BMF-Monatsbericht März 2026

Inhalt

Briefmarken – Deutschlands kleinste Kulturbotschafter

20.03.2026
  • Das BMF ist seit der Auflösung des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation im Jahre 1998 Herausgeber der deutschen Briefmarken.
  • Jährlich werden rund 50 neue Motive herausgegeben.
  • Die zusätzlichen Cent-Beträge der sogenannten Plusmarken führen jedes Jahr zu Erlösen in Höhe von mehreren Millionen Euro und werden verwendet, um vielfältige gemeinnützige Projekte zu unterstützen.

Einleitung

Das BMF ist seit dem Jahr 1998 Herausgeber der Postwertzeichen (Briefmarken) mit dem Aufdruck „Deutschland“.

Von der Idee bis zur Entstehung einer Briefmarke ist es ein weiter Weg.1 Dabei erhält das BMF Unterstützung durch angesehene Expertinnen und Experten u. a. aus dem Bereich der Grafik, der Philatelie, der Wissenschaft, aber auch durch Bundestagsabgeordnete und Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Post AG. Jedes Jahr entstehen so rund 50 kleine Kunstwerke, die mit einer Auflage zwischen 1 Mio. bis 10 Mio. Stück weltweit versandt werden. Die Briefmarken der Bundesrepublik Deutschland spiegeln sowohl Ereignisse mit nationalem als auch mit internationalem Bezug wider. Sie dienen als Porto für Postsendungen und können dabei als Plus-Briefmarken sogar Gutes tun.

Plus-Briefmarken
lassen ihren besonderen Mehrwert schon auf den ersten Blick durch das „Plus“-Zeichen erkennen. Dieses Signet wurde im Jahr 2008 entworfen und bürgt dafür, dass jeder zusätzliche Cent gut angelegt ist und direkt bei denjenigen Menschen ankommt, die auf die Solidarität der Gesellschaft angewiesen sind. Die Porto- und „Pluswerte“ betragen ab 2025 jeweils 95 + 40 Cent, 110 + 45 Cent und 180 + 55 Cent. Jedes Jahr kommt ein „Plus“-Erlös von rund 7 Mio. Euro zusammen. Welcher karitative Bereich die Erlöse erhält, steht jeweils auf den Marken: die Wohlfahrtspflege, die Jugend, der Sport, der Umweltschutz oder die Förderung der Philatelie. Die Marken mit dem „Plus“ sind in ausgesuchten Filialen beziehungsweise im Onlineshop der Deutschen Post AG erhältlich.

Nachfolgend wird ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt der Briefmarken des vergangenen Jahres präsentiert. Gleichzeitig wird ein Ausblick auf die Höhepunkte des Jahres 2026 gegeben.

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Rückblick

Margot Friedländer

Abbildung einer Briefmarke im Wert von 95 Cent mit einem Foto von Margot Friedländer und dem Text: Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen, seid vernünftig. BildVergroessern
Gestaltung Postwertzeichen: Andrea Voß-Acker, Wuppertal; Foto: © picture-alliance/photothek.de/Florian Gaertner                                                                  

Geboren als jüdische Deutsche 1921 in Berlin, deportiert 1944 ins Konzentrationslager Theresienstadt, befreit im Mai 1945, entging Margot Friedländer nur knapp dem Tod durch den nationalsozialistischen Terror. Als Einzige in ihrer direkten Familie überlebte sie den Holocaust. Nach über sechs Jahrzehnten im Exil in New York kehrte sie im Alter von 88 Jahren in ihre Heimat Berlin zurück und setzte sich dafür ein, dass das, was Millionen von Menschen ihrer Generation angetan wurde, nie wieder passieren darf. Unermüdlich engagierte sich Margot Friedländer durch Lesungen aus ihrer Biografie, Zeitzeugengespräche in Schulen und öffentliche Auftritte für Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Ihre Haltung, ihr Mut und ihre ausgestreckte Hand der Versöhnung hat Tausende berührt. Sie ist nicht müde geworden, jungen Menschen zu begegnen und ihnen zu sagen: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist. Aber dafür, dass es nie wieder geschieht.“ Mit ihrem Tod hat Deutschland eine Persönlichkeit verloren, die als Zeitzeugin und Überlebende des Holocaust mit großem persönlichem Einsatz ihren Überlebenskampf in der NS-Diktatur geschildert und für ein besseres Deutschland gekämpft hat.

Serie „Für die Wohlfahrtspflege“: Helferinnen und Helfer der Menschheit 2.0

Abbildung von drei Briefmarken mit den Werten 95, 110 und 180 mit der Darstellung der Bereiche Obdachlosenhilfe, Suchthilfe und Erziehungshilfen, die mit Hilfe mehrerer Icons dargestellt werden. BildVergroessern
Gestaltung Postwertzeichen: Lynn Lehmann und Dennis Gärtner, ZEBU Berlin                                                                              

Die Sonderpostwertzeichen-Serie zur Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. stand wie im Jahr 2024 unter dem Thema „Helferinnen und Helfer der Menscheit 2.0“. Thematisch soll erneut an die erste Ausgabe im Jahr 1949 angeknüpft werden, die sich schon damals den „Helfern der Menscheit“ widmete. Dieser Gedanke, dass Menschen durch ihre Tätigkeit anderen Menschen helfen, hat bis heute nichts an Aktualität verloren und sollte mit den neuen Marken in die Jetztzeit transportiert werden. Einerseits wird so an die Ursprünge der Briefmarken mit Zuschlag als Finanzierungsinstrument für soziale Hilfen verwiesen. Andererseits können durch die Auswahl der Motive gleichzeitig einzelne Arbeitsfelder der Wohlfahrtsverbände beispielhaft dargestellt werden. Angesichts der gegenwärtigen Lage zeigen die drei aktuellen Marken folgende Motive: Obdachlosenhilfe, Suchthilfe und Erziehungshilfen.

125 Jahre Bürgerliches Gesetzbuch

Abbildung einer Briefmarke im Wert von 95 Cent mit der Abbildung eines Buches. Auf dem Bucheinband ist die Aufschrift "125 Jahre Bürgerliches Gesetzbuch" zu sehen. BildVergroessern
Gestaltung der Postwertzeichen: David Fischbach, Wuppertal                                       

Am 1. Januar 1900 trat das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in Kraft, mit dem das bürgerliche Recht vereinheitlicht wurde, das die Rechte und Pflichten zwischen den gleichberechtigten Menschen und anderen Privatrechtssubjekten regelt. Damit endete die Rechtszersplitterung im Deutschen Reich von 1871, die Industrie, Handel und Verkehr erheblich erschwerte. Im BGB befinden sich auch 125 Jahre nach seinem Inkrafttreten noch die zentralen Vorschriften des bürgerlichen Rechts, welche die Rechtsverhältnisse der Bürgerinnen und Bürger untereinander bestimmen, ohne dass die meisten die einzelnen Vorschriften des BGB genauer kennen. Die lange Geltungsdauer des Gesetzes war nur möglich, weil es in den 125 Jahren seines Bestehens durch den Gesetzgeber und die Rechtsprechung stetig fortentwickelt wurde, um es an den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel anzupassen.

Serie „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ – Donata Helmrich (1900–1986)

Abbildung einer Briefmarke im Wert von 95 Cent mit einem Portrait von Donata Helmrich und dem Text: Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. BildVergroessern
Gestaltung Postwertzeichen: Prof. Annette le Fort und Prof. André Heers, Berlin; Foto: © Cornelia Schmalz-Jacobsen                             

Im Jahr 2025 wurde die Sonderpostwertzeichen-Serie „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ mit der Ehrung von Donata Helmrich fortgesetzt. Donata Helmrich war seit 1933 mit Eberhard Helmrich, einem Berliner Landwirtschaftsexperten, verheiratet. Beide lehnten das NS-Regime ab und unterstützten ihre jüdischen Freundinnen und Freunde, etwa bei der Emigration. Im Herbst 1942 schleuste Eberhard Helmrich mehrere Jüdinnen aus Drohobycz, für die er falsche Papiere als christliche Ukrainerinnen besorgt hatte, zu seiner Frau nach Berlin. Sie nahm die Verfolgten trotz der Sorge um ihre eigenen Kinder bei sich in Berlin-Charlottenburg auf. Da viele Familien günstige Haushaltshilfen suchten, vermittelte Donata Helmrich die jungen Frauen als vermeintliche Ukrainerinnen, die im Gegensatz zu Polinnen als Hauspersonal arbeiten „durften“, an ahnungslose Familien. Donata Helmrich knüpfte in dieser Zeit ein Netz von mehr als dreißig Unterstützerinnen und Unterstützern, mit denen sie Verfolgten in Berlin half. „Wenn wir beide zwei Menschenleben retten, sind wir quitt mit Hitler, und jedes zusätzliche Leben ist ein Reingewinn“, so lautete Donata und Eberhard Helmrichs Einstellung. Geschätzt wird, dass sie bis zu 300 Verfolgten halfen.

100 Jahre Deutscher Akademischer Austauschdienst

Abbildung einer Briefmarke im Wert von 125 Cent. Auf der Marke ist im Hintergrund eine Weltkugel zu sehen und im Vordergrund steht der Text "DAAD 100 Jahre Deutscher Akademischer Austauschdienst" – auf Deutsch und auf Englisch. BildVergroessern
Gestaltung Postwertzeichen: Matthias Wittig, Berlin                      

Seit 100 Jahren fördert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) den internationalen Austausch von Studierenden, Lehrenden und Forscherinnen und Forschern sowie die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit. Den Grundstein hierfür legte Carl Joachim Friedrich, der in den Jahren 1922 und 1923 als Gaststudent aus Heidelberg in New York seine Leidenschaft für den internationalen Austausch entdeckte. Zurück in Deutschland organisierte er in den Jahren 1924 und 1925 mit dem amerikanischen Institute of International Education Stipendien für 13 deutsche Kommilitoninnen und Kommilitonen. Hieraus entstand 1925 der Akademische Austauschdienst als Vorläuferorganisation des DAAD. Viele weitere Stipendien folgten: Knapp 3 Millionen Akademikerinnen und Akademiker sowie tausende Hochschulkooperationsprojekte wurden bis heute vom DAAD gefördert.

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Ausblick für das Jahr 2026

Sommermärchen 2006

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ stattfand, war ein herausragendes Ereignis im internationalen Fußball. Kaum hatte die Weltmeisterschaft begonnen, ging ein Stimmungsaufschwung durch das Land, der sich über die gesamte Dauer des Turniers erstreckte. Das Wetter spielte eine entscheidende Rolle bei der Schaffung einer berauschenden Atmosphäre, die Deutschland vier Wochen lang in ein Fest verwandelte. Die positive Stimmung und die Begeisterung der deutschen Bevölkerung führten zu einer signifikanten Aufwertung des deutschen Selbstbilds. Gleichzeitig fühlte sich das Ausland in Deutschland „zu Gast bei Freunden“, was die internationale Reputation Deutschlands in der Welt positiv beeinflusst hat.

Gemeinschaftsmarke Deutschland-Litauen: Künstlerkolonie Nidden

Die Künstlerkolonie Nidden ist die älteste Künstlerkolonie der Ostseeküste. Ende des 19. Jahrhunderts begannen Professorinnen und Professoren sowie Studentinnen und Studenten der Königsberger Kunstakademie, dort die Sommerwochen zu verbringen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Nidden zum beliebten Ferien- und Schaffensort für deutsche Intellektuelle: Kunstschaffende aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Literatur, Schauspiel und Musik fanden auf der Kurischen Nehrung eine Insel der Ruhe und eine Quelle der Inspiration. Auf der sogenannten Künstlerveranda des Gasthauses Blode wurden bis in die Nacht aktuelle Kunstprobleme diskutiert, Musik und Dichtung gehört. Der Künstlerkolonie Nidden gehörten Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Stilrichtungen an – von Impressionismus über Realismus und Symbolismus bis hin zum Naturalismus.

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Fazit

Briefmarken sind die kleinsten Botschafter Deutschlands. Sie dienen der Erinnerung an Ereignisse der jüngeren und älteren Zeitgeschichte und spiegeln aufgrund ihrer thematischen Vielfalt die verschiedenen gesellschaftlichen Interessen wider. Auch im digitalen Zeitalter hat die Briefmarke ihren Platz und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit in breiten Teilen der Gesellschaft und auch weit über Deutschlands Grenzen hinaus. In diesem Jahr wird es wieder über 50 Briefmarken mit verschiedenen Motiven geben, die zum Sammeln oder Schreiben anregen und als Plusmarken sogar etwas Gutes bewirken.

Übersicht Sonderpostwertzeichen 2026

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Fußnoten

1
Hier können Sie mehr über die Entstehung einer Briefmarke lesen.