- Vom 23. bis 26. April 2025 fand in Washington, D.C. die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe statt. Es standen u. a. Treffen der G7- und G20-Finanzministerinnen und ‑minister und ‑Notenbankgouverneurinnen und ‑gouverneure sowie des Lenkungsausschusses des IWF (International Monetary and Financial Committee, IMFC) und des Entwicklungsausschusses von Weltbank und IWF (Development Committee, DC) auf dem Plan.
- Der IWF sieht zunehmende Handelskonflikte, Unsicherheit und strukturelle Risiken als Belastung für das globale Wachstum, das laut dem Fonds niedriger ausfallen wird als zuvor prognostiziert. Hohe Schuldenstände und begrenzte fiskalische Spielräume schränken die Reaktionsmöglichkeiten vieler Länder ein, während Marktvolatilität und Zinserhöhungen zusätzliche Risiken für die Finanzstabilität darstellen.
- Die multilaterale Zusammenarbeit bleibt in Zeiten globaler wirtschaftlicher Unsicherheit entscheidend. Der IWF ist die zentrale Säule der globalen Finanzstabilität. In Zukunft muss er sich noch stärker auf sein Kernmandat fokussieren. Hierzu gehört auch die Förderung des freien Handels.
Unsicherheit dominiert Weltwirtschaft
Am 22. April 2025 hat der Internationale Währungsfonds (IWF) wie üblich zur Frühjahrstagung seinen aktuellen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft, den World Economic Outlook, vorgestellt. Die Weltwirtschaft wird durch Handelsbeschränkungen und zunehmende Unsicherheiten geprägt. Für das Jahr 2025 wird mit einem Wachstum von 2,8 Prozent gerechnet, welches deutlich unterhalb der vorangegangenen Prognose des IWF von Januar 2025 (3,3 Prozent) liegt. Auch für das Jahr 2026 wird mit einem niedrigeren als zuvor erwarteten Wachstum von 3,0 Prozent gerechnet.
Die Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft nehmen nach Auffassung des IWF zu und dominieren den Ausblick. Insbesondere wachsende Unsicherheiten im Zuge eskalierender Handelskonflikte, aber auch anhaltende Risiken wie der demografische Wandel, Auswirkungen des Klimawandels und andauernde Konflikte können nicht nur das Wachstum beeinträchtigen, sondern auch die Resilienz der Länder hinsichtlich zukünftiger Schocks schwächen.
Viele Länder verfügen heute im Vergleich zur Prä-Pandemiezeit außerdem über deutlich geringere fiskalische Handlungsspielräume („pandemic scarring“), um auf konjunkturelle und strukturelle Herausforderungen angemessen reagieren zu können. Die Notwendigkeit zur Haushaltskonsolidierung sieht der IWF vor allem in den USA und im Vereinigten Königreich. Aber auch in Schwellen- und Niedrigeinkommensländern sind vor dem Hintergrund hoher Schuldenstände die fiskalischen Spielräume begrenzt. Hinzu kommt, dass sinkende internationale Entwicklungshilfe den Druck auf die Staatsfinanzen einkommensschwacher Länder erhöht. Erhöhte Marktvolatilität, Kurskorrekturen und steigende Zinsen bergen zudem Finanzmarktrisiken.
Die Aussichten für die Weltwirtschaft standen auch im Zentrum des Treffens des Lenkungsausschusses des IWF und der G7-Finanzministerinnen und ‑minister und ‑Notenbankgouverneurinnen und ‑gouverneure (FMNBG), die sich am Rande der Jahrestagung von Weltbank und IWF trafen.
Fokus des IWF auf seine Kernaufgaben
Am 24. und 25. April 2025 fanden die Treffen des International Monetary and Financial Committee (IMFC) statt, an denen für Deutschland der damalige Bundesfinanzminister Dr. Jörg Kukies und Bundesbankpräsident Dr. Joachim Nagel teilnahmen. Bei den Diskussionen des IWF-Lenkungsausschusses stand die globale Wirtschaftslage im Mittelpunkt, da verschärfte Handelskonflikte, erhöhte Unsicherheit und geopolitische Spannungen das globale Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität erheblich belasten. Die IMFC-Mitglieder betonten die Notwendigkeit struktureller Reformen, wachstumsfreundlicher Fiskalpolitik und resilienter Finanzsysteme, um die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken und das Wirtschaftswachstum zu fördern.
Die IMFC-Mitglieder bekannten sich zu einem starken, quotenbasierten IWF und betonten, dass der IWF weiterhin die zentrale Säule der globalen Finanzstabilität bildet. Hierzu gehört auch die Förderung des freien Handels. Finanz- und wirtschaftspolitische Überwachung ist die wichtigste Säule der IWF-Arbeit. Temporäre und zielgerichtete Kredite bei Zahlungsbilanzungleichgewichten flankieren die nachhaltigen makroökonomischen Anpassungen und Strukturreformen des betroffenen Landes. Der damalige Bundesfinanzminister Dr. Jörg Kukies unterstrich die Bedeutung des Fonds für den Multilateralismus, betonte jedoch die Notwendigkeit der stärkeren Fokussierung des IWF auf sein Kernmandat. Gerade in Zeiten globaler wirtschaftlicher Unsicherheit sei der Fokus des Fonds auf seine Kernaufgaben unerlässlich.
Wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Sprache zur geopolitischen Lage sowie zu den Auswirkungen von Handelskonflikten konnte sich der Lenkungsausschuss nicht auf ein gemeinsames Kommuniqué verständigen, sodass ein inhaltlich ansonsten konsentiertes Chair’s Statement des IMFC-Vorsitzes1 veröffentlicht wurde. Die darin verdeutlichte Einigung auf gemeinsame Haltungen u. a. zur globalen Wirtschaftslage und zur IWF-Geschäftspolitik ist ein wichtiges Signal der multilateralen Handlungsfähigkeit der globalen Mitgliedschaft des IWF.
Das Kernmandat des Internationalen Währungsfonds (IWF)
Der IWF ist die zentrale Institution zur Sicherung der globalen Finanzstabilität und des internationalen Währungssystems. Seit seiner Gründung im Jahr 1944 verfolgt der Fonds drei Kernaufgaben: Erstens überwacht der IWF die weltwirtschaftliche Entwicklung sowie die Wirtschafts- und Finanzpolitik seiner Mitgliedstaaten. Durch diese „Surveillance“ soll er frühzeitig wirtschaftliche Ungleichgewichte erkennen und Empfehlungen zur Stabilisierung aussprechen. Zweitens gewährt der Fonds Ländern mit akuten Zahlungsbilanzproblemen finanzielle Unterstützung. Diese Kredite sind in der Regel an wirtschaftspolitische Auflagen geknüpft, die Reformen anstoßen und Vertrauen in die Märkte zurückgewinnen sollen. Drittens leistet der IWF technische Hilfe und unterstützt den Aufbau wirtschaftlicher Institutionen, insbesondere in den Bereichen Haushaltspolitik, Geldpolitik und Statistik.
Multilaterale Zusammenarbeit in komplexen Zeiten
Die diesjährige Frühjahrstagung der Weltbank setzte einen inhaltlichen Schwerpunkt auf das Thema Privatsektormobilisierung und die Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen unter dem Motto „Jobs: The Path to Prosperity“. Im Fokus stehen dabei Infrastrukturinvestitionen als Grundlage für Beschäftigung und Arbeitsplätze (u. a. in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Bildung, Wasser, Energie, Transport) sowie die Schaffung investitionsfreundlicher Rahmenbedingungen.
Die Diskussionen vor Ort standen dabei unter dem Eindruck der aktuellen Haltung der neuen US-Regierung mit Blick auf die internationale Zusammenarbeit im multilateralen Gefüge. US-Präsident Donald Trump hatte am 4. Februar 2025 verfügt, binnen 180 Tagen die US-Mitgliedschaft in allen internationalen Organisationen zu überprüfen. Im Rahmen der Frühjahrstagung bekundete der US-Finanzminister Scott Bessent das fortgesetzte Engagement der USA als größtem Anteilseigner im IWF und in der Weltbank, zugleich mahnt er Reformen in beiden Institutionen an. Im Hinblick auf die Weltbank wird es aus deutscher Sicht nun darum gehen, die seit 2023 beschlossene Reform der Weltbank (World Bank Evolution) umzusetzen, die u. a. darauf abzielt, die Weltbank besser auf die Bewältigung globaler Probleme auszurichten. Dies spiegelt sich auch im Mandat der Weltbank wider, das im Jahr 2023 erweitert worden ist, um insbesondere dem Klimaschutz und der Klimaresilienz ihrer Kundenländer Rechnung zu tragen („end extreme poverty, boost shared prosperity on a livable planet“).
Wie üblich trafen sich am Rande der Frühjahrstagung auch die FMNBG der G20-Staaten. Die Schwerpunkte des zweiten Treffens unter südafrikanischer G20-Präsidentschaft waren die globale makroökonomische Lage, die internationale Finanzarchitektur sowie Wachstumshemmnisse in afrikanischen Volkswirtschaften.
Die G20-Mitglieder sind sich weitgehend einig, dass Zölle und die große Unsicherheit im Welthandel die Grundlagen von Wachstum und Wohlstand nachhaltig zu beschädigen drohen. Die Finanzmärkte sind jedoch trotz hoher Volatilität stabil geblieben. Die große Unsicherheit verstärkt aber bereits bestehende Anfälligkeiten.
Alle G20-Mitglieder betonen ihre Unterstützung für IWF und Weltbank und die wichtige Rolle der multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs). Im Zentrum der Arbeiten der G20 zur Stärkung der MDBs stehen in diesem Jahr die Umsetzung der unter brasilianischer G20-Präsidentschaft beschlossenen sogenannten MDB-Roadmap. Diese hat das Ziel, insbesondere durch höhere Effizienz und Effektivität der MDBs, bei der Bekämpfung von Armut und der Bewältigung globaler Herausforderungen in Entwicklungs- und Schwellenländern schneller voranzukommen. Es soll ein Rahmenwerk zur Steuerung der Umsetzung der MDB-Roadmap vereinbart werden und ein erster Umsetzungsbericht erscheinen. Ein weiteres wichtiges Thema ist die stärkere Mobilisierung von Privatkapital. Hier soll eine Übersicht über bestehende Instrumente zur Privatkapitalmobilisierung z. B. im Bereich Risikominderung erstellt werden, anhand derer ein Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Lernen zu möglichen Politikoptionen und regulatorischen Reformen stattfinden kann.
Die G20 begrüßte zudem die Initiative der südafrikanischen Präsidentschaft, Wachstumshindernisse in afrikanischen Ländern zu identifizieren. Um diesen Hindernissen zu begegnen, wurden als zentrale Lösungsansätze die Stärkung von Institutionen, Infrastruktur und makroökonomischer Stabilität sowie die Senkung hoher (Re-)Finanzierungskosten diskutiert. Das Ziel der Stärkung nachhaltigen Wachstums afrikanischer Ökonomien unterstützt auch der G20 Compact with Africa (CwA) als einzigartige Initiative für Wirtschaftsreformen und vertiefte Zusammenarbeit zwischen der G20 und afrikanischen Partnern. Als Beispiel für multilaterale Kooperation, die auf greifbare Ergebnisse abzielt, setzt sich die Bundesregierung gemeinsam mit Südafrika und weiteren Partnern für eine Weiterentwicklung und Stärkung des CwA ein.
G20 Africa Advisory Group
Bei der Frühjahrstagung kam in diesem Kontext auch das Steuerungsgremium des CwA – die sogenannte G20 Africa Advisory Group (AAG), bestehend aus afrikanischen CwA-Mitgliedern, G20-Partnern und internationalen Organisationen – zu einem formellen Präsenztreffen zusammen. In der vom damaligen Bundesfinanzminister Dr. Jörg Kukies eröffneten Sitzung wurde Sambia als 14. afrikanisches Mitgliedsland aufgenommen. Finanzminister Situmbeko Musokotwane unterstrich die herausragende Bedeutung gesteigerter Privatinvestitionen für die Entwicklung und Diversifizierung der sambischen Ökonomie nach der erfolgreichen Schuldenrestrukturierung im G20 Common Framework for Debt Treatments. Ferner diskutierte die AAG eine detaillierte Umsetzungsstrategie für die kommende Phase der Initiative (CwA 2.0) sowie ebenfalls die Herausforderung hoher (Re-)Finanzierungskosten afrikanischer Ökonomien im Austausch mit der Ratingagentur S&P Global.
Finanzministerinnen und -minister für die Förderung klimafreundlicher Maßnahmen
Am Rande der Frühjahrstagung des IWF und der Weltbankgruppe fand am 23. April 2025 das Treffen der Finanzministerinnen und ‑minister der Coalition of Finance Ministers for Climate Action (CFMCA) statt. Im Mittelpunkt stand die zentrale Rolle der Finanzministerinnen und ‑minister bei der Förderung wirtschaftlichen Wohlstands, nachhaltiger Entwicklung und wirksamer Klimaschutzmaßnahmen im Kontext begrenzter fiskalischer Spielräume.
Mit einem gemeinsamen Statement der CFMCA setzten die 97 Mitglieder ein wichtiges politisches Signal für den Klimaschutz. Hierin wird die Rolle einer evidenzbasierten, effizienten und effektiven Klimapolitik betont – auch angesichts makroökonomischer Herausforderungen und schwieriger Haushaltslagen.
Coalition of Finance Ministers for Climate Action (CFMCA)
Ziel der im April 2019 gegründeten CFMCA ist es, den globalen Klimaschutz im Rahmen des Klimaabkommens von Paris voranzubringen. Hierzu wurden ein Erfahrungsaustausch sowie die Förderung gemeinsamer Standards und Prinzipien, der sogenannten Helsinki-Prinzipien, im Rahmen der nationalen Gegebenheiten und Zuständigkeiten vereinbart. Das BMF ist Gründungsmitglied der Koalition, der weltweit mittlerweile 97 Finanzministerinnen und ‑minister angehören.
Jahrestagung des IWF und der Weltbankgruppe
Die kommende Jahrestagung des IWF und der Weltbankgruppe findet vom 17. bis 19. Oktober 2025 in Washington, D.C. statt.