BMF-Monatsbericht Mai 2026

Inhalt

Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbankgruppe

21.05.2026
  • Vom 13. bis 17. April 2026 fand in Washington, D.C., die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe statt. Es fanden u. a. Treffen der G7- und G20-Finanzministerinnen und -minister und -Notenbankgouverneurinnen und -gouverneure sowie des Lenkungsausschusses des IWF und des Entwicklungsausschusses von Weltbank und IWF statt.
  • Die jüngste Weltwirtschaftsprognose des IWF zeigt, dass der Iran-Nahost-Konflikt und die daraus resultierenden Lieferkettenstörungen und hohen Energiepreise das Wirtschaftswachstum in vielen Ländern senken und die Inflation anheizen werden. Die Auswirkungen sind umso gravierender, je länger der Konflikt andauert.

  • Die deutsche Delegation hat den IWF aufgerufen, zusammen mit anderen multilateralen Institutionen den besonders betroffenen Ländern rasch und umfassend mit Politikberatung, technischer Hilfe und, sofern notwendig, finanzieller Unterstützung beizustehen. Der IWF ist hierfür sehr gut aufgestellt, seine finanzielle Ausstattung ist ausreichend. Dabei sollte sich der IWF vorrangig auf seinen Kernauftrag, die Wahrung der globalen Finanzstabilität, konzentrieren.

Herausforderungen für die Weltwirtschaft

Am 14. April 2025 hat der Internationalen Währungsfonds (IWF) wie üblich zur Frühjahrstagung seinen aktuellen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft, den World Economic Outlook, vorgestellt. Die Weltwirtschaft wird erneut herausgefordert, überschreibt der IWF seine Weltwirtschaftsprognose. Der Iran-Nahost-Konflikt wirkt sich über gestiegene Güterpreise und Inflationserwartungen auf die Prognosen aus und wirkt den positiven Entwicklungen der vergangenen Monate entgegen. Ohne den Iran-Nahost-Konflikt hätte der IWF die Wachstumsprognose u. a. aufgrund zuletzt unerwartet guter Wirtschaftsdaten, insbesondere in China und den USA, und geringerer Zölle als erwartet nach oben revidiert.

Die Auswirkungen des Iran-Nahost-Konflikts auf einzelne Länder und Regionen sind sehr unterschiedlich. Am stärksten getroffen sind der Mittlere Osten und Nordafrika. Außerdem stark betroffen sind rohstoffimportierende Schwellen- und Entwicklungsländer, insbesondere in Asien. Aber auch ärmere Länder mit schwachen Fundamentaldaten – wie bereits vorhandener Inflationsdruck, schwache Schuldentragfähigkeit und geringe fiskalische Spielräume – leiden unter den kriegerischen Auseinandersetzungen. Sie sind zudem von den steigenden Preisen für Rohstoffe, Düngemittel, Lebensmittel und Logistik besonders betroffen.

Wie üblich wurde sich bei der Tagung auch zu Entwicklungen bei der globalen Finanzstabilität ausgetauscht. Der Iran-Nahost-Konflikt hat auch Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Er verstärkt die Unsicherheit und führt zu erhöhter Volatilität. Darüber hinaus bestehen weitere Verwundbarkeiten an den Finanzmärkten. So tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung zu Risiken im Schattenbankensektor, Innovationen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, der hohen weltweiten Staatsverschuldung sowie zu Spillover-Effekten aus geopolitischen Risiken aus. Diese Risiken bergen für die Finanzmärkte erhebliches Rückschlagpotenzial. Bisher zeigt sich das deutsche Finanzsystem widerstandsfähig. In diesem herausfordernden Umfeld beobachtet das BMF gemeinsam mit der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Entwicklungen aufmerksam.

Zum Seitenanfang

Treffen von IWF und Weltbankgruppe

Am 16. und 17. April 2026 fanden die Treffen des Lenkungsausschusses des IWF (International Monetary and Financial Committee, IMFC) statt, an denen für Deutschland Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesbankpräsident Prof. Dr. Joachim Nagel teilnahmen. Auch bei den Diskussionen des IMFC stand die globale Wirtschaftslage im Mittelpunkt.

Die IMFC-Mitglieder betonten, dass es in dem derzeit äußerst unsicheren Umfeld besonders wichtig sei, die gesamtwirtschaftliche Stabilität und die Resilienz der Finanzsysteme zu stärken. Zur Förderung des Wirtschaftswachstums seien darüber hinaus Strukturreformen sowie zeitlich begrenzte und passgenaue Unterstützungsmaßnahmen in den einzelnen Ländern angemessen. Effektive politische Koordinierung und multilaterale Zusammenarbeit seien angesichts der bestehenden geopolitischen Herausforderungen umso wichtiger.

Die deutsche Delegation hat den IWF aufgerufen, im Rahmen seines Mandats und in enger Zusammenarbeit mit anderen multilateralen Institutionen, den besonders betroffenen Ländern rasch und umfassend mit Politikberatung, technischer Hilfe und, sofern notwendig, finanzieller Unterstützung beizustehen. Der IWF ist hierfür sehr gut aufgestellt, seine finanzielle Ausstattung ist ausreichend.

Die IMFC-Mitglieder bekannten sich zu einem starken, quotenbasierten IWF und betonten, dass der IWF weiterhin die zentrale Säule der globalen Finanzstabilität bilde. Sie begrüßten die Fokussierung des IWF auf sein Kernmandat, um Effizienzgewinne und einen besseren Nutzen für die Mitglieder zu erzielen. Die finanz- und wirtschaftspolitische Überwachung ist die wichtigste Säule der IWF-Arbeit. Temporäre und zielgerichtete Kredite bei Zahlungsbilanzungleichgewichten flankieren die nachhaltigen makroökonomischen Anpassungen und Strukturreformen des betroffenen Landes.

Wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Sprache zur geopolitischen Lage konnte sich der Lenkungsausschuss nicht auf ein gemeinsames Kommuniqué verständigen, sodass ein inhaltlich ansonsten konsentiertes Chair’s Statement des IMFC-Vorsitzes1 veröffentlicht wurde. Die darin verdeutlichte Einigung auf gemeinsame Haltungen u. a. zur globalen Wirtschaftslage und zur IWF-Geschäftspolitik ist ein wichtiges Signal der multilateralen Handlungsfähigkeit der globalen Mitgliedschaft des IWF.

Am Treffen der Gouverneurinnen und Gouverneure der Weltbankgruppe nahm für Deutschland Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan teil. Im Zentrum der Gesprächsformate standen insbesondere die Rolle der Weltbank bei der Unterstützung der Menschen in den vom Iran-Nahost-Konflikt besonders betroffenen Ländern. Zum anderen war die Frühjahrstagung erneut der sogenannten Jobs-Agenda der Weltbank gewidmet, die darauf abzielt, geeignete Rahmenbedingungen für mehr und bessere Arbeitsplätze und für Investitionen des Privatsektors in den Partnerländern zu schaffen. Ein besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr zudem auf dem verbesserten Zugang zu Wasser sowie auf der Gesundheitsförderung von Müttern und Kindern.

Zum Seitenanfang

Treffen der G20

Wie üblich trafen sich am Rande der Frühjahrstagung auch die Finanzministerinnen und minister und Notenbankgouverneurinnen und gouverneure (FMNBG) der G20-Mitglieder. Im Zentrum des ersten Treffens unter der G20-Präsidentschaft der USA standen ebenfalls der Iran-Nahost-Konflikt und die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Die G20-Mitglieder sind sich weitgehend einig, dass Länder und Regionen unterschiedlich durch die Lieferkettenstörung und den Energiepreisanstieg betroffen sind. Die G20 solle insbesondere die Betroffenheit der am stärksten gefährdeten und verwundbarsten Staaten im Blick behalten. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wiesen darauf hin, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine in der aktuellen Lage nicht in Vergessenheit geraten solle.

Die G20-Präsidentschaft hat sich die Stärkung des globalen Wachstums zum zentralen Ziel gemacht. Vor diesem Hintergrund wurden Wachstumshemmnisse und mögliche Reformen diskutiert. In der Diskussion betonten viele Mitglieder die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und unterstrichen die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit insbesondere in diesen schwierigen Zeiten. Es herrschte weitgehend Einigkeit, dass ein schnelles Ende des Konflikts und die Rückkehr zu Verlässlichkeit internationaler Politik eine Grundvoraussetzung für Investitionen und Wachstum seien.

Außerdem befasste sich die G20 mit dem Thema der globalen Ungleichgewichte. Das erklärte Ziel der US-G20-Präsidentschaft ist die gemeinsame Diagnose „exzessiver“ globaler Ungleichgewichte. In der Diskussion ging es um die Frage, welche Risiken von „exzessiven“ Ungleichgewichten ausgehen und wie die G20, gegebenenfalls mithilfe analytischer Arbeiten des IWF und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das Thema weiter voranbringen kann.

Globale Ungleichgewichte,
also Leistungsbilanzdefizite und -überschüsse, sind aufgrund der damit begründeten US-Zollpolitik und zunehmender chinesischer Überkapazitäten wieder in den Fokus internationaler Diskussionen gerückt. Leistungsbilanzüberschüsse oder -defizite entstehen, wenn der Wert von exportierten Waren und Dienstleistungen sowie von Einkommenszuflüssen aus dem Ausland nicht dem Wert der Importe sowie der Einkommensabflüsse ins Ausland entspricht. Exportiert ein Land weniger, als es importiert, entsteht ein Leistungsbilanzdefizit (z. B. USA, Vereinigtes Königreich). Exportiert ein Land mehr, als es importiert, entsteht ein Leistungsbilanzüberschuss (z. B. Deutschland, China, Japan). Auch große Leistungsbilanzungleichgewichte sind nicht notwendigerweise problematisch. Von großen Überschüssen und Defiziten können jedoch grenzüberschreitende Risiken ausgehen, insbesondere wenn diese durch marktverzerrende Ursachen getrieben sind.

Globale Ungleichgewichte waren auch das Thema eines von der französischen G7-Präsidentschaft gemeinsam mit dem aktuellen US-G20-Vorsitz anberaumten Ministertreffens mit China, Brasilien, Indien, Kenia und Südkorea. Ziel war ein Austausch zu den aktuell zunehmenden globalen Ungleichgewichten und Möglichkeiten zu deren Abbau.

Zum Seitenanfang

Unterstützung der Ukraine

Auf die gemeinsame Einladung von Finanzminister Lars Klingbeil und seinem norwegischen Kollegen Jens Stoltenberg hin fand außerdem ein informelles Treffen der Finanzministerinnen und -minister der größten Geberländer (einschließlich der EU-Kommission) für die Ukraine statt. Auch der ukrainische Finanzminister und NATO-Vertreter waren anwesend.

Bei dem Treffen ging es u. a. darum, wie die wirtschaftliche Stabilität der Ukraine auch in der mittleren Frist unterstützt werden kann. Absehbar wird die Ukraine auf internationale finanzielle Hilfe angewiesen bleiben. Eine frühzeitige Abstimmung der Finanzministerinnen- und -minister zu Planungshorizonten, Instrumenten und Prioritäten kann die Kohärenz erhöhen und Erwartungsunsicherheiten reduzieren. Dies sendet zugleich ein wichtiges Signal an die Kapitalmärkte und private Investorinnen und Investoren, dass öffentliche Unterstützung verlässlich und strategisch eingebettet ist.

Trotz der aktuellen geopolitischen Konflikte muss – dies betonte Finanzminister Lars Klingbeil bei dem Treffen – die Ukraine weiterhin im Fokus bleiben. Entscheidend sei auch, dass die Ukraine ihrerseits entschieden mit dringend notwendigen Reformen voranschreite. Die Unterstützung der Ukraine war auch ein Thema beim Treffen der G7-FMNBG am Rande der Frühjahrstagung.

Darüber hinaus wurde während der Tagungen die Verlängerung des seit dem Jahr 2022 bestehenden Schuldenmoratoriums für die Ukraine unterzeichnet. Der bilaterale Schuldendienst gegenüber der Ukraine wird für die Dauer des neuen IWF-Programms im Zeitraum 2026 bis 2030 ausgesetzt. Dies stellt ein wichtiges Signal der fortgesetzten Unterstützung dar.

Jahrestagung des IWF und der Weltbankgruppe
Die kommende Jahrestagung des IWF und der Weltbankgruppe findet vom 12. bis 18. Oktober 2026 in Bangkok, Thailand statt.