Navigation und Service

Das Fi­nanz­sys­tem ins­ge­samt kri­sen­fes­ter ma­chen

Eine breitere Sicht auf das Finanzsystem

Durch die globale Finanzkrise wurde deutlich, dass der Ausfall von einzelnen Instituten nicht nur Konsequenzen für das Institut selbst hat, sondern die Stabilität des gesamten Finanzsystems negativ beeinflussen kann. Und selbst wenn Risiken auf Einzelinstitutsebene adäquat überwacht werden, können gleichgerichtete Risiken auf Makroebene die Finanzstabilität gefährden. Daher hat sich der Fokus der Finanzmarktpolitik seit der Krise geweitet: Sie betrachtet nun nicht nur einzelne Institute intensiver (vor allem große, stark vernetzte Institute, so genannte „systemrelevante Banken“), sondern versucht zusätzlich, Risiken jenseits von Einzelinstituten zu identifizieren und abzuschwächen, die die Finanzstabilität gefährden könnten.

Um das Finanzsystem als Ganzes besser im Blick zu behalten, wurde 2013 der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) beim Bundesministerium der Finanzen eingerichtet. Ziel ist es, die makroprudenzielle, d. h. die auf die Stabilität des Finanzsystems abzielende Aufsicht zu stärken und enger mit der mikroprudenziellen, d. h. der institutsspezifischen, Aufsicht zu verzahnen. Um makroprudenziellen Risiken zu adressieren, gibt es jetzt verschiedene Instrumente, die unter bestimmten Risikokonstellationen aktiviert werden können. Dazu zählen u. a.: Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandskraft und Reduzierung von Ansteckungsrisiken im Bankensektor wie die Puffer für systemische Institute (G-SII/O-SII-Buffer), Puffer für zyklische Risiken (Antizyklischer Kapitalpuffer) oder strukturelle Risiken (Systemic Risk Buffer). Genauere Informationen zu den verfügbaren makroprudenziellen Instrumenten finden Sie hier.

Berücksichtigung von Risiken im Immobiliensektor

Nicht zuletzt in der globalen Finanzkrise 2007/08 hat sich gezeigt, dass exzessive Kreditvergabe am Immobilienmarkt häufig der Ausgangspunkt von besonders schweren, gesamtwirtschaftlichen Rezessionen ist. Daher ist auch der Wohnimmobiliensektor für die Finanzmarktstabilität in den Fokus gerückt. Um bei einer akuten Gefährdung der Finanzstabilität kreditfinanzierte Übertreibungen zu begrenzen, hat der Ausschuss für Finanzstabilität neue Befugnisse für die BaFin empfohlen. Mit dem Inkrafttreten des Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetzes im Juni 2017 stehen der BaFin Instrumente zur Verfügung, mit denen bei einer Gefährdung der Finanzstabilität Standards im Neugeschäft für Darlehen zum Bau und Erwerben von Wohnimmobilien festgelegt werden können. Damit soll ein Aufbau von Risiken für die Finanzstabilität ausgehend von Entwicklungen am Immobilienmarkt wirksam und zielgenau begrenzt werden.

Systemrelevante Banken

Wenn eine Bank in eine finanzielle Schieflage gerät, kann die große Vernetzung zwischen den Instituten erhebliche Ansteckungsgefahren hervorrufen. Je stärker die Vernetzung und je höher die eingegangenen Risiken, desto größer ist die Gefahr für die Stabilität des gesamten Finanzsystems und desto eher sieht sich der Staat gezwungen, mit Rettungsaktionen einzuschreiten. Daher stehen für die Systemstabilität besonders systemrelevante Banken im Fokus. Die Bundesregierung hat aus diesem Grund Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Gefahr der „Erpressbarkeit“ des Staates nachhaltig zu reduzieren – besonders für systemrelevante Banken im Rahmen von internationalen Vereinbarungen. Auf globaler Ebene haben die G20-Staaten 30 global systemrelevante Banken identifiziert, für die besonders hohe Eigenkapitalanforderungen gelten sollen. Diese Liste systemrelevanter Banken wurde zuletzt im November 2017 aktualisiert.

Ausbau von Kapitalanforderungen

Auf europäischer Ebene wurde den großen Banken im Herbst 2011 bis zum 30. Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent aufzubauen. Die großen deutschen Banken haben diese Vorgabe alle erfüllt. Deutschland hat sich darüber hinaus dafür eingesetzt, dass die jeweilige nationale Finanzaufsicht den national systemrelevanten Banken auch Kapitalzuschläge über die allgemein geltenden Kapitalanforderungen hinaus auferlegen kann. Im nationalen CRD-IV-Umsetzungsgesetz (in Kraft seit Januar 2014) hat die Bundesregierung diese Möglichkeit verankert, was eine Änderung des KWGs zur Folge hatte – somit legt die BaFin u. a. regelmäßig den Kapitalpuffer für global systemrelevante Institutionen fest. Einen Überblick über die möglichen Instrumente finden Sie hier.

Einheitliche europäische Bankenaufsicht

Bedeutend für die Systemstabilität sind auch eine effektive Bankenaufsicht, Versicherungs- und Pensionsaufsicht sowie Wertpapier- und Asset Management Aufsicht.

Angesichts zunehmend grenzüberschreitender Finanzdienstleistungen ist die Schaffung des einheitlichen europäischen Aufsichtsmechanismus für Banken bei der EZB (Single Supervisory Mechanism, SSM) ein beachtlicher Meilenstein (mehr dazu unter Aufsicht). Sollte ein Institut sich als nicht liquide bzw. solvent erweisen, ist eine Sanierung bzw. Abwicklung der Bank durch das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz sowie durch die EU-Verordnung zur Bankenabwicklung einheitlich geregelt worden. Dies soll verhindern, dass die Steuerzahler für die Rettung von maroden Banken aufkommen müssen. Da sich Banken nicht mehr auf eine staatliche Rettung verlassen können, werden moral hazard Probleme abgebaut (mehr zur Bankensanierung und -Abwicklung unter Haftung und Gerechtigkeit). Die neuen Regelungen stärken die Verlusttragfähigkeit der Banken und damit die Stabilität des Finanzsystems.

Seite teilen und drucken