Die Kreditaufnahme des Bundes dient der Finanzierung des Bundeshaushalts und der Sondervermögen des Bundes. Sondervermögen werden unterschieden in solche Sondervermögen, die über den Bundeshaushalt oder andere Einnahmen mitfinanziert werden, und Sondervermögen mit eigener Kreditermächtigung: Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS), Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), Investitions- und Tilgungsfonds (ITF), Sondervermögen Bundeswehr (SV BW) und das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK). Die gesetzlichen Vorgaben zur Kreditaufnahme für die Sondervermögen mit eigener Kreditermächtigung werden durch die Errichtungsgesetze der jeweiligen Sondervermögen geregelt.
Die nachfolgenden Erläuterungen zur Kreditaufnahme des Bundes und der Sondervermögen beziehen sich
- erst auf den gesamten Kreditbestand des Bundes,
- nachfolgend auf den Kreditbestand des Bundes ohne Darlehensfinanzierung und
- anschließend auf den Kreditbestand des Bundes zur Darlehensfinanzierung.1
Im Folgenden werden die Begriffe „Kreditbestand“ sowie „Bruttokreditaufnahme“ verwendet, Kreditbestand beschreibt dabei das Gesamtvolumen der zum Berichtszeitpunkt aufgenommenen Kredite zu Nennwerten. Die Bruttokreditaufnahme entspricht dagegen dem Volumen der innerhalb des abgelaufenen Monats oder innerhalb des Jahres aufgenommenen Kredite zur Finanzierung des kassenwirksamen Anteils der Nettokreditaufnahme sowie zur Refinanzierung fällig werdender Kredite. Die Darstellung der Bruttokreditaufnahme zeigt die kassenwirksamen Beträge zum Verkauf und die monatlichen beziehungsweise jährlichen Anteile der periodengerecht berücksichtigten Stückzinsen, Agien und Disagien.
Entwicklung des Kreditbestands des Bundes
Der Bund hatte am 31. Dezember 2025 einen Kreditbestand in Höhe von 1.793,9 Mrd. Euro. Der Kreditbestand erhöhte sich zum 31. August 2026 um 94,4 Mrd. Euro auf 1.888,3 Mrd. Euro. Diese Erhöhung resultierte aus einer Bruttokreditaufnahme im Volumen von 338,0 Mrd. Euro, denen Fälligkeiten im Volumen von 252,9 Mrd. Euro gegenüberstanden. Im Jahr 2026 wurden bis Ende August für Zinszahlungen aller auch in früheren Jahren aufgenommenen bestehenden Kredite saldiert 24,0 Mrd. Euro aufgewendet.
Im August 2026 wurden insgesamt 45,1 Mrd. Euro konventionelle Bundeswertpapiere emittiert. Diese verteilten sich auf 4,7 Mrd. Euro 30-jährige Bundesanleihen, 1,7 Mrd. Euro 15-/20-jährige Bundesanleihen, 5,8 Mrd. Euro 10-jährige Bundesanleihen, 6,0 Mrd. Euro Bundesobligationen, 11,0 Mrd. Euro Bundesschatzanweisungen und 15,9 Mrd. Euro Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes. Darüber hinaus wurden im August 2026 Grüne Bundeswertpapiere in Höhe von 1,4 Mrd. Euro begeben.
Die Eigenbestände des Bundes an Bundeswertpapieren verringerten sich im August 2026 um 0,6 Mrd. Euro auf 209,5 Mrd. Euro. Die Veränderung resultierte aus Sekundärmarktverkäufen in Höhe von 15,2 Mrd. Euro, denen Käufe in Höhe von 6,6 Mrd. Euro und die Erhöhung von Eigenbeständen um 8,9 Mrd. Euro gegenüberstanden. Ferner gab es Fälligkeiten im Eigenbestand in Höhe von 0,9 Mrd. Euro.
Zum Stichtag entfielen 96,9 Prozent des Kreditbestands auf den Bund ohne Darlehensfinanzierung, die restlichen 3,1 Prozent dienten der Darlehensfinanzierung.
Entwicklung des Kreditbestands des Bundes ohne Darlehensfinanzierung
Im August 2026 erfolgte eine Bruttokreditaufnahme für den Bund ohne Darlehensfinanzierung in Höhe von 45,6 Mrd. Euro. Außerdem wurden 45,2 Mrd. Euro fällige Kredite getilgt. Für Zinszahlungen der Kredite des Bundes ohne Darlehensfinanzierung wurden im August 2026 saldiert 6,9 Mrd. Euro aufgewendet.
Am 31. August 2026 betrug der Kreditbestand des Bundes ohne Darlehensfinanzierung insgesamt 1.829,3 Mrd. Euro. Folglich erhöhte sich dieser gegenüber dem 31. Juli 2026 um 2,7 Mrd. Euro. Der Kreditbestand des Bundeshaushalts lag bei 1.678,1 Mrd. Euro und verringerte sich gegenüber dem Vormonat um 2,5 Mrd. Euro. Der Kreditbestand des SV BW erhöhte sich im August 2026 um 2,2 Mrd. Euro auf 55,3 Mrd. Euro und der Kreditbestand des SVIK erhöhte sich im August 2026 um 3,1 Mrd. Euro auf 55,6 Mrd. Euro. Außerdem reduzierte sich der Kreditbestand des WSF für Kredite für Rekapitalisierungsmaßnahmen gemäß § 22 StFG um 0,1 Mrd. Euro auf 0,5 Mrd. Euro. Die Kreditbestände für den FMS für Kredite für Aufwendungen gemäß § 9 Abs. 1 StFG (22,4 Mrd. Euro) und für den ITF (17,4 Mrd. Euro) veränderten sich gegenüber dem 31. Juli 2026 gar nicht oder nur sehr geringfügig.
Entwicklung des Kreditbestands des Bundes zur Darlehensfinanzierung
Im August 2026 erfolgte für den FMS zur Refinanzierung von Darlehen gemäß § 9 Abs. 5 StFG eine Bruttokreditaufnahme von 1,0 Mrd. Euro sowie keine Tilgungen von Krediten. Für den WSF gab es im August 2026 zur Darlehensfinanzierung gemäß § 23 StFG weder eine Bruttokreditaufnahme noch Tilgungen. Der Kreditbestand belief sich damit per Ende August 2026 auf 47,0 Mrd. Euro (FMS) beziehungsweise 12,0 Mrd. Euro (WSF). Am 31. August 2026 betrug der Gesamtbestand an Krediten zur Darlehensfinanzierung 59,0 Mrd. Euro.
Weitere Einzelheiten können folgenden Tabellen entnommen werden:
- Entwicklung des Kreditbestands des Bundes im August 2026,
- Entwicklung des Kreditbestands des Bundes ohne Darlehensfinanzierung im August 2026 und
- Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbestände an Bundeswertpapieren im August 2026.
Im statistischen Anhang sind zusätzlich die beiden erstgenannten Tabellen mit Daten für den bisherigen Jahresverlauf, der nach Restlaufzeitklassen gruppierte Kreditbestand des Bundes sowie die nach Instrumentenart aufgegliederten Daten zum Kreditbestand des Bundes, zur Bruttokreditaufnahme des Bundes, zu den Tilgungen des Bundes und zu den Zinsen für die Kredite des Bundes enthalten.
Die Abbildung „Bruttokreditaufnahme und Kreditbestand des Bundes“ zeigt die Verteilung der Bruttokreditaufnahme und des Kreditbestands auf die Finanzierungsinstrumente. Den größten Anteil an der Bruttokreditaufnahme im laufenden Jahr stellten mit 105,6 Mrd. Euro beziehungsweise 31,3 Prozent die Unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes dar, gefolgt von den 10-jährigen Bundesanleihen mit 63,1 Mrd. Euro beziehungsweise 18,7 Prozent.
BildVergroessern
Mehr als 99 Prozent des Kreditbestands des Bundes sind in Form von Inhaberschuldverschreibungen verbrieft. Die konkreten Gläubiger sind dem Bund nicht bekannt.
Details zu den geplanten Emissionen und den Tilgungen von Bundeswertpapieren sind den Pressemitteilungen zum Emissionskalender zu entnehmen.2 Ferner werden auf der Internetpräsenz der Bundesrepublik Deutschland - Finanzagentur GmbH nach jeder Auktion von Bundeswertpapieren die Auktionsergebnisse veröffentlicht.3
Entwicklung des Kreditbestands des Bundes ohne Darlehensfinanzierung im August 2026
Tabelle vergrößern
Entwicklung von Umlaufvolumen und Eigenbestände an Bundeswertpapiere im August 2026
Tabelle vergrößernHandel und Halter von Bundeswertpapieren im 2. Quartal 2026
Bruttohandel
Die Banken der „Bietergruppe Bundesemissionen“ nehmen an Bundeswertpapierauktionen teil. In der Folge handeln sie am Sekundärmarkt in großem Umfang mit Bundeswertpapieren. Ihre gemeldeten Handelsumsätze sind in Summe ein wesentlicher Indikator für die Liquidität von Bundeswertpapieren.
Im 2. Quartal 2026 reichte das Handelsvolumen nicht an den Rekordwert des 1. Quartals 2026 heran. Mit 1.864 Mrd. Euro übertraf es dennoch das bislang umsatzstärkste 2. Quartal aus dem Vorjahr um rund 1 Prozent. Verglichen mit dem um 8 Prozent angewachsenen ausstehenden Volumen der handelbaren Bundeswertpapiere ist dieser Anstieg unterdurchschnittlich.
Die Umsätze im Restlaufzeitsegment „ein bis drei Jahre“ stiegen auf ein Allzeithoch (377 Mrd. Euro). Im Vergleich zum 2. Quartal des Vorjahres verzeichnete allerdings der Handel mit Grünen Bundeswertpapieren mit 18 Prozent den größten (relativen) Anstieg. Den größten Rückgang im Handelsvolumen gab es erneut bei den Inflationsindexierten Bundeswertpapieren zu vermelden (‑53 Prozent gegenüber dem 2. Quartal 2025). Ein Grund dafür ist unter anderem eine Fälligkeit im April 2026.
BildVergroessern
Unter den Kontrahenten sorgten die Hedgefonds im 2. Quartal 2026 für die dynamischste Zunahme beim Handel. Während sie 16 Prozent mehr umsetzten, hielten sich unter den „echten“ Investoren (abseits der Finanzagentur) die Real-Money-Manager am deutlichsten zurück und handelten 5 Prozent weniger. Banken und Broker erreichten ihr zweitbestes Handelsvolumen seit über 10 Jahren.
Relativ volatil fallen regelmäßig die Umsätze mit „Sonstigen“ Regionen – Afrika und Arabische Staaten – aus. Im 2. Quartal 2026 erreichen sie einen Rekordwert von über 20 Mrd. Euro, fast ein Viertel mehr als noch vor Jahresfrist. Exakt ein Viertel weniger wird mit Asien gehandelt.
| 2. Quartal 2025 | 2. Quartal 2026 | Änderung in Prozent | |
| in Mrd. Euro | in Mrd. Euro | ||
| Restlaufzeiten Wertpapiere (in Jahren) | |||
| 260 | 243 | -6 |
|---|---|---|---|
| 552 | 565 | 2 |
| 420 | 426 | 1 |
| 355 | 377 | 6 |
| 214 | 213 | 0 |
| 27 | 32 | 18 |
| 16 | 8 | -53 |
| Kontrahenten | |||
| 812 | 830 | 2 |
| 291 | 337 | 16 |
| 478 | 453 | -5 |
| 175 | 171 | -3 |
| 86 | 72 | -16 |
| Regionen | |||
| 254 | 276 | 9 |
| 111 | 83 | -25 |
| 612 | 616 | 1 |
| 850 | 868 | 2 |
| 16 | 20 | 23 |
| Insgesamt | 1.843 | 1.864 | 1 |
| Quellen: Bundesministerium der Finanzen, Finanzagentur | |||
Bestandsschätzung
Basierend auf den Daten der Bieterbanken aus ihren Käufen und Verkäufen an Endinvestoren ist es mit dem Wissen um die Fälligkeit der gehandelten Bundeswertpapiere möglich, die Bestände der Kontrahentengruppen zu schätzen.
Dass Trends in Handelsumsätzen nicht als Indikator für mögliche Bestandsumschichtungen dienen sollten, zeigten zwischen 2. Quartal 2025 und 2. Quartal 2026 einmal mehr Real-Money-Investoren und Hedgefonds. Erstere stockten ihre Bestände an Bundeswertpapieren am deutlichsten auf, um ein Fünftel auf einen neuen Höchstwert von 437 Mrd. Euro, während ihre Umsätze sanken. Genau umgekehrt halbierten Hedgefonds bei signifikant höheren Umsätzen ihre Bestände nahezu. Auch Banken und Broker erreichten mit 363 Mrd. Euro eine neue Rekordmarke. Ähnlich wie bei Zentralbanken wuchsen ihre Bestände jedoch ungefähr im Gleichlauf mit dem ausstehenden Bundeswertpapiervolumen.
Investoren aus Asien kauften von Halbjahr zu Halbjahr so viele Bundeswertpapiere wie nie zuvor (+18 Prozent auf 384 Mrd. Euro). Während die Bestände von Investoren aus dem Übrigen Europa sowie den „Sonstigen“ Regionen überproportional angestiegen, kauften die mit Abstand bedeutendsten Investoren im Euroraum nur marginal mehr. Analog zum deutlichen Abbau bei den Hedgefonds befanden sich amerikanische Investoren mit fast -40 Prozent klar auf der Verkäuferseite.
| 2. Quartal 2025 | 2. Quartal 2026 | Änderung in Prozent | |
| in Mrd. Euro | in Mrd. Euro | ||
| Kontrahenten | |||
| 336 | 363 | 8 |
|---|---|---|---|
| 40 | 21 | -47 |
| 364 | 437 | 20 |
| 972 | 1.026 | 6 |
| 207 | 204 | -2 |
| Regionen | |||
| 46 | 28 | -39 |
| 326 | 384 | 18 |
| 1.145 | 1.184 | 3 |
| 395 | 447 | 13 |
| 7 | 8 | 12 |
| Insgesamt | 1.920 | 2.052 | 7 |
| Quellen: Bundesministerium der Finanzen, Finanzagentur | |||
Fußnoten
- 1
- Die Aufnahme von Krediten durch den Bund nach §§ 9 Abs. 5 und 23 Stabilisierungsfondsgesetz (StFG) zur Weiterleitung in Form von Darlehen über FMS und WSF an Anstalten des öffentlichen Rechts (im Folgenden „Darlehensfinanzierung“) dient der Kostenersparnis durch die niedrigeren Refinanzierungskonditionen des Bundes.
- 2
- Internetseite der Finanzagentur: Emissionskalender
- 3
- Internetseite der Finanzagentur: Emissionsergebnisse