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Herr Schrodi, stellen Sie sich bitte kurz vor!
Ich bin 48 Jahre alt, komme aus Oberbayern, westlich von München, und bin seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags, in dem ich den Wahlkreis Dachau und Fürstenfeldbruck vertrete. Seit Beginn meiner Zeit im Bundestag bin ich Mitglied im Finanzausschuss. Der war von Anfang an mein Wunschausschuss. Schließlich geht es in den Bereichen Steuern und Finanzen immer auch um die zentralen Gerechtigkeitsfragen: Wen besteuere ich und wie hoch? In welche Projekte fließt das Geld? Ich finde, dafür braucht es sowohl den Blick der Kolleginnen und Kollegen aus der Steuerberatung und anderer Steuerexpertinnen und -experten, die sich seit Jahren mit der großen Komplexität des Steuerrechts beschäftigen, als auch den Blick von außen und von Menschen, die mit den alltäglichen Realitäten vor Ort vertraut sind. Diese Vertrautheit habe ich mir in meinen 20 Jahren als Kommunalpolitiker erarbeiten können.
Als Abgeordneter stehen Sie im engen Austausch mit den Menschen und Unternehmen vor Ort bei Ihnen im Wahlkreis und darüber hinaus. Welche Themen brennen den Leuten besonders unter den Nägeln, wenn Sie mit ihnen sprechen?
Oft geht es um sehr konkrete Gerechtigkeitsfragen, die auch im Alltag spürbar sind. Da geht es dann darum, ob es genug bezahlbaren Wohnraum gibt, ob die Schulen gut ausgestattet und die Kitaplätze erschwinglich und überhaupt in ausreichender Zahl vorhanden sind. Darum, ob die S-Bahn, die Busse und die Züge pünktlich fahren. Diese Fragen treiben die Menschen in meinem Wahlkreis und in vielen anderen Orten in Deutschland um. Und genau bei diesen Fragen können wir als BMF viel tun, um das Leben der Menschen besser zu machen.
Gibt es bestimmte Maßnahmen, die in den nächsten Jahren wirksam werden?
Wofür ich in den vergangenen Jahren immer gekämpft habe, war ein großes Investitionsprogramm zur Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur. Jetzt stehen uns dafür mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, das im März 2025 vom Parlament beschlossen worden ist, 500 Mrd. Euro zur Verfügung, davon 100 Mrd. Euro für die Länder und Kommunen. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich den Bundesfinanzminister im Kabinett vertreten und dieses Gesetz einbringen durfte. Das war ein erster Höhepunkt für mich als Staatssekretär. Jetzt setzt das BMF alles daran, dass die Gelder schnell an die Kommunen im ganzen Land weitergegeben werden, sodass mehr in Schulen, Kitas oder den öffentlichen Nahverkehr investiert werden kann und das Leben der Menschen sich vor Ort spürbar verbessert.
Um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, wurde das „Wachstumsbooster-Gesetz“ beschlossen. Können Sie erklären, wie dieses Gesetz sich auf Betriebe einerseits und auf die Arbeitnehmerinnen und -nehmer andererseits auswirken wird – z. B. bei Ihnen im Wahlkreis?
In den Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern höre ich immer wieder die Sorge, wie es mit dem eigenen Arbeitsplatz und mit der Wirtschaft weitergeht. Das ist für viele in ganz Deutschland ein Thema. Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Unternehmen jetzt investieren und sich modernisieren. Das wissen sie auch schon seit Jahren, aber sie haben sich oft zurückgehalten, weil ihnen teilweise die Planungssicherheit gefehlt hat. Mit dem Wachstumsbooster-Gesetz geben wir den Unternehmerinnen und Unternehmern diese Sicherheit zurück. Das machen wir vor allem, indem wir über verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten gezielt private Investitionen fördern. Wenn ein Unternehmen investiert, erhält es steuerliche Erleichterungen. Das macht die Unternehmen zukunftssicher, schafft neue Arbeitsplätze und erhält bestehende Arbeitsplätze – z. B. in der Automobilbranche – und sorgt für einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland. Bei der Modernisierung gehen wir auch voran: Mit der Forschungsförderung setzen wir steuerliche Anreize für innovative Unternehmen, die forschen und Neues entwickeln wollen.
Für dieses Paket aus Wachstumsbooster-Gesetz und Sondervermögen habe ich positive Rückmeldungen erhalten, sowohl von Unternehmen als auch von Gewerkschaften. Denn sie sagen: „Das gibt uns Sicherheit, wir wissen jetzt, worauf wir uns einlassen.“
Welche weiteren Projekte stehen in dieser Legislaturperiode an?
Wir wollen diejenigen stärken, die in den vergangenen Jahren von unterschiedlichen Krisen besonders betroffen waren – sei es durch die Corona-Pandemie oder steigende Energiekosten und Inflation. Das waren v. a. Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen und Familien. Zwei Vorhaben sind dafür besonders wichtig.
Zum einen sieht der Koalitionsvertrag eine Senkung der Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen ab der Mitte der Legislaturperiode vor. Da müssen wir jetzt schauen, wie wir das umsetzen.
Und zweitens ist da die Anhebung und Verknüpfung von Kinderfreibetrag und Kindergeld. Steigt der Kinderfreibetrag, von dem eher Menschen mit höherem Einkommen profitieren, soll das Kindergeld, das für die kleineren und mittleren Einkommen wichtig ist, noch ein wenig mehr steigen. Auch darauf haben wir uns im Koalitionsvertrag verständigt.
Diese zwei Änderungen sollen dafür sorgen, dass gerade für die Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen mehr im Geldbeutel übrigbleibt und sie mehr ausgeben können. Das stärkt einen zentralen Bereich der Wirtschaft, der für Deutschland wichtiger werden wird, nämlich die Binnenkonjunktur. Und gleichzeitig ist das eine Frage der Gerechtigkeit und des Zusammenhalts unserer Gesellschaft.