel gute Beratung erkennen zu können. Darüber hinaus zeigte sich eine große Bereitschaft der Stakeholder, sich auch weiter aktiv in den Strategieprozess einzubringen sowie der Wunsch, die begonnene Vernetzung untereinander weiter zu stärken.

    Ausblick

    Der Stakeholder-Workshop am 20. Oktober 2023 im BMF war ein weiterer, wichtiger Schritt hin zu einer nationalen Finanzbildungsstrategie, die die finanzielle Bildung in Deutschland grundlegend verbessern und die finanzielle Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger stärken soll. Die enge Zusammenarbeit mit bereits in der Finanzbildung tätigen Akteurinnen und Akteuren sowie nationalen und internationalen Expertinnen und Experten ist dabei essenziell für die Erarbeitung einer nationalen Finanzbildungsstrategie und das Gelingen der Initiative Finanzielle Bildung.

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